Wieder ein Jahr Conquest of Mythodea, und das zweite Mal ging es auf den südlichen Kontinent Sarkan. Doch kann der zweite Großcon auf dem neuen Kontinent an den positiven Eindruck vom letzten Jahr anschließen? Wir haben das Rüstzeug gegürtet und sind den Marschbefehlen der Schlacht des letzten Glockenschlags gefolgt.
Einer Kampagne, die so deutlich über ein Jahrzehnt läuft, einen neuen Anstrich zu verpassen, ist eine mehr als fordernde Aufgabe. Trotzdem hat schon letztes Jahr das Conquest of Mythodea seinen althergebrachten gleichnamigen Kontinent verlassen und ist nach Sarkan gereist, wo neue Verbündete, aber potenziell auch neue Feind*innen lauern. Letztes Jahr hat uns die Veranstaltung ausgesprochen gut gefallen, doch kann sich der gute Eindruck dieses Jahr fortsetzen? In den Weiten der Knochenweite sollten sich die Siedler*innen neuen Abenteuern stellen und einem ungewöhnlichen Kampfkonzept. Doch geht das auf?
Fantasy-Gewalt
Eine Hochzeit und ein Haufen Todesfälle – Der Hintergrund
Schon letztes Jahr hatte der untote König Garvan sich mit der Königin Syrenne verlobt. Auslöser war wenig überraschend nicht tief empfundene Liebe, sondern eine politische Hochzeit, um mehr Macht in Sarkan zu erlangen. Dieser Rahmen wurde dieses Jahr deutlich fortgesetzt. Vor mehreren tausend Jahren verlor Syrenne mit ihrer Armee die Schlacht gegen den großen Heerführer Ralin. Diese Niederlage sorgte dafür, dass in einem letzten Akt des Aufbäumens Syrenne ihr gesamtes Reich und den Großteil aller Angreifenden mit in den Tod riss, so dass diese niemals Frieden finden könnten. Genau dieser Umstand bildete die Ausgangslage des Szenarios dieses Jahr. Auf der Grundlage der Tagebuchauszüge, ganze fünfzig an der Zahl, mussten die Spielenden die Ereignisse der damaligen Schlachten und Erlebnisse möglichst genau nachstellen. Ansonsten bestand die Gefahr, dass die Geisterarmee von Syrenne unter die Kontrolle von König Garvan geraten könnte. Es stand also, mal wieder, eine ganze Menge auf dem Spiel. Aber funktioniert ein solches Szenario auf einer Großcon?
Halb 10 in Mythodea – Erst mal zum Schlachtfeld
Die schon genannten fünfzig Tagebucheinträge bildeten den Hauptstrang dessen, was die Spielenden dieses Mal tun mussten, um Garvan den Zugriff auf das Geisterheer zu verwehren. Diese Aufgaben mussten jeweils stündlich erledigt werden, wobei die Aufgaben jeweils auch maximal eine Stunde dauerten. Die letzte Aufgabe wurde jeweils um 23:00 verteilt und die nächste begann um 07:00, was wenigstens eine gewisse Nachtruhe ermöglichte. Der Umfang und die Größe dieser Aufgaben variierten merklich, fast immer handelte es sich jedoch um Aufgaben, die auf einer der beiden Kampfwiesen stattfinden sollten. Diese konnten von dem Vergiften eines Brunnens über Großschlachten bis zu der Abwehr von bösartigen Geistern mit Hilfe von magischem Licht reichen. Die Endschlacht des Conquest of Mythodea bestand über den Zeitraum von drei Stunden gleich aus drei unterschiedlichen Tagebucheinträgen. So spannend diese Möglichkeiten grundsätzlich erscheinen mögen, brachten sie doch gleich eine ganze Reihe Schwierigkeiten mit sich. An erster Stelle wurden die Aufgaben recht gleichmäßig zwischen unterschiedlichen Gruppierungen von Spielenden aufgeteilt, was grundsätzlich höchst positiv ist. Gleichzeitig waren die Aufgaben aber so klar formuliert, dass zumindest bei der Beteiligung an diesen lange Lücken entstehen konnten. So war es nicht ungewöhnlich, dass ein Lager um 10:00 zu einem Schlachteinsatz zog, nur um das nächste Mal erst um 17:00 eingeteilt zu sein. Auch auf vergangenen Veranstaltungen der Conquest of Mythodea-Reihe kam es natürlich zu solchen Lücken zwischen Großkämpfen, hier fühlten sich diese aber sehr künstlich an. Die genaue Vorformulierung der Tagebucheinsätze nahm dabei weitere Überraschungen und Schwung aus dem Ganzen. So stand nicht nur ausgeführt, wie viele Personen an den jeweiligen Schlachten teilnehmen sollten, sondern auch, wer das jeweilige Szenario gewinnen würde und wie die Ereignisse sich abspielen würden.
Darüber hinaus hatte der Plot eine Schwierigkeit auf einer Meta-Ebene, über die zumindest in unserem Umfeld relativ viele Spielende stolperten: Dass wir diese Ereignisse nach Drehbuch erfüllen wollten war nicht nur uns Spielenden klar, sondern auch den gegnerischen Fraktionen. Diese unternahmen aber keine Versuche, das „Drehbuch“ zu stören, sondern spielten einfach wie Statist*innen mit, obwohl die Tagebuchseiten über das sogenannte steinerne Archiv IT allen zugänglich waren, auch den Untoten, Skargen oder Anhängern der schwarzen Dynastie. Das reduzierte die NSCs zu reinen Statist*innen in diversen Situationen, was dem sonst großartigen Spiel der jeweiligen Fraktionen leider nicht gerecht wurde. Als Spielende*r fühlte man sich dadurch zum Teil leider so, als würde man durch instanziierte Szenarien geleitet werden, was einen durchaus faden Beigeschmack hinterließ. Doch natürlich gab es noch jede Menge zu tun abseits der Hauptgeschichte.
Von Pilzen und Zirkussen – NSCs und Fraktionen
Das Conquest of Mythodea wird seit jeher schon von den unzähligen Darsteller*innen belebt, die unendlich viel Zeit, Liebe und Energie in ihre Kostüme und ihren Hintergrund stecken, und auch dieses Jahr war keine Ausnahme davon. Egal, an welcher Stelle man mit unterschiedlichen Fraktionen in Kontakt treten konnte, wurden einem fantastische Szenen geboten, die so wirklich ihresgleichen suchen. Eine allumfassende Darstellung aller Ereignisse ist uns gar nicht möglich und würde ansonsten völlig jeden Rahmen dieses Artikels sprengen, daher sei ein Einzelereignis beschrieben, um zu zeigen, was alles erlebt werden kann.
Die Nocturnen, eins der Völker Sarkans, richtete Donnerstag und Freitag einen Mitternachts-Zirkus aus. Die Nocturnen sind nicht nur sonnenlichtempfindlich, sondern benötigen auch die Emotionen anderer, damit sie nicht Stück für Stück zu Stein erstarren. Der genannte Mitternachts-Zirkus bot daher unterschiedlichste Dinge wie gauklerische Darbietungen, die Versteigerungen von Dingen gegen Emotionen, sphärische Musik, fantastische Barden und eine ganze Reihe weiterer Aktivitäten. Die Stimmung schwankte konstant zwischen ausgelassen und angespannt, nahm doch eine Vielzahl von Spielen*den an der Feierlichkeit teil, während andere, unter Anderem unser Autor, versuchten, schon von der Magie der Nocturnen beeinflusste Personen wieder aus dem Bann des Marktes zu lösen, bevor sie sich dort ganz verloren. So entstand vor Ort ein fantastisches Katz-und-Maus-Spiel in einer Menschenmenge, wo man selbst dauernd damit kämpfte, nicht seinen Verstand zu verlieren. Und egal wohin man beim Conquest schaute, nahezu überall wurde einem von NSC-Seite fantastisches Spiel in einer Tiefe geboten, die wirklich ihresgleichen sucht. Vor allem die Verbindungen, Verzahnungen und Konflikte der sarkanischen Fraktionen wurden dieses Jahr nochmals deutlicher.
Auch den Pilzwald, dargestellt durch ein gewaltiges Maislabyrinth, gab es dieses Jahr wieder zu erkunden. Und auch von da war von den Beteiligten eigentlich nur Positives zu vernehmen. Doch wer so viel erlebt auf dem Conquest of Mythodea, der*die braucht auch ein funktionierendes Drumherum.
Logistik auf dem CoM – Licht und Schatten
Das Conquest of Mythodea ist seit jeher für seine exzellente Logistik bekannt, und an vielen Stellen konnte sich dieser Eindruck dieses Jahr auch wieder bestätigen. An- und Abreise verliefen absolut problemlos ohne jeden Stau. Auch die Ausladezonen waren an vielen Stellen so breit gesetzt, dass keine Enge aufkam. Natürlich spielte hier das extrem trockene Wetter dem Ganzen merklich in die Karten. Kritischer fiel an der ein oder anderen Stelle dieses Jahr die Toiletten- und Duschlogistik auf. Die mobilen Toiletten, zumindest Richtung Wiese 10, wurden scheinbar nur einmal am Tag geleert, was immer wieder zu Personen führte, die nach dem Öffnen des entsprechenden Klos sich doch lieber für den merklich längeren Weg zu den Wassertoiletten entschieden. Und auch da zeigte sich zumindest, dass die Anlagen merklich in die Jahre gekommen sind und auch eine Zwischenreinigung mehr vertragen hätten. Der Kollege Graser hat ja schon die positiven Entwicklungen auf dem Drachenfest betont, was die Sanitärsituation angeht. Man kann daher aber durchaus hoffen, dass entsprechende Rückmeldungen dafür sorgen, dass auch hier die Entwicklung weiter in die richtige Richtung geht.
Und wie ging die Geschichte aus – Ein Ausblick aufs nächste Jahr
Schlussendlich konnte die Geschichte so zu Ende gebracht werden wie es vorgesehen war. Der Heerführer Ralin konnte aus seinem ewigen Gefängnis befreit werden und fand schließlich seinen Weg zur Ruhe der Toten. Auf dem Weg dorthin übergab er den Siedler*innen noch zwei weitere Statuetten, eine Jägerin und eine Kriegerin. Mit insgesamt zehn dieser Figuren soll dann das Geheimnis Mitralunas, der mysteriösen dritten Schwester, gelüftet werden können. Das dürfte sich wahrscheinlich aber erst in einigen Jahren ereignen, wenn noch eine ganze Reihe Veranstaltungen ins Land gezogen sind. Sarkan dürfte uns daher noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

Und wie war es jetzt? – Der Versuch eines Fazits
Dieses Jahr schlagen wahrlich zwei Herzen in meiner Brust, was das Conquest of Mythodea angeht. Einerseits hat die Konzeption der nachgestellten Schlachten mit vorher festgelegtem Ausgang viel Schwung aus der Veranstaltung genommen, auch weil die Gegenseite nicht IT darauf reagierte und damit agierte, dass es ja abgesprochene Szenarien waren. Die oben genannten logistischen Einschränkungen sorgten ebenfalls für eher lange Gesichter bei den Betroffenen. Und trotzdem gibt es auf dem Conquest of Mythodea so viel zu entdecken und zu sehen, dass es die Reise immer wert ist. Vor allem das unglaubliche Herzblut, dass unzählige Teilnehmende, seien es SCs oder NSCs in die Handlung und ihr Auftreten legen, lässt einem das Herz immer wieder höherschlagen. Und auch wenn es dieses Jahr für mich zumindest ein schwächeres Conquest of Mythodea war, bleiben Sarkan und seine Bewohner*innen immer eine Reise wert. Auch im nächsten Jahr.
Artikelbilder: © Burgschneider
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat:Rick Davids
Fotografien: © Burgschneider


















