Angeschaut: Prometheus — Dunkle Zeichen

Sep 03

Angeschaut: Prometheus — Dunkle Zeichen

Alt­meis­ter Rid­ley Scott kehrt mit sei­nem neus­ten Streich Pro­me­theus zurück in das Science-Fiction Genre. Lange wurde das Pro­jekt geplant, vor­be­rei­tet und ver­än­dert, vom Pre­quel der Alien-Saga bis hin zum eigen­stän­di­gen Sci-Fi Block­bus­ter, alles schien möglich.

Es war 1979, als das erste Alien die Kino­zu­schauer in Angst und Schre­cken ver­setzte, als es aus einem mensch­li­chen Kör­per brach, um sich fortan in den dunk­len, klaus­tro­pho­bi­schen Gän­gen des „Nostromo“ Raum­schiffs auf die Jagd zu bege­ben. Unver­gess­lich war auch die weib­li­che Haupt­fi­gur Leut­nant Ellen Ripley (Sigour­ney Wea­ver), die sich in den unglei­chen Kampf gegen die außer­ir­di­sche Bedro­hung warf. Kein Wun­der, dass über 30 Jahre spä­ter die Erwar­tun­gen der welt­wei­ten Fan­ge­meinde hoch sind. Ob Rid­ley Scott nach sei­ner lan­gen Aus­zeit wie­der die rich­ti­gen Ele­mente für einen Hor­ror­strei­fen im Welt­all fin­det und schlüs­sig mit dem Pre­quel an die alte Alien-Saga anknüpft, erfahrt Ihr in die­ser Kritik. 

Der Plot ist schnell erzählt. Das Archäo­lo­gen­paar Eliza­beth Shaw (Noomi Rapace) und Char­lie Hol­lo­way (Logan Marshall-Green) fin­den über­ein­stim­mende Zei­chen alter Kul­tu­ren, die auf eine fremde Rasse deu­ten, die einst die Mensch­heit auf der uns bekann­ten Erde schuf. Dar­wins Evo­lu­ti­ons­theo­rie zum Trotz, begeis­tert das For­scher­duo das alters­schwa­che Fir­men­ober­haupt (Guy Pearce) von Wey­land Indus­tries, die gefun­de­nen Infor­ma­tio­nen nebst Ster­nen­karte des bewohn­ba­ren fer­nen Pla­ne­ten LV-223 in eine tat­säch­li­che For­schungs­mis­sion umzu­wan­deln. Wenn es um die Auf­lö­sung der Frage nach Gott und Schöp­fungs­theo­rien geht, las­sen sich auch alte Indus­trieg­reise nicht lange bit­ten. Gesagt, getan, ein paar Jahre Kryo­schlaf spä­ter erreicht das For­schungs­schiff Pro­me­theus den ver­meint­li­chen Ursprungs­ort der mensch­li­chen Rasse…

Wer sich jetzt noch an den ers­ten Ali­en­strei­fen und die rie­si­gen Über­reste des legen­dä­ren Space Jockey erin­nert, dürfte eine unge­fähre Vor­stel­lung davon haben, auf was das For­schungs­team stößt und in wel­cher Atmo­sphäre der Aus­flug auf dem weit ent­fern­ten Pla­ne­ten statt­fin­det. Ziem­lich ahnungs­los tappt die Gruppe unter­schied­li­cher For­schungs­pro­fes­sio­nen durch die Umge­bung des unbe­kann­ten Pla­ne­ten. Die Fäden schei­nen die Geld­ge­ber der Mis­sion in der Hand zu hal­ten. Strip­pen­zie­he­rin vor Ort ist die Figur der Meredith Vicker (Char­lize The­ron). Gemein­sam mit dem Fir­men­an­dro­iden David (Michael Fass­ben­der) treibt sie die Gruppe an, wobei Wey­land Indus­tries offen­sicht­lich noch ganz eigene Pläne hat. Es ist kein Zufall, dass der Film­name auch auf dem For­schungs­schiff prangt und der anti­ken Mytho­lo­gie entspringt.

Gekonnt bringt Regis­seur Rid­ley Scott bekannte Erfolgs­mus­ter aus der Alien-Reihe im Film unter, einige Men­schen fun­gie­ren als ahnungs­lose Opfer, wäh­rend andere mit ihren Macht­spiel­chen nur den dro­hen­den Unter­gang beschleu­ni­gen. Wie­der wird in dunk­len Gän­gen gesucht, gefun­den, gerannt und anschlie­ßend gestor­ben. Der Hor­ror bahnt sich in die­sen Momen­ten tat­säch­lich in erschre­ckend schö­nen Bil­dern auf die große Lein­wand. Doch wenn es im Dreh­buch schon um die ver­meint­li­chen Schöp­fer geht, kommt auch Rid­ley Scott nicht drum herum, immer wie­der philosophische-theologische Dia­loge und Ideen in seine Figu­ren ein­zu­pflan­zen, was mal mehr, mal weni­ger gut gelingt.

Recht gut funk­tio­niert die­ser Anspruch in der Figur des Andro­iden David. Michael Fass­ben­der hat in der Rolle des Maschi­nen­s­kla­ven aus­rei­chend Zeit, alte Film­zi­tate und ver­ges­sene Spra­chen zu stu­die­ren und seine ganz eige­nen Schöp­fungs­fes­seln zu lösen. Das mensch­li­che Äußere wech­selt bestän­dig mit der kal­ten Maschi­nen­lo­gik und die Figur ist in jedem Fall ein Plus für den Film. In die Fuß­stap­fen von Lt.Ripley tritt Nach­wuchs­ta­lent Noomi Rapace. Das Ori­gi­nal erreicht sie mei­ner Mei­nung nach nicht, aber immer­hin sorgt sie in einer recht mar­kan­ten Szene für erin­ne­rungs­wür­dige Film­mi­nu­ten und zeigt im Ver­gleich zu ihren männ­li­chen Kol­le­gen den nöti­gen Über­le­bens­wil­len. Char­lize The­ron gelingt die durch­schnitt­li­che Zur­schau­stel­lung einer har­ten Kar­rie­re­frau, die mit allen Mit­teln die Inter­es­sen ihres Kon­zer­nes durch­setz­ten will. Alle wei­te­ren Figu­ren sind zwar mit einem indi­vi­du­el­lem Cha­rak­ter ver­se­hen, ver­blei­ben aber ansons­ten so farb­los, wie der Pla­net, auf dem sie wan­deln. In die­sem Sinne schei­nen sie wirk­lich von den mys­te­riö­sen Schöp­fern abzu­stam­men, die mit ihrem blas­sen Erschei­nungs­bild und eben­falls wort­kar­gen Auf­trit­ten nicht wirk­lich über­zeu­gen können.

„Pro­me­theus – Dunkle Zei­chen“ mag vie­les sein, dem Hype und die Erwar­tun­gen, im Sinne der Bril­lanz des ers­ten Alien-Streifens, wird der neuste Rid­ley Scott Film aller­dings nicht gerecht. Das Dreh­buch bie­tet ein­fach diverse Lücken, es wirkt, als wäre man sich immer noch nicht einig, was man zei­gen und aus­drü­cken will. Der Kino­zu­schauer bekommt auf viele Fra­gen schlicht keine Ant­wor­ten prä­sen­tiert. Ohne Zwei­fel braucht man als Science-Fiction Fan eine aus­rei­chende Por­tion Fan­ta­sie, ent­schuld­bar ist der ein oder andere Aus­rei­ßer aber den­noch nicht. Gerade im letz­ten Drit­tel bricht der Film trotz stol­zen 124min förm­lich ab, dass Ende ist zu schnell erzählt, der anschlie­ßende Cliff­han­ger völ­lig überflüssig.

Trotz­dem bie­tet Pro­me­theus nicht nur eine gute Prise Hor­ro­r­ele­mente und son­dern offen­bart neben dem gelun­ge­nen Andro­iden­schau­spiel Fass­ben­ders natür­lich noch eine andere posi­tive Seite.

Der Schau­wert ist enorm und man bekommt als Kino­gän­ger eine Viel­zahl von wun­der­schö­nen Sze­nen gezeigt — sei es in den Wei­ten der Gala­xis, auf dem kar­gen Pla­ne­ten oder ganz ein­fach als Gru­se­lef­fekt in saftig-schleimiger Ali­en­ma­nier. Im visu­el­len Bereich kann Pro­me­theus in jedem Fall Akzente set­zen. Der 3D Effekt zeigt sich unauf­dring­lich und in schar­fen Bil­dern, bie­tet ansons­ten aber kaum Mehr­wert. Die Effekt­ab­tei­lung macht in Pro­me­theus alles in allem einen sehr guten Job, der einen Blick auf die große Kino­lein­wand zwei­fels­frei belohnt. Die Ver­knüp­fung zum ers­ten Teil der Alien-Reihe gelingt Regis­seur Scott mit der visu­el­len Auf­be­rei­tung bekann­ter Ele­mente und dem erzähl­ten Hintergrund.

Am Ende ist „Pro­me­theus – Dunkle Zei­chen“ also ein Film mit Ecken und Kan­ten, teil­weise gro­ßen Sze­nen, intel­li­gen­ten Dia­lo­gen und dem ein oder ande­ren Moment, wo man vor lau­ter Span­nung dem Lein­wand­hor­ror folgt. Lei­der schmä­lern einige Dreh­buch­hän­ger den opti­schen Genuss und hin­ter­las­sen ein Gefühl, zwar einen Film geschaut zu haben, der einen gewis­sen Unter­hal­tungs­wert besaß und zuwei­len das Zuschau­er­ge­hirn zum Nach­den­ken anregt, sich aber in den Rei­hen der Block­bus­ter 2012 nicht auf den vor­de­ren Plät­zen wie­der­fin­den wird. Rich­tig rund wird die Sache viel­leicht auch erst in einem aus­führ­li­chen Director’s Cut oder in der ange­deu­te­ten Fortsetzungsoption.

Trai­ler

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4 Kommentare

  1. Chabneruk /

    Mein Bru­der und ich haben stun­den­lang über die­sen Film reden kön­nen — und über sein ver­schenk­tes Poten­tial. Meine Güte. So viel ver­schenk­tes Potential.

    Ich stelle mal eine kleine Link­samm­lung zusam­men :) Jeder die­ser Links ent­hält SPOI­LER. Der Text eine Art Spoi­ler. Fast alle der erwähn­ten Plot Holes haben mich auch genervt (mal abge­se­hen davon, dass kaum jemand ver­stan­den hat, dass „Sie sind ein so schlech­ter Cap­tain“ ein Zei­chen von Loya­li­tät war u.ä. ;) ).

    Eine Ansamm­lung der Plot Holes in Pro­me­theus:
    http://www.juliansanchez.com/2012/06/11/whats-wrong-with-prometheus-a-partial-list/

    Eine andere Plot-Hole-Sammlung:
    http://movieplotholes.com/prometheus.html

    Das hier ist ein Erklä­rungs­ver­such, der den Sym­bo­lis­mus des Films und die Phi­lo­so­phie dahin­ter zusam­men­fasst und damit zumin­dest einen Teil des Plots erklärt. Viele der Plot­lö­cher blei­ben aber — und die Erklä­rung ist auch nicht gerade gut. Da es nicht im Film gesagt wird, aber eini­ges erklärt (SPOI­LER?): Jesus war ein Alien. Ernst­haft? Japp.
    http://cavalorn.livejournal.com/584135.html

    Und noch ein paar Comics:

    Penny-Arcade:
    http://www.penny-arcade.com/comic/2012/06/13

    Tou­ch­ing Ever­y­thing:
    http://fc06.deviantart.net/fs70/f/2012/163/8/b/touch_touch_touch_touch_by_res_gestae-d53ab0t.gif

    Gene­tik:
    http://pmcmovieline.files.wordpress.com/2012/06/prometheus_infographic.jpg

  2. Wow Chab­neruk, danke für die aus­führ­li­che Zusatz­samm­lung an schö­nen Links. Ja da war in jedem Fall mehr drin, schlecht ist der Film zwar nicht gewor­den, die (erhoffte) Offen­ba­rung aller­dings auch nicht.

  3. Ich kann mich Chab­neruk nur anschlie­ßen: Gro­ßes Poten­tial mit einem Film, dem ich auf Grund der Optik noch 50–60% geben würde, fahr­läs­sig verschenkt.

    Am schlimms­ten fand ich tat­säch­lich das durch­weg hoch­gra­dig bescheu­erte Ver­hal­ten der „Wis­sen­schaft­ler“. Wan­der­tag der Son­nen­blu­men­gruppe aus dem Kin­der­gar­ten triffts eher („Oh eine Schwarze Flüs­sig­keit kommt aus den Urnen, direkt mal anfas­sen und probieren“).

    Krö­nen­der Abschluss: Die zwei Frauen des Films, ein über­di­men­sio­na­les Hams­ter­rad und die sehr späte Erkennt­nis das man auch noch Rechts statt gera­de­aus lau­fen könnte.…

    Schade

  4. Kann mich dem nur anschlies­sen:
    nette Bil­der, aber unter­hal­tende Story fehl­an­zeige — lei­der wie­der zwei Stun­den, die mir nie­mand zurück gibt.

    Für die­je­ni­gen, die keine große Lust haben, noch Links zu wäl­zen (oder nur so etwas Unter­hal­tung suchen) How It Should Have Ended: Pro­me­theus

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