Sebastian Schroer ist Redakteur bei Teilzeithelden und mit Vorliebe im Feuilleton tätig. Als selbsternannter Hintergrundfanatiker und Immersionsspieler vergräbt er sich gerne in die Atmosphäre fantastischer Welten. Das Star Wars-Universum bildet hierbei sein „Wohnzimmer“. Mehr über Sebastian erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Bücher&Comics
Januar 23, 2016 Geschrieben von Sebastian Schroer

Rezension: Star Wars – Imperium in Trümmern (Marvel Comics)

Rezension: Star Wars – Imperium in Trümmern (Marvel Comics)

Mit Imperium in Trümmern liefert Panini den Sammelband zur gesamten Shattered Empire-Comicreihe. Im Rahmen der Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht erfahren wir nun, was eigentlich unmittelbar nach der Schlacht von Endor passierte.

Dabei wird die neue Zeitlinie fortgesetzt, die alles bereits im Legends Universum nach Episode VI Fortgeschriebene ersetzt und den Leser zu Episode VII hinführen soll. Der Comic umfasst hierbei nicht die gesamte Zeitspanne bis zu den Ereignissen in Das Erwachen der Macht. Vielmehr fokussiert er sich auf die Frage, ob das Imperium nach der Vernichtung des zweiten Todessterns bereits die weiße Fahne hisste und wie sich zaghaft die Neue Republik bildete. Dabei beginnt die Geschichte unmittelbar vor der Explosion des zweiten Todessterns.

Handlung

Der Erzählstrang des Comics startet mit Spannung und Explosionen. Die Rebellenflotte wurde in eine Falle gelockt. Statt einer im Bau befindlichen Kampfstation ist der zweite Todesstern eine voll einsatzbereite Massenvernichtungswaffe und wird von einer ganzen Flotte bewacht. General Solo und seine Spezialeinheit Pathfinder befinden sich noch immer auf Endor und sind kurz davor, den Schildgenerator zu zerstören, während Luke Skywalker sich auf dem Todesstern selbst in einem Kampf gegen seinen Vater, Darth Vader, befindet. 

Das Unmögliche gelingt und die Schlacht endet verlustreich aber mit einem Sieg. General Solos Pathfinder können den Schildgenerator zerstören und die imperialen Bodentruppen mithilfe der pelzigen Ewoks besiegen. Luke Skywalker kann mit dem Leichnam seines Vaters vom Todesstern entkommen, ehe selbiger zerstört wird. Während einige an Bord der Rebellenschiffe bleiben und sich auf den Gegenschlag des Imperiums gefasst machen, feiern andere auf Endor im Dorf der hiesigen Ewoks ihren Sieg. Unter ihnen befindet sich Kes Dameron als Teil der Pathfinder, welcher unerwartet von seiner Frau, Shara Bey, besucht wird. Shara dient der Rebellenflotte als Pilotin und kämpfte im Orbit über Endor gegen das Imperium, ehe ihr ein kurzer Trip zu ihrem Mann und dem Vater ihres gemeinsamen Sohnes Poe gestattet wurde.

Nach einer wenig ruhigen Nacht zu zweit endet die Kampfpause so schnell wie sie begann. General Solo ruft seine Spezialeinheit erneut zusammen, um einen verbliebenen imperialen Stützpunkt auf der anderen Seite des Mondes anzugreifen und auszuschalten. Mit der folgenden Einnahme des imperialen Stützpunktes wird schon bald klar: Der Krieg ist nicht vorbei. Das Imperium hat nicht kapituliert, liegt nicht am Boden. Der Krieg geht weiter. Der Tod des Imperators löste Operation Asche aus, eine Operation, die die vollständige Vernichtung über ausgewählte Welten bringen soll. 

Shara Bey und ihr Mann Kes Dameron müssen sich getrennt weiteren Schlachten stellen, um Gegenoffensiven des Imperiums zu trotzen, um die Neue Republik zu stabilisieren und um verloren geglaubte Jedi-Artefakte an der Seite Luke Skywalkers zu bergen.

Charaktere

Die Charaktere sind durchweg konsequent gezeichnet. Die Geschichte fokussiert sich jeweils auf Shara Bey und abwechselnd auf ihren Mann Kes Dameron. Beide sind verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn, Poe Dameron, der in Das Erwachen der Macht als sympathischer Pilot des Widerstands wieder in Erscheinung tritt. Beide haben lange im Galaktischen Bürgerkrieg gekämpft und sehnen sich nach Frieden und vor allem Zeit für sich und ihren gemeinsamen Sohn. Shara Bey ist dabei hin- und hergerissen von ihrem Pflichtgefühl gegenüber der Rebellion und dem Wunsch, mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können auf.

An ihrer Seite finden sich die großen Charaktere der klassischen Trilogie wie Han Solo, Leia Organa und Luke Skywalker ein. Dabei weiß der Umstand zu gefallen, dass diese den beiden nicht die Show stehlen, aber auch nicht nur blasse Nebencharaktere bleiben, die kurzfristig auftauchen, nur um sie einmal in Szene gesetzt zu haben.

Han Solo wird als fähiger General gezeigt, der das Kommando über eine Spezialeinheit innehat. So wird klar, dass es die Pathfinder nicht nur während der Schlacht von Endor gibt, wo wir sie in Episode VI auch im Kino sehen können. Vielmehr besteht diese Einheit während der folgenden Kriegstage weiter und wird auch weiter von General Solo geführt.

Die Prinzessin von Alderaan, Leia Organa, sieht die Neue Republik am Horizont aufblitzen und hadert mit einem Wechsel vom Schlachtfeld in den diplomatischen Staatsdienst. Ausgewählt von Mon Mothma und durch deren Worte überzeugt, reist sie nach Naboo, um mit der dortigen Königin über einen Eintritt in die Neue Republik zu verhandeln.

Luke Skywalker hingegen hat erfahren, dass der Imperator Setzlinge jenes machtsensitiven Baumes in einer geheimen Anlage aufbewahren lässt, der einst das Zentrum des Jedi-Tempels auf Coruscant war. Dem vermeintlich letzten Jedi ist die Reife deutlich anzusehen, die er durch die Geschehnisse vor und während, der Schlacht von Endor erlangte.

Insgesamt ziehen alle Charaktere den Leser gut in den Bann. Die Tatsache, dass den Lesern hier die Geschichte der Eltern Poe Damerons in den letzten Kriegsjahren nähergebracht wird, weiß zusätzlich zu gefallen und eine Brücke zu Episode VII zu schlagen.

Zeichenstil

Das Skript für den Comicsammelband lieferte Greg Rucka, der sowohl für Arbeiten im Marvel- wie im DC- Universum bekannt ist. Gezeichnet wurde durch das Trio Marco Checchetto, Angel Unzueta  und Emilio Laiso. Alle drei sind keine unbekannten Gesichter, weder bei Marvel noch bei DC.

Die Bilder sind farbenfroh gezeichnet, ohne zu überreizen. Das sich die Zeichner mitunter von Episode zu Episode die Feder in die Hand gegeben haben, fällt kaum auf. Man muss schon wissen, dass ab einer bestimmten Seite ein anderer Zeichner die Feder in die Hand nahm, um darauf zu stoßen. Das Ambiente des Star Wars- Universums wurde gut getroffen. So ist auch die Düsternis erkennbar, die diese Zeitepoche ausmacht, ohne den Umbruch in eine neue Ära nach dem Tod des Imperators im gezeichneten Thema auszublenden.

Preis-/Leistungsverhältnis

Für 12,99 EUR bekommt der Leser auf 128 Seiten abwechslungsreiche Geschichten geboten. Der Comic wird im verstärkten Softcover geliefert. Schnell gelesen waren die 128 Seiten nicht, spannend waren sie hingegen schon. Man könnte beinahe sagen: Gewohnt gute Panini-Qualität. Damit ist eigentlich alles ausgedrückt.

Erscheinungsbild

Star Wars imperium in TrümernDas Cover ziert ein für Star Wars typisches Diorama, bestehend aus dem gerade explodierenden Todesstern im linken Hintergrund, dem Waldmond Endor am unteren rechten Bildrand und einigen Rebellenschiffen, angeführt vom Millenium Falcon, die im Vordergrund auf den Leser zuzufliegen scheinen. Die obere Hälfte des Hintergrunds wird von einem Sturmtrupplerhelm eingenommen, der erhobenen Kopfes wegsieht.

Die Rückseite des Sammelbands wird von Shara Bey und Luke Skywalker ausgefüllt, die mit sie umringenden Sturmtrupplern kämpfen, während schwereres Kriegsgerät unter einem Sternenhimmel den Hintergrund ausschmückt.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini
  • Autor(en): Greg Rucka
  • Zeichner(in): Marco Checchetto, Angel Unzueta, Emilio Laiso
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Comicformat – Sammelband
  • Seitenanzahl: 128
  • Preis: 12,99 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Am Ende des Comics wurde eine Cover Gallery eingefügt. Hier finden sich 10 Covervarianten. Weiterer Bonuscontent ist nicht enthalten.

Fazit

Hat die Galaxis nach der Zerstörung des zweiten Todessterns jenseits von Endor Feuerwerk abgebrannt und ist in seligen Jubel und Frieden verfallen? Mitnichten! Selbst auf Endor waren die Schlachten noch nicht vorbei, auch wenn man mit den lustigen Weltraumteddys, genannt Ewoks, eine Runde auf Eimerköpfe trommelte. Der Comic macht deutlich, was man am Ende von Die Rückkehr der Jedi-Ritter nicht so direkt sah. Und damit schafft er Zukunft.

Imperium in Trümmern zeigt im Zuge der Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht, was sich eigentlich sehr nah bei den Hauptakteuren der klassischen Trilogie nach jener Schlacht um Endor abspielte. Da hier jedoch andere Charaktere im direkten Fokus stehen, war ich persönlich skeptisch. Werden die wiederauftauchen? Haben die überhaupt in irgendeinem Folgewerk eine Bedeutung? Benutzt man die nur, um nicht wieder den kompletten Hauptfokus auf Han, Leia und Luke zu legen? All diese Zweifel sind unberechtigt. Natürlich sind diese Charaktere endlich. Und ja, vermutlich wird man erstmal weniger von ihnen hören. Nein, sie sind deswegen nicht unwichtig, sind sie doch die Eltern des späteren „Buddys“ von FN-2187, auch Finn genannt, in Das Erwachen der Macht.

Mich haben nicht nur die Charaktere der Geschichte überzeugt, sondern auch die Handlung. Was passiert, ist nachvollziehbar. Sei es nun die imperiale Operation Asche oder Leia Organas Reise nach Naboo, um diese Welt in der Neuen Republik willkommen zu heißen. Keiner der Handlungsstränge wirkt gekünstelt oder aufgesetzt.

Eigentlich denke ich immer viel darüber nach, was man hätte besser machen können und richte darauf einen besonderen Fokus. Hier fällt mir wenig dazu ein. Einzig der Wermutstropfen, dass diese Geschichte endet, ohne dass man erführe, was Luke Skywalker mit dem letzten Setzling des Baumes tut, der einst im Jedi-Tempel stand oder welche Auswirkungen die Geschehnisse auf das Leben Poe Damerons hatte, der auf Yavin IV aufwuchs. Dort, wo seine Mutter den vorletzten Setzling eben jenes Baumes als Geschenk von Luke Skywalker unweit ihres Zuhauses pflanzte. Man wünscht sich, noch mehr der persönlichen Geschichten dieser Charaktere zu erfahren. Man wünscht sich auch zu erfahren, was nun aus Operation Asche wurde, welche weiteren Auswirkungen sie hatte und wie sie gestoppt wurde.

Die losen Enden, die hier hinterlassen werden, springen dem Leser glücklicherweise nicht frontal störend ins Auge. Die Geschichte erweckt außerdem den Eindruck, dennoch in sich abgeschlossen zu sein. Mögen nun die Geschichten anderer Personen aus dieser Zeit erzählt werden und sich die Lücke zwischen Episode VI und Episode VII weiter schließen.

Daumen5maennlich

Artikelbilder: Panini Comics
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 


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