Wer kennt es nicht? Man öffnet ein neu erworbenes Brettspiel und beginnt, die Spielmaterialien aus den Stanzbögen zu lösen. Schnell liegt ein Haufen von Pappplättchen, Spielfiguren und diversen Komponenten auf dem Tisch, die man dann in Plastiktütchen verstaut. Wenn das Spiel doch nur einen sinnvollen Sortiereinsatz hätte!
Voller Vorfreude öffnet man die neueste Errungenschaft für den Spieltisch und stellt dann enttäuscht fest, dass die Komponenten zwar schön gestaltet sind, jedoch die Möglichkeiten, diese in der Spielschachtel anständig zu verstauen, eher suboptimal sind. Die Verlage liefern häufig wiederverschließbare Beutelchen mit, damit die Komponenten etwas ordentlicher in der Schachtel untergebracht werden können. Dabei wäre ein guter Sortiereinsatz ein echter Qualitätsbonus, der sowohl den Spielaufbau als auch den Einstieg ins Spiel massiv erleichtern könnte.
Wer einen 3D-Drucker sein Eigen nennt, kann hier recht schnell und mittlerweile einfach Abhilfe schaffen. Auf diversen Internetplattformen finden sich Vorlagen für Inserts, die sowohl ästhetisch als auch praktisch sind. Aber dabei hört es noch lange nicht auf. Spiele lassen sich, nicht nur was die Ordnung, sondern auch was das Spielmaterial und Zubehör angeht, mit einem 3D-Drucker ordentlich aufwerten.
Doch wie gelingt der Einstieg in diese neue Welt? Welcher Drucker zieht am besten in den Hobbykeller ein und wo verstecken sich die besten Design-Vorlagen? Ist die Technik mittlerweile massentauglich oder noch immer ein Projekt für Bastel-Nerds? Und vor allem: Wie verträgt sich das Hobby mit dem ökologischen Gewissen?
Dieser Artikel zeigt, für wen sich 3D-Druck im Brettspielbereich wirklich lohnt, welche Technik sinnvoll ist und mit welchen Kosten, Zeitaufwänden und Umweltaspekten man realistisch rechnen sollte.
keine besonderen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Filament oder Resin – Was darf es sein?
Zunächst muss man sich im Klaren darüber sein, welche Aufgaben der 3D-Drucker im Hobbykeller übernehmen soll. Wer vor einer Neuanschaffung steht, hat im Wesentlichen zwei Optionen: FDM– oder SLA-Drucker.
FDM-Drucker (Fused Deposition Modeling)
FDM-Drucker sind die Klassiker unter den Heimgeräten. Sie schmelzen einen Kunststoffdraht, das sogenannte Filament, auf und platzieren dieses Material Schicht für Schicht auf einer beheizten Druckplatte, bis das gewünschte Modell fertiggestellt ist. Für Brettspiel-Inserts ist zudem die Größe des Bauraums entscheidend. Viele günstige Geräte bieten 220 x 220 Millimeter Druckfläche. Wer große Spieleboxen ausstatten möchte, sollte prüfen, ob der Drucker ausreichend Platz bietet oder ob Modelle in mehrere Teile geteilt werden müssen.
- Einsatzgebiet: Diese Drucker sind ideal für die Erstellung großer Sortiereinsätze, Schalen für Token, Kartenboxen oder individueller Marker.
- Vorteil: Hier finden Brettspiel-Enthusiasten unzählige Möglichkeiten, ihre Spiele kostengünstig und stabil zu individualisieren. Das verwendete Material ist robust
- Einstiegspreis: ca. 250 bis 300 EUR / Preis für Filamente 15 bis 30 EUR pro Kilogramm.
Resin-3D-Drucker (SLA – Stereolithografie)
Dieses Verfahren wurde bereits 1984 von Chuck Hull patentiert. Die meisten heute erhältlichen Geräte arbeiten technisch als MSLA-Drucker, also mit einem LCD-Display als Lichtquelle. Für den Anwender spielt dieser Unterschied meist eine untergeordnete Rolle; wichtig ist jedoch: Nach dem Druck müssen die Modelle gewaschen und anschließend unter UV-Licht nachgehärtet werden.
- Einsatzgebiet: SLA-Drucker sind hervorragend dazu geeignet, hochdetaillierte Miniaturen selbst zu drucken.
- Vorteil: Da die Modelle im Gegensatz zum FDM-Druck kaum sichtbare Schichten aufweisen, besitzen sie einen erstaunlichen Detailgrad. Aufgrund der glatten Oberfläche lässt sich das Material zudem hervorragend bemalen. Wer für Tabletop-Szenarien neue Dioramen oder individuelle Heldenfiguren erstellen möchte, ist mit einem solchen Gerät bestens ausgestattet.
- Einstiegspreis: ca. 350 bis 400 EUR / Beim Resin-Druck kommen zusätzlich Ausgaben für Resin, Isopropanol, Schutzausrüstung und häufig eine Wasch- und Aushärtungsstation hinzu. Dadurch liegt der tatsächliche Einstiegspreis in der Praxis meist höher als der reine Gerätepreis.
3D-Druck – hier wird Individualisierung großgeschrieben
Der 3D-Druck hat die Art und Weise, wie wir Brettspiele erleben, grundlegend revolutioniert. Es geht längst nicht mehr nur darum, Spielfiguren in Tütchen zu sortieren. Wer einen Drucker besitzt, kann ein Standardspiel in ein luxuriöses Sammlerstück verwandeln.
Der erste Schritt ist meist das Aufwerten des Spielmaterials. Pappmarker werden durch dreidimensionale Kunststoff-Token ersetzt, und anstatt flacher Plättchen liegen plötzlich detaillierte Ressourcen wie kleine Holzscheite, glitzernde Erze oder Miniatur-Nahrungsmittel auf dem Spielplan. Dies steigert nicht nur die Immersion, sondern verbessert auch die Übersichtlichkeit am Tisch.

Außerdem können die Spielmaterialien in gedruckten Inserts ordentlich und schonender verstaut werden. Eine gute Vorsortierung ermöglicht es, Spiele schneller auf den Tisch zu bringen, und der Einstieg in ein neues Spiel wird durch die geordneten Komponenten deutlich vereinfacht. Ein vollständiges Insert für ein mittelgroßes Brettspiel benötigt je nach Komplexität zwischen 8 und 20 Stunden Druckzeit. Die Materialkosten liegen häufig zwischen 5 und 20 Euro. Fehldrucke oder Anpassungen können den Aufwand zusätzlich erhöhen.
Besonders spannend wird es bei der funktionalen Individualisierung. Mit sogenannten Player Boards lassen sich Spielertableaus organisieren. Steckplätze für Karten, Vertiefungen für Würfel und Schienen für Lebenspunktezähler sorgen dafür, dass selbst bei einem versehentlichen Stoß gegen den Tisch nichts mehr verrutscht. Würfeltürme und Schalen für Token bringen zudem mehr Ordnung auf den Spieltisch.
Für Tabletop-Fans und Rollenspielende bietet der Resin-Druck zudem beispielsweise die Möglichkeit, individuelle Held*innenfiguren zu erschaffen. So kann das Spielmaterial exakt auf die eigene Kampagne oder den persönlichen Geschmack zugeschnitten werden – ein Grad an Freiheit, den kein Spieleverlag ab Werk bieten kann.
Vom Nerd-Hobby zum Massenmarkt: 3D-Druck heute
Der Zugang zum Thema 3D-Druck ist in den letzten Jahren um Längen leichter geworden. Gerade Firmen wie Bambu Lab oder Prusa haben sich darauf konzentriert, den 3D-Druck massentauglich zu machen. Lange Zeit galt das Drucken als Nerd-Hobby, bei dem man mehr Zeit mit dem Justieren von Schrauben als mit dem eigentlichen Erstellen von Objekten verbrachte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die berüchtigte manuelle Kalibrierung des Druckbetts, früher eine Geduldsprobe für Einsteiger*innen, entfällt bei aktuellen Modellen fast vollständig. Sensoren übernehmen dies automatisch, und selbst technische Defekte lassen sich dank modularer Bauweise oft im Handumdrehen eigenhändig beheben. Allerdings arbeiten auch moderne Drucker nicht völlig geräuschlos. Während des Drucks entstehen je nach Modell hörbare Lüfter- und Motorgeräusche. Ein separater Raum ist daher empfehlenswert.

Mittels gut bedienbarer Software lassen sich Modelle vorbereiten und anpassen, ohne spezielle Programmier- oder CAD-Kenntnisse zu beherrschen. Nicht zuletzt bieten diverse Internetseiten wie Cults3D, MakerWorld, Thangs, Printables oder Thingiverse vorgefertigte Modelle zum Download an, die mit wenigen Klicks ausgedruckt werden können. Teilweise sind diese Modelle zwar kostenpflichtig, angesichts dessen, dass sich die Designer teilweise sehr große Mühe geben, ist dies aber mehr als angemessen. Beim Download und Druck von Vorlagen sollten die jeweiligen Lizenzbedingungen beachtet werden. Viele Dateien sind ausschließlich für den privaten Gebrauch freigegeben. Der Verkauf gedruckter Modelle oder das Weiterverbreiten der Dateien kann urheberrechtlich problematisch sein.
Verantwortungsvoll drucken: Materialwahl und Umweltschutz
Plastik ist ökologisch einer der problematischsten Werkstoffe. Während Holz verrottet und Metall korrodiert, zerfällt Plastik lediglich zu Mikroplastik und verschwindet für Jahrhunderte nicht aus den Ökosystemen. Durch die Abhängigkeit von Rohöl, das nach wie vor die Grundlage für die Produktion von Kunststoffen ist, hat dieser Werkstoff zusätzlich einen negativen Einfluss auf die CO2-Bilanz.
Hier kommt Kunststoff ins Spiel, der für den FDM-Druck zum Standard wurde: PLA.
PLA wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke hergestellt. Dadurch basiert es nicht auf fossilem Erdöl. Dennoch entstehen bei Anbau, Verarbeitung, Transport und Druck Energieaufwände, die in die Umweltbilanz einfließen. PLA ist daher nicht automatisch klimaneutral, kann aber im Vergleich zu rein fossilen Kunststoffen Vorteile haben.
PLA gilt als industriell kompostierbar, allerdings nur unter speziellen Bedingungen mit hohen Temperaturen und kontrollierter Feuchtigkeit. Im heimischen Kompost oder in der freien Natur zersetzt sich das Material nicht kurzfristig. In vielen Regionen gehört es daher weiterhin in den Restmüll oder in spezielle Recyclingprogramme.
Auch mit diesem Werkstoff muss also sorgsam und umweltorientiert umgegangen werden. Besonders empfehlen können wir den Anbieter Recycling Fabrik, an den man kostenlos Fehldrucke und Ähnliches versenden kann, um für den nächsten Einkauf von recyceltem Material Bonuspunkte zu erhalten.

Während beim Druck von rohölbasierten Kunststoffen wie ABS oder ASA gesundheitsgefährdende Styroldämpfe freigesetzt werden, riecht PLA lediglich leicht süßlich und gilt als weitaus emissionsärmer.
Beim Druck mit PLA entstehen jedoch ultrafeine Partikel. Zwar gelten diese Emissionen als geringer als bei ABS oder ASA, dennoch sollte regelmäßig gelüftet und der Drucker möglichst nicht im dauerhaft genutzten Wohnraum betrieben werden. Wir empfehlen daher, für Inserts, Token und das allgemeine Aufwerten von Spielen PLA zu verwenden. Außerdem gilt PLA als äußerst einsteigerfreundliches Material.
Wer hervorragende Miniaturen drucken möchte, kommt jedoch um einen Resindrucker nicht herum. Bei der Verwendung von Resin sieht das Ganze jedoch etwas anders aus. Während FDM-Druck eher handwerklich ist, erinnert Resin-Druck an ein Chemielabor. Im Gegensatz zum FDM-Druck, bei dem man meist nur zuschaut, hantiert man hier mit reizenden Flüssigkeiten. Für den Umgang mit diesen ist zwingend eine persönliche Schutzausrüstung notwendig. Dazu gehören neben Nitrilhandschuhen auch ein passender Atemschutz sowie eine Schutzbrille. Da flüssiges Resin flüchtige organische Verbindungen abgibt, würden wir dazu raten, einen SLA-Drucker nur in einem sehr gut belüfteten Raum oder in einem Keller mit Absaugvorrichtung zu verwenden. Außerdem muss Resin in flüssiger Form gesondert entsorgt werden, da es giftig für Wasserorganismen ist. Ausgehärtet kann es aber als Restmüll in den Hausabfall.
Trotz des höheren Aufwandes in Sachen Arbeits- und Umweltschutz belohnt der Resin-Druck die Nutzenden mit einer Detailtiefe, die selbst industriell gefertigte Miniaturen oft in den Schatten stellt.
Fazit
3D-Druck hat sich längst von einem nerdigen Bastelprojekt zu einem echten Gamechanger für den heimischen Spieltisch entwickelt. Was früher mühsame Kleinstarbeit an der Hardware bedeutete, ist heute dank nutzerfreundlicher Geräte fast schon zum Plug-and-Play geworden. Für Brettspiel-Enthusiast*innen bedeutet das, dass man sich nicht mehr mit suboptimalen Lösungen der Verlage zufriedengeben muss.
Ob man nun mit dem FDM-Drucker und PLA-Filament für Ordnung in der Schachtel sorgt oder mit Resin-Druckern Miniaturen erschafft, die jedes Sammler*innenherz höherschlagen lassen – die Kontrolle über das haptische Erlebnis liegt nun bei den Spielenden selbst. Dabei hat man es in der Hand, verantwortungsvoll mit den Werkstoffen umzugehen. Während PLA durch eine gute CO2-Bilanz und innovative Recyclingkonzepte punktet, fordert der Umgang mit Resin ein laborähnliches Maß an Disziplin und Arbeitsschutz ab.
Wer ausschließlich Ordnung in Spielschachteln schaffen möchte, sollte Aufwand und Nutzen sorgfältig abwägen, hierfür ist ein 3D-Drucker keine Notwendigkeit. Für viele Spiele gibt es fertige Inserts aus Holz oder Schaumstoff, die direkt gekauft werden können.
Letztlich bringt der 3D-Druck für das Hobby Brettspiel jedoch ein massives Stück Lebensqualität. Man verkürzt den Spielaufbau, schont das Material und verleiht jedem Spiel eine ganz persönliche Note. Wer den Schritt in diese Welt wagt, wird schnell feststellen: Wenn man erst einmal angefangen hat, seine Lieblingsspiele aufzuwerten, will man zur alten Tütchenwirtschaft nicht zurückkehren.
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Andreas Memmert



















Steampunk ist wie ein endloses Abenteuer voller Geheimnisse und mechanischer Schönheit. Ich bin total verliebt in dieses Universum, und https://www.steampunk-universum.com/ ist meine Lieblingsadresse, um es zu entdecken.