Frauke Bitomsky ist und war schon immer ein Fantasy-Fan. Seit 2003 ist sie ins­be­son­dere beim Vam­pire Live zu fin­den, aber Orks muss­ten schon manch­mal vor ihr zit­tern. Frauke ist hand­werk­lich begeis­tert und liebt es, immer wie­der mit neuen Mate­ria­lien zu expe­ri­men­tie­ren und neue Pro­jekte zu begin­nen: Fell, Glas, Stoff, Holz, Leder – es ist alles dabei. Im ech­ten Leben arbei­tet sie als Social Media Bera­te­rin für KMU, was nicht weni­ger span­nend ist. Mehr über Frauke erfahrt ihr mit einem Klick auf ihren Namen im Kopf des Artikels.

 

LARP & Cosplay
Januar 15, 2016 Geschrieben von Frauke Bitomsky

Zoff im Off – was nun?

Zoff im Off – was nun?

Rollenspielgruppen sind eingeschworene Gemeinden, die ihrem gemeinsamen Hobby frönen und fantastische Welten bespielen. Rollenspielgruppen sind aber auch Gruppen von Menschen, in denen jahrelange Freundschaften in Streits zerbrechen können, wenn ein Konflikt im Off eskaliert. Oft ist der Grund die Handlung des einen Charakters gegen die Interessen des anderen Charakters. Aber auch Parteienbildung und Intrigen im Off vergiften die Stimmung.

Als Betroffener stehst du dann vor der Wahl, entweder gute Miene zum bösen Spiel zu machen, dir eine neue Gruppe zu suchen oder schlimmstenfalls ganz mit dem Hobby aufzuhören. Nichts davon ist ein Weg, der auf Dauer glücklich macht. Deshalb sollte jede Rollenspielgruppe darauf bedacht sein, Konflikte sachlich zu lösen und nicht zu großen Streits eskalieren zu lassen.

Konflikte sind normal

Konflikte als Bestandteil des zwischenmenschlichen Austauschs sind normal. Überall, wo zwei oder mehr Menschen zusammenkommen, stehen sich auch verschiedene Ansichten und Wünsche gegenüber, die mal besser und mal schlechter miteinander vereinbar sind. Früher oder später entstehen daraus Konflikte. Damit sind an dieser Stelle noch keine Streits gemeint, sondern verschiedene Meinungen zu einem bestimmten Thema. Rollenspieler sind in dieser Hinsicht nicht streitsüchtiger als die Mitglieder eines Kleingartenvereins, Aquarianer oder überhaupt alle Menschen, die eine eigene Meinung darüber haben, wie eine bestimmte Sache „richtig“ gemacht werden sollte.

Im Idealfall dient ein solcher Konflikt als Grundlage einer Diskussion, in der sich alle Teilnehmer austauschen und jeder neue Perspektiven aufgezeigt bekommt, so dass am Ende jeder etwas gewonnen hat. Entweder kann ein Kompromiss gefunden werden, oder aber es wird zumindest die Sachlage geklärt und jeder weiß, woran er ist. So kann eine Spielleitung zum Beispiel nicht bei jedem Anliegen eines Spielers dessen Wünschen entgegenkommen, aber diesem zumindest erklären, warum bestimmte so sind, wie sie sind.

In der Realität ist es aber leider immer wieder so, dass verschiedene Sichtweisen zu einem hässlichen Streit eskalieren. Je mehr Herzblut und Zeit in eine Sache geflossen sind, desto bedeutender werden sie für einen selbst, und desto mehr neigt man dazu, den eigenen Punkt mit Zähnen und Klauen zu verteidigen.

Ursachen erkennen

In einer Rollenspielgruppe steht jeder in der Verantwortung, dazu beizutragen, dass die Gruppe funktioniert, auch wenn es um Dinge geht, die ihn nicht direkt betreffen. Wer ein gutes Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen hat, wird frühzeitig merken, wenn sich ein Konflikt anbahnt. Unterscheiden kann man zwischen den Konflikten, die auf Spielsituationen beruhen, und Konflikten, deren Ursache im zwischenmenschlichen Bereich im Off liegt.

Streit, der über inplay-Situationen entsteht, ist schwierig zu klären. Denn wenn man alle Hintergründe offenlegt, die der andere aber noch nicht kannte, klärt man zwar den Streit, nimmt aber gleichzeitig die Spannung aus dem Spiel. Gleichzeitig ist es natürlich schwer, jemanden zu überzeugen, dass man nicht betrügt, wenn man zugleich nicht die Hintergründe des eigenen Charakters erläutern will.

Im Falle von inplay-Situationen ist von allen Gruppenmitgliedern Fairness gefragt. Sowohl von den Spielleitungen, die ihre Machtposition nicht ausnutzen sollten, um Spielercharakter anzugreifen, als auch von Spielern, die ihren Spielleitungen eben diesen Machtmissbrauch nicht vorwerfen sollten.

Konflikte auf zwischenmenschlicher Ebene können kaum vermieden werden. In jeder größeren Gruppe kommen unweigerlich Menschen zusammen, die einfach nicht grün miteinander werden. Solange sie auf einem sachlichen Level miteinander umgehen, ist das kein Problem, zumal die Betroffenen sich meist eh schon voneinander fernhalten. Kritisch wird es erst, wenn ein Mitglied der Gruppe von mehreren zum Außenseiter gemacht oder in eine andere negative Rolle gedrängt wird. Wenn sich dies anbahnt, ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt, um die Situation zu entschärfen.

Eskalationen vermeiden

Idealerweise versuchen alle Rollenspieler einer Gruppe es zu vermeiden, Konflikte ausarten zu lassen. Das funktioniert leider nicht immer, aber mit einigen aufgestellten Grundregeln lässt sich vieles deutlich entspannen. Darüber hinaus hast du Einfluss auf einen entscheidenden Faktor in der Dynamik einer Rollenspielgruppe: dich selbst. Eine entspannte Herangehensweise macht einen Konflikt weniger stressig für dich. Wenn das Ziel ist, eine Eskalation zu vermeiden, geht es nicht darum, Recht zu behalten, sondern eine Lösung zu finden, mit der alle leben können.

Gleiches Recht für alle

Es hilft sehr, für eine Rollenspielgruppe klare Regeln aufzustellen, die das Miteinander betreffen. Nicht jeder Spieler ist gleich begabt darin, soziale Situationen und die Befindlichkeit seiner Mitspieler richtig einzuschätzen, so dass ein gut gemeinter Scherz beim Ziel schnell einmal als grobe Beleidigung ankommen kann. Klare Grenzen helfen dann, mit solch einer Situation umzugehen und den Vorfall zu klären.

Es sollte selbstverständlich sein, dass jedes Gruppenmitglied offen Punkte ansprechen darf, die es beschäftigen. Ebenso sollte klar sein, dass es für ein friedliches Miteinander nicht tragbar ist, einen Spieler dafür anzugreifen, dass er etwas auf eine bestimmte Art und Weise empfindet. Das heißt natürlich nicht, dass man immer dem nachgeben muss, der sich beklagt. Aber es sollte jedem das Recht zugestanden werden, von etwas verletzt zu sein, dass anderen vielleicht nicht so schlimm vorkommt.

Die Macht der Sprache

Oder auch: bleib sachlich und fair. Gerade in hitzigen Diskussionen rutschen einem schnell einmal extreme Formulierungen heraus. Versuche deshalb in einem Konflikt, sachlich zu bleiben, und entschuldige dich, wenn mit dir mal die Pferde durchgehen. Vermeide auch absolute Formulierungen wie „immer“, „ständig“ und der Postulierung deiner Meinung als einziger Wahrheit, denn dies treibt deine Mitspieler schnell in eine abwehrende Haltung und nimmt sie gegen dich ein.

Manche Menschen neigen auch zu sehr unfairen Argumentationen, um ihre Meinung durchzusetzen. Vielleicht hast du dich selbst oder andere schon einmal bei diesen Verbalschlägen ertappt. Dazu gehören Angriffe auf dein Gegenüber als Person anstatt auf seine Argumente, oder aber diese stark zu übertreiben und so ins Lächerliche zu ziehen. Wenn dir ein solcher Diskussionspartner begegnet, entwaffne ihn, indem du seine unfaire Rhetorik offen als solche ansprichst. Und wenn du selbst zu diesen Mitteln neigst, belasse sie strikt im Spiel und nutze sie nicht im Off.

Rollenspiel ist eine Vertrauenssache

Damit du dich in einer Rollenspielgruppe wohl fühlen kannst, muss ein Mindestmaß an Vertrauen bestehen. Zwar musst du deine Mitspieler nicht so sehr mögen, dass du ihnen deine intimsten Geheimnisse anvertraust. Aber du solltest dich darauf verlassen können, dass sich jeder an die Regeln hält.

Es gibt Dinge, die sich nicht gehören, und das Vertrauen ineinander meist endgültig zerstören. Dazu gehören Intrigen im Off oder gegen einen Charakter vorzugehen, weil man den Spieler nicht mag. Das Perfide an diesen Dingen ist, dass man sie selten beweisen kann, aber oft das Gefühl hat, dass da was im Busch ist.

Du kennst nicht die ganze Wahrheit

Auch wenn es nicht immer angenehm ist, sich daran zu erinnern: Du hast nur eine Sichtweise auf das Spiel und deine Rollenspielgruppe, und diese hat ebenso ihre Berechtigung wie jede andere Sichtweise. Es mag sein, dass dir eine Situation vollkommen schlüssig vorkommt, aber sie sich anderen Spielern vollkommen anders präsentiert. Behalte immer ein gesundes Maß an Skepsis, wenn dir offensichtlich scheint, dass andere Spieler gegen dich vorgehen. Fast immer ist es nicht so schlimm, wie du erst befürchtet hast. Im Zweifelsfall frag nach, ehe du dir eine Meinung bildest.

Probleme im Spiel einfach inplay nehmen

Wenn du das Gefühl hast, dass ein anderer Spieler absichtlich gegen deinen Charakter vorgeht, nur um dich als Spieler anzugreifen, gewinnst du am meisten, wenn du die Situation trotzdem rein inplay behandelst. Belaste dich nicht mit der Grübelei, ob der andere wirklich offplay etwas gegen dich hat. Nimm das Spiel, wie es kommt, und versuche, deinen Spaß daraus zu ziehen, unabhängig von der Motivation anderer Spieler. Wenn dir das Spiel mit dem Betroffenen keinen Spaß macht, ziehe dich im Spiel von ihm zurück und suche deinen Spaß an anderen Stellen.

Eskalationen beenden

Wenn es schon zu spät ist und deine Gruppe mitten in einem Kleinkrieg steckt, stehen dir harte Zeiten bevor. Auch, wenn du nicht direkt in dem Streit drinsteckst, bewegst du dich auf einem Minenfeld, und alle Parteien beobachten genau, für welche Seite du dich entscheidest. Und wenn du direkt betroffen bist, musst du mit der Situation irgendwie fertig werden.

Bestandsaufnahme

Oft verliert man in einem Streit den Überblick. Das ist der Zeitpunkt, an dem du innehalten und dich sammeln solltest. Weißt du noch, worum genau es in diesem Streit eigentlich geht, oder haben du und dein Kontrahent sich in Nebensächlichkeiten verrannt? Geht es nur noch darum, Recht zu haben, oder wollt ihr eigentlich beide eine Lösung finden? Versuche, den Streit aus einer anderen Perspektive zu betrachten und den Kern eurer Auseinandersetzung auszumachen. So kannst du versuchen, den Streit wieder in geordnete Bahnen zu lenken und tust allen Betroffenen einen Gefallen.

Zieh niemand Unbeteiligten hinein

Wenn du in einem Streit steckst ist die Versuchung groß, Verbündete zu suchen, die auf deiner Seite stehen. Vermeide es trotzdem, Spieler in einen aufgeheizten Konflikt hineinzuziehen, die davon eigentlich nicht betroffen sind. Schließlich geht es nicht darum, möglichst viele hinter dir zu sammeln, um deinen Streitpartner durch bloße Masse zu überwältigen. Wenn du dir einmal Luft machen musst, suche jemanden, der nicht weiterträgt, was du ihm erzählst, sonst entstehen mit etwas Pech die schlimmsten Gerüchte. Und die sind später kaum aus der Welt zu kriegen.

Lasse niemanden außen vor

Vermeide gleichzeitig, bei einzelnen Beteiligten den Eindruck zu erwecken, dass sie außen vor gelassen werden. Wer glaubt oder weiß, dass andere sich heimlich besprechen, wird dadurch nicht motiviert sein, mit diesen Leuten eine Klärung herbeizuführen. Wenn ein Streit bereits ausgebrochen ist, achte auf eine offene und ehrliche Kommunikation zwischen allen Beteiligten, um die Sache nicht weiter anzuheizen.

Wenn nichts mehr hilft

Auch die besten Vorsätze helfen nicht immer. Manchmal finden zwei Menschen nicht wieder zusammen, und es würde immer wieder Streit geben, wenn sie es doch versuchten. In diesem Fall ist ein Ende mit Schrecken für alle Beteiligten besser als ein Schrecken ohne Ende, unter dem alle leiden.

Idealerweise können alle Parteien zusammenkommen und sachlich klären, wie es weitergeht. Im schlimmsten Fall haben sich aber zwei oder mehr Fronten gebildet und jeder versucht, so viel wie möglich für sich aus der Situation herauszuholen. In diesem Fall ist es umso wichtiger, dass du dich auf das besinnst, was dir wichtig ist, und nicht um jeden Preis den Streit gewinnen musst. Meist bringt es mehr, den eigenen Stolz ein bisschen angeknackst zu sehen, als sich eine endlose Schlammschlacht zu liefern. Wenn die Situation eh schon verfahren ist, wirst du dein Gegenüber eh nicht mehr von deiner Position überzeugen können.

Fazit

Wer viel Zeit und Herzblut in sein Hobby steckt, wird leicht emotional, wenn er angegriffen sieht, was er sich erarbeitet hat. Aber keiner Rollenspielgruppe ist geholfen, wenn Meinungsverschiedenheiten zu großen Streits eskalieren, an denen Freundschaften und Spielgruppen zerbrechen. Mit Besonnenheit und Fairness können viele Situationen schon im Vorfeld entschärft und bereits entfachte Auseinandersetzungen so glimpflich wie möglich wieder beendet werden. Denn eines ist klar: Ausufernde Konflikte gehören ins Spiel, nicht ins Off.

Artikelbild: Fotolia | inesbazdar

 


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5 Kommentare

  • Da hast Du sowas von Recht mit. Ausrasten, rumschreien, pöbeln, beleidigen und drohen (gerade auch von anderen Spielleitungen) geht gar nicht. Gut, dass Du da so konsequente Regeln hast. Setzt Ihr die auch so eins zu eins bei Euch im Spiel um? Du kennst ja die Gerüchteküche und das es immer mehr als einen Blick auf die Dinge gibt. 🙂

    • Ja, wir bemühen uns sie solche Regeln für den Umgang miteinander um- und durchzusetzen. Das heißt nicht, dass es immer perfekt klappt, aber wenn es mit einem durchgeht, entschuldigt man sich hinterher. Es kann sein, dass einige da einen anderen Blick drauf haben als wir, aber meist wissen wir dann davon nichts. Die sind aber gerne eingeladen uns direkt anzusprechen, wenn sie ein Problem mit uns oder einer Situation haben, damit man ein Ärgernis aus der Welt schaffen kann.

      Schlimmer als laute Ausraster sind Intrigen im Off, wenn Du mich fragst, gerade weil man die nicht direkt mitbekommt, sondern erst hinterher erfährt, was gelaufen ist. Deshalb versuchen wir, gerade auch in dem Bereich ein Auge darauf zu haben, egal ob bei Spielern oder Spielleitern.

  • Ja, es gibt schon so ein paar legendäre Ausraster. Aber gut, dass Ihr da ein Auge drauf habt und das immer gleich klärt. 😉 Von diesen Intrigen im Off könnte ich auch ein paar Geschichten erzählen… aber da kennst Du sicher genügend von.

    • Ja, leider. Wobei ich fest daran glaube, dass es besser wird 😉

  • Wenn darüber reden (im 1:1, evl moderiert) nicht hilft, oder geholfen hat, müssen meist beide Störenfriede (bzw wenn ich Spieler bin, und betroffen bin, gehe ich freiweillig) die Gruppe verlassen.

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