Rezension: Falling Scales — Chapter One

Jun 22

Rezension: Falling Scales — Chapter One

„Fal­ling Sca­les – Chap­ter One“ ist der erste Teil eines vier Kapi­tel umfas­sen­den SAS-Abenteuers von White Wolf. Die Teile sol­len auf­ein­an­der auf­bauen, jedoch getrennt von­ein­an­der spiel­bar sein. Da bis­her nur der erste Teil erschie­nen ist, kann ich zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht ein­schät­zen, wie gut das Zusam­men­spiel der ein­zel­nen Kapi­tel oder deren Spiel ohne Bezug zu den jeweils ande­ren Kapi­teln funktioniert.

Erschei­nungs­bild

Optisch ent­spricht die­ses Aben­teuer der sons­ti­gen der SAS-Reihe: Zwei­spal­ti­ges Quer­for­mat, hier mit 36 Sei­ten Umfang und ein­deu­tige, gleich blei­bende und wie­der­er­kenn­bare Struk­tur, gar­niert mit eini­gen stim­mungs­vol­len Schwarzweiß-Zeichnungen.

An die­ser Stelle eine Erläu­te­rung für die­je­ni­gen, die White Wolfs SAS-Reihe nicht ken­nen: Das Kür­zel steht für „Sto­ry­tel­ler Adven­ture Sys­tem“ und beinhal­tet jeweils ein Aben­teuer für die unter­schied­li­chen Frak­tio­nen der WoD. Vor­an­ge­stellt sind jeweils Infor­ma­tio­nen zum gro­ben Über­blick, ange­dach­tes Thema und Stim­mung, gefolgt von der Hin­ter­grund­ge­schichte zum Aben­teuer und wich­ti­gen Basis­in­for­ma­tio­nen, bei­spiels­weise sol­chen zur räum­li­chen Umge­bung wie vor­ge­ge­be­nem Land oder vor­ge­schla­ge­ner Stadt. Die tra­gen­den NSC wer­den danach aus­führ­lich vor­ge­stellt, und zwar jeweils nicht nur mit Wer­ten, son­dern voll­stän­dig mit typi­schen Zita­ten, Aus­le­gung von Tugend und Las­ter, per­sön­li­cher Hin­ter­grund­ge­schichte sowie SL-Hinweisen zur Dar­stel­lung. Bei „Fal­ling Sca­les – Chap­ter One“ fal­len diese Beschrei­bun­gen beson­ders umfang­reich aus, denn jeder NSC erhält eine volle Seite.

Die har­ten Fakten:

  • For­mat: pdf oder Print on Demand
  • Ver­lag: White Wolf/CCP 
  • Erschei­nungs­jahr: 2012
  • Spra­che: Eng­lisch
  • Bezugs­quelleDri­ve­ThruRPG 
  • Preis: 6,99$ (PDF), 9.99$ (PoD), 10,99$ (PDF + PoD) 

Bevor die ein­zel­nen Sze­nen dar­ge­stellt wer­den, bie­ten die SAS-Abenteuer einen „Scene Flow­chart“, anhand des­sen man gra­fisch auf einen Blick sehen kann, wel­che Szene auf wel­cher auf­baut und wel­che unab­hän­gig von­ein­an­der ver­lau­fen. Die ein­zel­nen Sze­nen schließ­lich geben nach der Über­schrift einen Über­blick dar­über, ob sie schwer­punkt­mä­ßig auf men­tale, soziale oder phy­si­sche Fer­tig­kei­ten aus­ge­legt sind, dann einen Über­blick über den Inhalt der Szene, im Anschluss über die Dar­stel­lung der Szene aus Sicht der SL-Ziele und aus Sicht der Charakter-Ziele. Gerade für nicht so geübte Spiel­lei­ter ist hier­bei sicher­lich hilf­reich, dass not­wen­dige Aktio­nen und ent­spre­chende Fer­tig­keits­pro­ben dabei immer ent­hal­ten sind. Ist es bei­spiels­weise zen­tral in der Szene, jeman­des Ver­trauen zu erlan­gen, so wird die jewei­lige Probe beschrie­ben, mög­li­che Boni und Mali ver­schaf­fende Hilfs­mit­tel und Hin­der­nisse, außer­dem die Ereig­nisse je nach­dem, wie gut oder schlecht die Probe gelun­gen ist.

Nach der Sze­nen­dar­stel­lung, die das Herz­stück eines jeden SAS-Abenteuers bil­det und somit auch bei „Fal­ling Sca­les – Chap­ter One“ mit gut 18 Sei­ten Umfang den Mit­tel­punkt dar­stellt, folgt am Ende das Nach­spiel mit mög­li­chen Aus­bli­cken und Hin­wei­sen zur Erfahrungspunktvergabe.

Die letz­ten zwei Sei­ten umfas­sen noch­mals die ein­zel­nen Sze­nen in Stich­wor­ten zum raschen Nach­se­hen. Vier Sze­nen tei­len sich hier­bei eine Seite, so dass man bei einem Aus­druck einen raschen Über­blick über die ein­zel­nen Sze­nen und deren Schwer­punkte in der Hand hält – im vor­lie­gen­den Aben­teuer sind es ins­ge­samt zehn Szenen.

Apro­pos Aus­druck: Die Aben­teuer der SAS-Reihe sind alle­samt aus­schließ­lich im PDF-Format erhält­lich. Der regu­läre Preis beträgt $6,99. Wer mag, kann sich einen Aus­druck im Soft­co­ver mit­tels Print on Demand gön­nen, dann liegt der Preis bei $9,99, bei regu­lär $16,98 (Anmer­kung Redak­tion: Zur Zeit ist der Preis auf 10,99 USD gesenkt), wenn man bei­des haben möchte – in die­sem Fall spart man also lei­der gar nichts.

Eine Beson­der­heit der SAS-Abenteuer sind die ent­hal­te­nen inter­ak­ti­ven Links, die Audi­o­da­teien und andere Dinge ent­hal­ten bezie­hungs­weise zu sol­chen füh­ren. Auch Han­douts sind aus­ge­ar­bei­tet ent­hal­ten. Man muss sie nur noch aus­dru­cken und ver­tei­len, wobei dies für deutsch­spra­chige Run­den natür­lich bei­des nicht 1:1 nutz­bar ist, denn selbst­re­dend sind die Gim­micks der SAS-Reihe alle­samt eng­lisch­spra­chig. Den­noch fällt ein Feh­len sol­cher Zusatz­in­halte auf, so auch bei „Fal­ling Sca­les – Chap­ter One“, das über kei­ner­lei sol­cher Links oder Han­douts ver­fügt, was ein biss­chen schade ist. Puris­ten kom­men allein mit den Sze­nen­be­schrei­bun­gen zwar immer schon auf ihre Kos­ten, den­noch hätte ich mir ein wenig mehr Mühe und Flair an die­ser Stelle gewünscht.

Inhalt

Flair ist für mich gene­rell das größte Manko des Aben­teu­ers. Ziem­lich solide schickt es nicht-übernatürliche Men­schen in eine Welt, in der sie das Über­na­tür­li­che ken­nen ler­nen. Natür­lich kommt man ihnen dabei teils so nahe, wie man ihnen eigent­lich nicht kom­men wollte …

Die haupt­säch­li­che Bedro­hung in die­sem Aben­teuer liegt jedoch nicht im Kon­takt zum Über­na­tür­li­chen an sich. Ohne an die­ser Stelle zu viel zu ver­ra­ten, kann man immer­hin sagen, dass sich das erste Kapi­tel gut für den Ein­stieg in eine WoD-Chronik eig­net. Bei­nahe schon klas­sisch kann man Cha­rak­tere hier­bei in Rich­tung einer „Hun­ter, the Vigil“-Runde brin­gen. Im Rah­men des ers­ten Kapi­tels von „Fal­ling Sca­les“ sind die über­na­tür­li­chen Begeg­nun­gen aus­rei­chend für eine Art Grup­pen­prä­lu­dium, an das man spä­ter wun­der­bar anknüp­fen kann. Dar­über hin­aus mit „Nor­ma­los“ zu spie­len, stelle ich mir aller­dings ein biss­chen lang­wei­lig vor. Wie die wei­te­ren Kapi­tel das lösen, bleibt wie gesagt abzuwarten.

Als ers­ter Teil einer Reihe kann die­ses Kapi­tel pro­blem­los allein­ste­hend gespielt wer­den. Die Inhalte sind abge­schlos­sen genug und es bedeu­tet kaum Auf­wand, die letz­ten losen Fäden noch zu ver­nä­hen. Alter­na­tiv ist es eben­falls kein Pro­blem, sie schlicht unter den Tisch fal­len zu lassen.

Es gibt aller­dings Stel­len, an denen dem Spiel­lei­ter zwar Hin­weise auf mög­li­che Inhalte gege­ben wer­den, deren Aus­ge­stal­tung jedoch offen bleibt. Diese selbst zu gestal­ten­den Inhalte sind etwas, wodurch das Aben­teuer eine Menge gewin­nen kann, lässt man diese jedoch weg, bei­spiels­weise weil man sich eben nicht noch eigene Gedan­ken zu Inhal­ten machen will, ver­liert das Aben­teuer ebenso, wie es umge­kehrt an Span­nung und Atmo­sphäre gewin­nen kann.

Für Über­na­tür­li­che aus der WoD ist „Fal­ling Sca­les – Chap­ter One“ ohne grö­ßere Modi­fi­ka­tio­nen nicht gut spiel­bar. Das ist nicht schlimm, denn so ist es ja auch nicht gedacht. Was hin­ge­gen gut mög­lich ist: Die Cha­rak­tere ent­wi­ckeln sich im Ver­lauf der Geschichte bezie­hungs­weise an deren Ende zu über­na­tür­li­chen Wesen.

Es gibt aller­dings einen bestimm­ten Inhalt in die­sem Aben­teuer, den man eben­falls modi­fi­zie­ren oder weg­las­sen müsste, um das Spiel in eine andere Rich­tung als die der vor­ge­stell­ten und ange­dach­ten Chro­nik zu len­ken. Es han­delt sich hier­bei um einen in die Geschichte inte­grier­ten und aus­führ­lich vor­ge­stell­ten Vor­zug („Merit“), der seine Sinn­haf­tig­keit je nach Ver­lauf der Geschichte ver­lie­ren würde. So nett ich die Idee die­ses Vor­zu­ges an sich finde, muss ich doch sagen, dass für mei­nen Geschmack zu sehr auf genau die­sen auf­ge­baut wird im Ver­lauf der Geschichte. Und das gibt er mei­ner Ansicht nach nicht so wirk­lich her, was das Ganze ein wenig lang­wei­lig macht.

Preis-/Leistungsverhältnis

Der erste Teil der Reihe ist gut spiel­bar und kann für sich allein ste­hen. Zusam­men mit der guten Struk­tur, die die SAS-Reihe durch­weg auf­weist, lohnt sich der Kauf prin­zi­pi­ell durch­aus. Ob man aller­dings für ins­ge­samt 36 Sei­ten min­des­tens $6,99 aus­ge­ben möchte, zumal dem PDF-Format Gim­micks wie die bereits erwähn­ten inter­ak­ti­ven Links fehlen?

Fazit

Ins­ge­samt ist „Fal­ling Sca­les – Chap­ter One“ ein soli­des Aben­teuer für nicht-übernatürliche Wesen, also schlichte Men­schen, in der Umge­bung der World of Dar­k­ness. Der Kauf emp­fiehlt sich in ers­ter Linie für Neu­ein­stei­ger und Umstei­ger, die hier­mit eine gute Basis für den Start einer neuen (ers­ten) Runde an die Hand bekom­men. Für diese Ziel­gruppe kann ich das Aben­teuer wirk­lich emp­feh­len. Allen ande­ren dürfte es ein wenig zu lang­wei­lig daher kom­men und zumin­dest zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt, ohne Kennt­nis der irgend­wann noch zu ver­öf­fent­li­chen­den drei Teile der Reihe, eher etwas für Fans und Samm­ler sein oder etwas für Leute, die gerne etwas weit­ge­hend Aus­ge­ar­bei­te­tes für einen schnel­len One-Shot auf einer Con oder ähn­li­ches in der Hand haben möchten.

Bonus/Downloadcontent

Eine Lese­probe kann hier betrach­tet wer­den: Klick


Unsere Bewer­tung 

Erschei­nungs­bild ★★★☆☆
Übli­cher Auf­bau der SAS-Reihe, nette Zeich­nun­gen, kein Zusatzmaterial
Inhalt ★★★☆☆
Solide und nett für Neu­ein­stei­ger und Grup­pen­prä­lu­dien, ansons­ten eher unkrea­tiv und langweilig
Preis-/Leistungsverhältnis ★★☆☆☆
Feh­len jeg­li­cher Han­douts und inter­ak­ti­ver Links  
Gesamt ★★★☆☆

 

 

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