300 Worte: Die Höhle
Feb 24
Die kühle Luft der Höhle bot eine erfrischende Abwechslung zu der flirrenden Hitze ausserhalb und Ella nahm sich einen Moment Zeit und schloss die Augen. Ausser ihrem regelmäßigen Atmen gab es nichts, das diese Stille störte. Sie atmete tief ein, öffnete ihre Augen und erklomm die Stufen, die weiter ins Innere führten. In diesem Teil der Höhle tauchte die Sonne, die durch ein Loch weit oben fiel die Steinsäulen in ein träumerisches Zwielicht und Ella überkam Ehrfurcht vor diesem Ort, der soviele Jahrhunderte alt war und einem ganzen Volk als heilige Zuflucht gedient hatte. Sie fuhr mit den Fingerspitzen über die rauhen Steine und betrachtete aufmerksam die in Stein gehauenen Arbeiten, die Geschichten aus der Vergangenheit erzählten. Je weiter sie vordrang, desto dunkler und kühler wurde es. Ella bedauerte, dass sie versäumt hatte einen Pullover mitzunehmen.
Tiefer und tiefer führte ihr Weg sie in die Höhle, bald wurde es so dunkel, dass sie ihre Taschenlampe anschalten musste, um etwas zu sehen. Die steinernen Bilder wurden beunruhigender, brutaler und bald mied Ella den Blick zu den Wänden und richtete ihre Aufmerksamkeit lieber auf den Weg, der noch vor ihr lag. Der Lichtkegel ihrer Taschenlampe streifte einen steinernen Kopf, der aus der Wand ragte und Ella entfuhr ein erschreckter Schrei. Klopfenden Herzens näherte sie sich dem Schädel — es war der Kopf eines Salamanders und Ella nickte zufrieden. Dieser Kopf zeigte ihr, dass sie auf dem richtigen Weg war. Noch etwas fahrig setzte sie den Weg weiter fort, der Gang wurde nun kleiner und vermittelte ein beunruhigendes Gefühl der Enge. Von der Großzügigkeit der luftigen Gänge am Eingang war hier nichts mehr zu merken und bald musste Ella den Kopf einziehen, um sich nicht zu stoßen. Dann, nach einer Ewigkeit stand sie an einer Gabelung — ein Gang führte nach rechts, der andere nach links…
„Hä, was soll das denn jetzt?“ werden sich einige vielleicht fragen. Der Text, den ihr oben lest besteht aus 302 Worten und ich habe ihn geschrieben, während ich das Bild oben vor Augen hatte. Wozu soll das gut sein? Es dient als schreiberische Fingerübung, um meine Phantasie anzukurbeln und die grauen Zellen auf Trab zu halten. Damit man nicht aus der Übung kommt, sollte man möglichst jeden Tag schreiben/zeichnen/wasauchimmer und auch wenn ich nicht die Zeit habe, um wirklich jeden Tag zu schreiben oder in anderer Weise meine Phantasie zu fordern habe ich mir vorgenommen, es zumindest öfter zu tun als bisher.
Deswegen das Schreiben in 300 Worten (oder fast 300 Worten
). Ich würde mich freuen, wenn ihr meinen kurzen Ausschnitt aus einer Geschichte als Anlass nehmt selbst einmal schreiberisch tätig zu werden und eure Geschichte, die ihr vor Augen habt, wenn ihr euch das Bild anguckt aufzuschreiben. Ihr könnt sie gerne hier in den Kommentaren hinterlassen oder auf eurem eigenen Blog veröffentlichen (möglichst mit Link damit ich nichts verpasse). Einzige Vorgabe sind dabei 300 Worte (plus minus eine Toleranz von 5 Worten), denn so möchte ich erreichen, dass man die Worte mit Bedacht wählt und nicht in Schwafelei verfällt. Also, ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Version der Geschichte präsentiert.
Bildquelle: piccsy.com via C on Pinterest

Och, da mache ich doch mal mit. Hier sind meine 306 Worte zu diesem Bild.
Viel Spass
Euer NIEDUKNIEDER
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Karat hasste diese endlosen Stufen. Auch wenn ein Teil der Decke herabgestürzt war und einen schwachen Lichtschleier hereinließ der die staubigen Stufen erhellte, so reichte es doch nicht um den Geruch zu mildern. Der Geruch war das schlimmste, so wie er hatten sich schon unzählige Suchende diese scharfkantigen Treppenstufen hinaufgeschleppt und so Ihre Spuren hinterlassen. Ein paar sollen sogar auf dem Weg nach oben ums Leben gekommen sein.
Die Sohlen seiner Füße brannten bereits und er wusste dass es nicht mehr lange dauern würde bis sie bluten würden, denn das war der Lohn den der Suchende an diesem Ort zahlen musste. Ob wohl auch das nicht ganz zutreffend war, denn sonst hätte Karat ja nicht diesen schweren Lederrucksack mit „Geschenken“ mitschleppen müssen. Er hielt auf dem Absatz mit den Bruchstücken der eingestürzten Bergflanke inne. Bei seinem ersten Besuch an diesem Ort hatte er sich noch gewundert, das es bereits hier Spuren gab die auch auf sein späteres Martyrium hinwiesen. Blutige Fußspuren. Als Ork hatte er deutlich strapazierfähigere Haut, selbst an seinen Fußsohlen, im vergleich zu Menschen oder gar Elfen, die ebenfalls auf der Suche nach Antworten diesen Ort aufsuchten und deren Spuren bereits hier zu finden waren.
Karat hockte sich auf einen der Brocken im Sonnenlicht und hohle seinen Wasserschlauch hervor um ein paar wenige Schlucke zu trinken. Auch wenn er am liebsten den kompletten Inhalt über seine brennenden Fußsolen gespritzt hätte, wusste er auch, das der Weg nach Oben noch sehr lang sein würde. Ein Seufzen entfuhr ihm als er sich wieder erhob und den Kopf schüttelte ob der Strapazen die Ihn noch erwarten würden. Mit einem letzten Blick durch das Loch im Felsen auf den strahlen blauen Himmel setzte er seinen mühsamen Weg die Stufen weiten nach oben fort. Karat biss die Zähne zusammen, denn Oben angekommen würde er vom Orakel seine Antworten bekommen.
Interessant, wie anders Deine Geschichte ist
Ich finds schön auch mal einen Einblick in die Köpfe von anderen zu bekommen und wie sie ein Bild interpretieren. Ist ein bisschen wie bei diesen „Klecksbildern“ (ich glaube, die korrekte Bezeichnung ist Rorschachtest.
Aus dem dämmrigen Gang öffneten sich die breiten Stufen der Treppe des Wissens, die zu den oberen Gemächern führte. Ihre ausgetretenen Stufen hatten schon einige Adepten schlagartig in die Realität zurückgeholt, denn der Kalkstein war glatt und rutschig, vor allem im Morgentau.
Yvain wusste, dass Schadenfreude ein niederer Charakterzug war, aber selbst jetzt huschte ein Grinsen über seine bleichen Züge als er an Chorans verblüfftes Gesichtsausdruck dachte kurz bevor der sich lang gemacht hatte und sich vor seinen Mitbrüdern zu lästerlichen Äußerungen hatte hinreißen lassen.
Choran, der die richtige Entscheidung getroffen hatte und die kalten Höhlen mit den in Stein gemeißelten Regeln vor zwei Mondläufen verlassen hatte „Wäre ich damals nur mitgekommen ! Die Angst vor dem Leben draußen kann nicht schlimmer sein als die Angst vor der Halle…“ Yvain schluckte und versuchte sich auf die erste Formel zu konzentrieren, die wirken musste, egal wie, damit er zumindest die erste Attacke überstehen würde.
Er eilte weiter, den Saum seiner blauen Robe mit der einen Hand festhaltend und in der anderen sein Werk, das Amulett, in seinem Beutel aus Glattfell fest an den Körper gedrückt. In der Kälte des Morgens spürte er den kalten Schweiß an seinen Händen und dem Beutel.
In der Luft lag der Geruch von Tinte und Feuer, die Treppe war menschenleer. Staub tanzte in den Sonnenstrahlen, die ihr Licht von oben auf Säulen und Stufen warfen
Die Leere und Ruhe an diesem Ort waren ungewöhnlich, erwirkt weniger durch irgendeinen Zauber als vielmehr durch den schrecklichen Ruf, der der Prüfung zur Aufnahme in den inneren Zirkel vorausging.
Als er die Mittelsäule erreicht, bleibt er stehen, atmet tief durch. Einmal, zweimal.
Mit dem nächsten Schritt wird er in der Halle stehen, seinem Schicksal gegenüber.
Das Amulett beginnt zu pulsieren und sein Kopf wird ganz leicht.
@Queen Jane: auch sehr schön! Es liest sich wirklich als würde man ein Stück aus einer Geschichte lesen, so als könnte man einen kurzen Einblick in das Schicksal von Yvain erhaschen. Und der Cliffhanger ist ja wohl mal ganz fies
Ich würd jetzt gerne wissen, wie es weitergeht…
@Annika: Dankeschön !
Freut mich, dass es dir gefällt : )
Wie es weitergehen könnte, weiß ich aber selber nicht
Die Idee ist aber auch wirklich gut, es hat Spaß gemacht, mit der Wortbegrenzung eine möglichst dicht erzählte Geschichte zu entwickeln !
Vorbemerkung:
Ich habe ein bißchen gebraucht, bis ich den Finger darauf legen konnte, was genau mich an der Idee von „300 Worte“ gepackt hat. Letztendlich ist es mir aber dann aber wie Schuppen von den Augen gefallen — 300 Worte, das war genau die Mindestanforderung, mit der vor einigen Jahren das später so genannte „SLA Industries Galaxy Project“ seinen Anfang nahm. 300 Worte, um einen Planeten für SLA Industries zu beschreiben. Das SGP/Galaxy Project war ein Projekt, mit dem ich noch immer viele fantastische Erinnerungen verknüpfe — an die Athmosphäre der Zusammenarbeit, an die Ideen (die der anderen und meine eigenen), an die Spielrunden (die über ein plötzlich so viel größeres Universum verteilt stattfanden) — an 300 Worte.
Daher:
In Memoriam SGP.
Stairwell
Planetary Profile
Medium Desert World
Death World (Inactive)
No Population (-)
SLA Industries (no PPP)
Echoes of distant drums
Übersicht
Auf den ersten Blick ist Stairwell eine leere Ödwelt ohne besonderen wirtschaftlichen oder sonstigen strategischen Wert für SLA Industries oder rivalisierende Suppressor Powers. Dass der Konzern den Planeten dennoch schon seit über 900 Jahren für sich beansprucht, hängt mit der sich in den Wirren der Conflict Wars verlierenden Frühgeschichte der Shaktar zusammen, deren ehemalige Conflict Society von SLA Industries in die World of Progress integriert wurde.
Obwohl allgemein und nicht zuletzt von den Shaktar selbst K’n’th als die ursprüngliche Heimatwelt des stolzen Echsenvolkes anerkannt wird, finden sich auf dem ansonsten verlassenen Stairwell die vielleicht ältesten shaktarianischen Ruinen und Hinterlassenschaften. Unterirdische Grabanlagen erstrecken sich teilweise kilometerweit im Untergrund, wo natürliche Höhlen ausgebaut und erweitert und neue Gänge und Gewölbe aus dem Fels geschlagen wurden.
Erschließung
Den Shaktar gelten diese Anlagen als heilig, ohne die Gründe dafür mit den anderen Bewohnern der World of Progress zu teilen. Entsprechend groß ist das Konfliktpotential, das aus dem Interesse an einer archäologischen Erkundung der Welt erwächst. Der Friede wird momentan durch eine enge – und dabei alles andere als reibungslose – Zusammenarbeit – oder besser Überwachung – mit shaktarianischen Vertretern gewahrt. Deren Anwesenheit und Verhalten gibt allerdings auch Anlass zu der Vermutung, dass auch die Shaktar selbst viel weniger über die Geschichte von Stairwell wissen, als sie zugeben. Auch für sie offenbart die Arbeit der Grabungsteams Unbekanntes und lange verloren Geglaubtes – die Geheimnisse der uralten Geschichte ihres eigenen Volkes und seines Schrittes in den Weltraum.
Grabungsstätte Rot 9
In den vergangenen Jahren hat sich die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler zunehmend auf einen Begräbniskomplex in der südlichen Hemisphäre konzentriert, an dessen obere, lichtdurchflutete Bereiche über schier endlose Treppen eine der tiefsten Höhlen des Planeten angeschlossen zu sein scheint. Der mit dem Ende der Erfassung des Eingangsbereiches anstehende Vorstoß in diese Tiefen allerdings, droht nun ganz unerwartet erneut zum Ausbruch echter Feindseligkeiten zwischen menschlichen Archäologen und frisch eingetroffenen Shaktarabgesandten zu führen.
Schöne Beschreibung (wenn auch etwas mehr als 300 Wort
). Gibt es noch mehr Material, an dem Du gearbeitet hast zu dem System? Hast Du einen Link?
Gibt es.
Aktuelle SLA Industries-Fansachen an denen ich zumindest mitgeschrieben habe (jeweils die deutschen Versionen bei d6ideas.com):
Fear and Loathing in Los Muertos — neue Drogen
Got Soft Juice? — Energydrinks und Zufallsgenerator für noch mehr Energydrinks
DEAD — über eine neue Konzernabteilung und ihre Arbeit an Waffen zur Abwehr von Ebb („Magie“)
Kill the Ones You Love — Abenteuergerüst
The Folding Knife — Kultartefakt
Da ist jetzt allerdings nichts weiter vom SGP dabei. Wobei einer meiner SGP-Planeten auch schonmal auf deutsch erhältlich war (Cypress — in der ersten Ausgabe des Horror-RPG-Fanzines „Der Ruf“).
Mit „300 Worte“ kriege ich jetzt aber ja hoffentlich häufiger einmal wieder die Gelegenheit (deutsche) Planeten zu schreiben.
Die Idee gefällt mir sehr gut und ich habe ein anderes Bild verwendet. http://blog.heikoharthun.de/archives/84-Cold-and-Dark.html