Roger Lewin ist Chefredakteur von Teilzeithelden und wurde in den frühen 70ern geboren. Er schätzt atmosphärisches Spiel und cineastische Systeme, die taktischen Tiefgang bieten. Mit simulativen Schwergewichten kann man ihn jedoch jagen. Seinen mathematisch-taktischen Anspruch erfüllt er bei Tabletops, da vor allem WH40K und X-Wing. Mehr über Roger erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Bücher&Comics
Februar 2, 2016 Geschrieben von Roger Lewin

Rezension: Loki – Agent Asgards | Liebesgrüße aus Asgard (Marvel Comics)

Rezension: Loki – Agent Asgards | Liebesgrüße aus Asgard (Marvel Comics)

Loki ist tot. Nein, nicht wirklich. Loki hat den größten Streich seines Lebens ausgeheckt und starb wirklich, nur, um im Körper eines Kindes wiederaufzuerstehen und von Wiccan (von den Young Avengers) zu einem Erwachsenen verwandelt zu werden. Seitdem führt er im Namen der Allmütter Aufträge aus. Für jeden erfolgreich beendeten Auftrag löscht das Triumvirat der Göttinnen eine seiner Missetaten aus den Annalen.

Die Geschichte von Al Ewing schickt Loki auf einen anderen Pfad, als er bislang wandelte. Aber ist das wirklich der neue Loki oder erliegt er der Versuchung der Trickserei als der Prinz der Lügen, der er ist? Schauen wir doch mal rein!

Zeichnerisch hat sich hier Lee Garbett ausgetobt, der Sammelband ist die Übersetzung der Bände All-New Marvel Now! Point One 1(I) und Loki: Agent of Asgard 1-5.

Führt man sich vor Augen, dass sowohl Zeichner als auch Schreiber beides Briten sind, wird der rabenschwarze Humor schnell ob seiner Wurzeln klar.

Handlung

Loki stiehlt. Ach was, nichts Neues? An sich richtig, wenn er nicht wieder im Auftrag der Allmütter unterwegs wäre und die fünf Schlüssel zur Aufbewahrungstruhe des Schwertes Gram, der Waffe von Sigurd, Asgards erstem Helden, stehlen würde. Dabei bestiehlt er schnell in wenigen Panels abgehandelt Snarrrdax, Red Skull, Agent Coulson auf einem Helicarrier, seinen Bruder Thor Odinson und die Braddock Academy. Kein Problem für den Meistertäuscher und Lügenprinzen.

Thor steckt voller Gift, das Gram erst aus ihm herausholen muss

Thor steckt voller Gift, das Gram erst aus ihm herausholen muss

Aber das ist nur der Auftakt einer zuerst nicht leicht zu verstehenden Geschichte. Diese wird damit weitergeführt, dass Loki in den Avengers Tower eindringen muss, um die Aufzeichnung über den alten Loki aus deren Computersystem zu löschen. Dass er dabei mit den Rächern zusammenprallen wird, ist unweigerlich. Nicht jedoch, dass er mit dem Schwert Gram seinen Bruder Thor durchstößt – denn das Schwert hat die Fähigkeit, Lüge und Niedertracht aus einem Opfer herauszutreiben. Dass Thor den Südenfall in Original Sin erleben musste, ist hinlänglich bekannt. Und das hat den ehemaligen Donnergott nachhaltig zum Schlechten hin beeinflusst. Dank Gram nun ist dieses Kapitel beendet und wenn Thor wieder endgültig zu sich selbst findet, wird er auch wieder Mjölnir heben können. Die Boshaftigkeit konnte Loki in einem speziellen Gefäß fangen.

Als er dieses Gefäß dann wieder zu den Allmüttern bringt, passiert das, ab welchem Moment der Leser konzentrierter agieren muss. Und wir leider die Zusammenfassung abbrechen müssen. Nur soweit einige Andeutungen – der alte (neue) Loki verhält sich nicht anders als der altbekannte. Und er setzt einige Dinge in Bewegung in der weiten Vergangenheit, die erst in der aktuellen Zeitlinie von Belang werden. Verwirrt? Gut so – denn diese Geschichte ist ein spannendes kleines Meisterstück in Sachen nichtlinearer Zeitlinien mit einigen verblüffenden Wendungen! Und ein ordentlicher Einbruch mit einem ungewöhnlichen Team gehört auch zu der Geschichte!

Charaktere

Wir lehnen uns sicher nicht weit aus dem Fenster, wenn wir schreiben, dass Loki seit den Avengers-Filmen der wohl beliebteste Antagonist aus dem Marvel-Universum ist. Umso charmanter ist sein neuer Weg, der in vielen Panels konzentriert beleuchtet wird.

Der Leser erfährt, wie Loki denkt, was Loki fühlt, welche Hoffnungen er hat und welche Wege er zu gehen bereit ist. Das macht Spaß und erklärt so einige der Vorfälle genauer. Übrigens durchbricht er mehrfach die vierte Wand. Dass er von ihr weiß, ist nichts Neues, hat er doch Deadpool auch davon erzählt.

Zeichenstil

Lee Garbett hat bereits vorher für Marvel gezeichnet, denn er hat die Identity Wars mit Spider-Man, Hulk und Deadpool inszeniert. Er neigt zu klaren Formen ohne viel Schnickschnack, schafft es dabei aber doch, durch geschickt platzierte Schatten räumliche Tiefe zu erschaffen.

Fotorealismus ist ihm fremd und das tut der Geschichte auch gut, denn so obskur und verblüffend sie ist, so klar müssen die Zeichnungen sein, damit der Leser sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.  Die Mimik der Akteure gelingt auch sehr gut und ermöglicht die Gefühle zu lesen, bevor die Sprechblase gelesen wird. Visionen werden stets verwaschen dargestellt, was der ätherischen Natur dieser guttut.

Preis-/Leistungsverhältnis

Für 14,99 EUR darf man an der faszinierenden Geschichte teilhaben, die nicht nur mehrfach gelesen werden möchte, um sie zu durchschauen, sondern mehrfach gelesen werden muss, da sie so genial ist. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, auch wenn einige Ereignisse dann doch recht obskur sind.

Erscheinungsbild

LOKI1LIEBESGRDCSSEAUSASGARDSOFTCOVER_Softcover_238Panini Comics liefert üblicherweise hohe Qualität. Das trifft hier auch auf Druck, Papier und Haptik zu. Jedoch nicht auf die Klebung der Seiten. Einige Panels befinden sich soweit innen, dass ich die Klebung aufbrechen musste, um sie lesen zu können.

Das Frontcover zeigt den jungen und neuen Loki mit dem Schwert Gram, der verschmitzt siegessicher dem Leser entgegenblickt.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor(en): Al Ewing
  • Zeichner(in): Lee Garbett
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Paperback
  • Seitenanzahl: 124
  • Preis: 14,99 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Wie gewohnt, gibt Panini Comics in Textboxen Zusatzinformationen zu Charakteren und Machern. Die Originalcover trennen die ehemaligen Kapitel.

Fazit

Wow, Loki eine eigene Serie zu geben, ist schon großartig.

Die Geschehnisse sind komplexerer Natur und nach dem ersten Durchlesen habe ich nicht alles verstanden, das spricht schon einmal für ein intelligentes Storyboard. Erst nach dem dritten Lesen fielen mir kleine Nuancen auf, die den wirklich faszinierenden Teil ausmachen. Da hat Al Ewing wirklich gute Arbeit geleistet und macht mich neugierig auf den nächsten Band.

Zeichnerisch finden wir klare Formen mit deutlichen Schatten und starken Konturen. Das schafft ein Gleichgewicht zur vertrackten Geschichte und tut dem Leser gut, der sich so voll auf die Handlung konzentrieren kann.

Ich will hoffen, dass die Verarbeitung dieses Bandes nur ein Einzelfall ist, denn die Seiten kleben dort zusammen, wo noch Panels sind. Um den Band also richtig lesen zu können, musste ich den Rücken durch Knicken beschädigen. Das gibt leider Abzüge in der Endwertung – die Geschichte jedoch ist genial und für alle Fans des Lügenprinzen eine Bereicherung.

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Artikelbild: Panini Comics
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 


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