Dirk Walbrühl ist Spielleiter aus Leidenschaft. Besonders wichtig ist ihm der Spaß an der gemeinsamen Geschichte. Er glaubt fest daran, dass Tischrollenspiel mehr kann als nur ein paar Würfel und Werte. Regelmäßig erweitert er seinen Hobby-Horizont und Sammlung, vor allem mit abgedrehten Independent-Rollenspielen. Mehr über Dirk erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Pen&Paper - Ideen & Gedanken
Februar 28, 2015 Geschrieben von Dirk Walbrühl

Zehn Tipps, ein besserer Rollenspieler zu werden

Zehn Tipps, ein besserer Rollenspieler zu werden

Dies ist mein Beitrag zum diesmonatigen Rollenspiel-Karneval und dem Thema „10 Dinge“. Dabei wage ich mich an einen großen Brocken und eine Frage, die mich seit einer Convention letzten Jahres nicht mehr losgelassen hat. Ein junger Spieler fragte mich dort spät abends nach einer Anfänger-Runde „Hast du ein paar Tipps, wie ich ein besserer Rollenspieler werde?“ Bitte entschuldige, dass ich dir damals nur ein müdes „Hab vor allem Spaß am Spiel“ mit auf den Weg gegeben habe. Das ist zwar nicht verkehrt, aber ich konnte sehen, dass du dir mehr erhofft hattest. Nun, hier ist meine ausführliche Antwort, die so lange auf sich warten ließ.

1. Spiel nicht mit Spaßbremsen

Rollenspiel soll als Hobby allen Beteiligten Spaß machen. Sicher ist „Spaß“ eine Auslegungssache, aber eins ist klar: Wenn ein Spieler den anderen das Rollenspiel vermiest, hört der Spaß auf. Und ja, es gibt sie, diese Spaßbremsen, die sich am Spieltisch wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen, schummeln, regelmäßig den Plot versauen oder immer nur schlechte Stimmung verbreiten. Meine Erfahrung sagt: Das geht auf Dauer einfach nicht gut. Klar hat jeder Mal einen schlechten Tag. Wenn du aber solche Spieler nicht überzeugen kannst, ihr Verhalten zu lassen und merkst, dass du den Spaß an der Spielrunde (oder schlimmer noch am Hobby!) verlierst, solltest du die Notbremse ziehen – auch wenn es vielleicht deine Freunde sind. Man muss nicht mit jedem Rollenspiel spielen. Richtige Freunde verstehen das.

2. Such dir ein Rollenspiel, das dir gefällt

Rollenspiele sind für Jedermann gemacht. Klar gibt es sogenannte Universalsysteme, aber du wirst „dein“ Lieblingsrollenspiel und deinen Spielstil nur finden, wenn du Neues ausprobierst. Gib dich niemals mit einem Rollenspiel zufrieden, das dir nur halbwegs („irgendwie, geht so“) Spaß macht, nur weil du nichts anderes kennst. Sei offen für neue Systeme, Welten und Spielstile und probiere sie aus. Im Internet und auf Conventions kannst du einen guten Blick über den Tellerrand bekommen. Oder schnapp dir ein paar Freunde und leg einfach los. Dein „Lieblings-Rollenspiel“ wartet sicher irgendwo dort draußen auf dich.

3. Lass dich auf den Spielabend ein

Du hast den Charakterbogen vergessen, keine Würfel dabei oder kein Knabberkram mitgebracht? Das ist zwar nicht die feine Art, aber schon in Ordnung, wenn du dafür nur richtig Lust zum Spielen hast. Was dagegen gar nichts am Spieltisch zu suchen hat, ist der Stress des Alltags. Dir hat jemand heute die Meinung gegeigt? Lass es nicht an deinen Mitspielern aus – lass dich auf den Spielabend ein, vergiss den Rest. Das gilt auch für Dinge, die dich an den „Rest“ erinnern und dafür sorgen, dass du nicht ins Spiel findest. Handyklingeln am Spieltisch? Nur einmal kurz Facebook checken? Bitte nicht.

4. Kenne das System

Du bist mitten in einer spannenden Szene, die Würfel rollen und dann fragt jemand: „Wie funktioniert noch mal mein Zauberspruch?“. Oft muss dann nachgeschlagen werden. Das dauert und bremst alle anderen aus. Im schlimmsten Fall führt das zu einer Regeldiskussion und die aufgebaute Spannung ist dahin. Sei nicht dieser Jemand. Kenne das System und sorge damit dafür, dass das gemeinsame Spiel so reibungslos wie möglich abläuft. Fragen, Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge kannst du besser vor oder nach dem Spielabend diskutieren. 

5. Lass dich nicht berieseln, beteilige dich

Im Rollenspiel passiert nur etwas, wenn die Spielrunde es passieren lässt. Also bring dich ein, egal welche Rolle du gerade verkörperst! Mit ein bisschen Fantasie kannst du mithelfen, jede Szene besser zu machen. Hast du eine Idee? Wirf sie in den Raum. Ist ein Spieler ratlos, was er tun oder sagen könnte? Gib ihm ein paar Tipps. Oder denk drüber nach, was dein Charakter als nächstes vorhat. Alles ist besser, als auf dein Charakterblatt zu starren und zu warten, bis der nächste Würfelwurf von dir verlangt wird.

6. Nimm auf deine Mitspieler Rücksicht

Rollenspiel ist eine Gruppenaktivität. Vergiss daher nicht, dass es neben dir noch andere Mitspieler gibt. Vielleicht ist einer deiner Mitspieler ja schüchtern oder einfach schlecht drauf und deshalb gerade still. Zieh deshalb nicht einfach „dein Ding“ durch, sondern versuche immer, die Anderen am Spieltisch mit einzubinden und ihre Charaktere zu Wort kommen zu lassen. Gesteh jedem seinen eigenen „Großen Moment“ zu und achte auf die Grenzen und Wünsche der anderen. Nur wenn alle Spieler Spaß gehabt haben, war es ein wirklich guter Spielabend.

7. Spiel mit der Gruppe, nicht gegen sie

Der Plot im Rollenspiel bewegt sich nur mit den Spielercharakteren. Versuch deshalb immer, mit den anderen Spielern zusammen die Geschichte weiterzuentwickeln. Lass deinen Charakter nicht einfach weglaufen oder in der Ecke schmollen. Das zwingt die Spielrunde nur dazu, dir einen Grund zu geben weiter mitzumachen – den kannst du dir aber auch selber ausdenken. Versuch auch nicht, um jeden Preis den Spielleiter zu ärgern. Der ist auch ein Mitspieler und nicht dein Feind. Moment mal, dein Charakter „ist einfach so“ und du kannst nichts dafür? Nicht ganz. Du gestaltest den Charakter und wenn er nicht zur Gruppe passt, dann hast du ihn so entworfen und trägst damit auch die Verantwortung.

8. Hab den Mut, auch mal Spielleiter zu sein

Der Spielleiter hat oft mehr Arbeit an einem Spielabend. Es ist toll, wenn du einen Freund hast, der das gerne macht. Aber ohne Spielleiter gibt es normalerweise kein Rollenspiel. Und hier kommt dein Part: trau dich! Es ist gar nicht so schwer und die anderen helfen dir sicher dabei. Vielleicht macht dir das Spielleiten ja sogar Spaß? Wenn du auf Verbesserungsvorschläge hörst und für Kritik offen bist, wirst du mit der Zeit sicher zu einem super Spielleiter. Und was, wenn du es nicht magst? Dann hast du es zumindest versucht. Gib den Spielleiter-Posten an jemand anderes ab und sei um eine Erfahrung reicher.

9. Respektiere andere Spielrunden

Rollenspiel ist nicht gleich Rollenspiel. Manche Runden würfeln andauernd, andere nur ein paar Mal pro Spielabend. Manche Spieler mögen Regeln und Tabellen, andere finden ein System auf fünf Seiten schon zu viel. Der eine mag Horror und ernstes Drama, der andere lieber lustige Piratenabenteuer und spannende Dungeons. Das alles ist Rollenspiel und Geschmackssache. Du magst einen bestimmten Spielstil nicht? Keine Angst, du musst ja nicht mit dessen Fans spielen. Aber versuch ihnen nicht den Spaß zu verderben, indem du ihre Art zu spielen schlecht machst. Wenn du sie von deinem Spielstil überzeugen möchtest, dann nur mit höflichen Argumenten. Das gilt besonders für Rollenspiel-Foren im Internet.

10. Bring anderen Rollenspiel bei, wenn du die Gelegenheit hast

Rollenspiel kann man sich nicht anlesen oder herunterladen. Man muss es ausprobieren. Jeder Rollenspieler wurde irgendwann unter die Arme genommen. Auch du. Damit unser Hobby aber noch größer wird, solltest du versuchen anderen Rollenspiel beizubringen, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Denk dabei an deinen ersten Spielabend und was dich am Rollenspiel fasziniert. Versuch dich zu Beginn an einer einfachen Geschichte, erkläre viel und nimm besonders viel Rücksicht. Wenn du einen anderen erfahrenen Spieler dabei hast, der es vormachen kann, umso besser. Und gib dir Mühe! Denn der erste Spielabend entscheidet häufig darüber, ob jemand Rollenspiel mag oder nicht.

Ich hoffe, diese zehn Tipps ersparen dir – und vielleicht dem ein oder anderen Leser – einige Frustmomente und sorgen dafür, dass die Spielrunde gemeinsam mehr Spaß hat. In den nächsten Monaten werden wir Teilzeithelden noch weitere Artikel und Tipps für Einsteiger in unser liebstes Hobby veröffentlichen. Hast du weitere Fragen dazu oder wünschst du dir ein spezielles Thema, das wir besonders intensiv beleuchten sollen? Schreib es uns einfach als Kommentar; wir freuen uns darüber.

Arti­kel­bild: kaeska  auf sxc.hu

Logo_RSPKarneval_500pxDie­ser Arti­kel ent­stand im Rah­men des Kar­ne­vals der Rol­len­spiel­blogs und –web­sites „10 Dinge“, der von Grei­fen­klaue orga­ni­siert wird.  Die Koor­di­na­tion fin­det aus dem RSP-Blogs-Forum her­aus statt.

 


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5 Kommentare

  • Das ist mal ne gute Auflistung 🙂 Auch wenn man viele Punkte in dieser Liste automatisch macht, wenn man über einen gesunden Menschenverstand verfügt, trotzdem gut. Vor allem Punkt 1. Den hätte ich mir mal zu Herzen nehmen sollen in einer SR Runde vor ein paar Jahren. Da war auch so eine Spaßbremse in der Gruppe. Aber gut, die Runde hat sich von alleine in Wohgefallen aufgelöst und ich hab mir geschworen, nie wieder über Monaten hinweg mit Leute zu zocken, die es mir vermiesen.

  • Das ist endlich mal eine „Wie werde ich ein besserer Spieler/-leiter“-Liste, der ich voll zustimmen. Allgemeingültig und stil- wie systemunabhängig. Gefällt mir sehr gut 😉 Schöner als die vielen, oft altklugen Ratschläge, die es da meist sonst gibt.

  • Eine sehr schöne Liste mit wirklich brauchbaren Tipps – vor allem, dass sie relativ systemunabhängig sind, gefällt mir gut. Man muss sich nicht alles antun, um schönes RP zu finden, gerade Tipp 1 ist etwas, das man für sich selbst erstmal lernen muss.

  • Sehr schön, da kann man mal wirklich allen Punkten zustimmen.

  • Sehr schöne und nützliche Aufzählung. Erinnert mich daran, dass ich als SL die einzige bin, die sich die D&D 5-Regeln wirklich (mehrmals) durchlas. Zwei Spieler zumindest partiell, davon einer mit D&D-Vorwissen. Einer kennt immerhin AD&D und D&D 4 ziemlich gut und reimt sich dadurch alles zusammen, mitunter aber natürlich auch falsch. Erklärbär ist ja schön und gut, aber es zerrt an der Spielfreude aller anderen, auch meiner. Dabei hat D&D 5. jetzt wirklich nicht viele Regeln, die zudem frei verfügbar wären. Mal sehen, ob sich das noch geben wird, am Ende ist es einfach das falsche System für einige der Mitspieler, womit wir wieder bei einem anderen hier aufgezählten Punkt wären.

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