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Nach einer Operation, welche seine Intelligenz verdreifacht, muss sich Charlie gemeinsam mit der schlauen Maus Algernon seiner neuen Realität stellen. Daniel Keyes stellt in Blumen für Algernon die Frage, ob mehr Intelligenz wirklich zu einem besseren Leben oder nur zu mehr Problemen führt.

Klassiker der Science-Fiction-Literatur müssen nicht immer im Weltall spielen oder neue Welten erfinden. Manchmal reicht es schon aus, eine wissenschaftliche Theorie weiterzudenken und die daraus resultierenden Konsequenzen in einem spannenden Roman zu verpacken. Genau dies macht das Werk Blumen für Algernon von Daniel Keyes, welches dafür in den 60er Jahren mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde, darunter unter anderem dem Hugo-Award für die beste Science-Fiction Kurzgeschichte. Doch kann das Werk auch heute noch überzeugen, nachdem die Wissenschaft und Menschheit 65 Jahre Zeit hatten, die beschriebenen Entwicklungen, wie den medizinischen Fortschritt oder Verhalten gegenüber beeinträchtigten Mitmenschen, einzuholen?

Triggerwarnungen

Ableismus, Alkoholmissbrauch, Tierversuche, Tod von Tieren, Vernachlässigung von Kindern

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Story

Charlie Gordon, ein junger Mann Anfang 30, lebt und arbeitet in einer Bäckerei in New York. Seit seiner frühesten Kindheit ist er intellektuell beeinträchtigt. Damit ist er der perfekte Kandidat für das innovative Operationsverfahren von Professor Nemur und Dr. Strauss. Sie wollen beweisen, dass ihr Experiment zu signifikant erhöhter Intelligenz und damit mehr Lebensqualität führen kann. Erfolgreich getestet wurde es bisher nur an der weißen Maus Algernon. Charlie stimmt dem Eingriff zu und beginnt ein Tagebuch zu schreiben, welches den Prozess von Anfang an begleitet. Schnell zeigen sich erste Erfolge und Charlie blüht zu einem eloquenten jungen Mann auf. Doch ebenso schnell wird klar, dass kognitive Intelligenz nicht mit emotionaler gleichzusetzen ist, und Charlie stößt im Umgang mit seinen Mitmenschen an Grenzen, welche vorher für ihn nicht existiert haben. Als er sich an immer mehr Situationen aus seiner Kindheit und dem frühen Erwachsenenleben erinnert und das Verhalten seiner Familie und Freunde für ihn eine neue Bedeutung bekommt, reißt er zusammen mit der Maus Algernon aus, um sich selbst zu finden.

Blumen für Algernon erzählt Charlies Geschichte in seinen Tagebüchern und stellt dabei viele wichtige Fragen. Wie gehen wir mit Menschen mit (intellektueller) Beeinträchtigung im Alltag um? Welche Systeme oder Orte gibt es, die Hilfe bieten können und wie tun sie das? Wie weit darf die Wissenschaft gehen und wo sind ihre Grenzen, wenn es um individuelle Schicksale geht? Und ebenso im Hinblick auf Charlies Vergangenheit: Wie gehen Eltern und Geschwister mit einem Kind um, welches anders ist, als sie es sich vielleicht gewünscht oder erhofft hatten?

Der Roman betrachtet viele Seiten und zeigt hierbei eine Menge Feingefühl, um Lesende ihre eigenen Schlüsse ziehen zu lassen. Charlie steht dabei ganz klar im Fokus der Erzählung, doch auch die Nebenfiguren wie die beiden Professoren oder seine Lehrerin, in welche er heimlich verliebt ist, bekommen ausreichend Tiefe. Dabei bleibt kein Schicksal absolut eindimensional und vor allem am Ende des Buches wird es emotional herausfordernd, keine feuchten Augen zu bekommen.

Schreibstil

Die Besonderheit von Blumen für Algernon ist der Aufbau der Geschichte als Tagebuch und die damit verbundene Erzähl- und Schreibweise. Um Charlies geringe Intelligenz zu Beginn des Buches für Lesende greifbar zu machen, ist das Tagebuch in sehr rudimentärem Deutsch mit zahlreichen Rechtschreib- und Interpunktionsfehlern verfasst. Mit zunehmender Veränderung von Charlie und seinen kognitiven Fähigkeiten verbessert sich nicht nur dessen Rechtschreibung, sondern auch sein Ausdruck. So verwendet er ein deutlich elaborierteres Vokabular, je weiter sein IQ steigt. Für Lesende bietet sich somit eine immersive Innenansicht des jungen Mannes, welche sowohl seine Fortschritte, aber auch seine inneren Kämpfe intensiv beleuchten. Das Tagebuch ist als Ich-Erzähler verfasst, später wieder erinnerte Episoden aus Charlies Kindheit schreibt dieser selbst jedoch in der dritten Person und versucht sich so stilistisch vom Geschehenen zu distanzieren.

In der Übersetzung von Eva-Maria Burgerer aus dem Jahr 2006 in Deutsche, auf welcher auch die vorliegende aktuelle Auflage basiert, wurde die fehlerhafte Grammatik und Rechtschreibung im Vergleich zum englischen Original sogar noch verstärkt, was das Erlebnis noch eindrucksvoller macht und die Veränderung noch mehr hervorhebt. Ursprünglich erschien Blumen für Algernon 1970 in Deutschland unter dem Titel Charly in einer Übersetzung von Maria Dessauer und Hiltgunt Monecke.

Der Autor

Der Autor Daniel Keyes wurde 1927 in New York geboren und starb 2014. Neben Blumen für Algernon veröffentlichte er noch zwei weitere Romane, welche allerdings an den Erfolg des ursprünglich 1959 veröffentlichten heutigen internationalen Klassikers der Science-Fiction-Literatur nicht anknüpfen konnten. Für Blumen für Algernon wurde er 1960 mit dem Hugo-Award und 1966 mit dem Nebula-Award ausgezeichnet.

Erscheinungsbild

Das Cover zeigt den namensgebenden Mäuserich Algernon und das Labyrinth, welches er tagtäglich durchläuft, um seine Intelligenz zu beweisen. Mit den vorherrschendem Weiß und hellblauen Akzenten wird die klinische Umgebung, in welcher die Tests sowohl für Charlie als auch für die Maus stattfinden, aufgegriffen. Für die Neuauflage wurde das Taschenbuch auch mit einem farblich passenden Farbschnitt versehen.

BfA - Umschlag

Die harten Fakten:

  • Verlag: Klett-Cotta
  • Autor: Daniel Keyes
  • Erscheinungsdatum: 17.08.2024
  • Sprache: Deutsch (Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Eva-Maria Burgerer)
  • Format: Taschenbuch
  • Seitenanzahl: 304
  • ISBN:978-3608988154
  • Preis: 18,00 EUR (Print) + 13,99 EUR(E-Book)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon (deutsch), Amazon (englisch)

 

Fazit

In Blumen für Algernon berichtet Charlie Gordon durch seine Tagebucheinträge von seinem Leben kurz vor und nach einer Operation, welche ihn intelligent machen soll. Seit seiner Kindheit ist der geistig eingeschränkt und auf dem kognitiven Entwicklungsstand eines Kindes. Nachdem sich erste Erfolge zeigen, scheint sich sein Leben zu verbessern, doch bringt mehr Intelligenz wirklich mehr Lebensqualität?

Blumen für Algernon beleuchtet eine spannende Seite der Science-Fiction Literatur, in welcher es um die Fragestellung geht, was mit medizinischer Innovation zu erreichen ist – und ob wir als Menschheit diese Wege moralisch überhaupt gehen sollen. Der Roman regt zum Nachdenken an und besonders das Ende lässt sicher kaum jemanden unberührt.

  • Emotionale Geschichte
  • Regt zum Nachdenken an
  • Außergewöhnliche Wahl des Schreib-/Erzählstils
 

 

Artikelbilder: © Klett-Cotta
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Nina Horbelt
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