Das Speerspitzen-Spielformat von Age of Sigmar erfreut sich einer wachsenden Zahl an Spieler*innen. Mit schnellen Partien, klaren Regeln und überschaubaren Armeen bietet es einen idealen Einstieg, stellt aber dennoch taktische Herausforderungen. Doch nicht jede Speerspitze spielt sich gleich. Im zweiten Teil werfen wir einen weiteren Blick auf bestehende Speerspitzen.
Es bleibt weiterhin spannend, denn die Analyse ist noch lange nicht abgeschlossen und es gibt zahlreiche weitere Speerspitzen, die es ausführlich zu beleuchten gilt. Bereits in Teil 1 wurde der Grundstein für die Bewertung gelegt. Aus jedem großen Bündnis wurde jeweils eine Speerspitze ausgewählt, um einen ersten Eindruck zu vermitteln und zentrale Stärken sowie grundlegende Spielweisen herauszuarbeiten. Dieser Auftakt diente als Orientierung und Vergleichsbasis für die kommenden Betrachtungen.
Nun richten wir den Blick nach vorn. Die nächsten vier Speerspitzen stehen bereit und erhalten die Gelegenheit, sich im Detail zu präsentieren. Dabei werden nicht nur ihre offensichtlichen Vorteile und taktischen Möglichkeiten untersucht, sondern auch potenzielle Schwächen, Einschränkungen und Herausforderungen klar benannt. Ziel ist es, ein möglichst ausgewogenes Gesamtbild zu zeichnen, das sowohl Neueinsteiger*innen als auch erfahrenen Spieler*innen eine fundierte Entscheidungsgrundlage bietet und die Vielfalt der Speerspitzen greifbar macht.
Krieg, Seelen, Tod, Gewalt
Die Speerspitzen – Spaß am schnellen Spiel
Es muss nicht immer ein großes, komplexes Spiel in der Welt von Age of Sigmar sein. Gerade für einen leichten und unkomplizierten Einstieg in das Tabletop-Hobby bietet sich das Speerspitzenformat hervorragend an. Durch die vorgegebenen Modelle und die bewusst abgespeckten Regeln können neue Spielende schnell loslegen, ohne von zu vielen Details überfordert zu werden. Gleichzeitig erfreut sich das Format einer stetig wachsenden Community, was sich auch in der zunehmenden Anzahl an organisierten Turnieren widerspiegelt. Da zudem regelmäßig neue Speerspitzen veröffentlicht werden, bleibt genügend Raum für Abwechslung und spannende Spiele. So lassen sich auch Anpassungen an der eigenen Lieblingsfraktion vornehmen, falls eine bestimmte Speerspitze nicht optimal zum eigenen Spielstil passt.
Seraphon – Sternenpanzerheer
Die Seraphon sind ein geheimnisvolles, kaltblütiges Volk, das keinerlei Nachsicht kennt. Ihre reptilienhaften Krieger folgen bedingungslos dem Großen Plan der Slann. Wer sich diesem kosmischen Vorhaben entgegenstellt, ob absichtlich oder aus Unwissenheit, wird ohne Zögern ausgelöscht. Um den Fortgang des Plans zu sichern, werden häufig Sternenpanzerheere ausgesandt. Ihre Aufgaben reichen von gezielten Tötungsmissionen auf Befehl der rätselhaften Slann bis hin zur Bewachung der magischen Dschungel, die den Seraphon als Heimat dienen. In jedem Fall sind diese Armeen ihren warmblütigen Gegnern klar überlegen.
Seraphon, Sternenpanzerheer – Armeezusammenstellung Speerspitze
- 1 Saurus-Hornnackenveteran auf Carnosaurier (General)
- 5 Saurier-Krieger
- 5-Saurier- Krieger
- 3 Kroxigors
Stärken der Speerspitze
- Infanterie mit hoher Ausdauer
- Hohes Schadenspotenzial
- Starker Nahkampfheld auf Monster
Schwächen der Speerspitze
- Wenig Modelle
- Sehr wenig Fernkampf
- Keine Verstärkungsregel
Einstiegsfreundlichkeit
-
Gut für Fortgeschrittene

Die Speerspitze der Seraphon entstammt dem Regelbuch Flamme und Jade und zählt damit zu den ersten Speerspitzen, die veröffentlicht wurden. Mit insgesamt nur 14 Modellen gehört sie klar zu den eher elitären Speerspitzen und setzt weniger auf Masse als auf Widerstandskraft und Durchschlagskraft. Passend zum Namen sucht man günstige Skinks in dieser Auswahl vergeblich, obwohl diese sonst häufig als punkteschonende Infanterie der Seraphon eingesetzt werden. Stattdessen stellt das Sternenpanzerheer 10 Saurus-Krieger, die als robuste und kampfstarke Infanterie das Rückgrat der Truppe bilden. Ergänzt werden sie durch eine Einheit Kroxigors, die den eindeutig elitärsten Teil der Speerspitze darstellen und maßgeblich für das Schadenspotenzial verantwortlich sind. Abgerundet wird die Liste durch einen starken Nahkampfhelden auf einem Monster, der sowohl optisch als auch spielerisch ein echtes Highlight darstellt und der Armee zusätzliche Schlagkraft verleiht.
Diese Speerspitze richtet sich klar eher an fortgeschrittene Spieler*innen, da sie auf dem Schlachtfeld nur sehr wenige Modelle ins Feld führt und dadurch kaum Raum für Fehler lässt. Jeder Verlust wiegt schwer, zumal keine Einheit im Verlauf des Spiels als Verstärkung zurückkehren darf. Wer unbedacht agiert, wird schnell bestraft.

Gleichzeitig bietet die Speerspitze jedoch enormes offensives Potenzial. Das starke Nahkampfprofil des Generals in Kombination mit der rohen Gewalt der Kroxigors ist in der Lage, selbst gut geschützte feindliche Formationen aufzubrechen und das Spiel entscheidend zu wenden. Beide Einheiten eignen sich zudem hervorragend für gezielte Heldenjagden und können gegnerische Schlüsselmodelle auch unabhängig voneinander ausschalten. Eine mögliche Strategie besteht darin, zuerst die elitärsten Einheiten des Gegners samt Anführer auszuschalten, um anschließend kontrolliert den Rest des Spielfelds zu dominieren. Alternativ kann ein direkter Vorstoß auf den gegnerischen General das Spiel früh entscheiden. Ein rein defensives Spiel, bei dem man lediglich auf Missionszielen verharrt, ist hingegen nicht zu empfehlen. Dafür fehlen schlicht die nötigen Modelle, um mehrere Ziele dauerhaft zu sichern und gegnerische Vorstöße effektiv zu blockieren.
Skaven – Warpblitzschwarm

Die Gesellschaft der Skaven ist von ständigen Machtkämpfen geprägt. Unzählige Clans konkurrieren miteinander, und jeder Einzelne ist überzeugt, die wirksamsten Mittel zu besitzen, um die Bewohner der Oberfläche zu vernichten, während er gleichzeitig davon ausgeht, dass alle anderen Clans ihm schaden wollen. Diese Paranoia ist durchaus berechtigt. Nur die Grauen Propheten im Dienst der Großen Gehörnten Ratte sind in der Lage, die zerstrittenen Streitkräfte zu einer halbwegs geschlossenen Armee zu vereinen. Doch auch sie handeln selten selbstlos, sondern verfolgen ihre eigenen finsteren Ziele. Ungeachtet dessen sind die Horden unter ihrem Kommando extrem gefährlich.
Ein Warpblitzschwarm entsteht, wenn die endlosen Massen der Verminus-Clans mit den unberechenbaren Kriegsmaschinen der Skryre-Clans zusammengeführt werden. Aus Tunneln, Spalten und dunklen Verstecken quellen Clanratten hervor, die ihre angeborene Feigheit mit hemmungsloser Gewalt kompensieren. Ihr Opfer dient meist nur dazu, auf Befehl eines Grauen Propheten den Einsatz der zerstörerischen Skryre-Technologie zu ermöglichen.
Skaven, Warpblitzschwarm – Armeezusammenstellung Speerspitze
- 1 Grauer Prophet (General)
- 3 Sturmbestien
- 1 Warpblitzkanone
- 10 Clanratten
- 10 Clanratten
Stärken der Speerspitze
- Verstärkungsregel
- Stark im Fernkampf
- Viele Modelle
Schwächen der Speerspitze
- Leichte Kerneinheit
- Schlechter Schutzwurf
- Anfälliger Held
Einstiegsfreundlichkeit
- Gut für Anfänger*innen

Der Warpblitzschwarm ist eine sehr Fernkampf-lastige Speerspitze. Neben der großen Warpblitzkanone können auch die Sturmbestien im Fernkampf ordentlich austeilen. Zwar ist mit dem Grauen Propheten ein Held mit der Möglichkeit zum Zaubern da, doch leider verfügt er über einen schlechten Schutzwurf, was ihn zum Ziel von feindlichen Fernkampf- oder schnellen Einheiten macht. Die Clanratten in Kombination mit der Verstärkung bilden einen guten und soliden Kern, der Missionsziele einnimmt und besetzt oder feindliche Kerneinheiten blockt und lange genug beschäftigt, um die Warpblitzkanone in Position zu bringen.
Eine gewinnbringende Taktik könnte sein, feindliche Einheiten im Fernkampf so zu dezimieren, dass sie sich, wenn sie in den Nahkampf kommen, an den Clanratten abmühen und dort das ganze Spiel über gefangen sind und nicht mehr agieren können. Auch lohnt es sich elitäre Einheiten, Monster oder Helden mit der Warpblitzkanone aufs Korn zu nehmen, da diese den Schutzwurf des Ziels ignorieren und so auch schwergepanzerte Einheiten leicht vernichten können. Das heißt also, das Sturmfeuer der Skaven ist der eindeutige Schlüssel zum Sieg.
Orruk-Kriegsclans – Sumpfschleichabande

Für die Moorpirscha spielt Fairness im Kampf keinerlei Rolle, im Gegenteil, sie gilt als Schwäche. Die Sumpfschleichabanden verkörpern genau jene hinterlistige Art der Kriegsführung, die diese Orruks bevorzugen. Ihr Ziel ist es nicht, den Feind in einer offenen Schlacht zu besiegen, sondern ihn zu zermürben, zu verwirren und vollkommen wehrlos zurückzulassen. Unter der listigen Führung eines Killabosses verfolgen sie ihre Beute oft tagelang durch die Sümpfe und Wildnisse der Reiche, stets lauernd und wartend, bis sich die perfekte Gelegenheit für einen tödlichen Hinterhalt bietet.
Orruk-Kriegsclans, Sumpfschleichabande – Armeezusammenstellung Speerspitze
- 1 Killaboss auf großem Schnappzahn (General)
- 1 Torfboss mit Sumpfgasbanna
- 3 Bolz´nschießa
- 5 Wanstreißa
- 5 Wanstreißa
- 1 Bestienkillabogen
Stärken der Speerspitze
- Gute Ausdauer der Einheiten
- Nah- und Fernkampf vorhanden
- Zwei Helden
Schwächen der Speerspitze
- Niedrige Schutzwürfe
- Keine Verstärkungsregel
- Kleine Einheiten
Einstiegsfreundlichkeit
-
Gut für Anfänger*innen
Die Sumpfschleichabande bietet Spielenden eine bemerkenswerte Flexibilität und erlaubt unterschiedliche Herangehensweisen an eine Partie. Jede Einheit dieser Speerspitze verfügt über die Fähigkeit, bei kritischen Treffern tödlichen Schaden zu verursachen. Das macht selbst vermeintlich einfache Modelle zu einer ernstzunehmenden Bedrohung. Mit etwas Würfelglück können auf diese Weise sogar stark gepanzerte Einheiten ausgeschaltet werden, da hohe Schutzwürfe, wie sie etwa bei den Stormcast Eternals üblich sind, deutlich an Wirkung verlieren oder gar vollständig umgangen werden. Zusätzlich sorgt der Bestienkillabogen für ein sehr hohes Schadenspotenzial auf Distanz und erlaubt es, wichtige gegnerische Ziele früh unter Druck zu setzen oder auszuschalten.
Durch diese Mischung aus gefährlichem Beschuss und explosivem Nahkampfschaden kann die Sumpfschleichabande auf verschiedene Arten gespielt werden. Sie eignet sich sowohl als eher defensive Fernkampfarmee, die Missionsziele sichert, als auch als aggressiver, unberechenbarer Trupp, der mit dem nötigen Würfelglück ganze Einheiten vom Spielfeld fegt. Der größte Schwachpunkt liegt im niedrigen Schutzwurf der eigenen Modelle. Umso wichtiger ist es, die Initiative zu ergreifen, den Gegner früh zu binden und ihn gar nicht erst zu Gegenangriffen kommen zu lassen.
Knochenlegionen der Ossiarch – Zwangsvollstrecker-Echelon
Das Fundament der Ossiarch sind Knochen und Seelen. Beides ist zu sichern und der Zustrom an beiden muss immer gewährleistet sein. Eine Ernte von Knochen mag noch leicht sein, bietet jedes Schlachtfeld doch reichlich Ressourcen an Körpern. Doch die Ernte von Seelen ist nicht so einfach. Den Lebenden der Reiche werden die Seelen entrissen, um Nagash Traum einer unaufhaltsamen Armee zu dienen. Die Zwangsvollstrecker-Echelon bestrafen aufmüpfige Untertanen und ernten Seelen für die große Armee der Knochen. Mit Effizienz und Disziplin verheeren die Knochenlegionen der Ossiarch ganze Landstriche im Namen Nagashs.
Knochenlegionen der Ossiarch, Zwangsvollstrecker-Echelon – Armeezusammenstellung Speerspitze
- 1 Mortisan-Seelenernter (General)
- 10 Mortek-Gardisten
- 10 Mortek-Gardisten
- 5 Kavalos-Todesreiter
- 1 Gothizzar-Knochenernter
Stärken der Speerspitze
- Starke Elite-Einheit inbegriffen
- Gute Synergien zwischen den Einheiten
- Jede Einheit hat Rettung
Schwächen der Speerspitze
- Wenig Fernkampf
- Keine Verstärkungsregel
- Teil der Armee kommt erst im späteren Spielverlauf
Einstiegsfreundlichkeit
-
Gut für Kenner der Fraktion
Wie es sich für eine Fraktion des großem Bündnis Tod gehört, verfügt die Speerspitze über zahlreiche Kerneinheiten. Auch wenn eine Mortek-Garde erst im späteren Verlauf dazu stößt, halten sie mit ihrem 4+-Schutzwurf und 10 Modellen schon etwas aus. Insbesondere wenn das Monster Gothizzar-Knochenernter in der Nähe ist, um bei jedem gefallenen feindlichen Modell am Ende des Zugs gefallene Gardisten wieder zusammenzusetzen. Dies, gepaart mit dem Rettungswurf, lässt so manchen Gardisten länger auf dem Spielfeld verweilen.

Auf folgende Weise könnte man die Zwangsvollstrecker-Echelon auch einsetzten: Das Monster stets in der Nähe der Mortek-Garde, um diese wieder zusammenzubauen und gleichzeitig beim Kämpfen zu unterstützen. Die Kavalos-Todesreiter spielen dann die schnelle Einheit, um Missionsziele einzunehmen oder feindliche Einheiten zu flankieren. Aber auch in diesem Szenario dürfen Spielende nicht vergessen, den eigenen General zu schützen. Dieser ist ein Held mittlerer Qualität und kann nicht allein gegen andere Einheiten bestehen.
Bonus/Downloadcontent
Aktuell stehen auf der Warhammer Community-Website eine ganze Reihe von Downloads bereit. Fraktionssets und Regelupdates werden ebenfalls auf der Webseite veröffentlicht, sodass die Speerspitzen stets aktuell gehalten werden können.
Abschluss-Ranking
Die vier Speerspitzen reihen sich in die schon in Teil 1 aufgestellte Tabelle ein. Die Soulblight Gravelords konnten noch nicht von der Spitze vertrieben werden. Aber die Skaven des Warpblitzschwarms sind in Schlagreichweite und verdrängen die Riesen auf den dritten Platz. Dies ist dem geschuldet, dass sie den Riesen mit der großen Kanone ordentlich zusetzen können und die Sturmbestien einfach großen Schaden austeilen können. Da die Riesen einfach standhalten müssten, könnte es für ein Speerspitzenspiel zu hart werden.
Die Seraphon erkämpfen sich vorerst einen guten vierten Platz und sind fast bei den Söhnen Behemats. Das Schadensauskommen des Generals und der Kroxigore übersteigt das anderer Speerspitzen und ermöglicht ein schnelles Brechen der gegnerischen Strategie.
Die Moorpirscha der Orruks erkämpfen sich mit ihrer Sumpfschleichabande den sechsten Platz. Sie haben gute Möglichkeiten Schaden zu verursachen, aber leider werden sie auch recht schnell aufgerieben. Damit ist jede Schlacht zwar blutig, aber andere Speerspitzen verschmerzen die Verluste besser.
Der Zwangsvollstrecker-Echelon belegt vorerst den vorletzten Platz. Das eigene Haushalten der Fähigkeiten und die schon fast vorgegebene Formation mit Monstern und Infanterie lässt Gegner*innen leicht den Kern der Armee durchschauen. Ein Verlust des Monsters, läutet auch fast das Ende des Spiels ein und ein Sieg ist möglicherweise weit entfernt. Andere Speerspitzen können diesen Umstand zu leicht ausnutzen.
Wie auch im letzten Artikel, darf man nicht vergessen, dass es immer noch ein Würfelspiel ist und Glück dazugehört. Und Glück ist es, dass jede noch so gute Taktik Lügen straft. Deshalb folgt eine vorsichtige, aber nachvollziehbare Einschätzung der Gesamtstärke der betrachteten Speerspitzen.
Auf- und Abstieg
- Soulblight Gravelords – Blutdrangjagd
- Skaven – Warpblitzschwarm
- Behemats Söhne – Wallbrecher
- Seraphon – Sternenpanzerheer
- Skaven – Nagschmausschwarm
- Orruks Warclans – Sumpfschleichabande
- Knochenlegionen der Ossiarch – Zwangsvollstrecker-Echelon
- Stormcast Eternals – Wachsame Bruderschaft
Artikelbilder: © Games Workshop Ltd.
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Laura Pascharat


















