Der Siegelstätter Bote — Ein persönlicher Bericht über das Conquest of Mythodea 2012

Aug 06

Der Siegelstätter Bote — Ein persönlicher Bericht über das Conquest of Mythodea 2012

Die Ele­mente zum Gruße.

Da bin ich nun daheim, habe, wie auch schon nach dem Jen­seits der Sie­gel, einen mas­si­ven Aus­wurf­schock (danke, Roger, für diese Wort­schöp­fung) und hoffe, die­sen ein wenig dadurch zu kom­pen­sie­ren, dass ich euch von der Ver­an­stal­tung berichte. 

Das Con­quest of Mytho­dea ist laut Ver­an­stal­ter Live Adven­ture das größte LARP –Event der Welt. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen, aber die vie­len tau­send Spie­ler, NSCs und Leute hin­ter den Kulis­sen sind schon extrem beein­dru­ckend. Die Größe der Lager hat im Gegen­satz zum letz­ten Jahr eher noch zuge­nom­men, zumin­dest hatte ich die­ses Gefühl.

Statt­ge­fun­den hat die Ver­an­stal­tung vom 01. bis 05. August 2012 in Broke­loh in der Nähe von Nien­burg (oder Han­no­ver, wenn ihr eine wirk­lich große Stadt zur Ori­en­tie­rung braucht). Neben Tau­sen­den von Spie­lern, die in diverse Lager (die genaue Zäh­lung ist auf Grund klei­ner Absplit­te­run­gen, die aber an gro­ßen Lagern hän­gen, recht schwer, aber es sind, je nach Zähl­weise zwi­schen 9 und 15 Stück) auf­ge­teilt waren, gab es wie immer eine große Stadt aus Zel­ten, in der man aller­hand Händ­ler und Taver­nen fin­den konnte und die immer gut besucht war.

Die Kam­pa­gne rund um den Kon­ti­nent Mytho­dea wird seit nun­mehr 11 oder 12 Jah­ren bespielt und wird im kom­men­den Jahr ihren Höhe­punkt erle­ben. Die­ser, das hat die Spiel­lei­tung bereits ange­kün­digt, berück­sich­tigt die Ent­schei­dun­gen der Spie­ler und wird damit das Gesicht der Spiel­welt und damit auch der Kam­pa­gne nach­hal­tig verändern.

Auf den Inhalt des Plots möchte ich hier weni­ger ein­ge­hen (zumin­dest nicht direkt, aber dazu unten mehr), son­dern viel­mehr dar­auf, was aus mei­ner ganz per­sön­li­chen Sicht die­ses Jahr beson­ders war.

Wie ihr euch viel­leicht erin­nert, habe ich in mei­nem letz­ten Con­be­richt, dem über das Jen­seits der Sie­gel geschrie­ben, dass ihr die Infor­ma­tio­nen über das, was so pas­siert ist, am bes­ten InTime her­aus­fin­den sollt.

Auf dem Jen­seits der Sie­gel, mit sei­nen „über­schau­ba­ren“ ~500 Spie­lern ist das viel­leicht noch eine rela­tiv ein­fa­che Sache. Auf dem Con­quest mit vie­len tau­send Spie­lern ist das ein Voll­zeit­job. Und im Gegen­satz zu klei­ne­ren Cons, wo eine sol­che Tätig­keit kaum Sinn erge­ben würde, gibt es auf dem Con­quest tat­säch­lich Leute, die sich genau die­ser Auf­gabe gestellt haben.

Zum Bei­spiel mich. Natür­lich kann man eine Auf­gabe, die es erfor­dert, an jedem der wich­ti­gen Plot­punkte zu sein oder zumin­dest davon zu hören, was dort pas­siert, nicht alleine machen und so habe ich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zusam­men mit ande­ren Spie­lern eine Art Netz­werk aufgebaut.

Immer wie­der tref­fen wir uns, meist eher zufäl­lig als geplant, und tau­schen die neu­es­ten Infos aus und spe­ku­lie­ren dar­über, was sie bedeu­ten. Und so toll die­ser Aus­tausch im klei­nen Kreis auch sein mag, so hilft es doch nur einem rela­tiv erle­se­nen Kreis an Leu­ten, an die wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen zu gelangen.

Aus genau die­sem Grund hatte eine Mit­spie­le­rin von mir im letz­ten Jahr die Idee, das, was wir erfah­ren doch ein­fach als Zei­tung her­aus­zu­brin­gen. Die Idee wurde dann in unse­rer Spiel­gruppe bespro­chen und fand sofort Anklang. Und so wurde der Sie­gel­stät­ter Bote geboren. 

Da noch nie einer von uns eine Zei­tung her­aus­ge­ge­ben hatte, betra­ten wir Neu­land und muss­ten eine Menge im Vor­feld pla­nen, besor­gen, mit der Orga abspre­chen, etc. Natür­lich klappte nicht alles genau so, wie wir es geplant hat­ten, sei es durch rela­tiv plötz­li­che per­so­nelle Ein­schrän­kun­gen (die bei­den Haupt­ak­teure unse­rer Gruppe reis­ten ein wenig bzw. erheb­lich spä­ter an als geplant) oder ein­fach dadurch, dass man­che Pro­zesse erheb­lich mehr Zeit erfor­der­ten als geplant. Aber am Ende haben wir es tat­säch­lich geschafft, an jedem Tag der Ver­an­stal­tung (bis auf den Sonn­tag, der ist eh nur der Tag des Abbaus) eine Zei­tung herauszubringen. 

Etwas über­rascht waren wir, dass die SL uns sogar ein­ge­plant hatte und uns direkt am ers­ten Mor­gen ein paar Arti­kel gab, die in der Zei­tung erschei­nen soll­ten. Gut, das, was drin ste­hen sollte, hät­ten wir auch von uns aus berich­tet, aber schön war das Gefühl den­noch, so direkt von der SL ein­be­zo­gen zu wer­den in die Veranstaltung.

Auch Boten tauch­ten auf, die unsere Zei­tung in die Lager tra­gen woll­ten (natür­lich für eine ent­spre­chende Betei­li­gung am Erlös) und schon bald hat­ten wir oft Leute am Lager, die die Zei­tung such­ten, um die aktu­ellste Aus­gabe zu bekom­men, Anzei­gen zu plat­zie­ren oder Ähnliches.

Beson­ders schön fand ich per­sön­lich dabei immer wie­der die ver­wirr­ten Gesich­ter der Leute, die uns Geld für Dinge boten, die unse­rem Kon­zept ent­ge­gen­stan­den, so dass wir regel­mä­ßig ablehn­ten. Ich glaube, eine ehr­li­che Zei­tung hatte nie­mand erwar­tet ;)

Natür­lich war aber auch nicht alles nur Son­nen­schein – Ja, das Wet­ter ist damit auch gemeint – son­dern es gab auch diverse Pro­bleme. Für mich per­sön­lich das Größte davon war die Tat­sa­che, dass ich nun auf einem LARP  meh­rere Stun­den am Vor­mit­tag damit zubrachte, an einem Rech­ner zu sit­zen und Arti­kel zu ver­fas­sen und eine Zei­tung zu setzen.

Zum einen hielt mich das sehr von mei­nem übli­chen Spiel ab, zum ande­ren bin ich im nor­ma­len Leben Sys­tem­ad­mi­nis­tra­tor und somit war mein LARP-Erlebnis mir irgend­wie zu nah an mei­nem All­tag. Da wer­den wir für nächs­tes Jahr einen ande­ren Weg fin­den müssen.

Ja, im nächs­ten Jahr wer­den wir das Zei­tungs­pro­jekt auf jeden Fall fort­füh­ren, denn alle Betei­lig­ten waren wirk­lich begeis­tert von der Reso­nanz und das Spiel, das durch die Aktion gene­riert wurde.

Warum ich hier im Bericht so wenig auf die eigent­li­che Ver­an­stal­tung ein­gehe? Weil alles so war, wie es das auf Mytho­dea immer ist: Großartig!

Tolle NSCs, ein extrem bun­tes Feld von Cha­rak­te­ren, Plots, die von per­sön­lich bis welt­ver­än­dernd gigan­tisch rei­chen, Ver­rat, Tra­gö­dien, Siege, Nie­der­la­gen. Man könnte fast mei­nen, man spiele in einer HBO-Serie mit. Und das Jahr um Jahr und nicht nur auf dem Con­quest of Mytho­dea.

Auch die­ses Jahr gab es wie­der Aktio­nen von Spie­lern und Ent­schei­dun­gen von Spiel­lei­tun­gen, die für Unmut sorg­ten, aber wie eigent­lich immer über­wo­gen die posi­ti­ven Momente bei weitem.

Ob wir die­ses Jahr „gewon­nen“ haben oder nicht ist eine Frage, die sich nicht so leicht beant­wor­ten lässt, denn trotz vie­ler Siege, die errun­gen wer­den konn­ten, waren einige Rück­schläge dabei, die so herb waren, dass man am Sieg zwei­feln mag. Und das ist auch gut so, denn so wer­den die Tref­fen, die vor dem nächs­ten Feld­zug (so der Begriff, der InTime für das Con­quest meist ver­wen­det wird), Raum für span­nende Über­le­gun­gen und Dis­kus­sio­nen bieten.

Ich bin sicher, nicht immer einer Mei­nung mit den Leu­ten, die das Con­quest ver­an­stal­ten, aber ich bin doch jedes Mal aufs Neue froh, ein Teil von dem zu sein, was sie gemein­sam mit den ande­ren NSCs und Spie­lern auf die Beine stellen.

Ich bin sicher, dass der Kar­ten­vor­ver­kauf bald begin­nen wird. Wer schon immer mal Lust hatte, an einem Groß­con teil­zu­neh­men, sollte das kom­mende Con­quest im Kopf behal­ten. Denn egal, was genau pas­sie­ren wird, es wird einen neuen Abschnitt in der Kam­pa­gne um Mytho­dea ein­lei­ten. Und IHR könnt dabei sein! 

Ach ja, zu den Plo­tin­hal­ten, die ich oben erwähnt habe: In den Anhän­gen habt ihr einen klei­nen Ein­blick in das, was so pas­siert ist. Wir prä­sen­tie­ren Euch die erschie­ne­nen Aus­ga­ben des Sie­gel­stät­ter Boten. Die Aus­gabe 5 ist auf der Ver­an­stal­tung selbst nicht erschie­nen, ist aber genau das, was wir am Sonn­tag her­aus­ge­bracht hät­ten, darf also genauso als InTime ange­se­hen wer­den, wie die ande­ren Ausgaben.

Der Sie­gel­stät­ter Bote — Aus­gabe 1
Der Sie­gel­stät­ter Bote — Aus­gabe 2
Der Sie­gel­stät­ter Bote — Aus­gabe 3
Der Sie­gel­stät­ter Bote — Aus­gabe 4
Der Sie­gel­stät­ter Bote — Aus­gabe 5

Und nun ver­ab­schiede ich mich wie­der in den schnö­den Alltag.

Hol­ger Chris­ti­an­sen aka Shiar Tal­vena
Schü­ler des Sil­ver Rikan
Gelehr­ter und Autor des Sie­gel­stät­ter Boten
Bür­ger von Siegelstatt

 

 

 

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3 Kommentare

  1. Salaam!

    Tol­ler Bericht und danke für das schöne Spiel. Mein Stam­mes­bru­der Nazir und ich möch­ten unbe­dingt das FFMI (Freies Fara­bi­sches Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut) nächs­tes Jahr aus­bauen — viel­leicht in einer täg­li­chen Ver­öf­fent­li­chung unter­schied­li­cher Erhe­bun­gen im Sie­gel­städ­ter Boten? Vie­les wäre denk­bar und zum Abschluss der Kam­pa­gne beson­ders „erhebenswert“.

    Ishtar mit euch

    Jupi­tra

  2. Holger /

    Hallo Jupi­tra,

    Auch wenn ich per­sön­lich nicht anwe­send war, als euer FFMI bei uns war, ich fand die Idee klasse und war begeis­tert davon, den Arti­kel in unse­rer Zei­tung zu haben.
    Wenn es nächs­tes Jahr Gele­gen­hei­ten gibt, zu denen Mei­nungs­um­fra­gen sinn­voll sind, neh­men wir sol­che gerne ent­ge­gen und ver­öf­fent­li­chen sie dann :)

  3. Valena /

    Wie unsag­bar groß­ar­tig hier einen Bericht und die Aus­ga­ben des Boten zu fin­den — ihr habt phan­tas­ti­sche Arbeit gemacht und beson­ders Aus­gabe 03 erhei­terte das Westheer den gan­zen Tag :D

    Vie­len, vie­len Dank für eine wirk­lich tolle Arbeit und hof­fent­lich bis nächs­tes Jahr! Macht unbe­dingt wei­ter, ihr leis­tet wirk­lich etwas ganz Besonderes!

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