Julia Weber ist Redakteurin im Bereich der Fantasy-Romane. Sie ist Anfang 20 und begeistert sich bereits seit ihrer frühen Kindheit für die Welt des Phantastischen. Wenn sie nicht gerade ein Buch nach dem nächsten verschlingt, entführt sie Spieler in die Welt von Dungeon and Dragons oder schlüpft beim LARP selber in andere Rollen. Mehr über Julia erfahrt ihr mit einem Klick auf den Namen im Kopf des Artikels.

 

Bücher&Comics
Januar 9, 2016 Geschrieben von Julia Weber

Rezension: Tochter der schwarzen Stadt – Intrigen, Morde und Verrat (Torsten Fink)

Rezension: Tochter der schwarzen Stadt – Intrigen, Morde und Verrat (Torsten Fink)

Dem eher mäßig geratenen Klappentext sollte man bei diesem Buch besser nicht zu viel Beachtung schenken, denn die Story hat viel mehr zu bieten – sowohl im positiven, als auch im negativen Sinn. Torsten Finks Neuerscheinung Tochter der schwarzen Stadt ist voll von Intrigen, Geheimnissen und Verrat. Doch auch die Themen Familie, Pflicht und Ehre kommen nicht zu kurz. Wer leichte Abendlektüre sucht, bei der man nur halbherzig zu lesen braucht, sollte besser ein anderes Buch zur Hand nehmen. Denn Intrigen entwickeln sich schneller, als man glaubt.

Story

Alena, eine Tochter der schwarzen Stadt Filgran, ist aus ihrer Heimat geflohen und vorerst in der weißen Stadt Terebin gestrandet. Um zu überleben, versucht sie sich mit kleinen Betrügereien durchzuschlagen. Ihre unglaubliche Ähnlichkeit mit der Prinzessin macht sie jedoch zur Zielscheibe einer groß angelegten Intrige seitens der Herrscherfamilie. Die geliebte Tochter des Herzogs, Prinzessin Caisa, soll mit dem Todfeind ihrer Familie, dem schlimmsten aller Skorpion-Prinzen, zwangsverheiratet werden. Um dies zu verhindern, soll Alena als Doppelgängerin dienen. Doch wie macht man aus einem Gossenmädchen mit frechem Mundwerk eine anmutige Prinzessin? Während der Lösung dieses Problems wird das Netz aus Intrigen und Geheimnissen rund um Alena und der ungeliebten Hochzeit immer enger. Welches Ziel verfolgt die rechte Hand des Herzogs Thenar, und welches Geheimnis verbirgt Alena?

Diese und mehr Fragen stellten sich mir, während ich das Geschehen immer ungeduldiger verfolgte. Von Seite zu Seite baut sich die Ungeduld weiter auf und wird nur selten durch das Lüften eines Geheimnisses befriedigt. Ich ersonn deshalb die wildesten Theorien in meinem Kopf, was wie zusammenhängen könnte. Anstatt einer schnellen Auflösung der Andeutungen und Rätsel, stellen sich dem Leser immer neue Geheimnisse und Intrigen. Doch zumindest am Ende der Geschichte wurde meine Neugier befriedigt und ich konnte das Buch mit dem Gefühl beiseitelegen, dass sich mir nun alle Geheimnisse offenbart hatten.

Die anfänglich etwas zähe Handlung beginnt leider erst nach dem ersten Drittel des Buches an Fahrt aufzunehmen. Wo der Prolog neugierig macht und von großen Schlachten berichtet, sind die ersten 100 Seiten sehr verhalten und zumindest ich habe die einzelnen Zusammenhänge noch nicht ganz verstanden. Mit der Zeit kommt allerdings Licht ins Dunkel.

Die Story ist sehr gut durchdacht und wenn man aufmerksam liest, ist ihr auch gut zu folgen. Wirkliche Spannung entsteht jedoch erst auf den letzten 200 Seiten. Wobei das Buch vorher durchaus immer mal wieder mit frechen, schlagfertigen Wortwechseln zum Schmunzeln anregt.

Auch wenn ich mir anfangs etwas mehr Action und Spannung gewünscht hätte, war ich am Ende des Buches wirklich froh über diesen Aufbau. Durch die langsame Entwicklung der Story hat man die Möglichkeit den Intrigen besser zu folgen, und der Leser kann aktiv mit überlegen, was die Motive der einzelnen Charaktere sein könnten. Am Ende des Buches ist die Geschichte an und für sich abgeschlossen, eine Weiterführung ist aber durchaus vorstellbar.

Die Story wird dauerhaft von einem allwissenden Erzähler begleitet, jedoch abwechselnd aus der Sicht von drei Charakteren erzählt. Erstens von Alena, der wirklichen Protagonistin, zweitens von Thenar, dem Ränkeschmied und rechter Hand des Herzogs, und zu guter Letzt von Jamade, der Schattenkriegerin. Es ist eine angenehme Abwechslung, und ich hatte so die Möglichkeit mehr über die Geheimnisse der Anderen zu erfahren. Denn anders als es in Büchern oft der Fall ist, führen die Charaktere keine inneren Monologe, in denen sie etwas über ihre Geheimnisse preisgeben. Der Leser ist darauf angewiesen, dass andere Charaktere die Geheimnisse und Intrigen aufdecken.

So durchdacht die Story ist, sind auch die Charaktere vollkommen glaubhaft. Insbesondere die Familiengeschichten und Motive der einzelnen Personen sind überzeugend.

Um die Story besser zu verstehen, könnte es durchaus von Vorteil sein, Finks Bücher über den Schattenprinzen zu lesen. Ich habe es nicht getan und konnte aus diesem Grund wahrscheinlich einige Andeutungen nicht erkennen. Auch die Feindseligkeit und die beschriebenen Schlachten könnten so womöglich besser verstanden und nachvollzogen werden.

Schreibstil

Torsten Finks Schreibstil ist im Großen und Ganzen angenehm zu lesen. An manchen Stellen jedoch drückt er sich etwas kompliziert aus und erschwert in meinen Augen dem Leser, durch versuchte altertümliche Wortwahl, das Lesen („Und wenn ihr dafür sorgt, dann sage ich Euch auch, wo genau Ihr den bewussten Stein findet“). Auch macht er teilweise abrupte Zeit- und Ortssprünge, die mich beim Lesen verwirrt haben, da sie nicht durch Absätze markiert sind. Zumindest ich wurde dadurch in meinem Lesefluss gestört, da ich mir erst einmal dieser Wechsel bewusstwerden musste. Was wiederum dazu führt, den vorherigen Satz noch einmal zu lesen.

Generell gibt es in diesem Buch, sehr zu meinem Leidwesen, keine Kapitelunterteilung. Stattdessen erfolgt bei einem Wechsel der Personensicht ein Absatz, sodass die einzelnen Passagen sehr lang sind. Um einen gelungenen Pausenabschnitt zu finden, ist dies sehr von Nachteil. Statt in Kapitel ist das Buch in drei Bücher gegliedert, die jeweils eine eigene Überschrift tragen.

Der Autor

Tochter der schwarzen Stadt ist Torsten Finks zwölftes Buch im Blanvalet Verlag. Einige kennen ihn vielleicht bereits als Bestseller-Autor seiner Trilogie Die Tochter des Magiers, oder seiner Schattenprinz-Trilogie. Seit 2009 schreibt er eigene Romane. Zuvor war er als Texter, Journalist und literarischer Kabarettist tätig und hat somit weitreichende Erfahrungen im Bereich des Geschichtenerzählens auf verschiedenen Ebenen.

Preis-/Leistungsverhältnis

Das Preis-/Leistungsverhältnis ist mit 14,99 EUR für ein Taschenbuch typisch und vollkommen angemessen. Schließlich bekommt man 500 Seiten Intrigen, an denen man durchaus länger als zwei Tage lesen kann.

Erscheinungsbild

Fink_TTochter_der_Schwarzen_Stadt_145759Das Erscheinungsbild des Buches ist sehr ansprechend. Das Cover zeigt eine gelungene Illustration einer jungen Frau mit mittelalterlichem Cape und Dolch, die wahrscheinlich Alena darstellen soll, vor einer altertümlichen Holztür. Es wurde so sehr auf die Details geachtet, dass man nicht nur das Gesicht erkennt, sondern auch Wimpern und Falten in der Kleidung. Mit seinen dunklen Blautönen und den roten und weißen Akzenten wirkt das Cover auf mich bereits geheimnisvoll.

Da es sich um ein Taschenbuch handelt, hat das Buch keinen extra Umschlag. In den Innenseiten des klappbaren Bucheinbands, befinden sich zwei identische Karten des storyrelevanten Gebiets.

Das Buch liegt im A5-Format vor. Das Papier ist angenehm dick – man muss also keine Angst haben, dass es beim Umblättern reißt. Auch das Gewicht stellt für ein 500-seitiges Buch keine Überraschung dar; dauerhaftes In-der-Hand-halten während des Lesens führt zu Armschmerzen.

Während des Lesens habe ich mir durchaus ein paar Absätze gewünscht, die, meiner Meinung nach, dem Lesefluss förderlich wären. Und auch der Text an sich könnte, in dieser Schriftart, eine Nummer größer sein. Generell handelt es sich bei der Schrift um eine Serifenschrift mit dünner Strichstärke, wodurch das gesamte Schriftbild hell und filigran wirkt. Die Schrift schafft es, wie ich finde, die Story zu unterstützen, ermüdet jedoch relativ schnell die Augen. Ansonsten ist der Textsatz durchaus gelungen.

Leider ist kein Index vorhanden, so dass der Leser selbst den Überblick über die Namen der Personen, sowie der Orte behalten muss.

Obwohl mich der Klappentext des Buches eher weniger angesprochen hat, haben mich persönlich das Erscheinungsbild des Covers und die ersten Sätze des Prologs überzeugt, dieses Buch zu lesen.  Im Prolog ist man direkt Teil des Geschehens, ohne lange Vorrede und Hintergrundgeschichte des aktiven Charakters, was ich immer eher als störend empfinde.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Blanvalet
  • Autor(en): Torsten Fink
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Taschenbuch, A5
  • Seitenanzahl: 512
  • ISBN: 978-3-442-26980-8
  • Preis: 14,99 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Nicht vorhanden.

Fazit

Torsten Finks Tochter der schwarzen Stadt ist durchaus lesenswert, wenn man Spaß am Verfolgen von Intrigen hat, und sich selber als Leser gerne den Kopf darüber zerbricht, was die Motive der einzelnen Personen sind und inwiefern alles zusammenhängt. Wenn man jedoch an Beschreibungen großer Schlachten interessiert ist, sollte man lieber ein anderes Buch zur Hand nehmen.

Die ersten 100 bis 150 Seiten ziehen sich, aufgrund von detaillierten Intrigenschmiedereien, etwas hin. Doch danach wird es zunehmend spannender. Für das bessere Verständnis der Story und der Charaktere könnte es durchaus sinnvoll sein die Trilogie Der Schattenprinz zu lesen und sich vielleicht auch das Buch Der Prinz der Rache anzusehen.

Leider hat mich die nicht-vorhandene Kapiteleinteilung sehr in meinem Lesefluss gestört, da es mir schwerfiel Zeit- und Ortssprünge sofort als solche zu erkennen, aber ansonsten ist Finks Schreibstil angenehm zu lesen.

Alles in allem ist Tochter der schwarzen Stadt ein gutes Buch, das anfangs leider eher langweilt als fesselt, doch ab der Mitte den Leser in seinen Bann zieht. Die schlagfertigen Wortwechsel mit der Protagonistin tragen jedoch bereits am Anfang zum Amüsement des Lesers bei.

Daumen3weiblich

Artikelbilder: blanvalet

 

 

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