300 Worte: Warten
Jul 21
„300 Worte“ ist ein Mitmachprojekt. Wir zeigen Euch ein Bild und schreiben unsere Inspiration dazu, die um die 300 Worte haben sollte. Ihr könnt es als Schreibtraining oder Übung für Spielleiter in Improvisation und Inspiration verstehen.
Halme vom hohen Gras kitzeln meine Waden, während ich mich langsam auf der Schaukel hin und her wiege. Es ist warm, die Luft duftet herrlich nach Sommer und die Vögel der Dämmerung haben ihr abendliches Konzert begonnen. Alles ist friedlich, nur in mir brodelt der nagende Zweifel der Ungewissheit. Abend für Abend komme ich hierher, Abend für Abend werde ich enttäuscht und nehme mir vor, nicht wieder zu warten.
Aber dann denke ich mir „Was, wenn sie ausgerechnet heute Abend doch erscheint?“ Dann erfasst mich Unruhe und schließlich stapfe ich doch wieder den Hügel hinauf, um zu warten. Ich habe niemandem davon erzählt, mir würde ohnehin keiner glauben, also wozu schlafende Hunde wecken? Ich hebe meinen Blick und schaue hinunter in das kleine Tal, in dem unser Haus steht. Ich kann es sehen, die Fenster sind erleuchtet und blicken wie große, helle Augen hinaus in die Dämmerung. Angespannt verfolge ich den Weg der Sonne, die gerade ihre letzten Strahlen über eine Bergkuppe schickt und den Himmel räumt für den Mond, der seinerseits noch etwas blass erstrahlt.
Ein Käfer hat sich verirrt und krabbelt kitzelnd meinen Unterarm herunter, bevor er seine schillernden Flügel auffaltet und surrend in die Dämmerung entschwindet. Ich schaue auf die Uhr, es ist schon zehn. Ich verfolge den Sekundenzeiger, als ob ich dadurch die Zeit schneller vergehen lassen könnte – die Zeit ist unerbittlich. „Einmal noch.“ denke ich, „Nur noch einmal will ich dich sehen, dann weiß ich, dass ich mir das alles nicht eingebildet habe!“. Es klingt verrückt, aber manchmal zweifle ich an mir selber, obwohl ich ganz genau weiß, was ich gesehen habe — den Anblick werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen. Also sitze ich hier und warte, Abend für Abend und hoffe, dass Du wiederkommst, einmal noch, nur einmal…
Wenn der Sommer schon nicht will, muss man sich ihn eben nach Hause holen. Bei diesem Bild habe ich sofort an eine duftende Wiese voller Sommerblumen gedacht und wie schön es wäre, abends draußen zu sein und die letzten warmen Strahlen zu genießen. Und jetzt lasst mal eure Sommergeschichten in 300 Worten hören, dann wird mir vielleicht auch wieder warm
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Bild: 8tracks.com via Krishna on Pinterest






Das ist eine echt tolle Idee mit dem 300 Worten. Ich freue mich immer auf die vielen verschiedenen Geschichten … Augen kurz schließen, ruhig atmen, bis 10 zählen und langsam anfangen zu lesen:
Ach, wie schön war sie nur, nein, perfekt. Als die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres einen lauen Sonntagnachmittag herbeizauberten, da lief sie fast jeden Tag aus dem Dorf den Hügel herauf. Sie war so verliebt in die wärmenden Sonnenstrahlen. Gedankenverloren, ganz tief versunken in das sachte Hin und Her der Schaukel oben am einsamen Baum auf dem Hügel. So verbrachte sie hier mit ihrem blonden langen Haar viele Nachmittage und ihr Haar schwang leicht im Wind mit. Hin und Her und Hin und Her. Sie würde ihm gefallen.
Er traute sich nicht sie anzusprechen. Noch nicht. Starrte versteckt hinter einigen Grasbüscheln, beobachtete dann im Gras liegend in den wärmer werdenden Abenden ohne ein Wort die schwingende Schönheit. Sie ist perfekt. Sie soll es sein. Die gezupften Augenbrauen, so lange dunkle Wimpern und die strahlenden blauen Augen. Sie würde ihm gefallen.
Heute kam sie wieder hier herauf gelaufen und sie lächelte ihn an. Er schwieg, sie schwieg, setzte sich auf die Schaukel und versank in ihre Gedanken. Er beobachtet sie genau, ihre wunderschönen Augen würden sich irgendwann schließen und dann gab es nur das Hin und Her und Hin und Her. Sie würde ihm gefallen.
Langsam … ganz langsam näherte er sich ihr, legte seine kräftige Hand auf ihren Mund und hielt sie bestimmt in seinen Armen, fesselte sie, während die Schaukel nur noch einige zuckende Bewegungen machte. Dann lag sie da, still, bewegungslos, nur die Atmung ging noch.
Sachte schwang die Schaukel hin und her und es wurde leise Abend. Hin und Her im Wind.
Als es dunkel war hob er sie sanft auf und ging zu der felsigen Mulde ganz in der Nähe. Er hatte die Runen und Symbole im Pilzkreis schon lange vorbereitet. Heute am Tag der Sommersonnenwende war die Verbindung zur Geisterwelt ganz nah. Sie würde ihm gefallen.
Muah, da kriege ich irgendwie Gänsehaut. Es fängt so harmlos an
Abschied
John hasste es, wieder einmal hatte er ein gegebenes Versprechen nicht halten können. Nun stand er hier auf der Anhöhe bei dem Baum mit der Schaukel im Abendlicht der untergehenden Sonne und rauchte. Er hatte es Ihnen hier versprochen, ihnen gesagt was er immer Allen sagte.
Er sah es im Geiste vor sich und seines Worte klangen ihm nun so hohl und leer.
„Ich werde Alles tun, Mr & Mrs Green ich verspreche Ihnen ich bringe Sie zu Ihnen zurück!“
Er hatte diese Worte so oft schon zu Leuten wie den Green´s gesagt und unzählige male hatte er dieses Verspreche nicht erfüllen können. Verächtlich blies John den Rauch aus, lies die halb gerauchte Zigarette fallen und trat sie im Gras aus. Als er den Fuß wegnahm hatte er eine Entscheidung getroffen, er wollte nie wieder ein gegebenes Versprechen brechen. Langsam ging John zur Schaukel herüber und setzte sich Die Seile der Schaukel knarzten protestierend als sein massiger Körper sie belastete. Seine rechte Hand glitt in seine Jackentasche und berührten das kalte Metall. Nur einen winzigen Moment zögerte er, dann schlossen sich seine Finger und er hohle Sie hervor. Das letzte Sonnenlicht des Abends lies das silberne Metall in seiner Hand fast rötlich Glühen. John lächelte als Ihm bei diesem Anblick die Assoziation von Höllenfeuer durch den Kopf ging. Ja, John T. Brown hatte die Hölle verdient. „Es tut mir leid Sally Green das ich mein Verspreche nicht eingehalten habe“ flüsterte John in den Abendhimmel.
Abschied
Voll Trauer nehmen die Kollegen und Freunde des 5. Bostoner Polizeireviers
von Ihrem am Sonnabend im Alter von 52 Jahren verstorbenem Kollegen
Captain John T. Brown
abschied!
Voller Anteilnahme drücken Wir seiner Familie unser Bedauern und unser Beileid aus.
In Ausübung seiner Pflicht verstarb
Captain John T. Brown
im Dienst für Recht und Ordnung