Lektorat – Anton Kurenbach

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Ich erinnere mich an den Tag, als Michael Ende starb. Das Jahr war 1995 und ich war ein Grundschüler, der gerne den Kulturteil der Zeitung las. Die Nachricht berührte mich. Denn ich hatte Endes Bücher oft gelesen: Die unendliche Geschichte, den Wunschpunsch, Jim Knopf und natürlich Momo, bis heute eines meiner Lieblingswerke. Doch vor allem bleibt mir von Ende ein Absatz aus dem Gauklermärchen im Sinn: „Was du nicht kennst, das, meinst du, soll nicht gelten? Du meinst, daß Phantasie nicht wirklich sei? Aus ihr allein erwachsen künft’ge Welten: In dem, was wir erschaffen, sind wir frei.“

Wenn ich eine Antwort auf die Frage benötigte, warum ich Rollenspiel mag, warum ich mich bei den Teilzeithelden engagiere – da wäre sie. Ich könnte in der Zeit ja gut auch etwas „Nützliches“ tun, etwas, das die Gesellschaft anerkennt. Chinesisch lernen zum Beispiel, oder Briefmarken sammeln. Die Artikel bei Teilzeithelden als Lektor zu lesen kostet schließlich Zeit. Eine Spielekritik schreiben sogar doppelt Zeit – erst beim Spielen, dann beim Verfassen. (Allen, die jetzt nicken, empfehle ich dringend, Momo zu lesen). Warum also nicht hinausgehen in die reale Welt und dort Zeit verbringen?

 Die Charaktere im Gauklermärchen sind heruntergekommene Schausteller. Sie haben ihr Leben lang die Fantasie der Leute angeregt, nun hat die reale Welt sie eingeholt. Die Truppe steht vor einer schwierigen Entscheidung: Ein lukratives Angebot einer Chemiefirma annehmen, im Fernsehen auftreten? Oder dem behinderten Mädchen Eli die Treue halten, das dereinst durch einen Unfall eben jener Chemiefabrik geschädigt wurde? Sie diskutieren rational, die Versuchung des Geldes ist groß – und dann erzählt der Clown Jojo ein Märchen. Ein Rollenspiel, in dem Eli zur Prinzessin wird, Jojo zum Prinz.

Am Ende des Märchens haben die Gaukler entschieden. Während ihr Verderben näherrückt, drängen sie sich schutzsuchend um Eli. Es war das Märchen, das Rollenspiel, das ihre Perspektive verändert hat. Das sie dazu gebracht hat, sich richtig zu entscheiden.

Darum spiele ich Rollenspiele. Es geht nicht nur ums Drachentöten. Rollenspiel verbindet Menschen, es regt die Fantasie an, es ermöglicht neue Einsichten in soziale Beziehungen. Und natürlich macht es extrem viel Spaß.


Ich bin Anton und bei den Teilzeithelden für das Lektorat zuständig. Wenn ihr mich kon­tak­tie­ren wollt, schreibt ein­fach an anton(at)teilzeithelden.de.

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