Erneut stellte man sich gemeinsam Sturm, Regen und Schlamm. Einsatzfreude auf dem Schlachtfeld und Spaß bei der Plotjagd herrschten dieses Jahr. Das Drachenfest 2024 war deshalb trotz schlechten Witterungsbedingungen ein voller Erfolg, die gute Stimmung konnte auch das dicke Ende am Abreisetag nicht trüben.
Was würde das Drachenfest 2024 bringen? Eine erneute Herrschaft des Schwarzen Drachen oder würde ein anderer Drache als der Rekordsieger sich die Krone aufs Haupt setzten dürfen?
Drohte uns gar ein weiteres „Schlammaggedon“ mit Sturm oder meldete sich doch die Lasersonne des Todes zurück?
Am Ende sollte es ein bisschen von allem werden: Sturm und Regen beim Aufbau, die den Quast in Zusammenarbeit mit dem Anreiseverkehr in eine Schlammwüste verwandelten, noch mehr Regen am Abend vor dem Abbau, der den Abreiseverkehr vor große Herausforderungen stellte, denen nicht alle gewachsen waren.
Dazwischen aber ein fast ideales Wetter und ein gelungenes Drachenfest mit vielen Neuheiten, angefangen bei Avataren und Lagertoren bis hin zum erstmaligen Sieg des Lager des ewigen Wandels.
keine Trigger
Inhaltsverzeichnis
Rückkehr von Altbekanntem und vielem Neuen
Der im Vorjahr groß betrauerte vorübergehende Umzug des Blauen Lagers ans Ende der Festwiese wurde dieses Jahr plangemäß wieder revidiert. Grün und Blau waren erneut an ihren angestammten Plätzen. Gleichsam kehrte auch der Durstige Dolch, DIE blaue Kneipe schlechthin, an seinen angestammten Platz in der Stadt neben dem Blauen Lager zurück. Alles also wieder beim Alten, bevor die Rochade der beiden größten Lager nächstes Jahr fortgesetzt wird.
Doch dies waren nicht die einzigen Veränderungen. Zahlreiche Aufbauten und bekannte Festrollen wurden dieses Jahr ausgetauscht oder neugebaut. Besonders viel Veränderung gab es dabei im Grauen Lager. Durch Sturmschäden der Vorjahre musste Grau auf eine neue Palisade vertrauen, welche optisch leider noch nicht an ihren beeindruckenden Vorgänger heranreichte. Bei der Kreativität dieses Lagers kann man aber optimistisch sein, dass die neue Lagerfront bald mindestens so beeindruckend aussehen wird, wie die alte.
Neu war auch, die neue Avatarsdarstellerin des Weißen Lagers.. Im Zuge interner personeller Umstrukturierungen bei der Plotorga trat auch die bisherige, beim Lager sehr beliebte, Avatardarstellerin der Weißen zurück. Ihre Nachfolgerin hatte entsprechend große Fußstapfen zu füllen. Diesen wurde sie aber mehr als gerecht, sodass auch hier Lager und neuer Avatar schnell harmonierten.

Fluktuationen gab es auch bei den Begleiter*innen der Avatare. Der Rote Avatar verlor seine langjährige Gefährtin direkt von Beginn an, dem Goldenen Avatar ging seine Stimme (der Begleiter des Goldenen Drachen) im Laufe des Festes verloren. Hier eine so prominente Figur wirklich getötet zu haben, schockte ein ganzes Lager. Es zeugt aber auch von einer Konsequenz, die einen Bedrohungen ernst nehmen lässt. In diesem Sinne kann man hier nur hoffen, dass das Hintertürchen “Rückkehr durch den Limbus” nicht genutzt wird. Komplettiert wurde der Reigen der Neuerungen durch einen neuen Silbernen Avatarsdarsteller.
Glücklicherweise nicht wieder kam der Schlammhorror von 2017 oder die Hitze des Todes der Jahre 2018 und 2019, die beide auf ihre eigene Art jegliches Spiel erschwerten bis unmöglich machten. Schwüles, aber eher kühles Wetter ermöglichte von Time-In bis Time-Out durchgehend schönes Spiel. Keine Mittagshitze, die jegliche Aktivität bei Tag unmöglich machte und auch keine Schlammlandschaften, die Angriffe nur per Boot erlaubten. Unangenehmer sah es allerdings vor Time-In und nach Time-Out aus. Das Wetterglück sollte uns hier im Stich lassen und ganz eigene Herausforderungen stellen, auf die ich später noch gesondert eingehe.
Der Wettstreit
Seitdem man Eier nicht mehr zwischen den Lagern tauschen darf, soll eigentlich jedes Jahr jedes Lager entschlossen um den Sieg kämpfen. Entgegen diesem guten Gedanken der Orga, läuft es jedoch weiterhin drauf hinaus, dass einzelne Lager um den Sieg streiten und die restlichen Lager als Verbündete um sich scharen. In diesem Jahr kristallisierten sich mit Nahen der Endschlacht drei Favoriten auf den diesjährigen Sieg heraus. Kupfer, das Lager der Ordnung und Herrschaft, Grün, das naturverbundene Riesenlager, das gefühlt jedes Jahr siegreich ist und … das halbchaotische Wandellager. Das mit Abstand kleinste Lager, welches bis vor Kurzem noch nicht einmal von allen akzeptierter Teil des Wettstreits der Drachen war. Der absolute Außenseiter schlechthin war mehr als nur über sich hinausgewachsen und hatte eine schier unmenschliche Leistung erbracht (passend zum überwiegend unmenschlichen Lager), sodass der Sieg dieses Jahr unglaublicherweise wirklich greifbar war.
Wobei sich Wandel den Aspekt, noch nie gesiegt zu haben, mit Kupfer teilte. Auch für dieses Lager bot sich die Chance auf den ersten Sieg im Wettstreit überhaupt. Und so groß und mächtig das Grüne Lager auch ist, so oft es auch bis zum Ende um den Sieg streitet, so oft ging es in den letzten Jahren doch knapp leer aus und musste sich mit dem zweiten oder dritten Platz zufriedengeben.
Letztendlich standen damit also drei Lager zur Entscheidungsschlacht bereit, die alle nach einem Sieg hungerten, nach einem Gefühl, dass sie nie oder nur in längst vergangenen Zeiten erlebt hatten.
Unterstützt von ihren Verbündeten entwickelte sich daraus eine fast schon klassische Endschlachtkonstellation aus drei Bündnisblöcken, bei der normalerweise zwei Koalitionen versuchen, die dritte mit möglichst geringen Verlusten auszuschalten, um danach den Sieg untereinander auszumachen.
Dass das Wandellager unter diesen Voraussetzungen seinen fast schon traditionellen Endschlachtselbstmord aus Spaß an der Freude nicht begehen würde, war zu erwarten. Es war dennoch eine schöne Überraschung, dass Wandel und seine Verbündeten nicht Rasenschach spielten, sondern aktiv das Kampfgeschehen vorantrieben, auch auf das Risiko hin, dadurch letztendlich den Sieg zu verspielen, da sich das Grüne Bündnis anfangs eher zurückhielt. So sah es auch lange Zeit nach einem grünen Sieg aus, da nach der Niederlage des Kupferbündnisses auch die Reihen von Wandel gelichtet und in Unordnung waren, als die grüne Front mit überwältigender Stärke zur Entscheidung vorrückte.
Das letzte Gefecht, die Entscheidung, ob der herrschende Kreislauf Blätter oder Tentakel haben würde, stand bevor. Die Reihen des Wandelbündnisses wankten, doch noch brachen sie nicht unter dem zunehmenden Druck der grünen Massen. In diesem Moment, in dem die Schlacht auf des Messers Schneide stand, zeigte sich, dass das Wandellager nicht nur in den Bereichen Kampf und Militär auf der Höhe war, sondern auch im Bereich Diplomatie. Während sich das Grüne Heer zunehmend über die Schlachtwiese ausbreitete, zeigte sich, dass sein Vertrauen in ihre rechte Flanke, die die Anhöhe auf dem Hügel halten sollte, ein schwerer Fehler gewesen war. Das dort positionierte Schwarze Lager zeigte just in diesem Moment seine wahre Loyalität – und die lag bei Wandel, nicht bei Grün.
Das aktuell herrschende Lager beendete sein Jahr der Herrschaft mit einem vernichtenden Schlag in die ungeschützte Flanke von Grün, der das Schlachtenglück wendete und Wandel den Sieg sicherte.
Plot – von Schwertern, Stelen und Kinderspielen
Lagerübergreifend durften sich die Spieler*innen dieses Jahr mit mehreren Herausforderungen beschäftigen. Zahlreiche Drachen verlangte es nach Schwertern, für ihre Avatare. Ihre Lager sollten daher das Schwert für ihren Avatar schmieden – es überrascht wohl niemand, dass die Schwertteile, die man dazu brauchte, leider nicht einfach so im Lager zu finden waren. Stattdessen stand jedem betroffenen Lager eine Suche bevor, die Schwerter im Lager und in der Stadt Aldradach aufzuspüren. Nicht direkt zu suchen, sondern vielmehr herausfinden, was es damit auf sich hatte, galt es hingegen in der Sache der mysteriösen Stelen, die an verschiedenen Orten auftauchten. Manche standen in Lagern, andere in der Stadt. Alle wirkten optisch unterschiedlich, gemeinsam hatten sie hingegen, dass die mit Splittern aus Drachenglas bedeckt waren. Außerdem waren sie ziemlich schwer und daher nur mit Mühe zu bewegen, weshalb auch nur manche davon im Laufe des Drachenfests erbeutet wurden. Was genau es mit ihnen auf sich hat, gilt es in den kommenden Jahren herauszufinden. Eine dritte Herausforderung, der sich viele Spieler*innen stellten, war die Jagd nach Puzzleteilen, die im Kupfernen Lager aufgetaucht waren. Besonderer Reiz war hier bis zum Schluss, dass es immer wieder sich widersprechende Annahmen über die Bedeutung der Puzzleteile und die Anzahl der beteiligten Lager gab. Die Vermutungen reichten dabei von der Möglichkeit, ein magisches Portal öffnen zu können über das Gewinnen eines Dracheneis bis hin zu einem missverstandenen Kinderplot.
Alles in allem waren die Plotjäger*innen aber damit und mit vielen anderen Dingen, wie den lagerinternen Plots, erneut gut beschäftigt.
Organisation – Schlamm, Regen, Stau
Organisatorisch war das diesjährige Drachenfest leider nur durchwachsen.
Während vieles funktionierte und viele Orgamenschen in allen möglichen Funktionen auftraten, gab es leider ein alles überschattendes Fiasko: Der Slush-Eis-Stand war weg!
Jahrelang hatte er unzählige Teilnehmer*innen durch die allergrößte Hitze gerettet, nun hinterließ er eine unfüllbare schmerzende Lücke auf dem Quast.

Doch leider gab es auch sonst einige Dinge ernsthaft zu kritisieren. Wie sehr man sie letztendlich gewichtet, kann jede*r für sich persönlich entscheiden, hier aufzählen, will ich sie trotzdem. Denn nicht wenige Spieler*innern nannten hinterher genau diese Punkt als ihre Kritikpunkte an einem sonst generell wieder gut organisierten Drachenfest.
Trotz immer weiter steigender Preise wird die Hygienesituation eher schlechter als besser. Der Wechsel von überdachten Duschen mit Holzboden hin zu Duschwägen vor einigen Jahren war an sich keine große Verschlechterung. Zwar war man in den alten Duschen nicht so wetteranfällig, doch konnte man in den neuen Duschwägen duschen, ohne direkt danach in eine gefühlte Sauna zu treten, in der man hinterher wieder so verschwitzt war wie vorher.
Wesentlich störender ist hier jedoch der Mangel an Ablageflächen für Kleidung oder Hygieneprodukte. Einige wenige klapprige Bierbänke sind leider nicht ausreichend, ganz besonders nicht, wenn ein Teil davon nicht überdacht ist. So führte auch die Notwendigkeit, aus der Dusche direkt durch Schlammwasser zu waten, zu einigen Beschwerden. Diese Situation ist nicht nur unangenehm, sondern auch ärgerlich. Denn zumindest die Trennwände der Duschbereiche böten sich zum Aufhängen einfacher Garderoben durchaus an. Auch nicht unbedingt hilfreich war es, dass im Laufe des Drachenfest in zahlreichen Duschkabinen das Licht ausfiel.
Was die Duschen in der Stadt, das sind die Dixies auf dem Quast. Per se gut zu gebrauchen, regelmäßig gereinigt und flächendeckend in gutem Zustand. Teilweise fehlte Toilettenpapier, doch darauf weiß sich der*die erfahrene Camper*in wie Larper*in vorzubereiten.
Problematischer war hingegen, dass man auf die häufig leeren Desinfektionsmittelspender vom letzten Jahr reagierte, beziehungsweise, wie man reagierte. Statt viel zu selten aufgefüllter Spender gab es dieses Jahr nämlich schlicht gar keine. In Anbetracht von nur zwei Toilettenwagen auf dem ganzen Gelände doch etwas wenig Einsatz für die grundlegende Hygiene.
Richtig an ihre Grenzen kam die Organisation dann bei der Abreise. Waren bereits Aufbau und Anreise durch Regen und Gewitter beeinträchtigt, so zeichnete sich im Laufe der Woche ab, dass der schlammige Boden ab samstagabends erneut eine Sturzflut an Wasser abbekommen würde. Teilweise blieben die Regenmassen dann glücklicherweise hinter den Befürchtungen zurück, aber auch so traf der Regen den Quast heftig genug zum schlimmsten Zeitpunkt.
Die Prävention der Orga, die Spieler*innen zu bitten, Sonntag etwas später abzufahren, war in der Situation genau richtig. Die Hitze sonntags begann ab Mittag die Schlammwüste wieder zu trocknen, sodass man mit Stroh den Boden wieder halbwegs befahrbar machen konnte.
Zu diesem Zeitpunkt war der Abreiseverkehr aber schon flächendeckend zusammengebrochen. Denn bei einer freundlichen Bitte, später abzureisen, war es leider geblieben. Die große Mehrheit der Spieler*innen hielt sich auch daran. Eine Minderheit aber nicht. Da diese Minderheit nicht nur nicht von ihrem Gewissen, sondern auch nicht durch die Orga daran gehindert wurde, waren die durchnässten Auffahrten schnell verschlammt und unbefahrbar. Hilfsmittel, um die Auffahrten aufs Gelände schnell wieder benutzbar zu machen, waren nicht vorhanden.

Auch dadurch entstand im Lauf des Tages ein Rückstau bis auf den Parkplatz, der dort durch die komplette Abwesenheit von Ordnern noch verschlimmert wurde. Teilweise standen Spieler*innen auf offenem Feld weit über drei Stunden auf dem Parkplatz, auf dem der Verkehr komplett zusammengebrochen war. Manche standen sogar bis zu sechs Stunden. Hier hätte man im Vorfeld zumindest ein paar Leute hinbeordern müssen, die den Verkehr regeln. Dieses Chaos ist umso bedauerlicher, da die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer*innen dieses Jahr erneut bis an ihre Grenzen und darüber hinausgingen, um allen vernünftigen und verantwortlichen Besucher*innen eine sichere und möglichst schnelle Heimreise zu ermöglichen.
Neben dem Gefühl, nicht ausreichend vorausgeplant zu haben, stellt sich aber auch die Frage, inwieweit der Quast für die große Anzahl an Spieler*innern noch geeignet ist. So schön und liebgewonnen das Gelände ist, so stellt die Lage auf einer Hügelkuppe im Naturschutzgebiet die Organisation vor große Probleme, beziehungsweise schränkt die Optionen des Veranstalters ein.
Als Entgegenkommen für die, die das Drachenfest besuchen, aber nicht ganz so schön für die, die es dieses Jahr leider nicht geschafft haben, ist der Ticketverkauf vor Ort. Dass der Veranstalter DrachenFest UG & Co. KG bereits während des Drachenfests erste Tickets für das Folgejahr verkauft, ist nichts Neues. Die Möglichkeit, sich hier halbwegs günstig mit Tickets einzudecken, wird daher auch regelmäßig gerne genutzt. Üblicherweise startet dann jedoch einige Wochen später der eigentliche Verkauf, in dem die meisten Tickets verkauft werden und abgesehen von der günstigsten Frühbucherkategorie noch alle übrigens Ticketarten verfügbar sind. Was dann regelmäßig zu Serverüberlastungen und frustriertem F5-Drücken führte.
Diesmal wurden jedoch schon die ersten beiden Kategorien auf dem Drachenfest komplett ausverkauft, der weitere Ticketverkauf ist daher schon gestartet und läuft aktuell mit Tickets der Kategorie 3, die bereits 215€ kosten. Wer also nicht auf dem Drachenfest war, darf nun besonders tief in die Tasche greifen. Ein schmerzhafter Griff, zumal die Ticketpreise erneut erhöht wurden.
Fazit
Bei allen Kritikpunkten im vorherigen Abschnitt muss man an dieser Stelle den Veranstalter DrachenFest UG & Co. KG aber auch einfach einmal loben, denn alles in allem war das Drachenfest eine rundherum gelungene Veranstaltung. Man hat den Witterungsbedingungen erfolgreich getrotzt und mehreren tausend Teilnehmer*innen ein schönes und denkwürdiges Drachenfest geboten. Sowohl der Sensationssieg des Chaos… des Wandellagers im Wettstreit der Drachen als auch die vielen Kleinigkeiten, von denen vermutlich alle vollkommen andere Momente mitbekommen haben, haben auch dieses Drachenfest wieder zu einem schönen Erlebnis gemacht. Sei es die alljährliche Stadtlotterie, die von garantiert vertrauenswürdigen Wegelagerern betrieben wird oder die Ringkämpfe in der Kolonie, die sich vor keinem Wrestlingturnier verstecken müssen.
Auch die ersten Rückmeldungen von Teilnehmer*innen zeigen, dass es abseits der erwähnten Kritikpunkte keine ernsthaften Probleme gab.
So überwiegt dann zwar nach einer Woche Zelt, Feldbett und Feldverpflegung die Freude auf den Alltagsluxus, gleichzeitig spürt man jedoch schon die Sehnsucht nach dem Drachenfest 2025 und wünscht sich, die Con wäre dieses Jahr noch nicht vorbei.
Titelbild Logo: © DrachenFest UG & Co. KG
Titelbild Foto: © Kircheis
Artikelbilder: © Le Hong Ngoc Ngo, Kircheis
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Maximilian Düngen
Fotografien: © Kircheis, Iain McIntosh


















