Rezension: Space Pirates

Nov 06

Rezension: Space Pirates

… oder „Als Pirat durch die Galaxis“

Auf Space Pira­tes bin ich vor gut einem Jahr auf­merk­sam gewor­den. Ich habe mich im Rol­len­spiel­ver­ein Biber­ach nach einer Runde im Forum umge­schaut, und da die Run­den der bekann­tes­ten Sys­teme schon recht gut besucht waren bin ich auf Space Pira­tes auf­merk­sam gewor­den. Also habe ich mich in die­ses Inde­pen­dent Sys­tem ein­ge­tra­gen, ich kannte weder Mit­spie­ler noch den Meis­ter. Aber da der Meis­ter ja auch der der Autor war, war ich schon ein wenig neu­gie­rig. Tja, und was soll ich sagen. Ich habe viel gelacht, und von Space Pira­tes kommt man auch nur schlecht wie­der weg. Nun spiele ich Space Pira­tes immer noch und habe mich auch mit Jür­gen ein wenig ange­freun­det. Des­we­gen ist die­ser Arti­kel der erste von dreien. Im zwei­ten werde ich ihn in sei­ner Rolle als Autor inter­viewen und im drit­ten wird es eine Anlei­tung geben wie man ein Rol­len­spiel eigent­lich schreibt, ver­öf­fent­licht und betreut. Aber fan­gen wir mal mit Jür­gens Space Pira­tes an.

Erschei­nungs­bild

Space Pira­tes kommt in Din A 5 daher, im schwar­zen Soft­co­ver, ver­ziert mit dem Logo von jcga­mes und einem Space Pira­tes Raum­schiff . Auf der Rück­seite fin­det man eine Beschrei­bung des Rol­len­spiels. Das Spiel prä­sen­tiert sich dem Leser auf knapp 120 Sei­ten. Es ist leicht und kann sicher über­all gut ver­staut und mit­ge­nom­men wer­den, um bei jeder Gele­gen­heit gele­sen zu wer­den. Der erste Ein­druck, den ich erhal­ten habe war durch­weg posi­tiv, auch wenn mein ers­tes Exem­plar das PDF des Spiels war, das es kos­ten­los auf der Web­seite von jcga­mes zum her­un­ter­la­den gibt.

Im Regel­werk sel­ber fin­det man sich auf­grund des Index und den Kapi­tel­be­schrei­bun­gen am obe­ren Sei­ten­rand sehr gut zurecht. Ich halte hier die zweite Edi­tion in den Hän­den, die in die­ser Form nicht mehr gedruckt wird, sagt Jür­gen (der Autor). Sie ist von Novem­ber 2010 und wird wahr­schein­lich in der nächs­ten Aus­gabe um aktu­elle Regel­än­de­run­gen erweitert.

Die Spiel­welt

Space Pira­tes möchte nicht ernst genom­men wer­den, das merkt man bereits von den ers­ten Zei­len an. Space Pira­tes beschreibt sich sel­ber als ein freies und abge­dreh­tes Space-Opera Rol­len­spiel im Stil der 80er Zei­chen­trick­se­rien und Comics.

Die Cha­rak­tere sind, wie es es der Name schon ver­mu­ten lässt, Pira­ten im Welt­all. Wir befin­den uns im 40. Jahr­hun­dert und die Pira­ten trei­ben sich in den zwie­lich­ti­gen Bars und Knei­pen des Uni­ver­sums herum, knüp­fen Kon­takte und jagen mit ihrem Raum­schiff vol­ler Macken auf der Suche nach Ruhm und Reich­tum durch die Frei­han­dels­zone um Raum­schlach­ten und Feu­er­ge­fechte zu bestrei­ten. Das übli­che Pira­ten­le­ben eben.

Das Set­ting ins­ge­samt ist sehr stim­mig, es gibt eine ein­fa­che kurze Zeit­li­nie, die die wich­tigs­ten Ereig­nisse auf dem Weg ins Jetzt wider­spie­gelt. Das Uni­ver­sum wird mit sei­nen wich­tigs­ten Orten und Pla­ne­ten beschrie­ben, natür­lich auch jenen, an denen sich Pira­ten her­um­trei­ben. Ganz vorne muss man „Bobs Imbiss“ erwäh­nen, der Ort wo Geschäfte gemacht wer­den, oder aber Pira­ten­bay, der Ort an dem man seine Beute auch wie­der ver­hö­kert. Ken­ner von Ulm wer­den auch sehr schmun­zeln müs­sen, wenn sie vom Tröd­ler Abra­ham lesen.

Als nächs­tes wer­den die gän­gi­gen Frak­tio­nen beschrie­ben sowie wich­tige Per­sön­lich­kei­ten. Natür­lich gibt es eine Föde­ra­tion, Rebel­len und auch ver­schie­dene andere Welt­raum­mächte. Genug um ein Geflecht aus ver­schie­de­nen Par­teien zu bas­teln, das ein stim­mi­ges und lus­ti­ges welt­raum­po­li­ti­sches Bild ergibt.

Natür­lich feh­len auch die ver­schie­de­nen Ras­sen nicht, die im Spiel vor­han­den sind, sei es etwa die Kha­ha­drier, die Zwerge des Welt­alls oder aber die Sam­ne­sen, Cyborgs, die eine eigene Frak­tion sind. Nicht wähl­bar und über­aus Böse sind die Glu­ko­ria­ner, tin­ten­fi­sch­ar­tige Wesen mit nur einem Auge.

Das Spiel wird stän­dig um The­men­hefte erwei­tert, jüngst erschie­nen ist Space Nin­jas. Im Moment arbei­tet der Autor an „Big Bong Theo­rie“, einer ori­en­ta­lisch, eso­the­risch ange­hauch­ten Raum­sta­tion, in Form einer Was­ser­pfeife, im Nie­m­ans­land des Uni­ver­sums. Ebenso fin­det man zahl­rei­che Apps und auch das gesamte Regel­werk auf der Home­page als PDF frei erhältlich.

Die Regeln

Die Regeln sind mehr als kurz und knapp gehal­ten. Das ganze basiert auf eine 50 Pro­zent­chance pro ein­ge­setz­tem Wür­fel beim Wurf. Das wären auf einem zehn Sei­ti­gen Wür­fel also 6 bis 10. Man muss eine Anzahl an Erfol­gen erbrin­gen um bestimmte Pro­ben zu bestehen.

Wir unter­schei­den ledig­lich zwi­schen 4 Wer­ten / Attri­bu­ten, auf denen wir geprüft wer­den. Hier han­delt es sich um Tech, Söld­ner, Pilot und Händ­ler. Dies ergibt einen sehr schnel­len Spiel­fluß, weil es ein­fach ist. Rea­lis­tik­fans kom­men hier natür­lich etwas kurz, aber um diese bemüht sich Space Pira­tes nicht.

Auch Raum­kämpfe wer­den sehr ein­fach und schnell abge­han­delt da es Space Pira­tes einem sehr ein­fach macht das Sys­tem zu ver­ste­hen. Trotz­dem sind die Pro­ben mit­un­ter sehr span­nend, vor allem wenn der Pilot oder der Bord­schütze an der Reihe ist.

Cha­rak­ter­er­schaf­fung

 Zuerst wählt man eine Rasse, dann ver­teilt man seine Punkte zwi­schen den 4 Attributen/Fertigkeiten Pilot, Söld­ner, Händ­ler und Tech, die eben als Grund­lage für alle Pro­ben die­nen, die man zu voll­füh­ren hat. Man rüs­tet sich noch aus, wodurch man auf man­che Fer­tig­kei­ten noch einen Bonus erhält.

Aber fast wich­ti­ger als die Werte sind bei der Cha­rak­ter­er­schaf­fung die Macken, die man erhal­ten kann. Zum Bei­spiel kann man ver­narrt in sei­nen Pira­ten­pa­pa­gei sein, oder aber dau­ernd Kau­ta­bak in die Ecke spu­cken. Hier bie­tet sich viel Poten­tial für lus­ti­ges Rol­len­spiel inner­halb der Gruppe.

Raum­schiffe und ihre Werte sind ähnlich knapp wie die Cha­rak­tere erstellt, es reicht aber aus um Raum­kämpfe durch­zu­füh­ren. Natür­lich dür­fen auch hier die Macken nicht feh­len, sie machen das Schiff und somit das Spiel erst rich­tig inter­es­sant. Die Crew stellt natür­lich ihr Raum­schiff zusam­men fer­tig, und am schwie­rigs­ten ist immer die Namensfindung.

Der Cha­rak­ter und der Schiffs­bo­gen sind sehr ein­fach gehal­ten, ihr könnt euch ja im PDF sel­ber ein Bild davon machen.

Spiel­bar­keit aus Spielleitersicht

Man muss sich nicht lange vor­be­rei­ten um ein Space Pira­tes Aben­teuer zu lei­ten. Natür­lich sollte man ein­mal das Regel­werk gele­sen haben, aber dann ist alles sehr ein­fach. Man nimmt ent­we­der das fer­tige Aben­teuer aus dem Buch, oder gene­riert sich eines mit der Zufalls­ta­belle mit der man Aben­teuer erstel­len kann. Auch eine App ist über die Web­seite zu erhalten.

Man hat es als Spiel­lei­ter auch oft sehr ein­fach, da die Gruppe sich mit all dem Quatsch selbst bespaßt. Und vor allem muss man sei­nem Humor keine Gren­zen auf­set­zen, je mehr Satire desto besser.

Spiel­bar­keit aus Spielersicht

Wie schon beschrie­ben, Space Pira­tes ist ein ein­fa­ches Rol­len­spiel, und anstatt sich auf Regeln zu kon­zen­trie­ren, kann man sich hier auf den Spaß und das Rol­len­spiel kon­zen­trie­ren. Wenn Würfe vom Spiel­lei­ter gefor­dert wer­den gehen diese sehr schnell von der Hand. Es kommt ein tol­les Pira­ten­fee­ling auf.

Spiel­be­richt

Ich hatte immer sehr viel Spaß bei Space Pira­tes, hier steht der Spiel­spaß im Vor­der­grund. Da die Cha­rak­tere sehr schnell gemacht sind, geht es auch immer sehr fix los. Die Run­den haben sich immer präch­tig amü­siert, und oft­mals kam Jür­gen mit sei­nen Aben­teu­ern gar nicht durch, da die Gruppe zu sehr mit inter­nen Rol­len­spiel zu tun, als sich um das Aben­teuer küm­mern zu kön­nen. Ich möchte hier nur kurz den Toas­ter erwäh­nen, der Cap­tain wurde. Jedoch schafft es das Spiel trotz sei­ner mini­ma­lis­ti­schen Regel sehr span­nend zu sein.

Fazit

Betrach­tet man Space Pira­tes als das, was es ist — und möchte es nicht mit gro­ßen erns­ten Ver­tre­tern ver­glei­chen — erhält man ein Spiel, dass einem sehr viel Spaß bie­tet, und für kurze Ses­si­ons alles bie­tet um zu spie­len. Für so ein humo­ris­ti­sches Sys­tem kann ich hier nur 5 Sterne verteilen.

Wer sich das Spiel gerne sel­ber angu­cken möchte, kann es sich hier run­ter­la­den: Space Pira­tes. Neben dem Grund­re­gel­werk gibt es dort auch noch mas­sen­haft andere Dinge zum Run­ter­la­den (Pläne, Aben­teuer etc.) Aber natür­lich freut sich Jür­gen Mang auch über jedes ver­kaufte Exem­plar. Ent­we­der direkt bei ihm, jcga­mes oder Sphä­ren­meis­ter 

Auf­ma­chung  ★★★★½ (auf­grund Preis/Leistung)
Regeln  ★★★★½
Cha­rak­ter­er­schaf­fung ★★★★★ 
Spiel­bar­keit aus Spielersicht ★★★★★
Spiel­bar­keit aus Spielleitersicht ★★★★★
Gesamt­ein­druck ★★★★★

7 Kommentare

  1. Joachim von Kieselhorst via Facebook /

    Space Pira­tes!

  2. Hey, Danke für die tolle Rezi, ich freu mich schon auf die wei­te­ren Teile ;)

  3. Ja, so heisst das Sys­tem ;)

  4. Eure etwas brei­ter auf­ge­stell­ten Bewer­tungs­kri­te­rien begin­nen mir zu gefal­len. Aber eine ganz andere Frage habe ich noch: Wel­ches Facebook-Plugin benutzt Ihr denn, dass die Kom­men­tare hier gleich einfügt?

  5. Wir arbei­ten sogar an einem tod­schi­cken Wer­tungs­kas­ten zur Zeit, der dann auch noch Preis/Leistung rein­nimmt ;) FB Kom­men­tare wer­den bei uns über „Face­book Com­ments Impor­ter“ geholt

  6. Menethekel Jabraxel /

    Seit ges­tern Abend hat SP einen wei­te­ren treuen Fan ;o)

  7. Marius /

    Danke für die Rezi, nach dem Besuch der SP Web­seite (http://spacepirates.jcgames.de) bin ich mir fast sicher: das könnte mein Lien­blings­spiel wer­den ;)

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