Spielbericht Malmsturm — Teil I

Feb 19

Spielbericht Malmsturm — Teil I

Vor eini­gen Wochen haben wir über das Grund­re­gel­werk von Malm­sturm berich­tet und es rezen­siert. In der Zwi­schen­zeit fan­den sich 3 tap­fere Recken und waren gewillt, Malm­sturm mit den FATE Regeln aus­zu­tes­ten. Alle­samt sind es Spie­ler, die Atmo­sphäre schät­zen, denen die Geschichte fast wich­ti­ger als ihr Cha­rak­ter ist und die gern mit einem Hauch Cool­ness spie­len. Also doch nahezu ideal, oder?!

Als ers­tes möchte ich noch anmer­ken, dass wir soviel Spaß beim Spie­len haben, dass direkt eine regel­mä­ßige Runde dar­aus wurde, die unter der Woche alle 14 Tage spielt.

Ich möchte den Spiel­be­richt wie folgt glie­dern: Die Cha­rak­tere, die Geschichte, das FATE Regel­werk und die Anwen­dung und letzt­end­lich eine Eigen­ent­wick­lung – Alchi­mie in Malmsturm

Auf­grund der Länge des Berich­tes ist die­ser Arti­kel in zwei Teile gesplit­tet, von denen die­ser (der erste Teil) heute und der andere mor­gen erscheint.

Die Cha­rak­tere

Bereits die Cha­rak­ter­er­schaf­fung hat uns so gro­ßen Spaß gemacht, dass gleich der erste Abend kom­plett damit gefüllt wurde. Malm­sturm ver­folgt hier einen nicht neuen, aber guten Weg: die Cha­rak­tere der Runde wer­den schon bei der Erschaf­fung mit­ein­an­der ver­knüpft. Das spä­tere Ein­tref­fen des drit­ten Spie­lers war auch unpro­ble­ma­tisch, sei­nen Cha­rak­ter ver­ban­den wir kur­zer­hand mit Anni­kas. Gerade der gemein­schaft­li­che Ansatz för­dert und for­dert Inter­ak­tion zwi­schen den Spie­lern, so ent­ste­hen inter­es­sante und abwechs­lungs­rei­che Figuren.

Wir haben uns ent­schie­den, im Impe­rium zu spie­len. Das Impe­rium besticht durch eine kor­rupte ori­en­ta­li­sche Atmo­sphäre, die ihres­glei­chen sucht. Da ich bereits frü­her Al-Qadim aus dem D&D Uni­ver­sum sehr anspre­chend fand, habe ich die­sen Teil der Welt favo­ri­siert. Es sei ange­merkt, dass ich das Wel­ten­buch nicht gele­sen habe, also meine eigene Ver­sion der Welt von Malm­sturm erson­nen habe.

Dra­ma­tis Personae

Nela Asha’ar – Assas­sine des Ordens der schwar­zen Viper.  Das kleine Mäd­chen aus ärmli­chen Ver­hält­nis­sen wurde bereits in jun­gen Jah­ren an den Orden ver­kauft. Sie sollte als Köder für einen Vasal­len des Kali­fen die­nen, wel­cher dafür bekannt war, eine Vor­liebe für Kin­der zu hegen. Die Falle schnappte zu, sie blieb glück­li­cher­weise unver­sehrt und man erkannte den Wert ihrer schon als Kind aus­ge­präg­ten Austrah­lung.  (Der Aspekt „Wie Mot­ten um das Licht“ drückt die­ses aus. Sie besitzt eine Austrah­lung, die schwer zu fas­sen ist, fas­zi­nie­rend, schön und doch irgend­wie ver­stö­rend — man weiss, dass man sich die Fin­ger ver­brennt, wenn man nicht auf­passt, aber trotz­dem „fliegt man hin“)

Wäh­rend der fol­gen­den Jahr begann dann ihre umfas­sen­den Aus­bil­dung. (Der  Aspekt „Orden der schwar­zen Viper“ drückt ihre Zuge­hö­rig­keit zum Orden aus, den sie zur Hilfe rufen kann, der aber auch Dienste von ihr ein­for­dert. Er kann z.B. aus­ge­nutzt wer­den, in dem andere eine Täto­wie­rung am rück­wär­ti­gen Hals per Zufall erken­nen kön­nen). Ihre Abschluss­prü­fung, die zeit­gleich die end­gül­tige Initia­tion in den Orden dar­stellt, war das Töten eines Wesirs. Sie schlich sich auf ein Fest ein, doch plötz­lich stellte sich ihr Ziel als bereits getö­tet her­aus. Auf der Spur nach dem, der ihr zuvor gekom­men war – letzt­end­lich war ihr Stolz und ihre Ehre beschmutzt – reiste sie bis in den Nor­den des Impe­ri­ums, an die Grenze der Wais­mark und fand dort nach mona­te­lan­ger Recher­che einen Hal­bel­fen, ein ande­rer Meuchler.

Sie kämpf­ten, sie besiegte ihn, doch gab sie ihm das Recht auf einen ehren­vol­len Tod. (Hier erwuchs der Aspekt „Ehre, wem Ehre gebührt“ — sie wird sich immer ehren­haft einem Feind gegen­über ver­hal­ten, sei es nun zum Vor­teil oder zum Nachteil…sie begeg­net Leu­ten mit Respekt, die auch ihr mit Respekt begeg­nen). Im Orden lernte sie sich anzu­pas­sen, zu ver­klei­den, zu imi­tie­ren, aber auch sich in diver­sen sozia­len Krei­sen sicher zu bewe­gen. (Dar­aus ent­stand der Aspekt „Tau­send Gesich­ter“ — sie kann viel­fäl­tige Per­so­nen ver­kör­pern). Auf der Suche nach der Spur des ande­ren Meuch­lers näch­tigte sie in einer Taverne, in der sie einen ande­ren Spie­ler­cha­rak­ter ken­nen lernte. Auf der Suche nach einem Nacht­la­ger bot die­ser ihr an in dem Stall zu schla­fen, in dem er Stall­bur­sche war. Sie nahm dan­kend an. Eine Bemer­kung des Stall­bur­schen bezüg­lich sei­ner Her­ren ließ sie auf­hor­chen. Eine Spur ver­fol­gend drang sie Nachts in das Anwe­sen ein und durch­suchte es. Dabei ver­rückte sie einen Gegen­stand und plat­zierte ihn nicht an sei­nem ursprüng­li­chen Platz, was sie fast auf­flie­gen ließ. (Der Aspekt „Per­fek­tion ist nicht alles“ wurde hier gebo­ren – sie hat das Auge für das wirk­lich wesent­li­che, neigt ab und an aller­dings zu Nach­läs­sig­keit. Sie nimmt nicht alles genau und han­delt auch mal aus dem Bauch heraus).

Talente und Gaben:

  • Alchi­mie: Der Orden brachte ihr bei, aller­lei Tränke, Gifte und Tink­tu­ren zu brauen. Regel­tech­nisch wird diese Fer­tig­keit durch Zau­bern ausgedrückt
  • Alles an mir ist töd­lich: Sie hat ein Sam­mel­su­rium von gift­ge­tränk­ten Haar­na­deln, Rin­gen, etc. an sich und weiß auch damit umzugehen
  • Honig­zunge: Neben ihrer Attrak­ti­vi­tät hat sie auch gelernt, ihr Cha­risma und ihre Rede­ge­wand­heit als Waffe zu nut­zen. Aus­strah­lung +1
  • Kleine Klin­gen­waf­fen +1. Dol­che und ähnli­ches lie­gen ihr ein­fach am meisten.
  • Eine Haar­na­del bitte: Direkt aus dem Regel­werk ent­lie­hen, benö­tigt sie keine Diet­ri­che, son­dern hat immer etwas nutz­ba­res bei sich am Leib, um Schlös­ser zu knacken.

Dakil ibn Az’haru – Söl­der unter dem Ban­ner des wei­ßen Löwen. Seine Fami­lie war auf ewig den Herr­schern der Stadt ver­spro­chen und diente den Dashir, einem Herr­scher­ge­schlecht aus Melinoe. Es geht die Sage, dass diese Die­ner­fa­mi­lie vor Jahr­hun­der­ten mit Djin­nen die Bett­statt geteilt und seit­dem einen Hauch Djinn­blut in den Adern habe. (Hier ent­steht der Aspekt „Das Selt­same zieht mich an“ — er spürt magi­sche Dinge um sich herum, weiß diese aber nicht ein­zu­schät­zen, es ist mehr ein Krib­beln im Bauch und es weckt seine Neu­gier). Er floh von den Adli­gen und schloss sich einer Kara­wane an, die wie­derum von einem gefürch­te­ten Söld­ner­trupp aus­ge­löscht wurde. Er über­lebte als Ein­zi­ger und durfte fortan wie­derum die­nen, die­ses Mal den Söld­nern. (Aus der Zeit bei der Die­ner­fa­mi­lie ent­stand der Aspekt „Die­ner der Dashir“ — er weiß, wie es sich zu ver­hal­ten gilt in Adels­krei­sen als Die­ner, lässt sich jedoch ande­rer­seits nicht mehr so ohne wei­te­res unterdrücken)

Er lebte fortan mit den Söld­nern, diente zuerst, doch als man ihn über die Zeit schät­zen lernte und seine Talente zu Tage tra­ten, wurde  er aus­ge­bil­det  und schloss sich den Söld­nern an. (Hier ent­stand der Aspekt „Unter dem Ban­ner des roten Löwen“). Als sie end­lich wie­der in den Krieg zogen, die­ses mal ange­heu­ert als Unter­stüt­zungs­trup­pen der Grenz­wacht zur Wais­mark, kam es zu einem fol­gen­schwe­ren Zusam­men­tref­fen. Bei einem Angriff der Wais­mar­ker, geführt von einem Kriegs­pries­ter, lern­ten sie wie sehr Gesänge und Gebete eine Meute Sol­da­ten zu unglaub­li­cher Wut anstachelten.

Es kam, wie es kom­men musste, als Neu­ling wurde er in einen direk­ten Zwei­kampf mit dem Pries­ter ver­wi­ckelt,  ent­schied die­sen Kampf jedoch über­ra­schen­der­weise für sich. (Ein Aspekt ent­stand hier: „“Bei Gefahr zählt nur das Ziel“ — er lässt sich nicht beir­ren, wird dann aber auch Opfer gewis­ser Blind­heit, zum ande­ren ein Talent „Der Affen­kö­nig“ — das Djinn­blut in Ihm war das eines Djinns der Lüfte. Er ist fähig im Kampf mit gewis­sem Frei­raum zu den Sei­ten unglaub­li­che Manö­ver zu voll­zie­hen) Der Pries­ter ver­fluchte ihn und seine Kame­ra­den noch im Moment des Todes  zu einem Leben in Freud­lo­sig­keit, inne­rer Kälte und einer unbe­schreib­li­chen Leere. Seit die­sem Tag tra­gen die Söld­ner der Kom­pa­nie weiße Kera­mik­mas­ken mit der Fratze eines Löwen. Nela traf er ein­mal in einem Bade­haus, in wel­chem sie sich als Kon­ku­bine ein­ge­schli­chen hatte, um den Haupt­mann sei­ner Kom­pa­nie mit Gift zu töten. Seine Vor­ah­nung ließ Ihn die Tat ver­hin­dern, sie ent­kam jedoch unbeschadet.

Im Unter­gang des roten Löwen wurde der weiße Löwe gebo­ren. (Er hat ein Talent, wel­ches „Der freud­lose Löwe“ heißt. Er ist ver­flucht.) Durch das Djinn­blut in sei­nen Adern kris­tal­li­sierte sich in den fol­gen­den Jah­ren ein wei­te­rer Aspekt her­aus – er ver­mag Ver­klei­dun­gen und Lügen leich­ter zu durch­schauen als andere. (Der Aspekt heißt „Der Blick hin­ter die Maske“)

Aspekte und Gaben:

  • Der freud­lose Löwe: Er ist ver­flucht. Ob die innere Leere wirk­lich Fluch ist oder nur das Ein­re­den eines sol­chen, wird er noch herausfinden
  • Der Affen­kö­nig: +2 auf Ath­le­tik­würfe im Kampf, wenn er Raum hat, sich zu bewegen
  • Beid­hän­dig: Bei den Söld­ner hat er gelernt, mit zwei Waf­fen zu kämp­fen. Hat jemand eine Idee der ordent­li­chen Umset­zung unter FATE? Par­ti­el­ler Reroll der zwei schlech­tes­ten Wür­fel, muss dann aber das Ergeb­nis akzeptieren?
  • Krumm­schwer­ter: Seine bevor­zug­ten Waffen…
  • Tan­zen auf dem Wind: Ein wei­te­res Mal tritt sein Djinn­blut her­vor. Er bewegt sich schnel­ler, ele­gan­ter, flie­ßen­der als viele Men­schen und ver­mag es fast, zwi­schen Pfei­len hin­durch zu tanzen

Tamir – Wäch­ter, Dieb und Nichts­nutz. Tamir ist auf der Straße auf­ge­wach­sen, lebte von der Hand in den Mund, bis er zum wie­der­hol­ten Male gefasst und zu Zwangs­ar­beit in die Kris­tall­stein­brü­che gewor­fen wurde. (Aus sei­ner Die­beszeit erwuchs eine hohe Fin­ger­fer­tig­keit, die sich durch einen Aspekt kenn­zeich­net: „Die Hand ist schnel­ler als das Auge“) Im Stein­bruch, der von der Fleischformer-Magierkaste betrie­ben wurde, lernte er Faruk ken­nen, einen alten Mili­tär­ve­te­ra­nen, der in Ungnade gefal­len war. Er nahm den jun­gen Tamir unter seine Fit­ti­che und lehrte ihn alles über das Leben, was er Ihm bei­brin­gen konnte.

Er wusste, er wür­den den Stein­bruch nicht mehr ver­las­sen kön­nen. So kam es auch letzt­end­lich – ein Fleisch­for­mer erschien und betrach­tete die Gefan­ge­nen und wählte Faruk aus mit den Wor­ten „Ich will seine Augen“.(Ein neuer Aspekt ent­stand, der zum einen ein gro­ßes All­ge­mein­wis­sen ver­deut­licht, zum ande­ren aber auch Rache für den Mord an Faruk aus­drückt — „Faruk, ich ver­gesse Dich nie“) Nach Irrun­gen und Wir­run­gen schaffte es Tamir, zu flüch­ten und musste in den Städ­ten unter­tau­chen. (Ein wei­te­rer Aspekt kris­tal­li­siert sich her­aus „Einer unter Tau­sen­den“ — man neigt ihn dazu zu ver­ges­sen. Auch unter nähe­ren Bekann­ten…) Auf sei­nen Rei­sen zur Selbst­fin­dung trifft er Nela Asha’ar, als er Stall­knecht bei einem Adli­gen ist, lässt sie in den Stal­lun­gen über­nach­ten, ohne zu wis­sen, dass sie eine Assas­sine ist. Sie steigt in das Anwe­sen ein und erfährt von einer Intrige. Sie hin­ter­lässt Ihm das Wis­sen, mehr einen Tipp und ver­schwin­det. (Nach all der Bit­ter­nis erfährt er hier Zuwen­dung von einer Unbe­kann­ten, seine Trauer und sein Frust wird etwas gemil­dert durch einen neuen Aspekt „Man muss auch mal vertrauen“).

Über all dem schwebte eine ver­lo­rene Liebe nach der Flucht aus dem Stein­bruch, eine Frau, die er sogar ehe­li­chen wollte, doch wel­che getö­tet wurde — durch eine Intrige der eige­nen Mut­ter. Und genau die­sen Zusam­men­hang lie­ferte Ihm die Unbe­kannte (Nela), die er bereits Jahre zuvor, auf einem Ban­kett, das von einem Todes­fall über­schat­tet wurde, gese­hen hatte, aber nicht bewusst traf.

Talente & Gaben

  • Nichts steht mir im Weg: +2 auf alle Würfe für Ein­schüch­tern und Entschlossenheit
  • Stumpfe Hieb­waf­fen: +1 auf alle Angriffswürfe
  • Wie funk­tio­niert das?: Er hat ein natür­li­ches Ver­ständ­nis für Tech­nik und kann diese mit geeig­ne­ter Zeit verstehen
  • Harm­los für Tiere: Wieso auch immer, aber er ist es..
  • Faruks Ring: Faruk gab ihm in der Nacht vor sei­nem Tod einen Ring, den er einst selbst von einem Kali­fen bekom­men hatte. Tamir kennt die Bedeu­tung nicht, hat aber gelernt, dass er sich in der Nähe von Geis­tern und Djin­nen erwärmt.

The Story so far

Der wilde Rei­gen der Geschichte begann für Tamir und Nela auf einem gro­ßen Las­ten­floß, auf dem sie nach Viri­din über­setz­ten. Viri­din ist eine Stadt auf zwölf Inseln, die auch als „die Schöne“ bekannt ist und von einem Matri­ar­chat regiert wird. Also habe ich mir über­legt, dass die Haupt­in­sel von der Matri­ar­chin Anda regiert wird, ihre Neben­in­seln jedoch von 11 Töch­tern, die jüngste zwölfte Toch­ter jedoch lebt bei der Matri­ar­chin. Um die Stadt etwas in Auf­ruhr zu ver­set­zen, wird durch einen impe­ria­len Aus­ru­fer bekannt gemacht, dass der Matri­ar­chin eine 13te Toch­ter gebo­ren wurde und daher in zwei Tagen Fei­er­lich­kei­ten begin­nen wür­den, die zwei Tage anhal­ten wer­den. Eine per­fekte Chance, viele bunte Gesich­ter und Gestal­ten in die Stadt zu kriegen.

Tamir und Nela lau­fen ein­an­der über den Weg, sie erkennt ihn nicht wie­der, er sie jedoch schon und spricht sie an. Nach Geplän­kel suchen sie einen Stall für Nelas Pferd, fin­den einen an den Hafen­an­la­gen und wol­len dort das Tier unter­stel­len. Auf der Suche nach einer geeig­ne­ten Box kommt es zu einem Zwi­schen­fall. Ein wei­te­rer Rei­sen­der hat dort eine Reit­flu­gechse unter­ge­bracht, die Skla­ven waren wohl aber bis­lang zu ängst­lich um sie zu füt­tern. Das Tier, nun aus­ge­hun­gert, bricht aus und will sich direkt aus Hun­ger auf den Stall­be­sit­zer stür­zen. Die bei­den Gefähr­ten ret­ten den Stall­be­sit­zer mit schnel­ler Reak­tion, die Echse wird betäubt und in eine neue Box gebracht, man wirft ihr eini­ges an rohem Fleisch in die Box und aus Dank über­lässt der Stall­be­sit­zer Nela eine Box kos­ten­frei und emp­fiehlt gleich­zei­tig einen Ort zum Näch­ti­gen, eines der wohl­ha­bends­ten Gast­häu­ser in der Stadt, das Freu­den­haus „Zum Gehörnten“.

Auf dem Weg dort­hin jedoch erblickte Tamir die ver­hasste Kno­chen­maske eben jenes Fleischformer-Magus, als die­ser ein schwar­zes Schiff ver­ließ. Ich akti­vierte sei­nen Aspekt, wor­auf­hin er in blin­der Mord­lust los­rannte. Nela konnte ihn jedoch zurück­hal­ten und sogar zu einer ver­steck­ten Beob­ach­tung über­re­den. Er behaup­tete einige Kis­ten wür­den in der Nähe ste­hen, ich ließ es gewäh­ren, sie beob­ach­te­ten das Gespräch. Behaup­ten ist eine Spiel­me­cha­nik aus den FATE Regeln, mit der Spie­ler etwas in die Spiel­welt hin­ein erschaf­fen kön­nen. Der Magus war hier mit sei­nem Assis­ten­ten und einer Krea­tur, die nur er selbst kon­stru­iert haben konnte, da er „die neue Ernte“ der Kris­talle aus den Stein­brü­chen inspi­zie­ren wollte. Sein Assis­tent hörte auf den Namen Umar, die vier­ar­mige, drei Schritt hohe Gestalt hin­ter ihm, die nur aus Tei­len von vie­len mensch­li­chen Kör­pern beste­hen hat kön­nen, hörte auf den Namen M’oro. Magus und Leib­wa­che ver­schwan­den in einer Gasse, der Assis­tent folgte kurz spä­ter. Nela und Tamir folg­ten ihm, doch war er zu schnell in dem Gewirr der engen Gas­sen ver­schwun­den. Sie heu­er­ten einen Bett­ler­jun­gen an, den Weg des Assis­ten­ten zu suchen und gin­gen in das Freudenhaus.

Dort ange­kom­men, in wah­rem Prunk und Luxus, nah­men sie ein Zim­mer und ruh­ten sich aus. Gleich­zei­tig nah­men sie auch die Chance wahr, sich etwas mehr kun­dig zu machen über die Stadt. Direkt dem Freu­den­haus gegen­über began­nen die äuße­ren impe­ria­len Gär­ten angren­zend an die Ver­tei­di­gungs­mau­ern des Palas­tes. Das Betre­ten der Gär­ten durch Män­ner war bei Todes­strafe verboten .

Mitt­ler­weile hatte sich die Stadt stark mit Besu­chern aus aller Her­ren Län­dern gefüllt und sie erfuh­ren, dass die Geburt einer drei­zehn­ten Toch­ter nur bedeu­ten kann, dass ent­we­der ihr oder einer ande­ren Herr­sche­rin ein Unglück wie­der­fah­ren wird oder sie ver­hei­ra­tet wer­den wird mit einem rei­chen Adli­gen aus einer ande­ren Stadt, um die Bünd­nisse zu stär­ken.  Der Gehörnte war kein Freu­den­haus für Män­ner, son­dern für Frauen. Auch einige der Prin­zes­sin­nen der Inseln wür­den hier angeb­lich gele­gent­lich ein­keh­ren, sogar die „Erste Klinge“, die Anfüh­re­rin der Leib­garde der Matri­ar­chin, von der es heisst, nie­mand habe je ihr Gesicht gese­hen. In der Tat fiel Tamir bei sei­nen Rund­gän­gen eine zier­li­che junge Frau auf, die ihr Gesicht sogar in den damp­fen­den Becken ver­bor­gen gehal­ten hatte. War sie diese erste Klinge?  Zumin­dest würde dafür spre­chen, dass es offen­bar eine andere Frauen gab in dem Nach­bar­be­cken,  die sie auf­fäl­lig unauf­fäl­lig im Auge behiel­ten. Den­noch soll die Leib­garde zu eini­gen Tei­len aus ver­sklav­ten Nord­män­ner beste­hen. Die Frage blieb ungeklärt.

Nela erhielt hier auch den Auf­trag ihres Ordens, sie wurde zuvor nur ange­wie­sen, in die Stadt zu rei­sen. Ein bron­ze­ner mecha­ni­scher Vogel brachte ihr im Inne­ren ver­steckt die Anwei­sung, zum einen von einem Fischer aus dem Bauch eines beson­de­ren Fisches eine Phiole zu ergat­tern, zum ande­ren mit die­ser Phiole die Ernte der Kris­talle des Fleisch­for­mers zu ver­der­ben. So hatte ich die Ver­bin­dung geschafft, die Rache­ge­dan­ken von  Tamir mit dem Auf­trag Nelas zu kreu­zen und sie beide halb­wegs an einem Strang zie­hen zu lassen.

Der Bett­ler­junge kam am Abend zum Ein­gang des Freu­den­hau­ses und teilte den Gefähr­ten mit, dass der Assis­tent, wohl offen­bar auch ein Magus, in einen der Vor­türme des Palas­tes gegan­gen sei und damit einer der Gäste der Matri­ar­chin sei. Sie wuss­ten nun also einen Ort.

Am Fol­ge­tag lernte Tamir einen rei­sen­den For­scher ken­nen, in weite dun­kel­blaue Schleier gehüllt, der einer Legende auf der Spur war. Er war auf der Suche nach den „Sie­ben Son­nen der ers­ten Tage“ — hier­bei han­delte es sich um die Schilde der Wache des Impe­ra­tors, als die­ser vor Urzei­ten sei­nen Fuß auf die­ses Land gesetzt hatte. Es geht das Sagen, dass alle sie­ben Schilde gemein­sam den Weg zu einer Samm­lung unan­tast­ba­ren Wis­sens öffnen. Andere Sagen spre­chen ein­fach von einem Schatz. Etwas unir­di­sches war an dem For­scher, Scha­hir mit Namen und Tamirs Ring erwärmte sich in des­sen Gegenwart.

Tamir berich­tete Nela von dem Tref­fen und als sie zu Mit­tag mit ihm zusam­men saßen, um zu spei­sen, schlich sich lang­sam der Ver­dacht in den Geist Nelas, der For­scher sei gar kein Mensch. Schnell ver­letzte sie ihn mit einer klei­nen Nadel, doch die Hand blu­tete nicht. Scha­hir, in die Enge gedrängt, offen­barte sich als Djinn der Lüfte. Er ist tat­säch­lich auf den Spu­ren der Schilde, hat jedoch noch eine per­sön­li­che Ven­detta mit den Fleisch­for­mern. Seine Gestalt war die sei­nes alten Meis­ters, der vor lan­ger Zeit getö­tet wor­den war. In dem fol­gen­den Gespräch hat­ten die Cha­rak­tere die Mög­lich­keit, den Djinn zu ver­är­gern  und als Feind zu haben oder ihn in ihren Auf­trag hin­ein­zu­zie­hen. Sie schaff­ten es, ihn als Alli­ier­ten zu gewin­nen. Er machte jedoch klar, dass er die Luft sei, daher genau so wan­del­bar und unzu­ver­läs­sig wie eine Brise. Wenn er ihnen heute helfe, könne es sein, dass er sie mor­gen bereits hän­gen las­sen wür­den. Auch müss­ten sie ler­nen, aus sei­nen Wor­ten die Wahr­heit und die Lüge her­aus zu erken­nen. Sie wil­lig­ten ein.

Zeit­gleich erreichte Dakil die Stadt und regis­trierte über­rascht die Viel­zahl von Men­schen in der Stadt. Sein ers­ter Weg führte ihn zur Hafen­meis­te­rei, bei der er erfah­ren wollte, wo er näch­ti­gen kön­nen. Seine Söld­ner­ein­heit hatte ihn geschickt, um mit der Matri­ar­chin Ver­träge auszuhandeln.

Wie es kom­men musste, tra­fen Nela, Tamir und Dakil zusam­men im Gehörn­ten. Über ein zufäl­li­ges Gespräch hin­weg erschien Scha­hir und lud alle an einen Tisch. Er hatte Dakil mit einem beson­de­ren Augen­merk beach­tet und wollte ihn dabei haben. Die Gesprä­che waren zuerst holp­rig, immer­hin fragte sich Dakil, was die Frem­den von ihm wol­len, wurde aber beson­ders stut­zig, als Scha­hir ihn immer wie­der als „Sohn“ bezeich­nete. Über lange Unter­hal­tun­gen hin­weg wurde Dakil klar, was Scha­hir ist und begriff, dass die Legen­den um seine Fami­lie herum wahr sind.

Natür­lich woll­ten die Gefähr­ten wis­sen, was den Krie­ger in die Stadt führte. Er deu­tete an, dass er mit der Matri­ar­chin ein Gespräch suche. Scha­hir, dem der Wind offen­bar viel flüs­terte, sagte, dass die Matri­ar­chin zur Zeit nicht zu spre­chen wäre, da sie nach der Geburt sich erst erho­len müsste. Und er fügte noch hinzu, dass ein gewis­ser Y’tche – und das war der Name des Fleisch­for­mers, den Tamir so hasste – der Leib­arzt der Matri­ar­chin wäre und sehr daran inter­es­siert ist, dass keine andere Par­tei die Macht der Matri­ar­chin stärke. Er würde einem Gespräch im Weg ste­hen. Also war klar, dass alle drei ein halb­wegs gemein­sa­mes Inter­esse an dem Ver­schwin­den des Magus haben. In einer Geste unter Alli­ier­ten leg­ten sie ihre Hände auf­ein­an­der und ver­spra­chen sich, nicht von der Seite zu wei­chen, bis die­ses erle­digt sei. Scha­hir legte seine Hand eben­falls auf die Hände der drei Gefähr­ten, sprach Worte der Bin­dung und glei­ßende Licht­ket­ten blitz­ten kurz um die Hände auf. Sie waren nun magisch anein­an­der und an ihr Ver­spre­chen gebunden.….

Die Zeit wird zei­gen, wie sie mit all dem umge­hen wer­den und ob sie es schaf­fen, den Fleisch­for­mer zu stür­zen und die Kris­talle zu besu­deln. Was plant Nelas Orden? Wird das Ban­ner des roten Löwen eine neue Alli­anz schmie­den? Wie wird sich all das auf Dakils Fluch aus­wir­ken? Wenn sie es schaf­fen, wer­den sie dann gemein­sam auf­bre­chen, um die „Sie­ben Son­nen der ers­ten Tage“ zu finden?


Lest mor­gen den zwei­ten Teil des Malm­sturm Spiel­be­richts, in dem ich mehr auf die Anwen­dung der Regeln ein­ge­hen werde, die Spie­ler ein Fazit geben lasse und nicht zuletzt auch unsere FATE Alchi­mie Regeln vorstelle!

 Art­work: Malm­sturm — die Welt, Malm­sturm — die Regeln

 

 

2 Kommentare

  1. Klasse geschrie­ben und macht Lust auf mehr. Würde am liebs­ten auch sofort Malm­sturm spie­len, aber lei­der haben sich hier in Mün­chen noch keine Inter­es­sen­ten eingefunden.

  2. Vie­len Dank, freut mich, dass es Dich hung­rig gemacht hat. Ich kann nur immer wie­der beto­nen, wie sehr mir die­ses Sys­tem zusagt.

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