Das Große Teilzeithelden-Würfelexperiment — Ein Zwischenbericht

Jul 25

Das Große Teilzeithelden-Würfelexperiment — Ein Zwischenbericht

Seit einem hal­ben Jahr schon läuft Hen­nings „Teilzeithelden-Würfelexperiment“. Da ist es an der Zeit für einen kur­zen Zwischenbericht.

 

 

 

 

 

Das Expe­ri­ment

Auf der Spiel’11 in Essen hat Annika mir einen hand­ver­le­se­nen und mit ihrem Wür­fel­glück auf­ge­la­de­nen Satz an Wür­feln zusam­men­ge­sucht. Ich benutze ein Jahr lang als Spie­ler nur diese Wür­fel und halte meine Beob­ach­tun­gen akri­bisch schrift­lich fest.

Bei Wür­feln, die mehr­fach vor­han­den sind, halte ich dabei nur die Ergeb­nisse fest. Ich habe die Wür­fel nicht mar­kiert, um einen Wurf exakt einem Wür­fel zuord­nen zu kön­nen. Das ist aber auch uner­heb­lich, weil jeder Wurf für sich ein unab­hän­gi­ges Ereig­nis ist und weil das Set kom­plett aus Glücks­wür­feln besteht.

Zwi­schen­stand

Der­zeit sieht es nicht gut aus für die Glücks­wür­fel. Die Gründe dafür sind noch zu ermit­teln. Viel­leicht liegt es daran, dass Annika die Wür­fel aus­ge­sucht hat und diese jetzt auf sie gestimmt sind, viel­leicht aber liegt es auch daran, dass ich als Spie­ler gene­rell schlech­ter wür­fele als Spiel­lei­ter – warum auch immer.

Harte Zah­len

Um Euch nicht län­ger auf die Fol­ter zu span­nen, hier ein paar harte Zahlen:

Harte_Zahlen

Den W100 habe ich im Fol­gen­den aus den fol­gen­den Dia­gram­men her­aus­ge­nom­men, da er mit sei­ner Abwei­chung die Ska­len sprengt, wodurch man in den Dia­gram­men nichts mehr erken­nen kann.

Anmer­kung zu den abge­lei­te­ten Würfeln

Die kur­siv dar­ge­stell­ten abge­lei­te­ten Wür­fel sind in der Liste dop­pelt erfasst. Bei­spiels­weise setzt sich der W100 zusam­men aus einem nor­ma­len W10 und einem wei­te­ren W10 mit den Zah­len in Zeh­ner­schrit­ten. Des­halb habe ich sowohl das W100-Gesamtergebnis fest­ge­hal­ten, als auch das Ergeb­nis der bei­den nor­ma­len W10.

Glei­ches gilt für den W3 (immer ein W6 /2) und den W2 (meis­tens ein W6/3, zwei­mal auch W4/2)

Das Inter­es­san­teste an die­ser Tabelle war die Erkennt­nis, wie wenig man tat­säch­lich wür­felt. Gerade bei den W20, die ja nur für Path­fin­der ver­wen­det wur­den, finde ich 129 Würfe ver­teilt auf 13 Spiel­sit­zun­gen nicht wirk­lich viel. Bei den W6 (2 x Shado­wrun + ein wenig Path­fin­der) und W10 (3x Wer­e­wolf und 2x Cthulhu) muss man berück­sich­ti­gen, dass sowohl Shado­wrun, als auch Wer­e­wolf deut­lich mehr als einen Wür­fel pro Wurf erfordern.

Diagramm 1: Erwartungswert und Durchschnittswert.

Dia­gramm 1: Erwar­tungs­wert und Durchschnittswert.

Inter­pre­ta­tion

Wider Erwar­ten schnei­den die Glücks­wür­fel anders ab, als sie mathe­ma­tisch soll­ten. Wider Erwar­ten des­halb, weil ich bei einem Schei­tern des Expe­ri­men­tes eigent­lich genau mit einer Annä­he­rung an die jewei­li­gen Erwar­tungs­werte gerech­net hätte. Die Rich­tung der Abwei­chung ist dabei vor­läu­fig egal: Je nach Sys­tem wird hoch– oder nied­rig gewür­felt, des­halb geht es erst ein­mal nur um den Aus­schlag an sich.

Bei eini­gen Wür­feln lässt sich die Ten­denz trotz­dem bestim­men. So habe ich die W20 nur für Path­fin­der–Run­den ein­ge­setzt, bei denen es darum geht, hoch zu wür­feln. Inso­fern bin ich von dem Durch­schnitt von 8,2 natür­lich etwas ent­täuscht. Die W6 wur­den eben­falls nur ein­ge­setzt, um hoch zu wür­feln (Shado­wrun, Path­fin­der), hier ist das Ergeb­nis ein wenig bes­ser aus­ge­fal­len, als erwartet.

 

Diagramm 2: Abweichung von Durchschnitt gegen Erwartungswert

Dia­gramm 2: Abwei­chung von Durch­schnitt gegen Erwartungswert

Her­aus­ra­gende Momente

Es gibt einige her­aus­ra­gende Momente, in denen die Wür­fel im rich­ti­gen Moment bei der Sache waren.

So hat mein Hobby-Boxer bei Cthulhu den Geg­ner im Ring inner­halb weni­ger Minu­ten auf die Bret­ter geschickt. Einem Shadow­lord sind ein paar wich­tige Beein­flus­sun­gen mit Bra­vour gelun­gen. Und ein (zuge­ge­be­ner­ma­ßen gebuff­ter) Pathfinder-Kämpfer der Stufe 9 hat in einer ein­zi­gen Kampf­runde mit zwei kri­ti­schen von drei Tref­fern (unter Haste) ins­ge­samt 154 Punkte Scha­den erzeugt.

Zwi­schen­fa­zit

Die Wür­fel haben noch ein paar Monate Zeit, um sich an die Erwar­tungs­werte anzunähern.

 Ich hatte eigent­lich vor, das Expe­ri­ment im nächs­ten Jahr mit einer „Blind­stu­die“ fort­zu­set­zen, also ein wei­te­res Jahr lang jeden Wurf auf­zu­schrei­ben, dabei aber belie­bige Wür­fel zu verwenden.

Jetzt über­lege ich, ob ich das Expe­ri­ment zusätz­lich noch ein­mal mit spe­zi­ell aus­ge­wähl­ten „Hoch-“ und „Nied­rig­wür­feln“ wie­der­hole. Ich habe also noch ein paar Jahre was zu tun ;-)

Annika sagt:

Tja, was soll ich sagen, offen­bar scheint mein Glücks­wür­felkarma nur bei mei­nen eige­nen Wür­feln zu funk­tio­nie­ren. Dabei hab ich für den Hen­ning letz­tes Jahr auf der Spiel extra die bes­ten Wür­fel „raus­ge­wür­felt“. Viel­leicht ist die Anfor­de­rung an die Wür­fel aber auch ein­fach zu hoch, schließ­lich müs­sen sie mal hoch, mal nied­rig wür­feln, davon sind sie jetzt viel­leicht ver­wirrt, wer weiss (bei mir müs­sen die W10 ja nur hoch wür­feln, da haben sie klare Vor­ga­ben). Na mal schauen, sie haben ja noch etwas Zeit, um sich zu bewei­sen, war­ten wir es ab.

 

Auch lesens­wert:

12 Kommentare

  1. Carsten /

    Falls das kein Spass ist (dafür ist der Auf­wand irgend­wie zu groß) sollte euch klar sein, dass man aus ca. 50 Wür­fel­wür­fen noch nicht mal eine Ten­denz ablei­ten kann.

  2. Naja, ablei­ten kann man sie schon, aber sie ist nicht sehr Aussagekräftig.

    Hier geht’s halt nur um ein Zwi­schen­er­geb­nis, selbst die Bewer­tung irgend­wel­cher Trends habe ich des­halb bewusst vermieden.

    Aber: Ange­wandte Sta­tis­tik muß lei­der mit den Wer­ten aus­kom­men, die sie zur Ver­fü­gung hat ;-)

  3. Du wür­felst mir den­sel­ben Wür­feln hoch und nied­rig? Dass kann ja nicht funk­tio­nie­ren. Da sind die Wür­fel ja total ver­wirrt. Und falls es wirk­lich Glücks­wür­fel sinne, dann glei­chen sich die für doch posi­ti­ven Effekte gegen­sei­tig aus. Nicht gut…

  4. @Jan: Mein Reden! Ich habe Hen­ning auch gesagt, er kann von den Wür­feln nicht erwar­ten dass sie wis­sen, wann sie hoch und wann nied­rig wür­feln müs­sen. Ich habe meine Wür­fel auch strikt getrennt nach Wür­feln für hohe oder nied­rige Würfe und was soll ich sagen — sie haben mich so gut wie nie enttäuscht.

  5. Hoffe auch, dass es am Ende des Expe­ri­ments noch eine „rich­tige“ sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung gibt, wel­che die Anzahl der Wür­fel­würfe berück­sich­tigt und t– oder z-skaliert in Stan­dard­ab­wei­chun­gen rech­net, um eine tat­säch­li­che Signi­fi­kanz zu bestim­men.
    Und es wäre natür­lich sinn­voll, nicht nur das tat­säch­li­che Wür­fel­er­geb­nis zu betrach­ten, son­dern vor allem zu schauen, ob der Wurf ein Erfolg war oder nicht — gerade bei SR4 bie­tet sich das ja sehr an, weil es einen stan­dar­di­sier­ten Ziel­wert gibt. Das rohe Wur­f­er­geb­nis sagt nicht viel aus (Thema Hoch– und Nied­rig­ziel­sys­tem wurde ja schon ange­spro­chen), vor allem wer­den auch kri­ti­sche Ergeb­nisse nicht berück­sich­tigt.
    Aber nichts­des­to­trotz eine auf­wän­dige und inter­es­sante Sache, ich werde das auf jeden Fall inter­es­siert weiterverfolgen.

  6. Daniel Golesny /

    Es ist aber auch ganz wich­tig daran zu glau­ben. Ich denke, die Wür­fel haben kein eige­nes Ego, son­dern dass es ein paranor­ma­ler Mecha­nis­mus ist. An sowas muss man schon mit einer gewis­sen Grund-Naivität („Natür­lich klappt das“) und nicht mit wis­sen­schaft­li­cher Skep­sis rangehen.

  7. @Daniel: wie jetzt, die Wür­fel haben kein eige­nes Ego? Sowas kannst Du doch nicht sagen! Ok, Scherz bei­seite, Du hast sicher­lich Recht, eine gute Por­tion Glaube an das eigene Glück gehört natür­lich mit dazu, aber ich finde die Vor­stel­lung von Wür­feln mit eige­ner Per­sön­lich­keit irgend­wie wit­zig, wenn auch kind­lich naiv :)

  8. Viel­leicht ist die Anfor­de­rung an die Wür­fel aber auch ein­fach zu hoch, schließ­lich müs­sen sie mal hoch, mal nied­rig wür­feln, davon sind sie jetzt viel­leicht ver­wirrt, wer weiss

    Voll­kom­men kor­rekt. Die armen Schweine sind doch durch den Wind. Für jedes Set­ting habe ich daher einen eige­nen Satz als Spie­ler und SL.

    Wer hat bei unse­rer Hoch-ist-gut-Runde die mie­ses­ten Würfe? Unser Spie­ler, der DSA-Würfel ver­wen­det, die in Aven­tu­rien alles weg­wür­feln, bei uns eben nicht. Und auch in Aven­tu­rien schwä­cheln sie jetzt — sind halt verwirrt.

    Wür­fel so miß­han­deln. Pah.

  9. Kannst du in der Tabelle noch ein­tra­gen, um wie­viel Pro­zent das Ergeb­nis der Wür­fel vom Erwar­tungs­wert abweicht? Das wäre toll.

    Und wenn du das Expe­ri­ment fort­setzt, kauf dir doch bitte ein paar W6 von Game­sci­ence… ob die echt bes­ser sind?

  10. Meine Wür­fel haben defi­ni­tiv ein Ego!
    Die hel­fen mir immer nur in brenz­li­gen Situationen.

    Bei mir ist das eigent­lich immer so:
    # Wenn bei der Cha­rak­ter­er­schaf­fung Wür­fel gefragt sind, dann wür­feln sie immer wirk­lich gut. Ich hab zum Teil Chars mit unglaub­li­chen Wer­ten (vor allem wenn die Wür­fel explo­die­ren können)

    # War das der Fall, dann glei­chen die Wür­fel das aus, in dem sie im Spiel in nor­ma­len Situa­tio­nen grund­sätz­lich schlecht wür­feln. Da kann z.B. mein Schlei­chen Wert noch so gut sein …

    # Aller­dings lie­ben die Wür­fel meine Chars und haben es bis­her immer ver­hin­dert, dass einer gestor­ben ist. Wenn es um Leben und Tod (oder in die Rich­tung) geht, dann wür­feln sie wie­der gut.

    Zudem haben meine Wür­fel auch Geschmack bzw. Vorlieben.

    An einem Tag habe ich bei Mort­heim meine Geg­ner ver­nich­tend geschla­gen … natür­lich lag das haupt­säch­lich an mei­ner gran­dio­sen Tak­tik (sicher ^^), aber auch meine Wür­fel­würfe waren unglaub­lich gut.

    Am nächs­ten Tag habe ich in einem BloodBowl-Spiel haus­hoch ver­lo­ren, weil ein­fach nichts klap­pen wollte.

    … so ist das halt mit Din­gern, die so viele Kan­ten und Ecken haben und Tag für Tag in einem dunk­len Beu­tel gefan­gen sind.

  11. Ich bin dafür das Hen­ning mal ein paar unse­rer Trinity-Abende aus­wer­tet. Annika sprengt ver­mut­lich jeg­li­che Statistik.

  12. Jan F /

    Man könnte, wie ich das jetzt ein­fach tun werde, den wis­sen­schaft­li­chen Aspekt her­an­zie­hen, dass es den idea­len Wür­fel in der Rea­li­tät nicht gibt, son­dern jeder Wür­fel von sich aus etwas „gezinkt“ ist. Außer­dem liegt der Zufall beim Wür­feln nicht so sehr am Wür­fel, son­dern beim Abwurf. Sobald der Wür­fel fliegt, könnte man das Ergeb­nis bereits berech­nen, soweit man Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten, räum­li­che Lage, Geschwin­dig­keit, Rota­tion und die dazu gehö­ri­gen Rich­tun­gen kennt. Wobei hier Abwar­ten ein­fach schnel­ler geht.

Einen Kommentar schreiben