In Marvel Crisis Protocol treffen die größten Charaktere des Marvel-Universums aufeinander. Mit cleverer Taktik, spektakulären Superkräften und zerstörbarer Umgebung wird jedes Gefecht zum epischen Showdown. Ist das Spiel so heldenhaft wie es erscheint und lohnt sich ein Blick ins System?
Das Marvel-Universum begeistert Fans seit Jahren mit zahlreichen Spieladaptionen. Ob als Held*in für Gerechtigkeit oder als Schurk*in auf dem Weg zur Weltherrschaft, die Faszination für bekannte Charaktere ist ungebrochen. Marvel Crisis Protocol bereichert diese Reihe um ein taktisches Tabletop-Spiel und bietet Fans eine weitere Möglichkeit, ihre Lieblingscharaktere ins Gefecht zu führen.
Magie, Katastrophen, Gewalt, Gier, Okkultismus
Wenn Marvel zum Tabletop wird
Tabletop-Schlachten gibt es in den unterschiedlichsten Formen. Ob historische Gefechte, epische Weltraumkämpfe, fantastische Armeen oder gewaltige Monster, die Vielfalt des Hobbys kennt kaum Grenzen. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch die mächtigsten Held*innen und Schurk*innen des Marvel-Universums ihren Weg auf die Spieltische finden.

Marvel Crisis Protocol greift dabei eine Dynamik auf, die Fans bereits aus den Filmen und Comics kennen. Wo Marvel ist, herrscht selten lange Ruhe. Held*innen und Schurk*innen treffen aufeinander, kämpfen durch Straßen und Megastädte und lassen dabei nicht selten ordentlich die Fetzen fliegen. Diese actionreiche Ausgangslage eignet sich hervorragend für ein Tabletop-Spiel und wird durch taktische Entscheidungen und unterschiedliche Fähigkeiten zu spannenden Gefechten. Doch Marvel bietet nicht nur spektakuläre Kämpfe. Das Universum ist ebenso für seine farbenfrohen Charaktere, ikonischen Kostüme und außergewöhnlichen Designs bekannt. Damit wird auch das Bemalen der Miniaturen zu einem wichtigen Teil des Hobbys. Wer möchte, kann sich eng an den bekannten Vorlagen orientieren oder der eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Das Multiversum eröffnet dabei nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Ein ungewöhnliches Farbschema? Eine alternative Version eines bekannten Helden? Eine völlig neue Interpretation? Warum nicht! Schließlich könnte diese Figur aus einer anderen Realität stammen. So verbindet Marvel Crisis Protocol taktisches Tabletop-Spiel mit einer großen Portion Kreativität. Ob beim Spielen, Bemalen oder Gestalten des eigenen Universums, Grenzen gibt es eigentlich nur dort, wo man sie sich selbst setzt.
Das Multiversum – Einmal Sandbox bitte
Wer in das Marvel-Universum eintaucht, begegnet früher oder später einem Begriff, der zunächst unscheinbar klingt, das Multiversum. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Vielzahl unterschiedlicher Universen, die nebeneinander existieren. Jedes dieser Universen kann seine eigene Geschichte, eigene Regeln und sogar völlig andere Versionen bekannter Charaktere besitzen. Das bedeutet, Spider-Man ist nicht immer derselbe Spider-Man. Auch Captain America, Iron Man oder andere bekannte Figuren können in verschiedenen Universen ganz unterschiedliche Lebensgeschichten haben. Während eine Version eines Charakters beispielsweise noch lebt und die Welt beschützt, kann eine andere bereits gestorben sein oder sogar auf der Seite des Bösen stehen.
Die verschiedenen Realitäten werden häufig als Erden bezeichnet und mit unterschiedlichen Nummern gekennzeichnet. Das hilft dabei, die einzelnen Universen voneinander zu unterscheiden. Man muss nicht jede einzelne Realität kennen, um das Multiversum zu verstehen. Es geht vielmehr um die spannende Vorstellung, dass unzählige Möglichkeiten gleichzeitig existieren können. Besonders interessant wird das Multiversum, wenn Charaktere oder Ereignisse aus verschiedenen Realitäten aufeinandertreffen. Dadurch entstehen Konflikte, ungewöhnliche Allianzen und Begegnungen, die innerhalb einer einzigen Realität niemals möglich wären.
Genau diese Idee macht das Multiversum für Marvel so reizvoll. Es eröffnet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für Geschichten und erlaubt es, bekannte Charaktere immer wieder neu zu interpretieren. Für Spiele wie Marvel Crisis Protocol bietet dieses Konzept eine perfekte Grundlage, um vielfältige Spiele auszutragen.
Das Grundspiel – Die Mächtigsten der Welt
Das Grundspiel Die Mächtigsten der Welt beinhaltet alles, was zum Einstieg benötigt wird. Die 2023 erschienene deutsche Ausgabe ist eine überarbeitete Version des ursprünglichen Grundspiels und wurde vollständig auf Deutsch veröffentlicht.
Im Mittelpunkt stehen 13 hochdetaillierte Charakterminiaturen, die unmontiert und unbemalt in der Box liegen. Auf der Heldenseite finden sich Captain America, Captain Marvel, Iron Man, Black Widow, Spider-Man und Winter Soldier. Ihnen gegenüber stehen unter anderem Ultron, Red Skull, Crossbones, Baron Zemo, Doctor Octopus und Ultron Bots. Besonders schön sind dabei die dynamischen Posen der Modelle, die nicht einfach nur statisch auf ihren Bases stehen, sondern viele der typischen Fähigkeiten und Bewegungen ihrer Vorbilder aufgreifen. Neben den Miniaturen befindet sich auch eine umfangreiche Auswahl an Gelände in der Box. Insgesamt sind 25 Geländeteile enthalten. Dazu gehören unter anderem Barrikaden, Fässer, Fahrzeuge, Straßenlaternen und weitere Elemente, mit denen sich ein abwechslungsreiches Schlachtfeld gestalten lässt. Das ist auch notwendig, da kleinere Geländeteile geworfen werden können oder durch Fähigkeiten zerstört werden.
Sollte einmal ein Charakter seine Lebenspunkte verlieren, ist er nicht gleich aus dem Spiel, sondern erstmal nur benommen. In der nächsten Runde wird seine Charakterkarte gedreht und der Charakter darf wieder mitmischen und hat sich von dem Schlag erholt. Sollte ein Charakter ein zweites Mal den Zustand der Benommenheit erreichen, war`s das und er muss das Spiel verlassen.
Auch das restliche Spielmaterial ist bereits enthalten wie Regeln für die Charaktere, Würfel und Regeln zu den möglichen Szenarien.
Inhalt der Box
- 13 Charakter-Miniaturen
- 16 Basen
- 25 Gelände-Miniaturen
- 12 Wertekarten
- 20 Teamtaktik-Karten
- 1 Dienerkarte
- 6 Krisenkarten
- 2 Stanzbögen
- 1 Missionsleiste
- 3 Zähler
- 10 Würfel
- 1 Spielanleitung
Auch wenn sich der Winter Soldier in dem Grundspiel für die Guten entschieden hat, darf er auch als Krimineller gespielt werden und in bösen Teams mitmischen. Im Grundspiel bilden die Guten eine vielseitige Truppe, die unterschiedliche Rollen auf dem Schlachtfeld übernehmen kann. Captain America ist dabei der klassische Anführer. Er verbindet offensive Fähigkeiten mit einer hohen Widerstandsfähigkeit und unterstützt seine Verbündeten durch seine Führungsfähigkeiten. Damit eignet er sich hervorragend als Mittelpunkt eines Teams. Captain Marvel bringt dagegen enorme Schlagkraft mit. Ihre Binary-Form macht sie zu einer besonders mächtigen Kämpferin, die viel Schaden austeilen kann. Iron Man glänzt durch seine technologische Ausstattung und seine vielseitigen Angriffe. Er kann Gegner auf Distanz bekämpfen und bringt damit eine andere Spielweise als die klassischen Nahkämpfer mit. Black Widow ist wesentlich agiler und eignet sich hervorragend für taktische Aktionen und das Erfüllen von Missionszielen. Spider-Man nutzt seine Beweglichkeit und seinen Spinnensinn, um Gegner zu behindern und sich schnell über das Spielfeld zu bewegen. Winter Soldier ergänzt die Gruppe als zuverlässiger Fernkämpfer mit einem guten Nahkampfpunch.
Auf der Gegenseite warten Ultron, Red Skull, Crossbones, Baron Zemo und Doctor Octopus. Die Schurken bringen ebenfalls sehr unterschiedliche Spielstile mit. Ultron ist dabei nicht nur wegen seiner enormen Macht interessant. Seine Fähigkeit, Ultron-Bots einzusetzen, macht ihn zu einem besonders charakteristischen Gegner der so mehr Modelle auf den Tisch bringen kann. Red Skull übernimmt die Rolle des manipulativen Anführers und kann Energie seiner Verbündeten nutzen, während Crossbones vor allem durch seine soliden Angriffe und Kanone glänzt. Baron Zemo setzt weniger auf einfache Angriffe und möchte eher gezielte Duelle eingehen. Doctor Octopus wiederum nutzt seine mechanischen Arme, um zu schießen, zu schlagen oder auf Gelände zu klettern.
Wie spielt sich das Ganze? – Heldenhaft oder enttäuschend?
Auf den ersten Blick wirkt Marvel Crisis Protocol wie ein klassisches Prügelspiel zwischen mächtigen Charakteren. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt ein taktisches Miniaturenspiel, bei dem nicht allein die Stärke der Charaktere entscheidet. Ziel ist es, Missionsziele zu erfüllen und dadurch mehr Siegpunkte als der Gegner zu sammeln.

Vor Beginn der Partie stellen beide Spieler ihre Teams aus einem verfügbaren Charaktervorrat zusammen. Welche Figuren eingesetzt werden können, hängt dabei auch von der gewählten Mission ab. Diese wird über Krisenkarten bestimmt und legt fest, welche Aufgaben auf dem Spielfeld erfüllt werden müssen. Gleichzeitig steht auf dem oberen Rand der Krisenkarten das Krisenlevel, was in etwa das Machtlevel der Charaktere vorgibt. Die Missionen gestalten sich sehr unterschiedlich, beispielsweise kann es wichtiger sein, bestimmte Punkte zu kontrollieren oder Missionsmarker zu sichern, anstatt einfach nur gegnerische Charaktere auszuschalten. Die Spieler*innen haben nur entsprechend der Missionsziele die Möglichkeit Siegpunkte zu erzielen, um ein Spiel zu gewinnen. Eine Partie läuft grundsätzlich über mehrere Spielrunden, höchstens aber bis Runde 6 oder bis 16 Siegpunkte erzielt wurden. Jede Runde besteht aus drei Phasen, der Machtphase, Aktivierungsphase und Aufräumphase. In der Machtphase erhalten die Charaktere Energie, eine Ressource. Diese wird später benötigt, um besondere Fähigkeiten, Superkräfte oder bestimmte Karteneffekte einzusetzen.

Anschließend folgt die Aktivierungsphase und damit das Herzstück des Spiels. Die Spieler*innen aktivieren abwechselnd jeweils einen ihrer Charaktere. Eine Figur verfügt normalerweise über zwei Aktionen. Sie kann sich bewegen, angreifen, bestimmte Superkräfte, wie Spidermans Netzschwinger oder Ultrons Enzephalo-Strahl einsetzen. Dadurch entsteht ein ständiges Wechselspiel. Während ein Charakter gerade angreift, kann der Gegner bereits seine nächste Figur aktivieren und auf die Situation reagieren. Dadurch bekommen auch nicht aktive Spieler*innen das Gefühl, am Spiel beteiligt zu sein.

Für Angriffe kommen Würfel zum Einsatz. Dabei werden unter anderem Angriff und Verteidigung miteinander verglichen. Charaktere besitzen individuelle Werte für Angriffe und Verteidigung, wodurch sich jede Figur anders spielt. Zusätzlich können Team-Taktikkarten besondere Situationen beeinflussen und Boni bescheren. Besonders spaßig ist außerdem das Gelände. Figuren können Hindernisse nutzen und sogar Teile der Umgebung auf feindliche Charaktere werfen. Dadurch wird das Spielfeld selbst zu einem taktischen Bestandteil der Partie. Am Ende der Runde werden die Missionsziele ausgewertet und Siegpunkte vergeben sowie mögliche Effekte abgehandelt. Wenn alles gut gegangen ist, wird man von der Menschheit gefeiert oder gefürchtet, ganz nach der Ausrichtung der Charaktere.
- Verlag: Atomic Mass Games
- Erscheinungsjahr:
- Sprache: Deutsch/Englisch
- Spieler*innen-Anzahl: 2
- Alter: ab 14
- Preis: Marvel Crisis Protocol Grundspiel ca. 130 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi
Downloadcontent
Auf der Website von Atomic Mass Games finden sich zu den Startersets und den einzelnen Teams praktische Bastelanleitungen, die sich bequem abrufen und herunterladen lassen.
Fazit
Für Fans der Marvel-Filme und –Comics ist Marvel Crisis Protocol beinahe ein Pflichtbesuch am Tabletop-Tisch. Zwar gibt es zahlreiche Spielsysteme, die mit Gelände arbeiten und dieses sogar zerstören lassen, doch häufig sind deren Schauplätze in der fernen Zukunft, einer fantastischen Welt oder historischen Epochen angesiedelt. Marvel Crisis Protocol geht einen anderen Weg und bringt die Auseinandersetzungen zwischen Superheld*innen und Superschurk*innen direkt in unsere Zeit. Allein dieser moderne Schauplatz sorgt für frischen Wind im Tabletop-Alltag. Dazu kommt eine Spielmechanik, die beide Seiten ständig am Geschehen beteiligt und kaum Leerlauf entstehen lässt. Statt lange auf den eigenen Zug zu warten, bleibt man aufmerksam und muss jederzeit auf die Aktionen des Gegners reagieren. So entsteht ein dynamischer Spielfluss, bei dem Langeweile nur schwer aufkommt. Besonders gelungen sind die individuellen Superkräfte der Charaktere. Sie wirken spektakulär und vermitteln das Gefühl, tatsächlich die bekannten Marvel-Figuren zu steuern, ohne dabei beliebig oder völlig unausgeglichen zu erscheinen. Zusammen mit den unterschiedlichen Charakteren, Missionen und dem Gelände entsteht ein umfangreicher Baukasten für spannende Tabletop-Abende.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings. Im August 2026 wurden die Charakterkarten überarbeitet. Die aktualisierten Versionen sind digital erhältlich. Dadurch verlieren die schön gestalteten Karten aus bereits erschienenen Teams und Boxen teilweise ihre Aktualität. Für Sammler ist das schade, spielerisch bleibt der Schritt jedoch nachvollziehbar, wenn Regeln und Charaktere langfristig auf einem einheitlichen Stand gehalten werden sollen.

- Großartige Miniaturen
- Volle Box zum Spieleinstieg
- Teils knifflige Klebestellen
- Viele Sonderegeln auf den Karten
Artikelbilder: Atomic Mass Games
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Laura Pascharat
Fotos: Christian Kallweit
Figurenbemalung: Daniel Schwieder
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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