SL-Tipps: Eine Szenerie lebendig werden lassen

Feb 22

SL-Tipps: Eine Szenerie lebendig werden lassen

Im Rah­men mei­ner geplan­ten Arti­kel­se­rie bas­tele ich ja gerade mit ver­schie­de­nen Map-Tools herum. Ich habe nun so einige Orte zusam­men­ge­frie­melt, um sie viel­leicht in ver­schie­de­nen Situa­tio­nen ein­set­zen zu kön­nen. Ich bau mir quasi einige Loca­ti­ons auf Lager, da ich in einer neuen Aborea Runde vor habe, nur mit ganz gro­ben Mei­len­stei­nen zu spie­len, und für diese Runde dann immer die pas­sende Karte habe, egal wel­chen Weg sie beschrei­ten (das ist zumin­dest der Plan). Doch ein Ort ohne Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen ist wie Bochum ohne den VFL ;-) Es fehlt ein­fach was Wichtiges.

Ich erin­nerte mich also daran, wel­che Gedan­ken ich mir immer so zu Orten machen und diese möchte ich in mei­nem heu­ti­gen Arti­kel mit euch tei­len. Viel­leicht gebe ich euch ja einen guten Leit­fa­den mit an die Hand, even­tu­ell habt ihr auch ein paar tolle Ideen und Tipps und ganz viel­leicht belohnt ihr mich mit Bier.

Bas­teln wir uns doch zusam­men einen Ort, den man benut­zen kann. Ein Ort kann ein Haus sein, eine Lich­tung, ein Dun­geon oder auch ein Palast. Ich möchte Anhand eines Bei­spiels mit euch ein­mal einen sol­chen Ort erschaf­fen. Dazu han­gele ich mich meist an fol­gen­den Fra­gen entlang.

Was ist das für ein Ort, den wir erschaffen?

Hier wol­len wir uns gene­rell schon ein­mal die Rich­tung aus­su­chen, die wir ein­schla­gen möchten.

Wir wol­len eine lange Reise der Cha­rak­tere, die ihnen im Zuge eines Aben­teu­ers wider­fährt, etwas abwechs­lungs­rei­cher gestal­ten. Ich möchte etwas Klas­si­sches schaf­fen, das zu Beginn eigent­lich sehr ein­la­dend wirkt und im Ver­laufe ihres Auf­ent­hal­tes immer töd­li­cher wird. Hier wähle ich ein Gast­haus, einen Ort der Zusammenkunft.

Wie oft wer­den die Cha­rak­tere auf die­sen Ort treffen?

Diese Frage finde ich gleich zu Beginn rela­tiv wich­tig. Es ist ein wenig die Frage, wie behut­sam wir mit dem Ort umge­hen wer­den. Nicht nur, ob man sich viel­leicht nicht ganz so viele Gedan­ken zu einem Ort machen soll (und muss), son­dern auch die Frage, ob er beim Ver­las­sen noch ste­hen muss? Gerade One-Shot-Orte kön­nen eine Menge Spaß auf kurze Sicht brin­gen, und wir kön­nen sie in einem gro­ßen Feu­er­werk unter­ge­hen lassen.

Unser Ort ist wie vor­hin fest­ge­hal­ten ein Gast­haus. Die Cha­rak­tere müs­sen zwangs­läu­fig nicht noch ein­mal hier vor­bei kom­men. Des­we­gen bauen wir etwas Abge­dreh­te­res. Aber dazu mehr.

Wie kom­men die Cha­rak­tere zu die­sem Ort?

Hier machen wir uns Gedan­ken zu der Anbin­dung. Liegt der Ort an der Haupt­straße, an der Han­dels­straße zwi­schen zwei Orten? Liegt er eher abge­le­gen und man kommt nur über kleine Wege dort­hin? Liegt der Ort in einem Wald, Sumpf oder an einem ande­ren töd­li­chen Ort der nur mit Mühen und Gefah­ren bereist wer­den kann? Es ist wich­tig zu klä­ren, wie man die­sen Ort erreicht.

Aber auch das Umfeld ist hier­mit gemeint. Wie ist der Pla­net, das Land, die Gegend oder der Tief­see­gra­ben? Was für Gestal­ten trei­ben sich hier im Umfeld herum?

Unser Gast­haus liegt an einer viel genutz­ten Han­dels­straße und ist von daher leicht von jeder­mann zu errei­chen. Die Straße wird von Rei­sen­den aller Art benutzt und ca. ein­mal alle zwei Wochen kommt die Patro­lie der hie­si­gen Armee, die die Straße befrie­det mit einer 10 Mann Rei­ter­truppe. Diese Rei­ter kann man im Umfeld genau wie ver­schie­dene Wan­de­rer, Händ­ler und Aben­teu­rer in der Umge­bung treffen.

Wie sieht die­ser Ort aus?

Hier müs­sen wir uns eine gene­relle Beschrei­bung ein­fal­len las­sen. Ich beschreibe immer gern vom All­ge­mei­nen zum Spe­zi­el­len. Hier möchte ich nun nicht das ganze Gast­haus beschrei­ben, aber ihr fangt am Bes­ten  immer mit dem an, was die Cha­rak­tere direkt sehen. Von wei­tem weg ist dies erst ein­mal nur das Grund­le­gende, und je näher ihr kommt desto genauer könnt ihr auf den Ort ein­ge­hen. Wenn sie in Gebäude, Dun­ge­ons oder andere, „ver­schach­telte“ Objek­ten ein­tre­ten, dann beschrei­ben wir natür­lich von Raum zu Raum, von Weg­ga­be­lung zu Weggabelung…

Habt ihr etwas spe­zi­el­les mit einem Ort vor, dann beschreibt ihn genauer. Gebt euch Mühe. Dann wer­den die Cha­rak­tere mer­ken, dass die­ser Ort etwas Beson­de­res ist, und mög­li­cher­weise von grö­ße­rer Bedeu­tung. Vor nicht lan­ger Zeit habe ich einen Arti­kel geschrie­ben, der sich mit der Beschrei­bung einer Szene beschäftigt.

Wel­che Besu­cher hat die­ser Ort?

Es gibt natür­lich Orte, die haben gar keine Besu­cher, man­che dage­gen haben sehr viele. Dies ist eine inter­es­sante Info, da man erfährt, wie viele Per­so­nen vom Tun der Spie­ler Notiz neh­men und in die Hand­lun­gen mit ein­be­zo­gen wer­den könn­ten — sei es wil­lent­lich oder unwillentlich.

Unser Gast­haus hat natür­lich sehr oft Besu­cher. Gerade in den käl­te­ren Jah­res­zei­ten wer­den Rei­sende eine warme Mahl­zeit und ein tro­cke­nes Bett dem Schla­fen im Wald vor­zie­hen. Da wir Herbst haben, wer­den immer um die 20 Gäste pro Abend in die Her­berge ein­keh­ren und dort näch­ti­gen wol­len. Und wir ver­ges­sen nicht die Rei­ter­pa­trou­lie, die hier alle zwei Wochen eine Nacht einkehrt.

Wel­che Bewoh­ner hat die­ser Ort?

Zu Bewoh­nern zäh­len nicht nur Besit­zer. Ein Büro­ge­bäude hat Mie­ter, eine Fabrik hätte Arbei­ter, die ich eben­falls nicht zu den Besu­chern zähle. Aber auch Zom­bies, die im Kel­ler leben, zäh­len als Bewoh­ner in mei­nen Augen.

In unse­rem Fall gibt es vier Bewoh­ner des Gast­hau­ses. Der Wirt Mischa, ein fet­ter, glatz­köp­fi­ger Mann mitte 50, sein knor­ri­ges Weib Idet, die im Gast­raum die Spei­sen ser­viert, und deren Sohn Jorsch. Er ist ein kräf­ti­ger Mann Anfang 30, der hin­kend durch die Gegend schlurft und geis­tig etwas zurück­ge­blie­ben ist. Die vierte Bewoh­ne­rin ist das eigent­li­che Pro­blem des Gast­hau­ses. Sie ist Mitte 20, eine wun­der­schöne braun­haa­rige Frau mit Namen Droscha.

Die Eltern sind recht ver­schlos­sen und leben seit 10 Jah­ren in die­sem Gast­haus. Sie haben immer ein Auge auf ihre Toch­ter. Der Sohn ist der Mann fürs Grobe und hört bedin­gungs­los auf sei­nen Vater. Er hat jedoch eine Schwä­che für Alko­hol, den er im Gehei­men konsumiert.

Wel­che Gegen­stände gibt es an die­sem Ort?

Natür­lich gibt es nicht nur Bewoh­ner und Besu­cher an einem Ort, son­dern auch Gegen­stände. Was also kann ein Spie­ler hier bekom­men, sei es durch nor­ma­len Erwerb, durch Dieb­stahl oder auf andere Art und Weise?

Das Gast­haus han­delt mit Essen und Trin­ken. Des­wei­te­ren bie­tet es Bet­ten für eine Nacht, ent­we­der im Dop­pel­zim­mer oder im Schlafsaal.

Die Kasse ist recht gut gefüllt, natür­lich leert der Wirt sie jede Nacht und ver­steckt die Mün­zen unter einer Diele in sei­nem Schlafzimmer.

Das eigent­li­che Kleinod hier ist die Hals­kette der Toch­ter Dro­scha. Es ist eine magi­sche Kette, sie schützt vor Magie, lei­der nicht vor Krankheiten.

Wel­che Geheim­nisse hat die­ser Ort?

Hier­mit meine ich: Was macht die­sen Ort beson­ders? Ist er der Haupt­sitz einer Frak­tion? Hat er Gegen­stände, die etwas Beson­de­res sind? Gesche­hen hier selt­same Dinge, wie zum Bei­spiel Geis­ter­ver­samm­lun­gen, die ein­mal im Monat hier statt­fin­den? Gibt es eine unna­tür­li­che Krank­heit, die hier grassiert?

Es sind gerade diese Infor­ma­tio­nen, die einen Ort inter­es­sant machen und ihm Tiefe geben. Ihr soll­tet vor allem die Frage klä­ren, wie sehr sich die Spie­ler mit die­sen Din­gen aus­ein­an­der set­zen müs­sen, damit sie rele­vant für ihr Aben­teuer wer­den. Ist es nur eine Option, die sie wahr­neh­men kön­nen, oder wird es unter allen Umstän­den her­aus kom­men, da es Teil des Aben­teu­ers ist?

Dro­scha ist lei­der ein Wer­wolf, aus dem Grund wird sie von ihren Eltern in Voll­mond­näch­ten gut weg­ge­sperrt. Das könnte der Auf­takt zu einer inter­es­san­ten Geschichte werden.

Der Ort wird seine Geheim­nisse mehr und mehr offen­ba­ren, wenn z.B.:

  • die Spie­ler die Gäste befra­gen. Man mun­kelt, dass in der Gegend ein wil­des Tier des öfte­ren ein­same Wan­de­rer tötet.
  • jemand näher auf Dro­scha ein­geht. Viel­leicht möchte sie mit­ge­nom­men wer­den und den Eltern ent­flie­hen. Ihr Geheim­nis wird sie für sich behalten.
  • sie den Sohn abfül­len und er anfängt zu reden.
  • der Sohn Mit­leid hat mit sei­ner Schwes­ter und sie her­aus­lässt aus ihrem Ver­lies, damit sie nachts jagen kann.
  • die Eltern echte Hel­den in den Aben­teu­rern erken­nen und sie bit­ten, den Wer­wolf zu erschla­gen, der die Toch­ter gebis­sen hat, um den Fluch zu brechen.
  • die Eltern einen der Cha­rak­tere ver­füt­tern wollen.

Es gibt viele Mög­lich­kei­ten, die sich mit die­ser ein­fa­chen Bege­ben­heit erzeu­gen las­sen, und viele Aben­teuer die dar­aus ent­ste­hen kön­nen, aber nicht müs­sen. Dies liegt ganz allein am Spiel­lei­ter und am Inter­esse der Gruppe.

Wel­chen Ein­fluss hat die­ser Ort?

Man muss sich auch immer fra­gen: Warum exis­tiert die­ser Ort? Wel­chen Ein­fluss hat er? Wer pro­fi­tiert davon, dass der Ort exis­tiert, ver­steckt ist, etc.? 

Eine Han­dels­sta­tion hat bei­spiels­weise Ein­fluss auf die Wirt­schaft von Dör­fern und Städ­ten. Eine Mine sorgt für den Erz­nach­schub. Wenn die­ser aus­fällt, kann dadurch eine Gar­ni­son nicht mehr mit neuen Waf­fen ver­sorgt wer­den. Eine Mili­tär­ba­sis befrie­det ein Gebiet. Man muss sich als SL dann immer fra­gen: Was pas­siert, wenn die Aktion mei­ner Spie­ler den Ort stärkt oder schwächt?

Sollte das Wer­wolf­pro­blem der Gast­stätte dazu füh­ren, dass es öffent­lich wird, dann wer­den die meis­ten Rei­sende diese Route mei­den und eine andere, unter Umstän­den län­gere nut­zen. Glei­ches gilt für den Fall, dass das Gast­haus zer­stört wer­den sollte durch ein Feuer.

Das führt dazu, dass Waren in den bei­den Städ­ten, die durch diese Route ver­bun­den wer­den, teu­rer wer­den, wenn es sich um Waren aus der jeweils ande­ren Stadt han­delt. Sollte das Wer­wolf­pro­blem gelöst wer­den, ver­mehrt dies den Ver­kehr ent­lang diese Straße, und der Han­del flo­riert. Das zieht natür­lich Wege­la­ge­rer an, bringt aber auch mehr Han­del in die Zielstädte.

Mein Fazit

Ich per­sön­lich halte die Orts­er­stel­lung für sehr wich­tig. Sie geht von einem Son­nen­sys­tem bis hin­un­ter zu einer klei­nen Lich­tung in einem Wald. Eure Ideen und die Vor­be­rei­tun­gen geben dem Ort Leben und machen das Spiel inter­es­san­ter für jene, die Spaß an die­ser Art von Rol­len­spiel haben. Den Dun­geon­craw­lern wird es ver­mut­lich egal sein wel­che Geschichte diese Minen haben, die sie grade von Gob­lins säu­bern, aber wie­der andere Grup­pen, und das sind die in denen ich leite und spiele, wer­den es lie­ben aus Infor­ma­ti­ons­puz­zeln Bil­der zu bas­teln und dar­über zu dis­ku­tie­ren. Grade bei Aben­teu­ern, die nicht linear ver­lau­fen, son­dern ein wenig von Spon­ta­ni­tät leben, erge­ben sich hier auch gleich wie­der neue Ques­ten für die Gruppe.

Ich gebe euch noch den Tipp alles auf­zu­schrei­ben. Orte kann man immer wie­der benut­zen. Orte, die ihr als One-Shot Orte plant könnt ihr quasi reset­ten und wie­der ande­ren Spie­lern prä­sen­tie­ren. Orte, denen ihr eine Geschichte geben wollt könnt ihr von euren Grup­pen immer wie­der besu­chen las­sen, und alles was sie tun hat die oben genann­ten Aus­wir­kun­gen. Gerade dadurch sehen die Spie­ler, dass ihr Han­deln Aus­wir­kun­gen hat. Er bekommt dadurch eine Geschichte, und wenn ihr die­sen Ort wie­der und wie­der aus­grabt, dann kennt ihr ihn deut­lich bes­ser und ver­leiht ihm mehr Tiefe.

Grade wenn die Spie­ler wie­der­holt mit ihren Cha­rak­te­ren einen Ort besu­chen, wie z.B. den Ort Leet bei Aborea, dann wird die­ser ein Stück weit zur Heimat.

Und scheut euch nicht mit Din­gen zu expe­ri­men­tie­ren. Ich bin zwar eher der kon­ser­va­tive Spiel­lei­ter und Orts­er­schaf­fer, aber das soll euch ja nicht davon abhal­ten so rum­zu­bas­teln, wie ihr wollt. Die Quit­tung bekommt ihr immer von den Spie­lern. Fragt sie nach Spiel­aben­den, wie sie das Aben­teuer oder ein­zelne Orte fan­den. Wer weiß, viel­leicht füh­ren wir hier nicht nur eine Samm­lung von NSC´s ein, son­dern auch von wie­der­ver­wend­ba­ren Orten.

Das war in etwa der Fra­gen­ka­ta­log, den ich per­sön­lich anwende, wenn ich Orte erschaffe. Viel­leicht gibt er euch ja eine kleine Inspi­ra­tion. Habt ihr eurer­seits noch Ideen? Wie geht ihr vor, wenn ihr Orte erschaf­fen wollt?

Mehr zum Thema Schauplatz-Erstellung

Auf eda­lon und spiel­lei­ten ist ein inter­es­san­tes neues Pro­jekt gestar­tet, was sich auch mit dem Thema Schauplatz-Erstellung beschäf­tigt. Auf eda­lon wer­den grade Ideen für eine Kin­der­heil­stätte im Jahr 1920 gesam­melt, wer dazu also Ideen hat, kann sich dort melden.

Zusätz­lich gab es auf spiel­lei­ten auch einen inter­es­san­ten Arti­kel zum Thema Abenteuer-Vorbereitung , in dem es auch um die Schauplatz-Erstellung inner­halb der Vor­be­rei­tung geht. Da fiel auch der Tipp, sich mal auf der Seite Atlas Obscura umzu­se­hen, wenn man auf der Suche nach Inspi­ra­tion ist für seine Schau­plätze – ein guter Tipp!

Arti­kel­bild: Devi­ant­Art | *Iri­bel

3 Kommentare

  1. Manch­mal bin ich doch ganz froh, dass ich „nur“ Spie­le­rin bin :) Wenn ich bei Dir lese, wie­viele Vor­über­le­gun­gen Du triffst womög­lich für meh­rere Orte an einem Abend, dann kann ich nur sagen „Hut ab“. Ich denke mal, das bringt der Spielleiter-Job so mit sich, das sehe ich ja an unse­rer SL. Ich hatte aber auch mal eine SL, die hat sich zu sowas wenig bis gar keine Gedan­ken gemacht, dann war es manch­mal schon ein wenig schade, wenn der Spiel­fluss stockte, weil er sich erst­mal was aus den Fin­gern sau­gen musste — Impro­vi­sa­tion war nicht so sein Ding, sich vor­be­rei­ten aller­dings auch nicht. Das war keine gute Mischung :/

  2. Hm, Dein roter Faden hat einen logi­schen Bruch: Zunächst schreibst Du, dass die Spie­ler den Ort nicht so oft besu­chen wer­den, dann machst Du ihn zum zen­tra­len Ort eines Side­plots, was bedeu­tet, dass die Spie­ler ihn defi­ni­tiv öfter benut­zen wer­den. Für ein ein­ma­li­ges Besu­chen wäre es mir auch ein­deu­tig zu auf­wen­dig, als Bestand­teil des One-Shots passt es aber.

    Grund­sätz­lich hätte ich das ganze etwas auf­ge­baut, aber ich behandle inhalt­lich durch­aus sehr ähnli­che Punkte. Aber ich habe einen klei­nen und wohl etwas ande­ren Fokus: das „Beson­dere“. Dazu wei­ter unten mehr.

    Die Frage „Wie kom­men die Cha­rak­tere zu die­sem Ort?“ würde ich etwas anders stellen/interpretieren. Zum einen „In wel­chem Zustand ist der Ort, wenn die Cha­rak­tere (wahr­schein­lich!) dort­hin kom­men?“ und auf wel­chem Weg an dem Ort ankom­men, um den rich­ti­gen Blick­win­kel zu fin­den. Das kann sich im Spiel natür­lich trotz­dem anders ent­wi­ckeln, aber das ken­nen wir ja :)

    „Wel­che Geheim­nisse hat die­ser Ort?“ wäre bei mir „Hat der Ort Geheim­nisse und wenn ja, wel­che?“, denn nicht jeder Ort hat wel­che. Es ist nicht alles mystisch.

    „Wel­chen Ein­fluss hat die­ser Ort?“ würde ich zu „Wie ist der Ort mit sei­nem Umfeld ver­bun­den?“ oder „Wel­che Bedeu­tung hat der Ort für andere?“ machen, also die Ver­knüp­fun­gen zwi­schen dem Ort und der Welt, denn ein Ort selbst ja nicht unbe­dingt Einfluss.

    Was mir fehlt und damit kom­men wir zum oben ange­spro­che­nen Fokus, ist die Frage „Was macht die­sen Ort beson­ders?“ Das gilt ver­gli­chen mit ande­ren Orten ähnli­chen Typs oder der­sel­ben Kate­go­rie. Was unter­schei­det die­ses Gast­haus von den ande­ren 20’000 in die Gruppe jeden Abend ein­kehrt? Die Ant­wort ist erst ein­mal nahe­lie­gend: Die Wirts­toch­ter ist eine Wer­wöl­fin. Es kann aber auch bana­ler sein, wie dass es dort Dart­schei­ben gibt, weil das loka­ler Sport ist oder dass es ein beson­de­res Gericht gibt, dass es sonst nir­gends gibt. Wenn man sich über einen Ort beson­dere Gedan­ken macht, dann sollte er auch etwas beson­de­res haben, sonst braucht man sich diese Gedan­ken nicht machen. Dann kann man ein­fach ein Standard-Gasthaus neh­men, wenn man es über­haupt beschreibt.

    Was mir eben noch ein­fiel, gerade bei den „20 Gäs­ten pro Abend“: Man direkt hier schon leben­di­gere Szene malen. Ist der Laden mit 20 Leu­ten voll? Sind diese eher trüb­sin­nig oder leb­haft? Gibt es viel­leicht sogar eine Schlä­ge­rei fast jeden Abend, die der Sohn mit ein paar geziel­ten Schlä­gen been­den muss? Wie sieht nahe­ge­le­gene Dorf die Wirts­fa­mi­lie? So etwas sollte man gleich von Beginn an ein­bauen, dann fällt es auch leich­ter die Fra­gen oben schnell und aus einem Guss zu beantworten.

    Noch ein Gedanke zum Story­an­teil, auch wenn Du das Bei­spiel sicher nicht in der Tiefe durch­dacht hast (gehört ja auch nicht direkt zum Thema): Die Trunk­sucht des Soh­nes sollte nicht geheim sein. Wie sonst erfah­ren die Hel­den davon? Wie ihm ein Bier aus­ge­ben, wenn er das nicht vor sei­nem Vater trinkt, von dem man aber das Bier kauft und in des­sen Schank­stube man es trinkt? Der Vater kann ihm ja immer noch zu Mäßi­gung ermahnen.

  3. Hallo Sonja,
    vie­len Dank für dein Lob :-) Ich hab ein­fach Spaß daran mir so Sachen aus­zu­den­ken. Und zudem impro­vi­siere ich auch gar nicht so schlecht. Jedoch ist es ein­fach immer Bes­ser sich im Vor­feld schon­mal Gedan­ken gemacht zu haben.

    Hallo Jan,
    nein du irrst dich. Ich mache ihn nicht zum Ort eines zen­tra­len Side­plots. Ich hau­che dem Ort ein­fach Leben ein. Es ist an den Spie­lern zu ent­schei­den was sie dar­aus machen. Ich gebe ihnen ledig­lich die Mög­lich­keit in eine Wirt­schaft mit etwas Tiefe zu kom­men.
    Ich finde meine Gedan­ken nicht zu Auf­wen­dig. Ich baue mir den Ort und habe ein­fach die Option ihn öfter zu nut­zen. Ob die Gruppe noch­mal vor­bei kommt, ob ich ihn für eine andere Gruppe benutze oder ihn Freun­den zur Ver­fü­gung stelle. Die Gedan­ken sind Arbeit von drei Minu­ten. Zumin­dest bei mir. Und rich­tig tief habe ich das ganze ja gar nicht aus­ge­ar­bei­tet. Ich schaffe nur ein gro­bes Geflecht mit Ansatz­punk­ten. Wie die Spie­ler sich bedie­nen, oder ob ich die Spie­ler damit bedie­nen möchte ist ein­fach Abhän­gig von den drei Fak­to­ren Spie­ler, Spiel­lei­ter und dem lau­fen­den Abenteuer.

    Du hast Recht mit dem „In wel­chem Zustand ist der Ort“. Die­sen Punkt werde ich mit in mein Arbeits­schema ein­flie­ßen las­sen. Danke.

    Nein nicht jeder Ort hat Geheim­nisse, da hast du Recht. Die Sache mit den Dart­schei­ben und mit dem Auf­bau habe ich etwas ver­nach­läs­sigt, da hast du Recht. Ich habe mich zu sehr auf die Karte kon­zen­triert die vor mir liegt.Die Sache mit, wie wir­ken sich die 20 Leute auf die „Atmo­sphäre“ des Hau­ses auf stimmt. Sollte ich auch mehr in den Vor­der­grund rücken. Und das mit dem nahe­ge­le­ge­nen Dorf ist Prima. Wir spin­nen die Geschichte also schon wei­ter ;-) Aber das Dorf, so es eines gibt, wäre bei mir im Umfeld mit drin.

    Die Trunk­sucht des Soh­nes? Hm, ich habe den Ort noch nicht bespielt. Du hast Recht, an der Stelle hätte ich ein­fach impro­vi­siert :-)

    Danke auf jeden Fall für die Tips. Ich bau das in mei­nen Leit­fa­den mit ein.

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