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Februar 15, 2013 Geschrieben von Marc Keil

Epic Words — Kampagnenmanagement im Web

Epic Words — Kampagnenmanagement im Web

Epic Words ist, ganz ähn­lich wie das im Dezem­ber bespro­chene Obsi­dian Por­tal, eine Online Kam­pa­gnen­ver­wal­tung mit Schwer­punkt auf die eigene Rollenspielgruppe.

Was ist Epic Words?

Epic Words ist eine eng­li­sche Community-Seite für Pen & Paper Rol­len­spie­ler mit dem Schwer­punkt des Spiel­grup­pen– bzw. Kam­pa­gnen­ma­nage­ments. In der freien Ver­sion darf jeder regis­trierte Nut­zer eine eigene Kam­pa­gne als Spiel­lei­ter anle­gen und in bis zu drei wei­te­ren Kam­pa­gnen einen eige­nen Spie­ler­cha­rak­ter erstel­len. Als Spiel­lei­ter darf man natür­lich auch seine Spie­ler via Ein­la­dung per Mail auf die neu erstellte Kam­pa­gne hin­wei­sen. Gemein­sam hat man die Mög­lich­keit, die eigene Kam­pa­gne zu gestal­ten. Neben dem Dash­board, der Kampagnen-Startseite, in dem neben einer kur­zen Ein­füh­rung aktu­elle Quests und Ein­träge aggre­giert wer­den, exis­tiert ein Kam­pa­g­nen­ta­ge­buch, Cha­rak­ter­ta­ge­bü­cher, ein Forum, ein Wiki und eigene Berei­che für die Ablage von Infor­ma­tio­nen zum Thema Beute, XP und sons­tige Dateien. Epic Words steht lei­der nur in Eng­lisch zur Verfügung.

Was kann Epic Words?

Der Leis­tungs­um­fang, den Epic Words auf der Ebene einer Kam­pa­gne bereit­stellt ist beein­dru­ckend: Jeder Cha­rak­ter erhält ein eige­nes Blog, in dem er seine Erfah­run­gen fest­hal­ten kann. Das Tem­plate zur Cha­rak­ter­er­schaf­fung ist zwar nicht son­der­lich schön, aber sehr zweck­mä­ßig und fle­xi­bel genug, um für jedes Set­ting einen Cha­rak­ter erschaf­fen zu kön­nen. Aus der Aus­wahl zur Ver­fü­gung ste­hen­der Fel­der kann man aber einen star­ken Dun­ge­ons and Dra­gons Ein­schlag erken­nen. Die Text­fel­der hier ver­fü­gen über einen ein­fa­chen WYSI­WYG Edi­tor, der einem Ein­ga­be­feld für Ein­träge in einem Forum ähnelt. Eine auto­ma­ti­sche Vor­schau ist direkt inte­griert, was dem Nut­zer eine gute Ansicht des­sen lie­fert, wie der Ein­trag nach dem Absen­den aus­sieht. Zusätz­lich ver­fügt die Cha­rak­ter­an­sicht über einen XP bzw. eine Loot-Tracker, in dem die gesam­mel­ten Gegen­stände oder Erfah­rungs­punkte mit Datum des Ein­tra­ges ver­merkt sind. Auch ein Rei­ter für eigene Dateien wird ange­bo­ten, die­ser weist in der freien Vari­ante aller­dings nur dar­auf­hin, dass dies kos­ten­frei nicht zur Ver­fü­gung steht.

Lei­der gibt es keine Mög­lich­keit die Berech­ti­gun­gen des Cha­rak­ters anzu­pas­sen. Was hier ein­ge­tra­gen wird, steht nicht nur mir und mei­ner Gruppe, son­dern auch gleich dem Rest der Welt zur freien Ver­fü­gung. Blöd, wenn man geheime Noti­zen hin­ter­le­gen will.

EpicWords_Startseite

Die Start­seite von Epic Words

Die Kam­pa­gnen­an­sicht gestal­tet sich ähn­lich. Man star­tet auf dem oben erwähn­ten Dash­board und kann von dort mit dem Ent­de­cken der Kam­pa­gne begin­nen. Die Aggre­ga­tion der neuen Ein­träge ist im ein­fa­chen Blogkommentar-Stil gehal­ten, inklu­sive klei­nem Ava­tar des Pos­ters. In den Ein­stel­lun­gen hat man zwar die Mög­lich­keit, den Hin­ter­grund und die Farb­ge­stal­tung anzu­pas­sen, aber am gene­rel­len Stil kann man lei­der nichts ver­än­dern. Immer­hin lässt sich aber auch die Kopf­gra­fik anpassen.

Die Ein­ga­be­maske gibt sich bei allen Inhalt­s­ty­pen sehr schlicht. An eini­gen Stel­len weiß die Archi­tek­tur aber den­noch kunst­voll zu ver­wir­ren: Ein Para­de­bei­spiel ist der „Wiki“-Bereich. Ein „Wiki“ ist bei Epic Words näm­lich ein ein­zel­ner Arti­kel und nicht die Gesamt­heit aller Arti­kel. Hat man sich mit die­ser eigen­sin­ni­gen Ver­wen­dung arran­giert, war­tet aber bereits die nächste Über­ra­schung auf den Nut­zer: Die „Wikis“ kön­nen zwar in Kate­go­rien ver­teilt wer­den, aber eine eigene Start­seite ist lei­der nicht defi­nier­bar. Das führt lei­der dazu, dass Spiel­grup­pen, die regen Gebrauch der Wikis machen, keine Mög­lich­keit haben, ihre Infor­ma­tio­nen sinn­voll zu struk­tu­rie­ren. Hat man sich in Epic Words dann ein wenig ein­ge­ar­bei­tet, ent­deckt man, dass unter eini­gen Rei­tern wei­tere Rei­ter exis­tie­ren, am Bei­spiel des Wikis sind dies unter ande­rem Nicht­spie­ler­cha­rak­tere oder Quests. Letz­tere erschei­nen, wenn sie den Sta­tus „Aktiv“ haben sogar auf der Startseite.

Ver­bes­se­rungs­po­ten­tial gibt es ganz klar beim Berech­ti­gungs­ma­nage­ment der Seite. Man darf zwar die Berech­ti­gung ein­zel­ner Wiki-Artikel ein­stel­len, die Mög­lich­kei­ten sind aber begrenzt: Man darf eigene Arti­kel ent­we­der nur für den Spiel­lei­ter, den Spiel­lei­ter und die Spie­ler oder der gan­zen Welt frei­schal­ten. Das heißt, dass man nicht in der Lage ist, Infor­ma­tio­nen anzu­le­gen, die nur einen Teil der Gruppe betref­fen. Wenigs­tens kann man Arti­kel in andere Arti­kel ein­fü­gen – hier wird auch tat­säch­lich auf die Zugangs­be­rech­ti­gun­gen geach­tet. Als Spiel­lei­ter kann man also eine zusätz­li­che Seite anle­gen, die wei­ter­füh­rende Spiel­lei­ter­in­for­ma­tio­nen für eine öffent­li­che ent­hält – natür­lich wie­der auf Kos­ten der Über­sicht­lich­keit des Wikis. Für die ande­ren Kate­go­rien habe ich in den Kam­pa­gnen­ein­stel­lun­gen die Mög­lich­keit die Sicht­bar­keit glo­bal zu defi­nie­ren. Die Sicher­heits­stu­fen sind zu denen der Wikis identisch.

EpicWords_BeispielKampagne

Eine bei­spiel­hafte Kampagne

Das inte­grierte Forum hat lei­der einen sehr gerin­gen Funk­ti­ons­um­fang. Man kann ein­fa­che Bei­träge und Abstim­mun­gen erstel­len und auf diese ant­wor­ten. Über die Anlage von „Sub-Foren“ kann man Zwi­schen­über­schrif­ten erstel­len, die den Bereich etwas struk­tu­rie­ren sol­len. Diese gehen aber, ent­spre­chend rege Nut­zung des Fea­tures vor­aus­ge­setzt, sehr schnell unter.

Als dritte Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit neben Cha­rak­ter und Kam­pa­gne bie­tet Epic Words die Spiel­gruppe an. Diese ver­fügt über Mit­glie­der, ein Forum und einem Kalen­der, indem ich rudi­men­tär, nicht wie­der­hol­bare Ter­mine anle­gen kann.

In der Basis­ver­sion bie­tet Epic Worlds sämt­li­che oben beschrie­be­nen Fea­tures. Als Nut­zer der kos­ten­lo­sen Ver­sion darf eine Kam­pa­gne als Spiel­lei­ter erstellt wer­den. Außer­dem dür­fen bis zu drei Cha­rak­tere erstellt wer­den. Das Premium-Paket, das es für güns­tige 12 USD zu kau­fen gibt erwei­tert das auf 10 Kam­pa­gnen, 15 Spie­ler­cha­rak­tere sowie 1 GB an Datei­spei­cher, der vom Spiel­lei­ter für seine Gruppe geöff­net wer­den kann. Das ist auch gleich­zei­tig die ein­zige Mög­lich­keit, Daten in Epic Worlds hoch­zu­la­den, neben der Kopf­gra­fik der Kam­pa­gne und dem Cha­rak­ter­por­trait hat man ansons­ten kei­ner­lei Mög­lich­keit eigene Bil­der oder Dateien hochzuladen.

Für wen ist Epic Words geeignet?

Epic Words rich­tet sich an Spiel­grup­pen, die spiel­re­le­vante Infor­ma­tio­nen in einem Sys­tem hin­ter­le­gen wol­len. Es setzt aber ein gewis­ses Durch­hal­te­ver­mö­gen vor­aus. Die Ein­ga­be­mas­ken sind zuwei­len etwas unin­tui­tiv und es braucht einige Zeit, bis man gelernt hat, mit dem Sys­tem zu arbei­ten. Grund­sätz­lich bie­tet es aber alle Mög­lich­kei­ten eines moder­nen Textverarbeitungsprogrammes.

Anspruchs­vol­le­ren Nut­zern fehlt die Mög­lich­keit, spe­zi­elle Spiel­lei­ter­in­for­ma­tio­nen direkt am Arti­kel oder an Gegen­stän­den fest­zu­hal­ten. Bei Cha­rak­te­ren geht dies zwar, in den ande­ren Inhal­ten hat man hier aber keine Chance. Auch dass die ein­zel­nen Kate­go­ri­en­start­sei­ten nicht edi­tier­bar sind, dürfte opti­mier­wil­li­gen Nut­zern sauer aufstoßen.

Davon unab­hän­gig kann man mit Epic Words die wich­tigs­ten Auf­ga­ben des Kam­pa­gnen­ma­nage­ments über­neh­men. Die wich­tigs­ten Funk­tio­nen sind vor­han­den, wenn auch nicht über­mä­ßig benut­zer­freund­lich. Man merkt dem Sys­tem deut­lich an, dass es „by gamers for gamers“ ist. Einige Funk­tio­nen sind halb­her­zig inte­griert, andere der Erwäh­nung gar nicht wert.

Wie bei allen Kam­pa­gnen­ma­nage­ment­sys­te­men, die die Zusam­men­ar­beit der Gruppe för­dern sol­len, ist es unbe­dingt not­wen­dig, sich in der Gruppe über die Nut­zung abzu­stim­men. Ansons­ten kann es sehr schnell zum Streit­punkt einer Gruppe werden.

Fazit

Epic Words ist eine solide Kam­pa­gnen­ver­wal­tung mit Schwä­chen. Die Ein­ar­bei­tung gestal­tet sich man­gels Anlei­tun­gen etwas zäh.

Die Struk­tur des Sys­tems ist fest vor­ge­ge­ben und schreit nach Ver­bes­se­rung. In klei­nem Rah­men ist die Auf­be­rei­tung des Inhal­tes erträg­lich, hin­ter­legt man aber sehr viele Infor­ma­tio­nen im Sys­tem, z.B. bei einem selbst gestal­te­ten Set­ting, wird das Wiki sehr schnell unüber­sicht­lich. Lei­der hat man zusätz­lich nur sehr wenige Mög­lich­kei­ten, den Inhalt außer­halb der frei defi­nier­ba­ren Kate­go­rien wei­ter zu strukturieren.

Der Pre­mi­um­sta­tus ist ein net­tes Gim­mick, bringt aber keine rele­van­ten zusätz­li­chen Fea­tures. Drop­box und Google Drive kön­nen hier als kos­ten­freie Alter­na­tive die­nen. In ers­ter Linie als gra­fi­schen Spei­cher, nach­dem man nur für Cha­rak­tere eine eigene Gra­fik in das Sys­tem laden darf. Sollte man nicht Spiel­lei­ter meh­re­rer Kam­pa­gnen sein, benö­tigt man das fair bepreiste Premium-Paket aller­dings nicht. Die Ein­füh­rung einer Orga­ni­sa­ti­ons­form der Spiel­er­gruppe sucht noch nach der Daseins­be­rech­ti­gung. Es gibt kaum etwas, dass nicht über das Kam­pa­gnen­por­tal direkt geklärt wer­den könnte. Der ver­küm­merte Kalen­der, für den es online jede Menge bes­se­rer Alter­na­ti­ven gibt kann nicht die Ursa­che sein.

Wich­tige Funk­tio­nen feh­len mit­un­ter kom­plett. Man hat nur an weni­gen Stel­len die Mög­lich­keit Infor­ma­tio­nen nur für den Spiel­lei­ter zu defi­nie­ren und wenn, dann sind dies meist glo­bale Ein­stel­lun­gen. Eine Ein­schrän­kung auf ein­zelne Spie­ler ist zuwei­len gar nicht mög­lich, schon gar nicht, wenn es sich um Teil­be­rei­che han­delt, die sinn­vol­ler­weise alle auf einer Seite abge­han­delt wer­den sollten.

Ins­ge­samt erhält man mit Epic Words eine akzep­ta­ble kos­ten­freie Lösung für das Kam­pa­gnen­ma­nage­ment, die an wesent­li­chen Punk­ten aller­dings patzt. Gerade im Bereich der Nut­zer­freund­lich­keit gibt es noch viele offene The­men, denen sich das Ent­wick­ler­team in Zukunft wid­men sollte.

 

 

 

 

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Über den Redakteur

Marc Keil ist Redakteur bei Teilzeithelden.de und Ressortleiter für den Themenbereich FATE. Er ist Anfang dreißig und spielt gerne FATE und Savage Worlds. Er liebt unverbrauchte Settings, wie zum Beispiel Dresden Files, Deadlands oder Jadepunk. Mehr über Marc erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

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