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Eine Seite Regeln. Mehr sollte es ursprünglich nicht sein. 2014 veröffentlichte Gaetano Ferrara kurze Alternativregeln, mit denen vorhandene Miniaturen unkompliziert auf den Spieltisch kommen sollten. Zwölf Jahre später hat OnePageRules eigene Spielwelten, Miniaturen, Armeebücher, Comicstrips, 3D-Druckdateien und inzwischen sogar Startersets mit Kunststoffminiaturen für den Fachhandel geschaffen.

Angefangen hat OnePageRules (OPR) mit dem Versuch, komplexe Tabletopspiele auf das Wesentliche zu reduzieren. Die frühen Regeln richteten sich vor allem an Menschen, die bereits Miniaturen besaßen und diese ohne lange Vorbereitung auf den Tisch bringen wollten. Dieser Gedanke ist bis heute erhalten geblieben: OPR schreibt keine bestimmten Modelle vor und hält die Grundregeln frei zugänglich.

Rund um diesen einfachen Kern ist allerdings einiges gewachsen. Eigene Miniaturen, Hintergrundgeschichten, Apps für den Armeebau und inzwischen auch physische Grundboxen machen aus OPR längst mehr als eine Sammlung kurzer Alternativregeln. Wer neu einsteigt, steht schnell vor mehreren Spielsystemen, Zusatzregeln, Modellen und Büchern. Zeit also für einen Überblick: Woher kommt OPR, was gehört heute dazu und wo lohnt sich der Einstieg?

Keine Triggerwarnungen über die üblichen Tabletop-/Wargaming-Inhalte hinaus.

Am Anfang war eine Seite – die Entstehung von OPR

„Our goal is not to provide a replacement for existing games“, schrieb Gaetano Ferrara, damals als onepageanon, 2014 auf Reddit. Mit One Page 40k, One Page Kill Team und Grimdark Racing stellte er kurze Regeln vor, mit denen bereits vorhandene Miniaturen schnell auf den Tisch kommen sollten.

Auch heute noch passen die Regeln auf eine (beidseitig bedruckte) Seite.
Auch heute noch passen die Regeln auf eine (beidseitig bedruckte) Seite.

Die Idee war entsprechend pragmatisch: weniger Regelstudium, weniger Vorbereitung, mehr Spiel. OPR sollte eine Alternative für Menschen bieten, denen die Spielsysteme ihrer Modelle zu umfangreich waren oder die ihre Sammlung einmal anders einsetzen wollten.

Aus diesen ersten Regelblättern entwickelte sich nach und nach eine größere Spielesammlung. Weitere Systeme und Erweiterungen kamen hinzu, während die Community wuchs und das Projekt ab 2017 über Patreon unterstützen konnte. Dort wurden regelmäßig neue Fraktionen und Regelupdates veröffentlicht. Seit 2020 finden sich darüber auch regelmäßig neue 3D-Druckdateien für die Fraktionen der Systeme.

Mit den eigenen Miniaturen begann zugleich die nächste Entwicklungsphase. OPR baute eigene Spielwelten auf. Die Fraktionen erhielten mehr Hintergrund, Kurzgeschichten und Comicstrips erzählten von ihren Konflikten, und Weltenbücher beschrieben die Schauplätze von Grimdark Future und Age of Fantasy. Fraktionsbücher vertieften anschließend die Geschichte und Besonderheiten einzelner Armeen. Aus den kurzen Regeln wurde so nach und nach ein eigener Kosmos, in dem die Spiele stattfinden.

Ein Projekt mit vielen Zweigen

Bei der Vielzahl an Projekten bleiben die Regeln der Kern von OnePageRules. Die Grundregeln und Spielwerte der Armeen stehen kostenlos auf der Website zur Verfügung. Wer nach einigen Partien mehr Möglichkeiten sucht, kann zu den Advanced Rules greifen. Sie ergänzen das Spiel um zusätzliche Regeln und sind für kleines Geld bei DriveThruRPG oder über Patreon erhältlich.

Welche Figuren dabei über den Tisch ziehen, bleibt den Spieler*innen überlassen. OPR schreibt keine Miniaturen vor: Theoretisch lassen sich Armeen auch mit Klemmbausteinen oder Schlumpf-Figuren darstellen, solange klar ist, welche Einheit sie verkörpern. Diese Freiheit ist allerdings nicht immer ganz einfach. Wer eine vorhandene Sammlung verwenden möchte, muss zunächst herausfinden, welche OPR-Einheit am besten zum eigenen Modell passt.

Für viele Fraktionen gibt es inzwischen trotzdem hauseigene Modelle. Die 3D-Druckdateien sind auf MyMiniFactory erhältlich. Mitglieder des OPR-Patreons bekommen dort zudem jeden Monat die neusten Dateien im Rahmen ihrer Unterstützung bereitgestellt. Wer weder Miniaturen noch einen 3D-Drucker besitzt und auch keinen Druckservice in Anspruch nehmen möchte, kann mit OPRs Papierfiguren einsteigen, die inzwischen einen guten Teil der Fraktionen abdecken.

Um aus den Figuren eine Armee zu machen, hat der Hersteller die Onlineapp Army Forge geschaffen. Die kostenlose Anwendung enthält Spielwerte, Fraktionsbücher als PDF-Dateien und einen Armeelisten-Editor für die OPR-Systeme. Einheiten und Ausrüstung können ausgewählt werden, während Army Forge die Punkte mitrechnet.

Wer wissen möchte, wer da eigentlich gegeneinander kämpft, findet bei OPR auch Lesestoff. Weltenbücher beschreiben Grimdark Future und Age of Fantasy, Fraktionsbücher widmen sich einzelnen Armeen, ihrer Geschichte und ihren Besonderheiten.

Diese Bücher kosten Geld, sind fürs Spiel aber nicht nötig: Regeln und Armeewerte bleiben frei zugänglich. Wer seiner Armee etwas mehr Farbe geben möchte, kann zu einem der Bände greifen. Spielerisch entsteht daraus kein Kaufzwang.

Inzwischen findet OPR auch seinen Weg in den Hobbyladen um die Ecke. Die Grundbox Grimdark Future: Broken Truth enthält zwei Fraktionen mit Kunststoffminiaturen, dazu Regeln, Würfel, Marker und Gelände. Damit bringt sie alles für den Einstieg in Grimdark Future mit. Mit Jade and Claw ist eine weitere Box ist bereits angekündigt.

Eine Seite – viele Spielarten

Die OPR-Systeme bauen auf ähnlichen Ideen auf: einfachen Mechanismen, wenigen Würfelwürfen und abwechselnden Aktivierungen. Wer mehr möchte, kann je nach Spiel Zusatzregeln hinzunehmen. Sie machen die Partie komplexer oder geben ihr einen erzählerischen Rahmen, etwa wenn zwei Armeen auf einem Lavafeld kämpfen und ihnen bei einem Erdbeben der Boden unter den Füßen wegbricht. Die Grundregeln passen tatsächlich auf eine Doppelseite. Trotzdem unterscheiden sich die Systeme in vielerlei Hinsicht:

In Regiments stehen die Truppen nicht nur herum, sie sollen dabei auch ordentlich in Reih und Glied bleiben.
In Regiments stehen die Truppen nicht nur herum, sie sollen dabei auch ordentlich in Reih und Glied bleiben.

In Grimdark Future und Age of Fantasy werden einzelne Modelle zu Einheiten zusammengefasst. Schnell stehen mehrere Dutzend Figuren auf dem Tisch, je nach System in einer Science-Fiction- oder Fantasywelt. Age of Fantasy: Regiments rückt die Truppen dagegen in feste Formationen. Hier geht es auch darum, Reihen auszurichten, Flanken zu bedrohen und den richtigen Moment für einen Angriff zu finden.

Für Gefechte mit wenigen Modellen gibt es Grimdark Future: Firefight und Age of Fantasy: Skirmish. Hier kämpfen kleine Teams, deren einzelne Mitglieder stärker ins Blickfeld rücken. Gang Wars erweitert Firefight um Kämpfe zwischen rivalisierenden Gangs, Kampagnen- wie auch Entwicklungsregeln und erinnert damit an Necromunda.

Auf Abenteuerreise geht es in Grimdark Future: Star Quest und Age of Fantasy: Quest. Eine kleine Gruppe stellt sich Begegnungen und Aufgaben, aus denen sich nach und nach eine Geschichte entwickelt.

Wenn selbst große Armeen zu klein werden, verlegt Warfleets die Schlacht gleich ins All.
Wenn selbst große Armeen zu klein werden, verlegt Warfleets die Schlacht gleich ins All.

Ein ganz anderes Setting wählt Grimdark Future: Warfleets: Hier treten keine Truppen gegeneinander an, sondern ganze Raumschiffe, die sich in epischen Weltraumschlachten bekämpfen.

Alle für einen – die Community

OnePageRules war von Anfang an ein Projekt, an dem die Spieler*innen mitgearbeitet haben. Sie probierten Regeln aus, meldeten zurück, was am Spieltisch funktionierte, und brachten eigene Ideen ein. Daran hat sich wenig geändert. Neue Regelversionen durchlaufen oft mehrere Testrunden, bevor sie veröffentlicht werden. Die digitale Veröffentlichung hilft dabei, da OPR auf Rückmeldungen reagieren kann, ohne erst eine neue Buchauflage drucken zu müssen.

Auch die Welten entstehen im Austausch mit den Fans. Bei Schreibwettbewerben erzählen Spieler*innen eigene Geschichten aus Grimdark Future und Age of Fantasy. Daneben gibt es Umfragen, welche Fraktionen und Schauplätze sie näher kennenlernen möchten. Selbst bei den Miniaturen können Fans mitreden.

Im monatlichen Hangout gibt Ferrara einen Blick auf kommende Projekte und Pläne.
Im monatlichen Hangout gibt Ferrara einen Blick auf kommende Projekte und Pläne.

An vielen Abstimmungen und Diskussionen beteiligen sich vor allem die zahlenden Patreon-Mitglieder. Dass OPR gerade die Menschen anhört, die das Projekt regelmäßig finanzieren, ist nachvollziehbar. In seinen monatlichen Hangouts spricht Gaetano Ferrara über Pläne und beantwortet Fragen aus der Community.

Fazit

Aus der Idee, Tabletop-Regeln auf das Wesentliche zu kürzen, ist ein Projekt mit eigenen Spielen, Miniaturen und Welten geworden. Gewachsen ist OPR dabei nicht im stillen Kämmerlein: Die Spieler*innen reden mit, testen neue Regeln und bringen eigene Geschichten ein.

Trotz dieses Wachstums ist der ursprüngliche Gedanke noch gut zu erkennen. Die Grundregeln und Armeewerte bleiben kostenlos, vorhandene Miniaturen lassen sich weiterhin verwenden. So ist aus einer kleinen Regelsammlung zwar ein deutlich größeres Projekt geworden, ohne dass der einfache Einstieg ganz verloren gegangen ist.

Wer neugierig geworden ist, kann sich auf der Website von OnePageRules die Grundregeln kostenlos herunterladen und schauen, welches Spiel ihn anspricht. Vielleicht warten die passenden Figuren schon im Regal. Und falls wir euch nun tatsächlich inspiriert haben, mit Schlumpf-Figuren gegen Klemmbausteine zu Felde zu ziehen, sind wir gespannt auf eure Bilder.

Artikelbilder: © OnePageRules
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Geoffrey Förste

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