Marie Mön­ke­meyer wuchs inmit­ten von Büchern auf und ist bis heute der Mei­nung, man könne nie genug Bücher haben, höchs­tens zu wenig Regal. Die Auto­rin und Redak­teu­rin eini­ger Werke für Das Schwarze Auge kann bis heute kei­ner guten Geschichte wider­ste­hen. Bei den Teil­zeit­hel­den wid­met sie sich redak­tio­nell dem Res­sort für phan­tas­ti­sche Literatur. Mehr über Marie erfahrt ihr mit einem Klick auf den Namen.

 

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März 11, 2016 Geschrieben von Marie Mönkemeyer

Rezension: Drachenschiffe über Kenlyn – Von Dieben, Soldaten und Schattenkaisern (Dane Rahlmeyer)

Rezension: Drachenschiffe über Kenlyn – Von Dieben, Soldaten und Schattenkaisern (Dane Rahlmeyer)

Mitunter erlebt man eine Überraschung, wenn man ein Buch das erste Mal aufschlägt. Man denkt, man könnte abschätzen, was einen erwartet und dann ist es doch anders. Manchmal furchtbar, manchmal viel besser und manchmal einfach anders.

So ging es mir mit Drachenschiffe über Kenlyn, dem ersten von drei Teilen der Kenlyn-Chroniken von Dane Rahlmeyer. Ich hatte einen abenteuerlichen Steampunkroman mit wenigstens teilweise dampfbetriebenen Maschinen und zeppelinähnlichen Drachenschiffen erwartet. Stattdessen bekam ich eine Lektüre mit hochintelligenten Computern und keiner einzigen Dampfmaschine! Zum Glück lag ich mit „abenteuerlich“ richtig, denn Drachenschiffe über Kenlyn ist eine Geschichte voller Abenteuer.

Story

Kenlyn ist ein Planet mit zwei Monden, der einstmals eine rote Wüste gewesen sein soll, aber dann von den weisen und hochentwickelten Sha Yang als neue Heimat für die vier Hohen Völker fruchtbar gemacht wurde: Menschen, katzengestaltige Skria, echsenähnliche Draxyll und die flugfähigen, kleinen Yadi. Kenlyn sollte vor den Schattenkaisern Schutz bieten, die mit grausamen Waffen den Planeten Te’Ra, die bisherige Heimat der Hohen Völker und der Sha Yang, zerstörten. Dies ist allerdings über 900 Jahre her und die Vergangenheit für die meisten Bewohner von Kenlyn mehr eine Legende. Über den Himmel ziehen Drachenschiffe, die sogar in den Orbit fliegen können, und die Bewohner reisen mittels Nexusportalen von einem Ort zum nächsten. Regiert wird alles von Gouverneur Syl Ra Van, einem intelligenten Computer, und dessen Friedenswächtern. Diese sind eine Mischung aus Armee und Polizei, die mit harter Hand über den Frieden wacht, dennoch nicht tötet, aber bei der Bevölkerung nicht unbedingt beliebt ist.

Endriel Naguun verdient ihr Geld damit, im Auftrag Artefakte zu stehlen, denn Gegenstände, die noch von den Sha Yang hergestellt wurden, sind enorm viel Geld wert. Nach einem nicht ganz glatt gelaufenen Coup hilft sie auf der Straße einem jungen Mann gegen einen Angreifer, nur um anschließend festzustellen, dass dieser verschwunden ist.

Kurze Zeit später erfährt Endriel, dass ihr Vater verstorben ist und sie ein kleines Drachenschiff von ihm erbt. Gemeinsam mit drei Freunden beschließt sie, ein ehrliches Leben zu beginnen und ein Transportunternehmen zu starten. Doch ihr erster Kunde ist der junge Mann, den Endriel kurz zuvor gerettet hatte und nicht vergessen kann. Aber neben der Liebe auf den ersten Blick bedeutet er eine Menge Ärger.

Denn der Gouverneur beauftragt Admiral Andar Telios, einen aufrechten Soldaten und alten Freund von Endriels Vater, den jungen Mann namens Kai Novus aus Gründen zu suchen, die dem Leser das ganze Buch über nicht vollständig enthüllt werden. Damit ist er nicht der Einzige: Auch der wiedererstarkende Kult der Schattenkaiser ist auf der Jagd nach Kai. Es entspinnt sich eine wilde Verfolgungsjagd über halb Kenlyn, in der nach und nach die Geheimnisse verschiedener Figuren gelüftet werden.

Immer wieder gibt es unerwartete Wendungen, auch wenn ab einem gewissen Punkt vorhersehbar wird, dass bestimmte Geschichtsbestandteile auftauchen und sich die Geheimnisse einiger Figuren lichten werden. Dabei bricht Rahlmeyer häufig für einen kleinen Twist mit den Lesererwartungen, der dann am Erwarteten vorbeischrammt. Um hier nicht viel zu spoilern, aber dennoch ein Beispiel zu geben: Sobald ich als Leserin von einem bestimmten Ort wusste, dass er existiert, war mir klar, dass er Schauplatz im Finale des Buches werden würde. Das tat er dann auch zuverlässig, aber das Finale sah leicht anders aus als gedacht. Mit diesen Wendungen liest sich das Buch spannend und hält eine Menge Action bereit.

Obwohl das Buch an einigen Stellen von Klischees nur so strotzt, laden viele der Figuren zum Mitfiebern ein. Besonders gilt dies für die Figuren aus der zweiten Reihe, ein Beispiel wäre der Skria Keru. Er ist ein Freund von Endriels Vater, überaus fähig in seinem Bereich, hat eine mysteriöse, gefährliche Vergangenheit und ist optisch dazu auch noch ein überaus seltenes Exemplar seiner Spezies. Dennoch war er mir schneller ans Herz gewachsen als Endriel und Kai.

Besonders die Liebesgeschichte der beiden empfand ich als anstrengend, Endriel braucht nur ein einziges Mal in Kais Augen zu sehen und schon ist sie bereit, ihm alles zu glauben und für ihn zu riskieren. Das macht sie nicht schwach, sie bleibt klar und eindeutig der kämpferische Part der beiden, an dieser Stelle hätte ich mir allerdings etwas mehr Entwicklungszeit der Gefühle gewünscht.

Generell fällt es Kai für den Leser teilweise überraschend leicht, alle von seinen Ansichten zu überzeugen. Ich hoffe, dass in den beiden Folgebänden noch ausgeführt wird, dass er eine Spezialfähigkeit hat, die dafür sorgt, dass ihm jeder glaubt und diese erzählerische Schwäche ausbügelt.

Schreibstil

Die Rollenperspektive des unpersönlichen Erzählers liegt anfangs auf Endriel, wechselt jedoch im weiteren Verlauf immer wieder kurzzeitig zu verschiedenen anderen Figuren. Dadurch bekommt der Leser einen weiten Einblick in Gedanken und Handlungen, was die Geschichte ungemein bereichert. Leider sind die Perspektivenwechsel nicht mit einem Absatz gekennzeichnet, was immer wieder für kurze Irritation im Lesefluss sorgt.

Ähnliches gilt auch hin und wieder für die Sprache der Figuren, die doch teilweise sehr modern und umgangssprachlich in ihrer Wortwahl ist und damit einen Gegensatz zum Erzählertext produziert. Dabei wirkt dies jedoch nicht wie ein bewusstes Stilmittel, sondern eher wie Achtlosigkeit des Autors, der nicht darauf geachtet hat, ob die sehr saloppe Sprache an dieser Stelle richtig passt.

Im Ganzen lässt sich Drachenschiffe über Kenlyn in seinem unkomplizierten Sprachstil ohne altertümliches Vokabular jedoch gut lesen. Es spart großartige technische Ausführungen, die den Lesefluss unterbrechen würden, und auch die meisten Erklärungen über die Welt werden von Figuren vorgenommen. Teilweise geraten die Beschreibungen so sparsam, dass am Ende selbst die Details fremder Spezies der Phantasie des Lesers überlassen werden, was allerdings nicht störend wirkt.

Einer Aussage des Klappentextes muss an dieser Stelle jedoch vehement widersprochen werden: Drachenschiff über Kenlyn ist nicht wirklich in sich abgeschlossen. Sicher, die Geschichte ist erst einmal vorbei, doch es bleiben am Ende deutlich mehr Fragen als die, ob es gelingt, den Kult der Schattenkaiser vollständig zu zerschlagen oder nicht. Besonders die Handlungen des Gouverneurs bleiben unverständlich und voller Andeutungen.

Der Autor

Dane Rahlmeyer wurde im niedersächsischen Salzgitter geboren und bekam von dieser Stadt 2001 ein Stipendium für junge Künstler. Drachenschiffe über Kenlyn war 2006 seine erste Romanveröffentlichung, sein aktuellstes Werk ist der im Juni 2015 erschienene Roman Kailani – Krieger des Himmels. Neben Romanen schreibt er viel für den Hörspielbereich, besonders aktiv für die Reihe Rick Future.

Sein Vorname reimt sich laut eigenen Angaben auf das englische Wort „train“.

Das Land Kenlyn

Das Land Kenlyn


Preis-/Leistungsverhältnis

Da das Buch nur noch als E-Book oder gebraucht erhältlich ist und der Preis für gebrauchte Bücher sehr unterschiedlich ausfallen kann, betrachte ich an dieser Stelle nur die digitale Version. Der Preis für diese beträgt 4,99 EUR. Das bedeutet, man bekommt für etwa den Preis eines sehr großen Kaffees bei einer bekannten Kaffeehauskette eine gute Abenteuergeschichte. Ich empfinde den Preis als völlig angemessen und glaube außerdem, dass das Buch länger als der Kaffee hält.

Erscheinungsbild

Kenlyn_Cover_01Das Cover ziert ein Himmel mit angestrahlten Wolken, davor prangt unten der Autorenname und oben der Titelschriftzug mit dem Wort „Kenlyn“ optisch abgesetzt. Mittig ist das Gesicht einer jungen Frau (wobei es auch ein sehr junger Mann sein könnte) mit Kapuze und Pilotenbrille zu sehen, die sich mit einem Drachenflieger in die Tiefe stürzt. Das ganze Bild wirkt, als sei es digital gemalt und assoziiert von Stil, Motiv und Farbgebung eine Abenteuergeschichte mit phantastischen Elementen und trug zu meiner nicht eingetroffenen Erwartung bei. Designt und vermutlich auch gezeichnet wurde es von Colin Winkler.

Über die Druckqualität kann ich nichts sagen, da ich das Buch in digitaler Form vorliegen hatte.

Das Layout ist schlicht, das Korrektorat hat gute Arbeit geleistet.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Eigenverlag
  • Autor(en): Dane Rahlmeyer
  • Erscheinungsjahr: 2006
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Taschenbuch / Kindle Edition
  • Seitenanzahl: 457
  • ISBN: 978-3939882015
  • Preis: 4,99 (E-Book)
  • BezugsquelleAmazon

 

Bonus/Downloadcontent

Downloadcontent gibt es nicht. Als Bonus bietet das Buch vorne eine Karte von Kenlyn, die nett, aber für das Verständnis nicht notwendig ist.

Fazit

Die Handlung begleitet die Diebin Endriel Naguun, die nach dem Tod ihres Vaters versucht, ein ehrliches Leben zu beginnen. Über ihren ersten Kunden wird sie in den Konflikt zwischen den als Friedenswächtern bezeichneten militärischen Polizisten und dem geheimen, wiedererstarkenden Kult der Schattenkaiser hineingezogen. Es wird gekämpft, dem Titel entsprechend geflogen, gestritten, geliebt und Verschwörungen enttarnt. Leider, oder naheliegenderweise für einen ersten Band, bleiben am Ende etliche Fragen offen.

Die Figuren sind teilweise klischeelastig, besonders die Nebenfiguren laden jedoch zum Mitfiebern ein. Lediglich die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren hat mich nicht überzeugt, was aber generell daran lag, dass der einen beteiligten Figur zu viel widerspruchslos geglaubt wird.

Anders als viele phantastische Romanwelten, ist Kenlyn nicht von Orks oder Elfen besiedelt, sondern neben Menschen von eher unbekannten Spezies. Dazu ist es hochtechnisiert, immerhin wird der ganze Planet von einem Computer regiert. Die Welt selbst wird vorwiegend von Romanfiguren erklärt und beschrieben, dadurch bleibt vieles der Phantasie des Lesers überlassen. Manchmal ist das störend, wenn Informationen fehlen und auch nach über 400 Seiten immer noch unklar ist, wie die Spezies der Yadi denn nun eigentlich aussieht – ich halte sie für kleine Menschen mit Fledermausflügeln, bin mir aber nicht sicher. Die Unschärfen machen jedoch auch eine Menge Spaß und laden zum genüsslichen Spekulieren ein: Ist Kenlyn vielleicht der Mars? Wer ist der Schattenkaiser?

Als ich mit Drachenschiffe über Kenlyn begann, erwartete ich klassischen Steampunk und bekam etwas völlig anderes, was sich irgendwo zwischen Steampunk und Science-Fiction bewegt. Doch egal, welchem Genre es nun zuzuordnen ist, der Roman ist eine spannende, unterhaltende Lektüre für alle, die Abenteuergeschichten mögen.

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Artikelbilder: Dane Rahlmeyer
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 


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1 Kommentar

  • Danke für die Rezension! Ich habe die gedruckten Bücher und fand sie schön zu lesen, nicht völlig poliert, aber sehr erfrischend.

    Sind in den digitalen Fassungen auch die Schwarz-Weiß-Zeichnungen der gedruckten Bücher?

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