Die Vorfreude auf Großcons ist jedes Jahr riesig, trotz stressiger Organisation im Vorfeld. Doch nicht nur Ticketkauf und Vorbereitung müssen wir jedes Jahr überwinden, auch der Weg zur Con selbst kann eine herausfordernde Quest sein. In diesem nicht ganz ernst gemeinten Artikel gehen wir diesen Weg zur Con gemeinsam.
Wer kennt sie nicht, die großen und kleinen Probleme, denen man sich stellen muss, bevor man endlich im Freundeskreis entspannt eine Con genießen kann. Gerade der Weg zur Con könnte so entspannt sein, wenn es nicht kleinere und größere Hürden gäbe, die man überwinden muss.
Mal lernt man Autobahnstrecken kennen, die man sonst nur aus dem Verkehrsfunk kennt, mal stellt man beim Check-In fest, dass die Tickets wohlbehalten daheim auf dem Nachttisch liegen, und mal erweist sich der Boden, in den die Zeltheringe sollen, als widerstandsfähiger als der Stoffi in der Endschlacht. Nachdem wir den Ticketkauf erfolgreich abgeschlossen haben, folgt nun das Abenteuer Anreise und Aufbau.
keine
Morgen der Anreise: Pünktliche Abfahrt garantiert schnelle Ankunft
Morgens, 4.30 Uhr:
Endlich ist es so weit.
Mittels guter Argumente und viel Verständnis für die Bedenken der restlichen Gruppe („Steht auf, ihr faulen Säcke, oder ich fahre ohne euch!“) konnten wir unsere Lagergruppe überzeugen, dieses Jahr nicht erst am späten Nachmittag loszufahren. Nachdem wir die letzten Jahre immer überraschend im nachmittäglichen Berufsverkehr stecken geblieben sind und unsere Zelte im Dunkeln aufbauen mussten, wird dieses Jahr alles anders. Da wir extra direkt nach Feierabend am Vortag unser Auto beladen haben, sind wir dieses Jahr nach erholsamen drei Stunden Schlaf ausgeruht und abfahrbereit. Frühstück und Reiseproviant werden wie üblich auf der Fahrt gekauft, um Zeit zu sparen. Dieses Jahr sind wir die Ersten am Gate, die Ersten auf dem Gelände. Dort können wir dann gemütlich auf unserem Steckstuhl sitzen und den anderen beim mühseligen Aufbau zuschauen oder sogar schon IT gehen. Da nervt zwar manchmal das Aufbauteam mit seinen OT-Blasen, aber wir schaffen es bestimmt trotzdem, Spaß zu haben.
Unter Murren schleppen wir uns also in der Dunkelheit zum fertig gepackten Auto. Einziger eingeplanter Zwischenhalt ist der Verpflegungsstopp beim örtlichen Supermarkt, danach geht es ohne Unterbrechung durch. Die hintere Sitzbank unseres Transporters hat deshalb in vorfreudiger Aufregung schon mal ihre Orkgewandung (inklusive entsprechender Manieren) angelegt, um sich für die Con gleich in die richtige Stimmung zu bringen.
In Windeseile sind wir abfahrbereit, sämtliche Beine, Arme und Oberkörper tetrisartig verstaut, das Auto droht aus allen Nähten zu platzen, aber es kann losgehen.

Morgens, 5 Uhr:
Unsere Beifahrerin muss nur noch schnell ihr Handyladekabel und ihre Powerbank holen, die sie vergessen hat einzupacken. Geht aber schnell, beides liegt auf dem Extrakoffer und der Paladin-Plattenrüstung, die sie gestern vergessen hat einzupacken.
Morgens, 6 Uhr:
Unter Jubel und epischer Musik aus den Autoboxen fahren wir los in die Dämmerung.
Morgens, 6.01 Uhr:
Geblendet durch die tiefstehende Sonne haben wir leider die Nachbarskatze übersehen. Die notwendige Vollbremsung rettet zwar die Katze, lässt aber unsere noch nicht angeschnallten Mitfahrer mit dem Kopf gegen das Armaturenbrett schlagen. Einer trug seinen Helm. Einer nicht. Eventuell könnte die Nase gebrochen sein, aber hier im Zwielicht kann man das bei all dem Blut nicht so genau sagen. Wir hoffen also das Beste (sowohl für die Nase, als auch für das Loch im Armaturenbrett, das einem Metallhelm leider nicht gewachsen war) und setzen unsere Reise fort.
Morgens, 6.30 Uhr:
Wir halten beim örtlichen Supermarkt, um uns mit Reise- und Converpflegung einzudecken.
Wir stellen fest, der Supermarkt öffnet erst um 7 Uhr. Uns beschleicht das Gefühl, bei unserer Planung einen Fehler gemacht zu haben.
Wir beschließen notgedrungen, vor dem Supermarkt zu campieren, um dann wenigstens die ersten an der Kasse zu sein.
Morgens, 8 Uhr:
Einen eskalativen Polizeieinsatz später, sitzen wir alle wieder im Auto und dürfen weiterfahren.
Es stellte sich heraus, dass es keine gute Idee ist, mit Orkmasken verkleidet die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes zu erschrecken. Glücklicherweise konnten wir die herbeigerufene Polizei davon überzeugen, dass ein vollgepackter Transporter kein glaubwürdiges Fluchtfahrzeug für einen Überfall wäre.
Unglücklicherweise war die Polizei aber auch der Meinung, dass unser vollgepackter Transporter nicht mehr straßentauglich ist. Folglich mussten wir Gewicht loswerden. Es traf unseren Freund mit der blutigen Nase, den wir auf Anraten der Polizei auf dem Weg zur Autobahn in der nächsten Notaufnahme absetzen konnten.
Mittags, 13 Uhr:
Laut Zeitplan sollten wir bereits den Münchner Stadtverkehr hinter uns gelassen, das Ruhrgebiet durchfahren haben und kurz hinter dem Frankfurter Kreuz sein (ja, wir fragen uns auch, wer diese Anreiseroute geplant hat).
De facto stehen wir allerdings seit 12.30 Uhr auf einem Rastplatz in Mecklenburg und warten auf den Rest unserer Lagergruppe, die wir hier treffen wollten, um dann gemeinsam im Konvoi zur Con zu fahren.
Der angepeilte Zeitpunkt des Treffens (7 Uhr) ist längst vorbei und wir fragen uns, wie man nur so unzuverlässig und nicht pünktlich sein kann.
Ein Anruf später hat sich das Problem glücklicherweise aufgeklärt.
Der Rest der Gruppe ist eigentlich ganz pünktlich losgekommen (10 Uhr statt 4 Uhr), hat dann aber noch einen spontanen Abstecher in den örtlichen Baumarkt gemacht, um zusätzliche Campingausrüstung zu kaufen. Sie sind aber optimistisch, dort innerhalb der nächsten Stunde loszukommen und haben dann nur noch 4 Stunden Fahrtzeit bis zum Treffpunkt. Um Zeit zu sparen, wollen sie allerdings direkt zum Gelände fahren. Wenn alles optimal läuft, dürften wir also noch zur Mittagszeit gemeinsam ankommen.
Mittags, 18 Uhr:
Wir sind da! Endlich am Ziel!
Also, so gut wie. Dort vorne ist die Autobahnausfahrt, dann folgen noch 10 Kilometer Landstraße und dann sind wir da. Aber warum steht da ein Idiot mit seinem Auto mitten in der Kurve der Abfahrt? Wer hält denn da mitten auf freier Strecke?

Erweiterter Mittag, 20 Uhr:
Leider hat sich das stehende Auto als Ende der Schlange am Check-In herausgestellt.
Denn die Orga wurde durch die seit Jahrzehnten bestehenden Lücken und Mängel der örtlichen Infrastruktur wie jedes Jahr vollkommen überrascht. Dass die Ureinwohner*innen den Stadtkern (#lebenimort) und die Umgehungsspur durch das Naturschutzgebiet (#gelbbauchunkestattsilberrückensuv) gesperrt haben, verschärft die Lage zusätzlich.
Auch der örtliche Glasfaserausbau, der eine Spurverengung von drei Spuren auf eine zur Folge hat, hilft nicht unbedingt. Zwar kennt man die Engstelle schon von den letzten fünf Jahren, aber das macht die Kämpfe beim Reißverschlussverfahren nicht weniger erbittert.
Erweiterter Mittag, 21 Uhr:
Wir sind am Check-In. Die letzten Meter waren hart, doch wir konnten den Reisebus aus Norddeutschland überzeugen, uns beim Einfädeln vorzulassen. Zu was der Nachbau eines 12-Pfünder-Bordgeschützes nicht alles gut sein kann.

Die Orga am Check-In will lediglich unsere Tickets sehen, ein Waffencheck-In findet aus logistischen Gründen dieses Jahr nicht statt, man vertraut auf den gesunden Menschenverstand.
Anders als in den letzten Jahren hat auch niemand unsere Tickets verlegt. Dieses Jahr sind sie in Sicherheit. Auf dem Nachttisch daheim. Aber das wird bestimmt kein Problem sein, immerhin wurde uns das Ticket ja per Email zugestellt, womit wir einfach die entsprechende Email aufrufen und die Tickets digital vorzeigen können. Mit Hilfe unseres Handys. Hier mitten im Nirgendwo. Dank der verlässlichen Netzabdeckung in Deutschland.
Früher Abend, 23 Uhr:
Leider haben wir es knapp nicht mehr mittags aufs Gelände geschafft. Glücklicherweise gelang immerhin letztendlich der digitale Nachweis unseres Ticketkaufs. Es war auch richtig entgegenkommend von der Orga, dass wir extra dafür mit ihnen in den Orgaplex laufen durften, wo es Internet gab.Wir wissen bis jetzt nicht, wie wir die Orga überzeugt haben, sich für uns diese Mühe gemacht zu haben. Womöglich hat die hupende und zunehmend frustriert werdende Autoschlange hinter uns am Gate, sowie unsere stundenlange Weigerung, ohne Einlass wegzufahren, geholfen, die Situation zu bereinigen. Aber wirklich wissen werden wir es wohl nie – mysteriös.

Nachts, 23.30 Uhr:
Unser Transporter steht an unserem Lagerplatz. Nun müssen wir nur noch das Auto ausräumen, unser Zelt aufbauen, unser Sonnensegel spannen, unsere Feuerstelle aufbauen, unsere Möbel zusammenstecken, unsere Regale verschrauben und einräumen und unsere Lagerpalisade in den Boden hämmern, dann steht unser Lager und wir können verdient feiern gehen.
Wir öffnen zum Anfang als erstes die große Flasche Met.
Nachts, 1.30:
Nachdem wir im Licht unseres Flak-Scheinwerfers und unterstützt von lautstark wummernder Mittelalterpartymusik mit dem Ausräumen unseres Transporters begonnen haben, kamen glücklicherweise zahlreiche Nachbarn aus ihren Zelten, die auch alle noch wach waren und sich freiwillig anboten, uns zu helfen. Getreu dem Motto „viele Hände, schnelles Ende“ delegieren wir nun die Aufbauarbeit und schaffen es, dass unser Gepäck gut verteilt auf dem Gelände liegt, genau dort, wo wir es gleich aufbauen müssen.
Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme wird eben noch großgeschrieben in der Larp-Familie.
Artikelbilder: © DrachenFest UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Katrin Holst
Fotografien: Nabil Hanano


















liest sich köstlich! musste herzhaft lachen.