Roger Lewin ist Chefredakteur von Teilzeithelden und wurde in den frühen 70ern geboren. Er schätzt atmosphärisches Spiel und cineastische Systeme, die taktischen Tiefgang bieten. Mit simulativen Schwergewichten kann man ihn jedoch jagen. Seinen mathematisch-taktischen Anspruch erfüllt er bei Tabletops, da vor allem WH40K und X-Wing. Mehr über Roger erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Bücher&Comics
Februar 11, 2016 Geschrieben von Roger Lewin

Rezension: Avengers – Ultron Forever (Marvel Comics – Exclusive #118)

Rezension: Avengers – Ultron Forever (Marvel Comics – Exclusive #118)

Man nehme eine Mischung von Avengers verschiedener Epochen, lasse sie von Dr. Doom zusammenführen und gegen Ultron auf Asgardia antreten. Bitte was?, mögen nun die Comicveteranen denken. Alan Davis, bekannt seit den 80er Jahren durch unter anderem Captain Britain, hat eine neue Geschichte erdacht, die eine Menge überraschender Wendungen in sich birgt.

Der Band beinhaltet die Übersetzungen der Originale Avengers: Ultron Forever 1, New Avengers: Ultron Forever 1 und Uncanny Avengers: Ultron Forever 1.

Handlung

Alles beginnt mit dem Auftreten eines alten Bekannten in neuer Gestalt: Dem Golden Skull. Dieser wird jedoch auch bald von der neuen Captain America dieser Zeit gestoppt. Aber bevor sie ihn dingfest machen kann, verschwindet sie durch ein Energieloch im Boden. Durch den gleichen Energiesog werden Black Widow und Vision entführt, während die beiden gerade für den Kampfeinsatz trainieren.  Auf die gleiche Art und Weise werden noch zwei Thors, James Rhodes als Iron Man und der Hulk entführt; von niemand anderem als Dr. Doom.

Wie es sich für ordentliche Avengers gehört, attackieren sie ihn auch direkt, aber werden dann von einer Menge aufgebrachter Kinder gestoppt. Schnell kristallisiert sich heraus, dass alle weit in der Zukunft sind und Dr. Doom hier ein Wohltäter ist. Vision scheint zu wissen, wer unter der Maske steckt und ergeht sich schon früh in Andeutungen, will aber nicht weiter drauf eingehen.

Der Grund, weswegen Doom die verschiedenen Avengers verschiedener Epochen mit einer Zeitmaschine zusammengebracht hat, ist das alte Problem Ultron. Doch in dieser Zukunft ist er gefährlicher denn je, hat sich die Macht Odins einverleibt und regiert als Gott das Universum von Asgardia aus. Ganz schön hochgegriffen will man meinen, selbst für Marvel-Geschichten.

Doom als Wohltäter? - man wird es sehen

Doom als Wohltäter? – man wird es sehen

Die Avengers sagen ihre Hilfe zu und führen einen Zwei-Fronten-Angriff auf Ultrons Festung aus. Dabei geht es heiß her und es scheint, als wäre diese Zukunft das Grab so manchen Rächers. Dass natürlich am Ende alles ganz anders kommt, als die Handlung zuerst andeutet, überrascht alte Hasen nicht.

Charaktere

Rhody in der Iron-Man-Rüstung, Jane Foster und Thor Odinson als zwei Thors gleichzeitig in einem Band, die Tochter von Jessica Jones und Luke Cage als neue Captain America aus der Zukunft, dazu noch Vision, Dr. Doom, der Hulk und Black Widow? Was ein Aufgebot, denkt man im ersten Moment – aber eigentlich ist es nur die übliche Avengers-Riege und deren Gegner. Was die Charaktere interessant macht, ist deren Veränderung gegenüber den heutigen Inkarnationen der Avengers. Da gibt es auch deutliche Unterschiede, die erst bestimmte Wendungen in den Panels ermöglichen.

Zeichenstil

Alan Davis ist quasi eine lebende Legende, was die Comiczeichnerei angeht. Bereits in den 80er Jahren arbeitete er für DC Comics und danach auch für Marvel.  Seine Arbeit in diesem Band versteht sich gewissermaßen als Hommage an seine früheren Werke. Zwar ist Inszenierung von actionreichen Panels und Leuchteffekten modern und zeitgemäß, aber besonders die Helden werden plakativ, deutlich und mit wenig Schnickschnack gezeichnet.

Das ist nicht die moderne Avengers-Optik aus den MCU-Filmen, das ist eine Reminiszenz an die Zeit, in der wir als Kinder und Jugendliche fasziniert den Geschichten rund um die Superhelden gefolgt sind. Mich hat der Zeichenstil sofort eingefangen. Die Farben von Mark Farmer unterstützen den Eindruck bestens.

Preis-/Leistungsverhältnis

Für 12,99 EUR bekommen Fans der Avengers etwas komplett Neues, das zudem epische Proportionen besitzt. Die Auflösung des Ganzen ist fad und wirft die Frage nach dem „Warum?“ auf. In Summe wird man aber gut unterhalten und bekommt zudem einen weiteren Band von Zeichner-Legende Alan Davis.

Erscheinungsbild

MARVELEXKLUSIV118AVENGERSULTRONFOREVERSOFTCOVER_Softcover_296Panini Comics produziert Comics auf hoher handwerklicher Qualität. Scharfer, kontrastreicher Druck mit satten Farben, eine ordentliche Klebung, die auch resistent gegen häufigeres Lesen ist und eine gute Papierhaptik gehören auch bei diesem Band zum Lieferumfang. Das Cover zeigt die Avengers der verschiedenen Epochen auf einem Berg von Schädeln, während Ultrons Fratze im Hintergrund droht. Das Rückcover ist leider irreführend, was die Inkarnation des Caps angeht, die im Band auftaucht.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor(en): Al Ewing
  • Zeichner(in): Alan Davis, Mark Farmer
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Verstärktes Softcover
  • Seitenanzahl: 100
  • Preis: 12,99 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon

 

 

Bonus/Downloadcontent

Zu den Merkmalen der Comics aus dem Hause Panini Comics gehört das Liefern von Informationen zu Helden, Zeichnern und Schreibern in Boxen zu Anfang und Ende des Bandes. Das hilft, einige Vorfälle besser zu verstehen und ist im Falle der Macher durchweg interessant. Ebenso befinden sich die originalen amerikanischen Comiccover im Sammelband.

Fazit

An sich ist das eine coole Geschichte – Avengers verschiedener Epochen, teils in zuvor unbekannten Inkarnationen, werden von Dr. Doom zusammengeholt, um gegen Ultron auf Asgardia vorzugehen. Das mag im ersten Moment etwas bunt erscheinen, fügt sich aber wunderbar in die Reihe der Comics vor Secret War ein. Ein wenig wirkt es fast, als ob Marvel seinen Comiczeichnern und Storyboard-Schreibern einen Freibrief gegeben hat: „Los, tobt euch mal richtig aus, danach gibt es eh nur noch Erde-616, das Ultimate Universe und danach was ganz Neues.“

Das Austoben hat die eine oder andere befremdliche Blüte getrieben, dazu gehört dieser Comic jedoch nicht. Er ist furios, actionreich, voller Drama und spannender Wendungen – wenn das Ende nicht wäre. Wäre Vision nicht er (es?) selbst, wäre die Geschichte auch wieder nach einem Drittel der gedruckten Handlung vorbei gewesen.

Das hinterlässt einen faden Beigeschmack, denkt man mehr über die Ereignisse nach, die während des Handlungsfadens geschehen, und wertet den Gesamteindruck ab. An sich schade, denn die neuen Versionen der Avengers machen Spaß.

Handwerklich, sowohl in Sachen Druckqualität als auch Zeichnungen, gibt es nichts auszusetzen, sogar eher zu loben. Der Comic ist somit etwas für echte Fans der Avengers und Liebhaber von alternativen Welten.

Daumen3maennlich

Mit Tendenz nach Oben

Artikelbild:  Panini Comics
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 


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