Rezension: Laundry Files — Agent’s Handbook

Aug 22

Rezension: Laundry Files — Agent’s Handbook

Bei dem vor­lie­gen­den Quel­len­band han­delt es sich um das Spie­ler­hand­buch für das „The Laundry RPG“ von Cubi­cle 7 Enter­tain­ment als High-Quality-PDF. 

Das Agenten-Handbuch soll den Spie­lern neue Mög­lich­kei­ten zur Cha­rak­ter­ge­stal­tung an die Hand geben, die beson­de­ren Tricks und Kniffe der Orga­ni­sa­tion vor­stel­len und zudem das ein oder andere Gim­mick aus dem Agen­ten­all­tag vorstellen.

Lest selbst, was der Band hält und wo sich eine gewisse Ernüch­te­rung ein­stel­len könnte.

Erschei­nungs­bild

135 Sei­ten Text (inkl. Inhalts­ver­zeich­nis, Index usw.; Datei­größe 17.33 MB), klar bis klas­sisch struk­tu­riert, far­big illus­triert und umfang­reich mit Lese­zei­chen ver­se­hen. Die ver­wen­de­ten Gra­fi­ken gehen stark in Rich­tung „Pulp“, was aber mei­nem Emp­fin­den nach gut zum Sys­tem passt.

Die har­ten Fakten:

  • For­mat: PDF
  • Ver­lag: Cubi­cle 7 Enter­tain­ment Ltd.
  • Autor: Gareth Han­ra­han, Jason Durall, John Snead
  • Erschei­nungs­jahr: 2011
  • Spra­che: eng­lisch
  • ISBN-10: 978−0−85744−053−2
  • Bezugs­quelle: Dri­ve­ThruRPG (Klick)  oder Ama­zon (Klick)
  • Preis: 14,99 USD oder 21,99 EUR (Buch)

Inhalt

Kurz gerafft glie­dert sich der Band wie folgt: Agenten-Einmaleins, tech­ni­sche Gim­micks und Waf­fen, Büro­kra­tie, Trai­nings­kurse, vor­ge­fer­tigte Cha­rak­tere (Tem­pla­tes), neue NSCs, andere Orga­ni­sa­tio­nen sowie Kampagnen-Vorschläge.

Hört sich ja schon mal an wie ein klas­si­sches Spie­ler­hand­buch. Die erste Rubrik, das Ein­mal­eins des Geheim­agen­ten, klärt ober­fläch­lich über reale wie ver­mut­lich nur im Spiel vor­han­dene Spionage-Techniken auf. Viel Neues liest man hier nicht, der geneigte Leser/Rollenspieler wird ver­mut­lich Zeit sei­nes Hob­bys schon hier und da mit dem Thema „Geheim­agen­ten“ zu tun gehabt haben, dass man spie­le­risch noch etli­che Inhalte ergän­zen könnte. Für Neu­ein­stei­ger fin­det sich hier aber zumin­dest eine über­sicht­li­che Samm­lung von grund­sätz­li­chen Spionage-Techniken.

Zu dem Abschnitt über die tech­ni­schen Hilfs­mit­tel sowie der pro­fa­nen Waf­fen­tech­nik muss man nicht viel sagen, hier wer­den Spie­ler­au­gen meis­tens grö­ßer. Bei der Expe­ri­men­tal­tech­nik fin­den sich ein paar nette Gim­micks und man bekommt gewisse Anre­gun­gen für eigene Ideen.

Bei der Erwäh­nung des Wört­chens „Büro­kra­tie“ kräu­seln sich den meis­ten Lesern ver­mut­lich schon die Haare im Nacken, den­noch sollte man dem Abschnitt eine Chance geben. Sie kann nicht nur Instru­ment gegen den Feind sein, sie ist auch Selbst­zweck und Herz­blut einer Regierungs-Organisation. Was nutzt all die ganze Ein­satz­vor­be­rei­tung, wenn nicht die pas­sen­den Anforderungs-Formulare für die teure Spe­zi­al­aus­rüs­tung an die ent­spre­chen­den Stel­len wei­ter­ge­ge­ben wur­den? Oder liegt es daran, dass man Gary (den Büro­hengst aus der Mate­ri­al­ver­wal­tung) nicht zum letz­ten Grill­fest ein­ge­la­den hat? Die Feder ist mäch­ti­ger als das Schwert.

Die Trai­nings­kurse stel­len eine inter­es­sante Erwei­te­rung dar: es han­delt sich dabei um Fer­tig­kei­ten­pa­kete, die von den Cha­rak­te­ren in Form von Trai­nings­kur­sen wäh­rend ihrer Aus­bil­dung bzw. Tätig­keit für die Laundry erwor­ben wer­den. Man möge nun ein­wen­den, dass man sich der­lei auch prima sel­ber aus­den­ken kann, jedoch halte ich es für eine gewisse Erleich­te­rung für Spie­ler und SL. Außer­dem macht sich der „Bar­ri­cade the doors! — buil­ding secu­rity in the event of zom­bie attack“–Work­shop doch super im Lebens­lauf eines Agenten.

Zusätz­li­che Ste­reo­ty­pen und vor­ge­fer­tigte Cha­rak­tere gehö­ren irgend­wie in jedes Spie­ler­hand­buch, oder? Zu Beginn bestimmt inter­es­sant, spä­ter ver­mut­lich nur noch Anre­gung oder Hil­fe­stel­lung für den Spielleiter.

Direkt im Anschluss könnte man wie­der die gro­ßen Augen sei­ner Spie­ler beob­ach­ten: neue Regeln für das Erschaf­fen über­na­tür­li­cher Spie­ler­cha­rak­tere! Ohne kon­kre­tes Tes­ten im Spiel kann ich zu dem Balan­cing der ange­bo­te­nen Ras­sen nicht viel sagen, wäre aber an der Stelle gewohnt restrik­tiv bis skep­tisch. Woll­tet ihr nicht schon immer einen einen Deep-One-Hybriden-Agenten auf der Jagd nach sei­nem leib­li­chen Vater spie­len? Oder Hum­phrey Bog­houl, den unto­ten Privatschnüffler?

Und wo wir gerade den Pri­vat­de­tek­tiv erwähnt haben, es gibt ja auch noch einen Abschnitt über das Leben außer­halb des bri­ti­schen Okkult-Geheimdienstes. Der Blick über den Tel­ler­rand beschäf­tigt sich nicht nur mit den Orga­ni­sa­tio­nen ande­rer Staa­ten, son­dern auch der einen oder ande­ren „freien“ Orga­ni­sa­tion und es gibt sogar gewisse Anre­gun­gen für Kultisten-Hintergründe, also die Gegen­seite der Agenten.

Zum Ende des Ban­des fin­den sich dann noch ein paar Vor­schläge zu unter­schied­li­chen Kam­pa­gnen, in die­sem Fall ein­fach am bespiel­ten Zeit­ab­schnitt ori­en­tiert. An die­ser Stelle sei ange­merkt, dass „The laundry“ die Jetzt-Zeit bespielt und der Band bspw. Hin­weise für eine Kam­pa­gne wäh­rend des Kal­ten Krie­ges liefert.

Als klei­nes Schman­kerl fin­det sich dann noch zwi­schen dem letz­ten Kapi­tel und dem Index eine Reihe von Han­douts. Anträge, For­mu­lare und sogar eine Aus­fer­ti­gung der Geheim­hal­tungs­ver­ein­ba­rung für Laundry-Agenten.

Preis-/Leistungsverhältnis

Es gibt durch­aus ein paar inter­es­sante Anre­gun­gen, man­ches erfüllt jedoch in mei­nen Augen allen­falls den Stan­dard eines Spie­ler­hand­bu­ches. Wäre das PDF zumin­dest ein paar Dol­lar güns­ti­ger, wäre dies even­tu­ell zu ver­schmer­zen, aber in die­sem Falle emp­finde ich die knapp 15 Dol­lar als zu hoch ange­setzt. Um die 10 Dol­lar wäre der Band bes­ser platziert.

Fazit

14,99 USD für das PDF, 18,04 USD für die gedruckte Ver­sion, das könnte u.U. zum Grü­beln ver­lei­ten. Möchte man lie­ber in Ruhe zuhause etwas nach­le­sen oder doch lie­ber wäh­rend der Runde blät­tern und den ande­ren Spie­lern zur Ver­fü­gung stel­len? Mal ange­nom­men, dass die Runde noch nicht voll tech­ni­siert ist (kein Tablet oder Lap­top vor­han­den) ist die gedruckte Vari­ante even­tu­ell die bes­sere Wahl.

Kennt ihr das? Ihr lest einen Text und es tau­chen immer wie­der mal Abkür­zun­gen auf, deren Sinn ihr nicht ver­steht und ihr könnt euch auch beim bes­ten Wil­len nicht daran erin­nern, wann die Abkür­zun­gen ein­ge­führt wur­den. Kurz zum Beginn des Buches zurück­ge­blät­tert, fin­det man auch dort kein Abkür­zungs­ver­zeich­nis. Man möge mich in die­sem Fall für einen Pedan­ten hal­ten, mich stört so etwas beim Lesen.

Ob man die im Agen­ten­hand­buch ver­tre­te­nen Künst­ler bzw. deren Bil­der mag oder nicht, muss jeder für sich selbst ent­schei­den, einige Bilder/Skizzen gefal­len mir per­sön­lich über­haupt nicht. Sie wir­ken teils eher am Rech­ner gezeich­net, denn in natura und dies lei­der nicht zum ästhe­ti­schen Vor­teil des Produkts.

Abschlie­ßend behaupte ich, dass der Band durch­aus für wei­tere Anre­gun­gen bei der Aus­ge­stal­tung eines Laundry–Cha­rak­ters lie­fert. Wirk­lich benö­ti­gen wird man das Spie­ler­hand­buch aller­dings nicht. Die Han­douts sind nett, die Idee der Trai­nings­kurse gefällt mir auch sehr gut, aber ansons­ten kam an eini­gen Stel­len keine wirk­li­che Begeis­te­rung auf. Ich würde mich nicht als expli­zi­ten Fan der Agenten-Thematik bezeich­nen aber jeder, der die Bond–Filme (oder auch die Bourne–Reihe) kennt, viel­leicht auch schon mal einen Agenten-Roman gele­sen oder sich mit einem Sach­buch bzgl. Spio­nage aus­ein­an­der gesetzt hat, wird nicht viel Neues in dem Buch fin­den. Nur für zusätz­li­che Regeln muss man sich aber so ein Buch bestimmt nicht anschaffen.

Ich bin durch­aus ein Fan der Cthulhu-Thematik, ich finde auch die Idee von MIB meets Cthulhu u.U. reiz­voll, aber bei dem Agen­ten­hand­buch kann ich lei­der keine Kauf­emp­feh­lung aussprechen.


Unsere Bewer­tung  

Erschei­nungs­bild ★★★★☆
Sau­be­res Lay­out, prima zu lesen. Keine Pro­bleme im Textfluss.
Inhalt ★★★☆☆
Der Stan­dard ist erfüllt.
Preis-/Leistungsverhältnis ★★☆☆☆
Für 14,99$ bekommt man mei­ner Mei­nung nach wenig. Bei 10$ könnte man hier auf „3 von 5“ anhe­ben. 
Gesamt ★★★☆☆
Als Nach­schla­ge­werk und für Anre­gun­gen ganz nett, es lässt sich aber bestimmt auch prima ohne das Buch aus­kom­men. Lei­der kein Kauf­prä­di­kat für ein Spielerhandbuch.

 

 

Auch lesens­wert:

5 Kommentare

  1. Ich lese mich inzwi­schen durch die „Laundry“-Reihe von Charles Stross auf die das Spiel basiert und bin hell­auf begeis­tert. Weni­ger MIB oder Bond* erin­nert es mich eher an einen sehr schnod­de­ri­gen moder­nen For­syth oder Le Carré. Weni­ger Hel­den­ta­ten als „Cloak and Dagger“-Operationen oder „Black Ops“ einer Geheimope­ra­tion. Der Humor ist schwarz und der Prot­ago­nist kämpft nicht nur gegen den Mythos son­dern gegen die Büro­kra­tie der eige­nen Orga­ni­sa­tion. Der Stil ist sehr eigen und ich bin gespannt, wie das Spiel­sys­tem das regelt…

    *Das Buch „The Jen­ni­fer Mor­gue“ arbei­tet das Thema „Bond“ auf groß­ar­tige Weise auf und hat das höchst inter­es­sante Essay „The Gol­den Age of Spying“.

  2. Ach, dazu gibts auch Bücher? Ist ja inter­es­sant. Das hört sich nach Lese­stoff für mich an, gleich mal gucken :)

  3. Stefan /

    Kennt der Rezen­sent einen Roman der Laundry-Reihe?

  4. Bis­lang noch nicht.

  5. Charles Stross hat sogar eine Web­seite:
    http://www.antipope.org/charlie/blog-static/2010/03/for-sale-first-edition-of-the.html.

    Das ein­zige bis­lang in deutsch erschie­nende Buch der „Laundry“-Reihe ist „Das Dämo­nen­tor“, die nicht ganz so wört­li­che Über­set­zung von „The Atro­city Archi­ves“ (seufz). Soll schlecht über­setzt sein.

    Hier eine Kri­tik (im unte­ren Teil des Arti­kels)
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/verbrecher-jagd-hoellenhunde-der-buerokratie/v_print/1092750.html

    Eine Lese­probe aus dem Uni­ver­sum gefäl­lig?
    http://www.goldengryphon.com/Stross-Concrete.html

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