Roger Lewin ist Chefredakteur von Teilzeithelden und wurde in den frühen 70ern geboren. Er schätzt atmosphärisches Spiel und cineastische Systeme, die taktischen Tiefgang bieten. Mit simulativen Schwergewichten kann man ihn jedoch jagen. Seinen mathematisch-taktischen Anspruch erfüllt er bei Tabletops, da vor allem WH40K und X-Wing. Mehr über Roger erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Bücher&Comics
Februar 4, 2016 Geschrieben von Roger Lewin

Rezension: Deadpool – Das Film-Special (Marvel Comics)

Rezension: Deadpool – Das Film-Special (Marvel Comics)

Wade Wilson, besser bekannt als Deadpool, bekommt endlich seinen eigenen Film im Kino und die Fans hatten große Sorgen, dass das Idol des geschmacklosen Humors typisch Disney auf einer Altersfreigabe „ab 12“ landet.

Weit gefehlt, denn die Macher des Films haben ihren Film verteidigt und so ist er in Deutschland ab 16 freigegeben. Vielleicht gibt es sogar eine „ab 18“-Version, die dann im Spätkino läuft. Um den Comic zu verstehen, muss man wissen, dass Deadpool sich dessen bewusst ist, dass er eine Comicfigur ist. Er hat hinter die sogenannte Vierte Wand geschaut.

Deadpool ist übrigen noch ein vergleichsweise junger Held und wurde erst 1991 von Rob Liefeld erdacht. Dabei war er eine Persiflage auf Deathstroke von DC Comics und wurde erst nach und nach zu dem Anti-Helden, der er nun ist: Mit viel derbem Humor, geschmacklosen Einlangen, fehlender Political Correctness und oft jenseits des guten Geschmacks.

Handlung

Wade selbst hat sich auch Sorgen gemacht, dass Hollywood den Film versaut und hat infolgedessen die Skriptautoren handverlesen. Da wundert es nicht, dass die meisten Ideen der Schreiber Deadpool nicht besonders gefallen haben und jene froh sein durften, mit dem Leben und nur wenigen fehlenden Körperteilen davonzukommen. Bis der kommt, der wirklich Wades Geschichte hören will und nicht einen Aufguss aus typischen Hollywood-Versatzstücken präsentiert.

Die Erzählungen des Söldners mit der großen Klappe beinhalten hier dann doch die eine oder andere Überraschung. Oder wusstet ihr, wie Wade als Kind gelebt und welche Spiele er mit seinem Vater gespielt hat? Ohne zu viel andeuten zu wollen – hier tritt Wade hervor, wie er ist. Alles immer ein wenig mit Humor nehmend, aber dennoch introvertiert und manchmal auch nachdenklich.

Natürlich ist diese erste Verfilmung dann doch nicht nach Wades Geschmack und so löst er den Zwist mit dem Regisseur (der er sogar „Herr Boll“ in einem Panel nennt) auf seine ganz eigene Art.

Danach gibt es noch eine zweite, aber nicht abgeschlossene Geschichte. Sie beginnt damit, dass Deadpool von Thanos zu Brei geschlagen wird. Gut, dass er das mit seinen massiven Regenerationskräften überleben wird, ist klar, aber wie kam es dazu? Nun, alles begann damit, dass Wade zu Dr. Doom gegangen ist und ihn umgebracht hat. Wie jetzt? Was? Einfach so? Ja, einfach so. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Aber wie es weitergeht und was dann passiert – das lest ihr am besten selbst.

Charaktere

Deadpool trifft seinen Filmemacher

Deadpool trifft seinen Filmemacher

Deadpool ist einer der überraschendsten und vielschichtigsten Charaktere aus dem Marvel-Universum. Neben seinem derben Humor, den Blutexzessen in den Comics und dem fehlenden guten Geschmack, der als rein provokatives Mittel eingesetzt wird, ist er ein echter Anti-Held. So derb und krude seine Methoden sind, so oft setzt er sie eigentlich fürs Gute ein.

Oft zeigt er sich regelrecht von einer philosophischen Ader, wenn es der Handlungsfaden erlaubt. Oft aber macht er einfach nur seine Späße mit den Charakteren, auf die er trifft oder eben direkt mit den Lesern.

Zeichenstil

Leandro Fernández, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fußballspieler, hat sich im ersten Teil des Bandes federführend ausgetobt. Seine Linien sind klar, oft sind Gesichter in den Bereichen wie Nase, Stirn und Kinn leicht überzeichnet. Das unterstützt den humorigen Ansatz der Geschichte recht gut und lässt die Szenen klar und eingängig wirken. Selbst Detonationen und Leuchteffekte haben diese Klarheit und lassen verwaschene Ränder gar nicht erst aufkommen.

Elmo Bondoc ist für die Panels im zweiten Teil der Geschichte verantwortlich, dem Auftakt zu Deadpool vs. Thanos. Seine Linien sind noch klarer und lassen fast jeglichen Schnickschnack außen vor. Klar, deutlich, eingängig und prägnant. Auch er überzeichnet Gesichter in den dominierenden Bereichen.

Somit wirken beide Geschichten fast wie aus einem Guss, was dem Leseerlebnis durchaus zugutekommt.

Preis-/Leistungsverhältnis

Läppische 3,99 EUR für ein weiteres Highlight aus Deadpools Leben, das dazu auch noch amüsant ist, wenn auch nicht die beste Geschichte. Wer kann da schon Nein sagen?

Erscheinungsbild

DEADPOOLDASFILMSPECIAL_Heft_306Panini Comics hat recht hohe Ansprüche an sich selbst, was Druckqualität und Haptik angeht. Diese werden auch in diesem schmalen Band gehalten. Das Cover zeigt den Pool in Front mit diversen Gegnern aus seiner Vergangenheit im Hintergrund. Davon taucht aber keiner in dem Band auf.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor(en): Duane Swierczynski, Tim Seeley
  • Zeichner(in): Leandro Fernandez, Elmo Bondoc
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Comic/Softcover
  • Seitenanzahl: 52
  • Preis: 3,99 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Entgegen des normalen Verhaltens von Panini Comics fehlen die originalen US-Cover. Nur eine Textbox zu Anfang gibt ein paar Rahmeninformationen zum Charakter Deadpool, verliert sich aber hauptsächlich in Werbetexten.

Fazit

Deadpool, wie er leibt und lebt. Der Comic zelebriert den marvelschen Anti-Helden auf genau die richtige Art. Wade nimmt sich selbst nicht allzu ernst, erzählt aus seinem Leben und lässt den Leser sogar kurzweilig traurig werden – vor allem dann, wenn es um seine Kindheit geht. Schön ist auch seine Reaktion auf den Film dann bei der Premiere. Ich glaube, dass der Comic hier genau die Sorgen der Fans aufgreift und sie mit dem Stilmittel von Deadpools Erleben eines solchen Fiaskos kanalisiert. Gut gemacht!

Die zweite Geschichte ist urtypisch für Wades Art, mit Problemen umzugehen und sie erzählt den Anfang dessen, wie Thanos und Deadpool zusammentrafen. Was das Ganze aber mit dem Attentat auf Dr. Doom zu tun hat, wird hier nicht verraten. Nur eine Andeutung: Es hängt mit Thanos‘ ewiger Geliebten zusammen.

Handwerklich gibt es nichts zu bemängeln. Der Druck ist gut, die Farben satt und das Papier trotz gewisser Dünne recht resistent.

Wir freuen uns auf den Film und können die Tage bis dahin fast nicht mehr aushalten. Die gloriose Werbekampagne für den Film hält das Feuer der Erwartung heiß und es vergeht kaum ein Tag, an dem der Red Band Trailer nicht läuft.

Daumen5maennlich

Artikelbild: Panini Comics
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 


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