Sebastian ist Leiter des Filmressorts bei den Teilzeithelden. Mittlerweile kümmert er sich als begeisterter Magic: The Gathering-Spieler auch um Artikelnachschub in unserem Brett- und Kartenspiele-Bereich. Als Spielleiter treibt er seit mehr als 10 Jahren sein Unwesen und ärgert seine Spielergruppe mit Vorliebe in der berüchtigten Alten Welt des Warhammer Fantasy-Rollenspiels. Mehr über Sebastian erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Filme
Februar 15, 2016 Geschrieben von Sebastian Köppe

Angeschaut: Deadpool – Comicverfilmung der etwas anderen Art!

Angeschaut: Deadpool – Comicverfilmung der etwas anderen Art!

Würde es nach Wade Wilson, besser bekannt als Deadpool, gehen, würde er unsere Leser jetzt direkt selbst begrüßen und einfach drauf losschießen, also sprichwörtlich, um allen klar zu machen, wie toll sein erster eigener Film ist. Ruck zuck wäre dank dem Plappermaul klar, warum es sich lohnt, all das Geballere, all die Witze und all die vielen Anspielungen auf die restlichen Genre-Kollegen im Kino zu erleben. Da Wade mit seinem losen Mundwerk aber Gefahr laufen würde, euch direkt den kompletten Inhalt Wort für Wort zu spoilern, hat er lieber uns beauftragt. Unser Redakteur ist an der Stelle dankbar, dass der Erstkontakt mit dem Antihelden recht glimpflich für ihn ausging. Für gewöhnlich ist Deadpool nicht gerade zimperlich und geht durchaus blutig mit seiner ganz eigenwilligen Weltsicht um.

Mittlerweile kommt alljährlich die große Marvel-Heldenschau ins Kino, zumeist als krachender aber eben auch recht glatter Blockbuster, die ganz große Nummer eben. Mit Deadpool schafft es nun endlich mal ein ganz ungewöhnlicher Heldenverschnitt aus der bekannten Comicschmiede ins Kino. Fans dürften sich in diesem Zusammenhang noch an den fragwürdigen Auftritt von Deadpool in X-Men Origins: Wolverine als Endgegner zurückerinnern, dabei hat der Charakter doch weit mehr zu bieten. Neben seinem Hang zur Brutalität, kann er zudem noch mit prollig, vulgärer und äußerst fröhlicher Unterhaltung dienen, und zwar ohne Unterbrechung, auch nicht wenn man ihn dazu bitten oder zwingen würde.

Zusammenfassend ist Deadpool also der krasse Gegenentwurf zu all den glorreichen Superhelden. Allein deshalb mag der Kinobesuch schon interessant erscheinen. Was der Film sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr im Folgenden.

Story

Ex-Soldat Wade Wilson ist ein frecher Söldner, der gerne quatscht und es mag, den Leuten auf die Nerven zu gehen. Zu seinem Glück findet er in der Prostituierten Vanessa eine attraktive Seelenverwandte. Das Leben scheint perfekt, wäre da nicht Wades plötzliche Krebsdiagnose. Verzweifelt auf der Suche nach einer Heilung, geht er einen grausigen Deal mit einer paramilitärischen Organisation ein. Durch die Teilnahme als Testobjekt für Menschenversuche gelingt es Wade tatsächlich den Krebs zu besiegen, viel mehr noch, fortan ist er praktisch unsterblich, da sein mutierter Körper sich selbst heilen kann. Die grausamen Experimente retten ihm zwar das Leben und statten ihn mit beachtlichen Selbstheilungskräften aus, entstellen aber seinen ganzen Körper und kosten ihn mehr oder weniger den Verstand. Insbesondere sein verunstaltetes Gesicht macht der Frohnatur zu schaffen. An die große Liebe glaubt er unter diesen Umständen auch nicht mehr so ganz.

Die Welt retten können jedoch andere Helden. Wade hat unter seinem neuen Pseudonym Deadpool nur eins im Sinn. Rache an dem Kerl, der ihn so gequält und entstellt hat. Mit etwas Glück bekommt er dabei auch noch sein Mädchen zurück.

Darsteller

Ryan Reynolds‘ Superhelden-Odyssee scheint beendet. Als Deadpool braucht er nur einen kurzen Moment, um sich der Rolle vollends anzunehmen, danach geht er wundervoll in dem durchgeknallten Charakter auf. Reynolds wäre gut beraten, in Zukunft bei dieser Rolle zu bleiben, falls es um die Verkörperung einer Comicfigur geht. Dank des überaus selbstironischen Deadpool darf sein Darsteller jedenfalls humorvoll an den ein oder anderen Fehltritt seiner Karriere erinnern. Was wäre ein Superhheldenfilm ohne eine attraktive Frau an der Seite der Hauptfigur? Vanessa (Morena Baccarin ) ist für Wade Wilson ein wahrgewordener Traum. Die Sexszenen zwischen beiden sind in jedem Fall ein Novum gemessen an den bisherigen Comicverfilmungen. Baccarin ist aber nicht nur visuell passend besetzt, die Chemie zwischen beiden Darstellern stimmt einfach. Das ist insofern relevant, da es sich im Kern der sehr einfachen Rahmenhandlung mehr oder weniger schlicht um eine kleine Liebesgeschichte (die Anspielungen zum Valentinstag kann sich auch Deadpool nicht verkneifen) handelt und zwischen all dem vulgären Humor auch ernsthafte Themen durchschimmern.

Unterstützung für den vorlauten Titelhelden gibt es aus dem X-MenUniversum, quasi ein Sidekick samt Anhang, zumindest nutzt auch Deadpool diese Konstellation schamlos für allerhand Schabernack aus. Für die Handlung relevanter ist da schon eher Bösewicht Ajax (Ed Skrein). Diesem nimmt man zwar durchaus ab, dass seine Figur Spaß daran hat, Wade mit seinen Experimenten zu quälen, ansonsten bleibt er aber eher blass und stellt keine ernsthafte Bedrohung für Deadpool dar. Die Nebenfiguren im Film entsprechen ohnehin der gleichen Schlichtheit wie so mancher Gag. Der Film kann sich dadurch jedoch ganz auf die schräge Ausarbeitung des Hauptcharakters fokussieren.

Inszenierung

Die Einleitung des Films ist ein absolutes Meisterwerk geworden. Auf den Punkt wird dem Zuschauer hier mit allerhand Humor offenbart, was für ein Film ihn da eigentlich erwartet und die ersten Minuten dürften recht schnell Kultstatus unter all den Comicverfilmungen erreichen. Regisseur Tim Miller und seinem Team dürfte es eine Freude gewesen sein, endlich mal einen rüpelhaften Heldenverschnitt mit viel zu losem Mundwerk auf das Kinopublikum loszulassen. Wir reden hier immerhin von einer Comicfigur, die sich darüber bewusst ist, dass sie eine Comicfigur ist. Was filmisch heikel und für die Figur selbst tragisch klingt, ist in Wirklichkeit der große Wurf. Die Filmemacher nutzen, natürlich mit tatkräftiger Unterstützung ihres Titelhelden, die Gelegenheit, die ganze Branche gehörig auf die Schippe zu nehmen. Deadpool darf alles und jeden aufs Korn nehmen, sei es seinen eigenen Darsteller, das Filmteam und all die anderen Comicverfilmungen und Superheldenkollegen. Dabei spricht er mitten in der Handlung auch einfach mal das Publikum direkt an, schließlich weiß er ja, dass er gerade im Kino bewundert wird. Das klingt äußerst skurril und ist es in der Tat auch!

Action gibt es freilich auch zu sehen, zwar gerät diese im Vergleich zu all den großen Blockbuster-Ausgaben der Comic-Kollegen deutlich bodenständiger, ist aber durchaus ordentlich anzusehen. Deadpool selbst ist immerhin kein zimperlicher Typ. Wer sich Sorgen über die Altersfreigabe gemacht hat, kann beruhigt werden, es gibt genug Blut, Sex und eine Wagenladung voller Witze unter der Gürtellinie. Letzteres sogar in so einem Übermaß, dass es zu Weilen schlicht zu viel wird. Ohne Frage, der zynische Sprücheklopfer verbreitet jede Menge Spaß, aber die Parodie im Umgang mit sich selbst in Filmlänge hat auch ihre Schattenseiten. Zuweilen wirkt der Hagel an Gags erzwungen und driftet vom Niveau auch gerne mal ins Bodenlose ab. Der eigentliche Plot kann hier auch keinen Mehrwert als Gegengewicht erzeugen und so lebt die Inszenierung einzig von der Omnipräsenz seiner überdrehten Hauptfigur. Im Vergleich zu manch epischem Exzess der Genreprominez ist das einfache Treiben im Kern jedoch recht erfrischend.

Erzählstil

Die grandiose Verfolgungsszene auf der Autobahn wird immer wieder von Flashbacks unterbrochen. Diese nutzt Wade freilich, um den Zuschauern kurz seine tollen Momente im Leben (reduziert auf Vanessa) und seine weniger tollen Momente im Leben (der Krebs, die Experimente samt Folgen und der Übeltäter dahinter namens Ajax) näherzubringen. Dieser Rückblick dient als Grundlage für die eigentliche Handlung, die sich mehr oder weniger darauf beschränkt, wie Deadpool seinem Gegenspieler hinterherjagt. Ehe man sich versieht, ist der Film schon beim Finale angekommen. Wie schon angesprochen, sucht der Held dabei immer wieder direkten Kontakt zum Zuschauer und nutzt jede Gelegenheit, um noch irgendeinen humorvollen Nebensatz einzubauen. Der Inhalt des Films ist relativ einfach gehalten, dass Tempo der Erzählung dabei umso flotter.

Fazit

Deadpool - Das Filmplakat

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Deadpool fängt mit einem fantastischen Vorspann an und bietet verrückte 108 Minuten Superhelden-Kino der besonderen Art. Der Titelheld darf hier alle Register ziehen und lässt seinen ersten Film zu einer frechen, vulgären, fröhlichen und im Kern sogar romantischen Actionkomödie mutieren. Zwar wirkt das Gag-Feuerwerk in einigen Szenen etwas überzogen, in der Summe gelingt es aber wunderbar den Film auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wer ins Kino geht, um den außergewöhnlichen Charakter Deadpool zu erleben, bekommt genau das, und zwar von Anfang bis Ende ohne nervige (Werbe-)Unterbrechung. Was da eigentlich wie genau in der Handlung passiert, ist im Grunde relativ egal. Der Film punktet vor allem mit seiner provokanten Parodie über das Genre der omnipräsenten Comicverfilmungen.

Deadpool wirkt damit wie ein extrem unterhaltsamer Gegenentwurf zu all den anderen Helden. Ryan Reynolds‘ Suche nach dem passenden Superheldenkostüm scheint jedenfalls beendet, mit seiner (diesmal) gelungenen Darstellung dürfte er auch in Zukunft zum abgedrehten Charakter von Wade Wilson tendieren. In Summe ist die filmische Umsetzung in jedem Fall sein Erfolg, jedoch sollten sich die Macher für eine mögliche Fortsetzung noch etwas mehr einfallen lassen. Wie von Marvel gewohnt, gibt es auch diesmal eine Extraszene nach dem Abspann, wenngleich sich Deadpool freilich auch hier nicht die Gelegenheit nehmen lässt und dem Ganzen noch einmal seinen unnachahmlichen Stempel aufzudrücken.

Daumen4Maennlich

Artikelbilder: 20th Century Fox

 


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