Rezension: Aborea

Nov 28

Rezension: Aborea

oder Ich bin Neu hier.…

Aborea hat mich schon im Vor­feld sehr neu­gie­rig gemacht, ein kom­plett neues Rol­len­spiel von einem deut­schen Ver­lag. Die Jungs von 13Mann zeig­ten Mut. Die Tat­sa­che, dass meine  Freun­din noch rol­len­spiel­jung­fräu­lich war, lie­ßen mich ein Sys­tem suchen, in dem sie sich nicht gleich in den Regeln ver­lie­ren würde, son­dern in dem das Spiel im Vor­der­grund steht.  Also Aborea, du warst mein Favorit.

Erschei­nungs­bild

Aborea hat mich sofort über­rascht. Es kam in einer Box. Ich war sofort in meine alten Zei­ten mit dem ers­ten DSA, Mid­gard etc. zurück­ver­setzt. Ich mag Boxen, da pas­sen näm­lich  Notiz­zet­tel und Wür­fel, und Stift und und und rein…Toll. Nach dem Öffnen stieß ich auf zwei Regel­werke, bei­des zwei dün­nere Heft­chen mit recht dün­nem Ein­band. Ein­mal das Spie­ler­heft, das andere das Spiel­lei­ter­heft. Die Bil­der lie­ßen mich kurz an Herr der Ringe den­ken. Die Hefte haben beide um die 50 Sei­ten, und sind innen far­big gestal­tet. Ich ver­misse lei­der einen Index, bzw. Stich­wort­ver­zeich­nis. Trotz­dem fin­det man sich irgend­wann recht flott im Sys­tem zurecht. Es ist gut zu lesen, und die far­bi­gen Illus­tra­tio­nen sind gelun­gen. Mein ers­ter Ein­druck war positiv.

Was beson­ders rockt, ist die rie­sige Welt­karte der Welt. Nett emp­finde ich die Karte vom Dorf Leet, in dem das ers­ten Aben­teuer statt­fin­den das im Spiel ent­hal­ten ist. Auch die Aben­teuer aus dem  Inter­net bauen auf den Lee­ter Back­ground auf und erwei­tern diesen.

  • Bro­schiert: 108 Seiten
  • Ver­lag: 13Mann Ver­lag; Auf­lage: 1. (7. Mai 2011)
  • Spra­che: Deutsch
  • ISBN-10: 3941420194
  • ISBN-13: 978–3941420199
  • Größe und/oder Gewicht: 31,2 x 22,6 x 5,2 cm
  • Bezugs­quelle: Ama­zon
  • Preis: 19,95 EUR

Die Spiel­welt

Das Spiel erhält von der Welt, auf der es statt­fin­det, sei­nen Namen: Aborea. Die Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen füh­ren uns in das Groß­kö­nig­reich Trion, das auf dem Kon­ti­nent Palea liegt. Im Spiel­lei­ter­heft wird Aborea, Palea und Trion beschrie­ben. Ins­ge­samt emp­finde ich man­che Beschrei­bun­gen als zu genau, auf der ande­ren Seite feh­len mir aber einige  Hin­ter­grund­ge­schich­ten, bzw. hätte ich es gern genauer. Mir ist es z.B. rela­tiv egal, wie viele Pla­ne­ten noch in dem Son­nen­sys­tem sind.  Aber ich glaube diese Beschrei­bun­gen wur­den gemacht, um Nicht-Rollenspielern einen ver­steh­ba­ren Back­ground zu geben. Auf der ande­ren Seite hätte ich mir ein oder zwei Spal­ten mehr zum Cas­ne­wydd (dem Wald, in dem Leet liegt) zu zwei drei wei­te­ren Ort­schaf­ten dort, zu Padova als nächste Stadt und zu der Region gewünscht, so das ich als Spiel­lei­ter mehr Mög­lich­kei­ten zum Erschaf­fen gehabt hätte, bzw. zu Gege­ben­hei­ten, an denen ich anbauen kann.

Die klas­si­schen Ras­sen sind alle ver­tre­ten, vom Men­schen, über Elfen und Zwerge bis hin zu Halb­lin­gen und Gno­men. Die Zwerge und Elfen wer­den wie­derum in ver­schie­dene Clans, oder Völ­ker unter­schie­den. Diese Ideen lösen sich zum Teil von dem was ich kenne, andere erin­nern mich zum Bei­spiel an Herr der Ringe oder„Die Zwerge“ von Mar­kus Heitz. Der Mix ist gut, span­nend und völ­lig aus­rei­chend. Ich muss nur sagen, die Beschrei­bung war mir manch­mal etwas schwie­rig zu ver­ste­hen. Ich musste stel­len­weise zwei­mal lesen. Das mag aber auch an mir lie­gen ;-)

Natür­lich gibt es auch diverse Gott­hei­ten im Spiel, die kurz beschrie­ben wer­den. Auch ein Über­sicht über die gän­gi­gen Mons­ter ermög­li­chen einem fri­schen Spiel­lei­ter sich hier Anre­gun­gen zu holen.

Die Klas­sen im Regel­heft sind ebenso klas­sisch und grund­so­lide. Wir wäh­len zwi­schen Dieb, Pries­ter, Krie­ger, Wald­läu­fer und Zau­be­rer. Sie wer­den näher beschrie­ben, und geben auch kurz mit, was sie so beson­ders machen und wie sie gespielt wer­den soll­ten.  Auf der Inter­net­seite des Ver­lags fin­den wir zum Down­load noch den Bar­den. Man bekommt also eine nette
Gruppe zusam­men, wenn man sich hier ein wenig gegen­sei­tig abstimmt. Zusam­men­fas­send muss man sagen, dass man eine kom­plette Welt hat, mit Ras­sen und Klas­sens wie man sie aus dem Fan­tasy­be­reich kennt. Und der Hin­ter­grund um Leet und den Wald drum­herum bie­tet alles, um dort zu star­ten. Trotz­dem ist alles irgend­wie noch ein bis­sel holp­rig. Der Ansatz ist aber gut und kom­plett. Mein Bauch­ge­fühl kann hier aber nur 3 Sterne vergeben.

Die Regeln

Das Regel­sys­tem ist sehr knapp und kurz gehal­ten. Genau das rich­tige für Rol­len­spiel­be­gin­ner. Unsere Cha­rak­tere haben die 5 Attri­bute Stärke, Geschick­lich­keit, Kon­sti­tu­tion, Intel­li­genz und Cha­risma. Diese haben einen Wert von 1 bis 10, unsere Fer­tig­kei­ten gehen bis 12. Es gibt nur wenige Fer­tig­kei­ten, denn man beschränkt sich auf das Grund­pro­blem. Wenn ich klet­tern möchte, oder balan­ciere, dann ist dies zum Bei­spiel durch die Fer­tig­keit Ath­le­tik abge­bil­det. Hier höre ich die Regel­fe­ti­schis­ten bereits schreien, aber für die Ziel­gruppe Anfän­ger und sol­che, die es ein­fach mögen, ist das super. Eine Probe wird gegen eine Schwie­rig­keit gewür­felt, die der Meis­ter vor­gibt, von Rou­tine bis zu Absurd — von 5 bis 18.  Dage­gen set­zen wir unser  Attri­but, neh­men die Stufe der Fer­tig­keit und wür­feln noch mit einem W10. Das ist auch der ein­zige Wür­fel, den wir im Spiel benö­ti­gen. Was mich stört, ist dass es bei der Beschrei­bung der  Schwie­rig­kei­ten in der Tabelle von Ein­fach mit der 8 gleich auf Schwer mit 10 geht. Hier fehlt mir ein Zwi­schen­wort, so etwas wie anspruchs­voll, oder mit­tel. Schließ­lich holt sich hier der  Anfänger-Spielleiter die Grund­ma­nö­ver­schwie­rig­keit, und kann viel­leicht leicht ver­wirrt werden.

Kämpfe erin­nern mich an damals, D&D. Der Spie­ler nimmt wie­der sein Attri­but, die Fer­tig­keit sei­ner Waffe und wür­felt gegen den Ver­tei­di­gungs­wert, der sich aus Rüs­tung und Defen­siv­bo­nus zusam­men­setzt. Hat er den Wurf geschafft, trifft er und der Scha­den ist der Angriffs­wert plus Waf­fen­mo­di­fi­ka­tor minus dem Ver­tei­di­gungs­wert. Es geht also rich­tig schnell,  wenn man die Werte ein­mal hat. Auch das Zau­bern klappt ein­fach, wenn man sich mal ein­ge­ar­bei­tet hat. Hier fand ich es mit­un­ter etwas ver­wir­rend, und habe die Regeln nicht beim ers­ten  Mal lesen ver­stan­den. Auch die ver­schie­de­nen Spruch­lis­ten erschei­nen mir ein wenig unaus­ge­wo­gen im Ver­gleich unter­ein­an­der. Betrach­tet man den Hin­ter­grund auch ein­mal genauer ist ja nur weiße  Magie erlaubt, aber ich habe den Ein­druck, die ande­ren Spruch­lis­ten rocken mehr, jemand mit wei­ßer Magie wirkt irgend­wie etwas wehr­los und schwach.  Aber, Aborea geht auf jeden Fall  andere Wege beim Magie­sys­tem, als ich sie bis­her kannte. Und das finde ich Gut. Unterm Strich ver­gebe ich hier 4 Sterne, weil ich noch das Gefühl habe, dass es an man­chen Stel­len etwas hakt. Gerade die Zau­be­rer mit ihren Sprü­chen sind nicht rund.  Es ist aber ein leich­tes Sys­tem, und für Anfän­ger wun­der­bar geeignet.

Cha­rak­ter­er­schaf­fung

Die Cha­rak­ter­er­schaf­fung geht ziem­lich zügig von der Hand was die Regeln angeht. Man ver­teilt feste Punkt­werte auf die Attri­bute, nimmt Ras­sen­mo­di­fi­ka­tio­nen in Kauf, und erwirbt dann für eine feste Anzahl an Punk­ten Fer­tig­keits­punkte, die natür­lich unter­schied­lich gewich­tet sind. Ein Krie­ger erwirbt eine Waf­fen­fer­tig­keit für nur einen Punkt, für andere Klas­sen ist dies  teurer.

Gene­rell finde ich die Cha­rak­tere nicht über Gebühr stark, und alleine ist man nicht beson­ders über­le­bens­fä­hig. Das ist gut so, wir wol­len ja Grup­pen­spiel. Das Power­le­vel ist zu Beginn  noch etwas unaus­ge­wo­gen. Im ers­ten Aben­teuer hat der Dieb mit „Heim­li­cher Angriff“ ein­fach unglaub­lich Scha­den ver­teilt und war im Ver­lauf des Aben­teu­ers, von mir gese­hen, leicht  mäch­ti­ger wie der Krie­ger, aber das werde ich wei­ter im Blick haben. Man muss sagen, es kam auch nie zu einem ech­ten Ver­gleichs­kampf, und es wur­den auch nicht so viele Kämpfe durch­ge­führt, um wirk­lich von Erfah­run­gen spre­chen zu kön­nen, die man beim Power­le­vel gemacht hat. Der Zau­be­rer wirkt an sich etwas schwach, aber er konnte sich im Ver­lauf des  Pro­be­aben­teu­ers auch nicht rich­tig beweisen.

Es fehlt mir auch irgend­wie das Beson­dere am Cha­rak­ter, aber in Betracht der Tat­sa­che, dass es schnell und ein­fach gehen soll, ver­gebe ich hier 4 Sterne.

Spiel­bar­keit aus Spielleitersicht

Ich habe beim mei­ner Spiel­runde wenig Pro­bleme gehabt, zu lei­ten. Durch die ein­fa­chen Regeln lie­fen die Pro­ben und Begeg­nun­gen recht zügig von der Hand. Wenn man jedoch mal etwas nach­le­sen wollte, war es etwas läs­tig die Stelle zu suchen, zum einen wegen feh­len­dem Index und Stich­wort­ver­zeich­nis (s.o.), zum ande­ren weil man­che Infor­ma­tio­nen auf die bei­den Bücher  ver­teilt sind, und ich nicht wusste, wo es nun genau stand. Ins­ge­samt aber war es pro­blem­los, und man konnte sich auf Rol­len­spiel und span­nende Pro­ben kon­zen­trie­ren. Hier­für von mir 4  Sterne.

Spiel­bar­keit aus Spielersicht

Meine Freun­din fand sich rela­tiv schnell zurecht in ihrem ers­ten Fan­tasy Aben­teuer. Die klas­si­sche Fantasy-Welt ist man aus diver­sen Fil­men und Büchern ja schon gewohnt.  Nach den ers­ten zwei, drei Pro­ben und Kämp­fen ging auch die­ses zügig von der Hand. Erfah­rene Rol­len­spie­ler in der Runde hat­ten jedoch ein wenig mehr Pro­bleme, da das Aborea  Regel­sys­tem ja dann doch etwas von ande­ren Sys­te­men abweicht. Nichts des­do­trotz spielte die Gruppe als­bald dann doch recht zügig, und wir hat­ten viel Platz für Rol­len­spiel. Hier habe  ich meine Freun­din gebe­ten, die Sterne zu ver­tei­len, denn sie war die Ziel­gruppe. Sie ver­gibt 4 Sterne.    

Preis-/Leistungsverhältnis

Der Preis rockt, und ist unschlag­bar mit knapp 20 Euro. Eine Box, eine Super Welt­karte, zwei Regel­hefte, zwei Würfel.…alles was man braucht für ein kom­plet­tes Rol­len­spiel. Hier­für 5 Sterne.  Hier schre­cken die 20 Euro vor allem Anfän­ger auch nicht gleich ab mit Basis­re­gel­werk­prei­sen von 35 Euro und mehr.… 

Spiel­be­richt

Wie bereits beschrie­ben, hatte unsere Runde von Cha­rak­ter­er­schaf­fung bis zum Erschla­gen des Geis­tes in den Rui­nen keine gro­ßen Pro­bleme. Was mir beson­ders ins Auge fiel, auch wenn  man die Zau­ber des nor­ma­len Magi­ers etwas schwach emp­fin­det, in Kom­bi­na­tion mit der Gruppe wer­den diese dann doch ziem­lich stark. Die Zusam­men­ar­beit zwi­schen den Klas­sen wird  sehr gefördert.

Was unse­rer Runde fehlte war ein geschei­ter Hei­ler, also ein Pries­ter. Dies hätte die Gruppe noch deut­lich stär­ker gemacht. Um also jeman­den mal Rol­len­spiel vor­zu­stel­len, und sich in  einer Fan­tasy­welt zu bewe­gen hat sich Aborea bewährt.

Fazit

Freunde des ein­fa­chen Rol­len­spiels sowie Anfän­ger kom­men hier auf ihre Kos­ten, auch wenn grade an der Welt und dem Hin­ter­grund noch ein wenig gefeilt wer­den muss, bzw. noch etwas  nach­ge­scho­ben wer­den sollte. Aborea im Gan­zen ist Neu, und erscheint mir auch noch nicht fer­tig. Ich bin jedoch sehr gespannt, wie es hier wei­ter gehen wird, und werde das beob­ach­ten  und zum ande­ren auch wei­ter lei­ten. Ich denke jedoch, dass Aborea die Spie­ler bekann­ter Sys­teme nicht zum Wech­seln ver­lei­ten wird. Eher sollte es wie damals mit dem ers­ten DSA sein,  man sollte es im nor­ma­len Spie­le­la­den bei den Spie­len fin­den. Dann könnte unser Hobby wie­der im nor­ma­len Han­del neue Fans finden.

Ich wün­sche mir auf jeden Fall einen Spiel­leit­er­schirm, und freue mich auf neue Aben­teuer und die Erwei­te­rung Padova.

Bonus/Downloadcontent

Das was in kur­zer Zeit an Zusatz gebo­ten wird, ist Klasse. Auf der 13 Mann Seite erhält man nicht nur die Cha­rak­ter­klasse Barde, son­dern auch einige kurze Aben­teuer in und um Leet. Dafür alle Dau­men hoch!

Zum Schluss auch noch ein Hin­weis: auf 2W6plus6 fin­det ihr noch eine andere Aborea-Rezension. Wer sich da also noch eine andere Mei­nung ein­ho­len möchte, nur zu :)


Unsere Wer­tung 

Auf­ma­chung ★★★★☆
Spiel­welt ★★★½☆
Regeln ★★★★☆
Cha­rak­ter­er­schaf­fung ★★★★☆ 
Spiel­bar­keit aus Spielersicht ★★★★☆
Spiel­bar­keit aus Spielleitersicht   ★★★★½
Preis-/Leistungsverhältnis ★★★★★
Gesamt ★★★★☆

2 Kommentare

  1. Ich habe nur kurz das Fazit gele­sen, aber: Soweit ich mich erin­nere ist es vom Ver­lag bewusst so gestal­tet, dass es Lücken hat um den Spie­lern und Spiel­lei­tern Raum zu las­sen für eige­nes. Es geht viel mehr um Anre­gun­gen als um fer­tige Aben­teuer oder eine fer­tige Welt. Ich glaube, im RPC-Interview wurde das gesagt.

  2. Hallo Jan,
    ja aber es ist trotz­dem für mich ein wenig zu viel Lücke. Wenn man etwas für Anfän­ger macht, und da hat das Spiel wirk­lich viel Gutes getan, man kann sich Prima ein­le­sen etc., dann finde ich das Ort, Wald, Stadt, Region viel­leicht ein paar mehr Sei­ten ver­dient hät­ten. Denn gerade Anfän­ger tun sich viel­leicht etwas schwer sich sol­che Sachen auszudenken.

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