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Die Anthologie Planta Nubo entführt in eine Zukunft, in der die Menschen endlich im Einklang mit der Natur leben. Auf verschiedensten kleinen und größeren Abenteuern begleiten wir Figuren, die diese Welt mit ihren Hoffnungen und Konflikten prägen. Doch schafft es das Buch, jenseits des reizvollen Settings auch erzählerisch zu überzeugen?

Als Planta Nubo auf der SPIEL Essen 2023 erstmals erhältlich war, stand nicht nur ein anspruchsvolles Expert*innenspiel auf den Messetischen. Rund um dessen Veröffentlichung erschien auch eine Anthologie, die seine hoffnungsvolle Zukunftswelt mit 20 unterschiedlichen Geschichten auslotet.

Drei Jahre später findet sich der Band noch immer auf der Leipziger Buchmesse 2026 prominent zwischen den Science-Fiction-Titeln der Phantastikbuchhandlung in Halle 3. Höchste Zeit also, einen genaueren Blick auf die Anthologie rund um das Brettspiel zu werfen.

Keine typischen Trigger

Handlung & Charaktere

Die Welt von Planta Nubo liegt in einer Zukunft, in der die Menschheit ihre Lebensgrundlage beinahe vollständig zerstört hat. Rettung brachten gewaltige Baumriesen, die sogenannten Arboren. In ihren hoch über dem vergifteten Boden liegenden Kronen errichteten die Überlebenden neue Gemeinschaften und begannen, ihr Verhältnis zur Natur grundlegend zu verändern. Diese Zeit des ökologischen und gesellschaftlichen Neuanfangs wird als Overgrown-Ära bezeichnet.

Während das Brettspiel diesen Wiederaufbau vor allem über Blumenbeete, grüne Energie, Sauerstoffproduktion und bienenähnliche Luftschiffe abbildet, richtet die Anthologie ihren Blick auf die Menschen hinter diesen Abläufen. Die 20 Geschichten spielen um das Jahr 2123 und erzählen von der Erforschung unbekannter Pflanzen, der Entwicklung nachhaltiger Technologien und der Überwindung von Vorurteilen anders Lebenden gegenüber. Die 20 Geschichten spielen um das Jahr 2123 in der sogenannten Overgrown-Ära: Einer Zeit nach dem ökologischen Zusammenbruch, in der die Menschen auf gewaltigen Baumriesen, den Arboren, neue Lebensräume geschaffen haben. Erzählt wird von der Erforschung unbekannter Pflanzen, der Entwicklung nachhaltiger Technologien und der Überwindung von Vorurteilen gegenüber Menschen mit anderen Lebensweisen. Immer wieder geht es darum, wie sich ein Leben anfühlt, das nicht länger gegen, sondern im Einklang mit der Natur geführt wird.

Die einzelnen Beiträge sind überwiegend kurz und lassen sich unabhängig voneinander lesen. Dadurch entsteht weniger eine fortlaufende Handlung als vielmehr ein Mosaik aus unterschiedlichen Begegnungen, Aufgaben und Alltagskonflikten. Der Einstieg fällt meist leicht, und auch ohne Kenntnis des Brettspiels lässt sich den Geschichten gut folgen. Zugleich bleibt die Spannungskurve aufgrund der knappen Form häufig überschaubar: Viele Beiträge konzentrieren sich auf eine einzelne Idee oder Herausforderung, die eingeführt und vergleichsweise schnell wieder aufgelöst wird.

Auffällig ist, wie häufig das Gärtnern beziehungsweise der Umgang mit besonderen Pflanzen im Mittelpunkt steht. Das passt zwar hervorragend zum Namen und zur spielerischen Vorlage, lässt die Anthologie auf Dauer jedoch etwas einförmig wirken. Gerade eine Welt mit riesigen Baumstädten, vergifteten Erdoberflächen und den Überresten einer untergegangenen Zivilisation hätte noch zahlreiche weitere erzählerische Möglichkeiten geboten. Eine stärkere Auseinandersetzung mit der Geschichte der Arboren, unterschiedlichen Gesellschaftsmodellen oder den Spannungen zwischen technologischem Fortschritt und natürlichem Gleichgewicht hätte das Bild von der Overgrown-Ära zusätzlich erweitern können.

Ähnlich wechselhaft fällt die Figurenzeichnung aus. Die Held*innen sind grundsätzlich sympathisch und verkörpern den gemeinschaftlichen, optimistischen Grundgedanken des Solarpunks überzeugend. Aufgrund der Kürze vieler Geschichten bleibt jedoch kaum Zeit, eine engere Bindung zu ihnen aufzubauen. Sobald eine Figur wirklich neugierig macht, ist ihre Geschichte nicht selten bereits wieder vorbei. Die Anthologie funktioniert vor allem als Reihe kleiner Einblicke in den Alltag und weniger als spannungsgeladene Entdeckungsreise mit tief ausgearbeiteten Charakteren.

Schreibstil

Durch die 20 beteiligten Autor*innen treffen in der Anthologie viele unterschiedliche Stimmen aufeinander. Die meisten Geschichten sind flüssig und unkompliziert lesbar, auch wenn Tonfall und sprachliche Qualität merklich schwanken. Einige Beiträge setzen stärker auf atmosphärischen Weltenbau, andere konzentrieren sich auf die Handlung. Auch beim Gendern fehlt eine einheitliche Linie. Manche Autor*innen verwenden gendergerechte Formen konsequent, viele verzichten darauf. Dadurch wirkt die Sammlung abwechslungsreich, stilistisch jedoch nicht immer vollkommen geschlossen.

Allgemeines zum Buch

Im Anhang von Planta Nubo finden sich die Internetseiten der 20 beteiligten Autor*innen, über die sich weitere Buchprojekte entdecken lassen. Genretechnisch lässt sich das Buch dem Solarpunk zuordnen, ein optimistisches Subgenre der Science-Fiction, die ökologische Nachhaltigkeit und lebenswerte Zukunftsentwürfe in den Mittelpunkt stellt. Besonders profitiert der Band von den detailreichen Zeichnungen Lukas Siegmons, der die grüne Öko-Utopie atmosphärisch zum Leben erweckt und auch das zugehörige Brettspiel illustriert hat. Auf den hinteren Seiten ist neben den Hinweisen zu den Autor*innen außerdem das Brettspiel abgebildet, wodurch die Verbindung zwischen beiden Werken noch einmal sichtbar wird.

Cover Planta Nubo
Cover Planta Nubo

Die harten Fakten:

  • Verlag: Calderan
  • Herausgeber: Sven Nieder und Andi Brottlinger
  • Erscheinungsdatum: 5.10.2023
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 384
  • ISBN: 9783986000134
  • Preis: 19,90€ (Print) + 6,99€ (E-Book)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

 

Fazit

Planta Nubo erweitert die Welt des gleichnamigen Brettspiels um 20 Geschichten aus der Overgrown-Ära und richtet sich damit vor allem an Leser*innen, die tiefer in das Solarpunk-Setting eintauchen möchten. Die unterschiedlichen Erzählungen sind kurzweilig und für Fans des Spiels, die noch etwas mehr über den Alltag auf den Arboren erfahren möchten, kann die Anthologie tatsächlich eine reizvolle Ergänzung sein.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die knappe Länge vieler Erzählungen den Figuren nur wenig Raum zur Entwicklung lässt. Dadurch bleiben manche Charaktere blass, und eine stärkere emotionale Bindung entsteht nur selten. Auch die häufige Konzentration aufs Gärtnern und ähnliche Aufgaben führt mitunter zu Wiederholungen, obwohl die Welt von Overgrown deutlich mehr erzählerische Möglichkeiten bieten würde.

Insgesamt bietet die Anthologie unterhaltsame und stellenweise stimmungsvolle Einblicke in eine sympathische Zukunftsvision. Ihr großes Potenzial schöpft sie jedoch nicht aus.

  • Schön illustriert
 

  • Blasse Charaktere
  • Wiederholende Thematik

 

Artikelbilder: © Calderan
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Rick Davids
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