Tod und Sterben. Ein eigentlich trauriges Thema wird in Updead in ein humoristisches Gewand verpackt, denn der Tod selbst ringt um sein Überleben. Im Berlin einer nahen Zukunft droht KI, den Schlusspunkt menschlichen Lebens abzuschaffen. Gelingt der Spagat zwischen Comedy und Ernsthaftigkeit?
Gesellschaftskritik, beschrieben durch ungewöhnliche phantastische Inhalte: Bereits das zweite Buch, das vom Satyr-Verlag bei Teilzeithelden rezensiert wird, befasst sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen. Während bei Wie die Karnickel Rassismus und dessen Auswirkungen im Fokus standen, bildet bei Updead vordergründig das Thema Tod und Sterben den Mittelpunkt.
Doch damit begnügt sich der Autor, der das Buch unter dem Namen Der Tod verfasste, nicht. Vielmehr liefert er anhand des Konflikts zwischen Sterblich- und Unsterblichkeit eine präzise Analyse der Lage in Deutschland: Gefangen zwischen Fake News, Kapitalismus und faschistischen Kräften, die nach Macht streben. Der Künstlichen Intelligenz kommt dabei eine besondere Rolle zu. Durch ihre Unfähigkeit, emotional zu agieren kann sie die perfekte Unterstützung für finstere Pläne sein. Demgegenüber steht die Frage, was Menschlichkeit in einer immer mehr technisierten Welt noch bedeutet.
Tod, Gefährdung von Kindsleben, Enge Räume
Story
Ein Tech-Milliardär, der sich ein großes Ziel gesetzt hat und über Leichen geht, um dies zu erreichen, spielt mit dem Fortbestand der Menschheit. Sein Plan lautet, den Tod zu überwinden und es den Menschen zu ermöglichen, sich als Avatare in einem virtuellen Raum für die Ewigkeit einzurichten. Natürlich dient dies der Gewinnmaximierung, sodass eine Sonderebene für die zahlende Kundschaft eingerichtet wird.
Einziger Widersacher seines Plans ist der Tod selbst. Denn dieser stattet gemeinsam mit Kolleg*innen seinen Kund*innen Besuche ab, um sie ins Jenseits zu überführen. Es gelingt Kai Inver, dem Tech-Erfinder der unsterblichen virtuellen Umgebung, den einzigen, der sich seinen Plänen in den Weg stellt, aus dem Weg zu räumen. Nach dem Tod des Todes bildet sich eine ungewöhnliche Allianz.
Die apokalyptischen Reiter verbinden sich mit Friedhofspersonal, Aktivist*innen und Gruftis zu einer skurrilen Allianz. Gemeinsam müssen sie alles riskieren, um ihr Ziel zu erreichen: Den Tod ins Leben zurückzuholen (und dabei die Menschheit zu retten). Ihnen entgegen steht neben dem größenwahnsinnigen Techie eine mächtige Gegnerin: Eine KI, deren einziges Ziel darin besteht, die Pläne ihres Schöpfers zu verwirklichen. Die Ereignisse überschlagen sich, bis auch noch der Erhalt des demokratischen Systems zur Disposition steht. Gelingt es dem skurrilen Bündnis, die totale Übernahme zu verhindern und den Tod, und damit die Menschheit, zu retten?
Diesmal reiten wir nicht in die Apokalypse, Freunde. Wir reiten gegen das Kapital.
Schreibstil
Der Tod (Autor) schafft es, innerhalb des 309 Seiten starken Romans viele der Themen einzubringen, die momentan die Gesellschaft bewegen: Kapitalismus, Künstliche Intelligenz als Bedrohungsszenario, Übermacht der Tech-Konzerne und aufkommender Faschismus. Dass Updead dadurch stellenweise überladen wirkt, verwundert dabei kaum. Dass dies eine verschmerzbare Schwäche bleibt, wird dadurch erreicht, dass der Autor den multiplen Problemlagen zutiefst Menschliches entgegensetzt: Zusammenhalt, emotionale Nähe und Unberechenbarkeit.
Dies hat zur Folge, dass Lesende sich inmitten des apokalyptischen Verlaufes der schnellen, multiperspektivischen Handlung in vertrauten Gefühlswelten fast zuhause fühlen können.
Die Anzahl an Hauptpersonen, die Schlüsselrollen innerhalb der Handlung einnehmen, ist zu groß, um eine wirkliche Nähe zu den Protagonist*innen aufbauen zu können. Großen Spaß machen hingegen die kleinen Spitzen gegen korrupte Politiker*innen und die abgehobene Welt der Reichen. Die Situationskomik, die das Los der sehr unterschiedlichen Charaktere in herausfordernden Situationen auf die Schippe nimmt, macht Spaß und ist ein großer Pluspunkt, der zur Auflockerung einer ansonsten bedrückenden Welt gekonnt eingesetzt wird.
Das unerwartete Ende von Updead könnte die Leser*innenschaft spalten.
Der Autor
Der als Der Tod in Erscheinung tretende Autor und selbsternannter Death-Comedian, tritt auf unterschiedlichen Bühnen in Deutschland sowie im Berliner BKA-Theater auf. Auf seiner Website schreibt er humorvoll und informiert über sein weiteres Schaffen.
Erscheinungsbild
Der Tod inmitten einer technisierten Umgebung spiegelt den Inhalt des Buches perfekt wider. Ein weiterer Blick lohnt sich auf den pinkfarbenen Farbschnitt. Dieser ist geschmückt mit Symbolen, die sich alle im Verlauf der Handlung von Updead wiederfinden.

Die harten Fakten:
- Verlag: Satyr
- Autor: Der Tod
- Erscheinungsdatum: 14.09.2026
- Sprache: Deutsch
- Format: Gebundenes Buch
- Seitenanzahl: 309
- ISBN: 978-3-910775-60-2
- Preis: 25 EUR (Print) + 18,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Fazit
Der Tod als Autor schreibt über den Tod als Romanfigur, der von einem größenwahnsinnigen Tech-Milliardär ins Jenseits befördert wird, damit dieser den Menschen Unsterblichkeit verkaufen kann. Mithilfe seiner KI scheint dieser unbesiegbar, doch er hat nicht mit dem Zusammenhalt einer Widerstandsgruppe bestehend aus den unterschiedlichsten Charakteren gerechnet.
In Updead. Ein Death-Comedy-Roman werden schwere Themen, wie die Bedrohung durch Kapitalismus, Korruption und KI, in Verbindung mit dem Tod thematisiert. Doch dem Autor gelingt es, diese schwere Kost durch skurrile Situationskomik und die Betonung menschlichen Zusammenhalts zu mildern, ja sogar im Angesicht der Apokalypse seine Lesenden zum Lachen zu bringen. Kleinere Schwächen wie die zu große Anzahl an handelnden Personen sind da leicht zu verschmerzen. Updead greift begrüßenswerterweise ernste Themen auf, verpackt diese jedoch in eine actionreiche Geschichte und zeigt Lesenden den enormen Wert von Menschlichkeit und Widerstand auf.

- Starke Themenwahl
- Interessante Gegenüberstellung von Mensch und Maschine
- Zu viele Hauptfiguren
Artikelbilder: © Satyr
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Maximilian Düngen
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