Roger Lewin ist Chefredakteur von Teilzeithelden und wurde in den frühen 70ern geboren. Er schätzt atmosphärisches Spiel und cineastische Systeme, die taktischen Tiefgang bieten. Mit simulativen Schwergewichten kann man ihn jedoch jagen. Seinen mathematisch-taktischen Anspruch erfüllt er bei Tabletops, da vor allem WH40K und X-Wing. Mehr über Roger erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Filme
Februar 25, 2016 Geschrieben von Roger Lewin

Angeschaut: BSG Blood & Chrome (BluRay) – Oh mein Gott, alles voller Lensflares

Angeschaut: BSG Blood & Chrome (BluRay) – Oh mein Gott, alles voller Lensflares

Selbst als Prequel zur Erfolgsserie Battlestar Galactica (im Folgenden BSG) tituliert, ist der Film nichts anderes als das Zusammenfügen der auf Youtube veröffentlichten Einzelfolgen.  Wenn auch damals kurzzeitig im Gespräch war, aus Blood & Chrome eine eigene Serie zu machen, wurde der Plan bald wieder verworfen.

Erst jetzt ist der Film auf BluRay bei Koch Media erschienen und wird von wenigen Extras begleitet.

Story

Niemand anderes als William Adama (Luke Pasqualino), der spätere Kommandant der Galactica, steht im Fokus der Handlung. Als junger und draufgängerischer, wenn auch etwas arroganter, Absolvent der Akademie kommt er an Bord der Galactica und will natürlich eine Viper fliegen. Dass die Zylonen den Menschen, die sie bauten, den Krieg erklären, ist gerade erst zehn Jahre her.

Doch statt einen der wendigen Raumjäger fliegen zu dürfen, wird er mit einer Raptor abgespeist – ein Transportschiff mit träger Manövrierbarkeit und geringer Bewaffnung.  Der mürrische Co-Pilot Coker Fasjovik (Ben Cotton) macht die Aufgabe, Fracht zur Scorpia-Raumwerft zu bringen, auch nicht attraktiver. Als dann bei Missionsstart noch die attraktive Programmiererin Dr. Beka Kelly (Lili Bordán) dazu kommt und mitten im Flug neue Befehle hat, nimmt die Geschichte Fahrt auf.

Der junge Adama ist als hervorragender, wenn auch unkonventioneller, Pilot bekannt und wurde für eine Geheimmission ausersehen. Als sie das Ziel ihrer Reise, den Kampfstern Acheron, erreichen, finden sie diesen zerstört vor.  Was das Team aber auch findet, ist eine versteckte Flotte der Menschen, die aus Schiffen besteht, die allesamt als vermisst oder vernichtet gelten. Diese Flotte hat einen Auftrag und ein Ziel auf einem Eisplaneten. Und damit beginnt der zweite Teil der Erzählung, der nicht minder actionreich ist.

Darsteller

Hohe darstellerische Kunst wird dem Zuschauer nicht geboten, aber grundsolide Kost. Luke Pasqualino überrascht durch seine verwegene Art der Darstellung, die gar nicht so sehr zu dem alten Haudegen, den man aus der Serie kennt, passen mag. Die Geschichte, was sich alles zwischen dem Film hier und der Serie dort, ereignet hat, wird nicht erzählt.

Ben Cotton birgt Potential in seinen Mimen, aber bekommt zu wenig Screentime, um sich aufzubauen. Das gilt auch für Lili Bordán, die dem Drehbuch geschuldet, sich besonders zum Ende hin in ihrer Rolle mehr als merkwürdig verhält.

Dennoch bekommt der Zuschauer BSG-typische Akteure und Rollen serviert. Tiefgründig, überraschend und leicht skurril. Außer Adama selbst bekommen aber alle zu wenig Zeit, ihre Rollen richtig auszuformen.

Inszenierung

Gut funktionieren die Raumkampfszenen, alle etwas körnig, an moderne Raumkampf-PC-Spiele erinnernd und schnell geschnitten. Gut funktionieren auch die mechanischen Zylonen, die es ab dem letzten Drittel gehäuft zu sehen gibt. Besonders die Animationen können hier überzeugen.

Gut funktionieren nicht die Lensflares, die es nicht nur in einprägsamen Momenten gibt, sondern in jeder Szene. Selbst, wenn gar keine grellen Lichtquellen vorhanden sind – das ist anstrengend für die Augen und lästig.

Gut funktioniert auch nicht das Pacing. Hier merkt man die Herkunft von einer Webserie, die immer nur wenige Minuten je Folge dauert. Als Einzelfolge funktioniert schnelle Handlung, aber die ganze Zeit hindurch, unter der Betrachtung der manchmal durchaus langsam erzählten Hauptserie, wird das zu viel. Immer Hektik, Schießereien, Raumkämpfe, Gefahren zehrt auf Dauer an den Nerven.

Auf der anderen Seite: Wem BSG zu langweilig war, findet hier ein furioses Tempo und eine hohe Actiondichte. Da es aber Unterschiede zur Hauptserie gibt, was die Erzählweise angeht, taugt der Film nur bedingt als Appetizer.

Erzählstil

Der Film wird aus der Sicht des allwissenden Beobachters erzählt, fokussiert aber seinen Blickwinkel auf William Adama. Nur wenige Szenen beschäftigen sich mit anderen Ereignissen. Das passt gut zur gewollten Erzählung und erklärt auch so einiges über das BSG-Universum.

Preis-/Leistungsverhältnis

Ein spannender Film, der auch BSG-Unbedarften gefallen dürfte, etwas wenig Extras und SFX, die bisweilen dazu führen, dass man den Film pausieren muss – das gefällt nicht jedem, ist aber deutlich was für Fans der Hauptserie und Freunde des Military Science-Fiction.

Erscheinungsbild/Umfang

BATTLESTAR_GALACTICA_Artwork_2Die BluRay kommt im Standardcasing und zeigt auf der Vorderseite eine Bildmontage von Szenen aus dem Film. Hier ist also alles im gewohnten Standard.

Die harten Fakten:

  • Regie: Jonas Pate
  • Darsteller: Luke Pasqualino, Ben Cotton, Lili Bordán et al
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
  • Format: BluRay
  • Preis: 14,95 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Der Film kann in Einzelepisoden auf Youtube angesehen werden – die Sprache hier ist Englisch. Satte 28 Minuten entfernter Szenen geben dem Film mehr Gehalt, der etwas über 22 Minuten lange Bericht über die SFX ist interessant, aber nicht weltenbewegend.

Fazit

Battlestar Galactica ist eine Kult-Science-Fiction-Serie des letzten Jahrzehnts und besticht durch die Kombination von Kriegsatmosphäre, wilden Raumkämpfen und tiefgründigen Charakteren. Dabei nimmt sie sich viel Zeit, was für einige Zuschauer in Langeweile abdriftet.

Blood & Chrome geht da einen anderen Weg. Als Webserie mit kurzen, intensiven Folgen begonnen, liegt sie nun erst als deutsche BluRay vor und hat ein rasantes Pacing mit sehr viel Action und bedrohlichen Momenten.

Der Protagonist William Adama, in späteren Jahrzehnten der Kommandant der Galactica, ist ein Heißsporn mit Neigung zu ungewöhnlichen Problemlösungen und waghalsigen Flugmanövern. Der fehlerbehaftete alte Mann aus der Hauptserie, so gar nicht strahlender Held, wird möglicherweise hier etwas zu sehr als heldenhafte Lichtgestalt dargestellt.

Von der Dramaturgie vielleicht etwas zu linear, sind es aber besonders die toll inszenierten Raumkämpfe und gut animierten Zylonen, die in Erinnerung bleiben – und die lästigen Lensflares, die wirklich überall zum Einsatz kommen.

In Summe ist es jedoch ein Film, den man auch gut alleine gucken kann, ohne die Serie zu kennen. Als Einstieg in die Serie taugt er nur bedingt, da beim Zuschauer Begierde auf furiose Military Science-Fiction geweckt wird.

Daumen3maennlich

Mit Tendenz nach Oben

Artikelbild: Koch Media
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3 Kommentare

  • Als Prequel hat mir Caprica viel besser gefallen.

    • Habe ich selbst nicht gesehen, aber man wirft Caprica Pacingprobleme vor? ^roger

    • Kann ich nicht sagen. Mir hat es sehr gut gefallen und wenn man verstehen will, wo die Zylonen überhaupt herkommen und wie der ganze Krieg eigentlich entstanden ist, sollte man Caprica gesehen haben.

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