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Elisabeth Sparkle ist eine gefeierte Schauspielerin und Moderatorin. Seit Jahrzehnten verfolgt ein Millionenpublikum ihre TV-Aerobic-Show. Doch Elisabeth hat ein Problem: Sie altert. An ihrem 50. Geburtstag erfährt sie, dass sie durch eine Jüngere ersetzt werden soll. Was macht das mit einem Menschen? Ein gesellschaftskritischer Body-Horror mit Demi Moore im Check.

Wie geht die Öffentlichkeit mit dem Älterwerden, besonders von Stars, um? Wie geht die Film- und Fernsehbranche damit um? Und wie gehen Betroffene damit um? Was zunächst nach einer Reportage oder einer Studie klingen mag, wurde von der französischen Drehbuchautorin und Regisseurin in einen verstörenden feministischen Body-Horror gepackt. Mit Demi Moore und Margaret Qualley, der jüngsten Tochter von Andie MacDowell, konnte zudem eine Topbesetzung für einen Horrorfilm engagiert werden.

Achtung: Artikel enthält Spoiler!

Triggerwarnungen

Horror, Splatter-Effekte, Blut, Dysmorphie, Body-Horror, Mobbing, Misogynie

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Story

Elisabeth Sparkle, Oscar-Gewinnerin, Schauspielerin, Moderatorin und erfolgreicher TV-Aerobic-Star, scheint nicht nur einen nahezu makellosen Körper, sondern auch ein makelloses Leben zu haben. Beliebt und jedem im Land bekannt, scheint sie ihre Filmkarriere erfolgreich im TV-Geschäft fortzuführen. Bis zu ihrem 50. Geburtstag. Durch Zufall erfährt sie durch ein Telefonat ihres Produzenten, dass sie durch eine jüngere, frischere Darstellerin ersetzt werden soll. Geschockt und vor den vermeintlichen Trümmern ihrer Karriere stehend, baut sie kurz danach einen Autounfall, den sie leicht verletzt übersteht.

Entspricht das Spiegelbild wirklich dem Selbstbild?
Entspricht das Spiegelbild wirklich dem Selbstbild?

In der Klinik lernt sie jedoch einen jungen und auffällig makellosen Arzt kennen, der ihr einen USB-Stick und eine Notiz zusteckt. Der Stick bewirbt „die Substanz“. Ein medizinisches Wundermittel, das einem zu einem jüngeren, vitaleren und besseren Ich verhelfen soll. Nach anfänglichem Zögern bestellt sich Elisabeth in ihrer Verzweiflung das Mittel. Die Wirkweise ist beeindruckend und verstörend zugleich, denn Elisabeth erschafft mit der Substanz tatsächlich eine jüngere und vermeintlich bessere Version von sich. Doch das hat einen Preis: Das jüngere Ich und das ältere Ich sollen jeweils maximal sieben Tage am Stück aktiv sein. Zunächst scheint alles zu klappen und das jüngere Ich, welches sich Sue nennt, ergattert sogar Elisabeths alten Job. Doch nach und nach entfremden sich die beiden Ichs voneinander. Sue beginnt immer wieder, die 7 Tage zu überschreiten, mit üblen Konsequenzen für Elisabeth.

Elisabeth erkennt die Folgen, doch statt dem Ganzen ein Ende zu setzen, lässt sie Sue weiter gewähren. Es folgt die Geschichte von Zerfall, Selbstoptimierung und einer Branche, bei der Oberflächlichkeit Alles ist.

Die Substanz
Die Substanz

Darsteller*innen

Getragen wird der gesamte Film von drei Darsteller*innen. Demi Moore ist Elisabeth Sparkle und gibt der Rolle eine bedrückende Ehrlichkeit. Wer je Zweifel an ihren Schauspielkünsten hatte, was zumindest bei den zahlreichen Nominierungen zur Goldenen Himbeere ein paar Menschen sein dürften, wird hier eines Besseren belehrt. Getrieben von Verzweiflung entwickelt sich langsam ein Selbsthass, der von Minute zu Minute schlimmer wird.

Margaret Qualley zeigt als Sue ebenfalls eine beeindruckende Leistung. Aus dem hübschen und unschuldig wirkenden Mädchen wird schnell eine selbstsüchtige, egoistische Frau, die sich der Showmaschinerie vollkommen hingibt, Erfolg um jeden Preis.

Dennis Quaid ist als Produzent Harvey das Gesicht ebenjener Maschinerie, dessen Name nicht ganz zufällig gewählt sein dürfte. Kaum eine Szene, in der man sich vor ihm nicht ekelt oder fremdschämt. Quaid schafft es, einen Charakter ohne jede Sympathie zu spielen, bei dem man sich unentwegt wegdrehen möchte.

Das jüngere Ich
Das jüngere Ich

Inszenierung

Horrorfilme leben oft weniger von guten Dialogen als einer guten Inszenierung. Viele Gespräche in The Substance sind Selbstgespräche, was der Inszenierung eine besondere Stimmung gibt. Scheinbar beschäftigen sich Elisabeth und Sue sehr wohl mit sich selbst und den Folgen ihres Verhaltens, aber nur scheinbar. Beide bleiben an der Oberfläche, statt in die Tiefe der eigenen Seele zu gehen und vielleicht sich Dinge einzugestehen, die man nicht sehen will. Das Sounddesign ist ausgezeichnet und auf den Punkt, jedes Geräusch erzielt seinen Effekt bei Zuschauenden. Das Set steht dem in nichts nach. Sei es das übertrieben große Büro von Harvey samt Besetzungscouch, der unnötig lange Gang im Studio voller Bilder von Elisabeth/Sue oder das Bad in Elisabeths Wohnung, welches eine wichtige Rolle spielt.

Das Set vermittelt den Hochglanz-Charme der Aerobic- und Show-Welt der 80er auf gekonnte Weise, ohne zu retro zu wirken. Untermalt wird das Ganze mit beeindruckender, manchmal treibender, manchmal verstörender Musik von Raffertie. Doch am meisten sticht wohl die Maske hervor. Ohne hier viel zu spoilern, allein dafür lohnt sich der Film. Die Kamera schafft es, Szenen oft maximal unangenehm einzufangen, und spielt an entscheidenden Stellen mit Slowmotion-Effekten, um vor allem Misogynie und Sexismus so eklig darzustellen, wie es wirklich ist. Fast schon nebenbei schafft der Film die wohl mit Abstand ekelhafteste Essensszene der Filmgeschichte. Manch ein*e Zuschauer*in fand das schlimmer als die eigentlichen Horrorelemente.

Am Ende ist man allein.
Am Ende ist man allein.

Erzählstil

Als allwissende*r Zuschauer*in blicken wir tief in menschliche Abgründe, nicht zuletzt dank der Selbstgespräche. Jede Szene ist bedeutend und lässt mehr sehen und fühlen, als man sich wünschen würde. Dabei ist das Pacing extrem gut, keine Längen, keine zu hastigen Schnitte und ein Film, der stetig an Geschwindigkeit zunimmt und in einem Spektakel mündet, welches seines Gleichen sucht.

Die harten Fakten:

  • Regie: Coralie Fargeat
  • Darsteller*in(nen): Demi Moore, Margaret Qualley, Dennis Quaid
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Format: Stream/Blu-Ray
  • Preis: 4,99 EUR/16,30 EUR
  • Bezugsquelle: Prime Video, Apple TV, maxdome, Amazon

Fazit

The Substance ist ein vollkommen unterbewerteter Film und nicht weniger als ein filmisches Meisterwerk. Sound, Maske, Set, Musik – es stimmt alles. Dazu noch drei Schauspieler*innen, die auf den Punkt ihre Rollen spielen. Brutal beschäftigt sich der Film mit Fragen, was das Showgeschäft aus Menschen macht, wie Selbstoptimierung am Ende eher zu Selbstverstümmelung führt und generell welches Frauenbild in der Showbranche vorherrscht. Das macht diesen Film zum aktuell wohl besten Female-Body-Horror.

Zu Recht gibt es hierfür fünf Oscar-Nominierungen, als Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Demi Moore), Bestes Drehbuch und Bestes Make-up und Hairstyling. Es ist zu wünschen, dass es nicht nur bei Nominierungen bleibt. Der Film ist grausam und vermutlich als Frau noch schlimmer, da man sich in vielen Situationen hineinversetzen kann. Dies sollte beim Anschauen klar sein. Danach ist dann ein flauschiger Film zu empfehlen, sonst könnte die Nacht unruhig werden.

  • Filmische Inszenierung
  • Darsteller*innen
  • Spannende Story
 

  • Body Horror ist nicht jedermanns Sache

Artikelbilder: © MUBI
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann

Lektorat: Gloria Puscher
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