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Die Herrschaft des Wandels ist zugleich der Abschied vom Quast. Nach bewegenden 19 Jahren fand das Drachenfest zum letzten Mal auf dem vertrauten Gelände, dem Quast in Diemelstadt, statt. Gutes Wetter sorgte für ein Drachenfest voller Aktivitäten, bei dem am Ende Tränen des Abschieds flossen

Am 3. August 2025 gegen 22.30 Uhr war es so weit. 19 Jahre Quast gingen zu Ende. Fast zwei volle Dekaden Drachenfest in Diemelstadt sind nun offiziell Geschichte. Was im Jahre des Sommermärchens 2006 hier begann, war ein wilder Ritt voller Höhepunkte, Herausforderungen und denkwürdiger Geschehnisse. Gemeinsam überwanden wir das Schlammageddon 2017, als der Quast im Regen unterging, komplette Lager fortgespült und Gummistiefel kurzerhand zur IT-Gewandung erklärt wurden. Gemeinsam erduldeten wir im Folgejahr und den Jahren darauf eine wahrliche Hitzewelle, bei der die Rüstung zur Sauna und jeder Handgriff zur Belastung wurde. Fächer und Ventilatoren lösten die Gummistiefel in ihrer Rolle als Lebensretter ab.

Wir litten unter Anreisestress auf dem Rundweg, verfluchten die Parkplatzkoordination bei der Abreise, schimpften innerlich über Entscheidungen der Orga, die ihrerseits vermutlich ebenso sprach- und fassungslos auf die Taten zahlreicher Spieler*innen blickte. Über allem steht sicherlich die pandemiebedingte Zwangspause, auf die dann ein Drachenfest in doppelter Länge folgte. In diesen 19 Jahren gab es Triumphe und Tränen, Freude und Trauer, Spektakuläres und Freuden im Kleinen, Kampf, Intrigen, Plot-Freuden, Orkjagden, Rituale, Gottesdienste und jede Menge Echsen.

All dies ist hier nun Geschichte. Die Karawane zieht weiter, die neue Heimstatt des Zirkus wird Waldeck am Edersee. Doch während man bei der Erinnerung an das mehrstündige Warten auf dem Parkplatz bereits freudig auf die neuen Schrecken eines unbekannten Geländes schielt, wollen wir den Blick zurückwerfen. Zurück, auf der letzte Drachenfest ist Diemelstadt, auf die Abschiedstournee für den Quast. Denn auch zum Abschied war einiges los. Parallel dazu blicken wir bildlich auf die lange Geschichte des Drachenfests auf dem Quast zurück.

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2008 und 2009 (Deutschland verliert unter Neu-Nationaltrainer Löw im EM-Finale, Merkel ist seit zwei Jahren Kanzlerin) sowie 2010 und 2011 (Müller und Özil werden die neuen Stars der Nationalmannschaft, Klopp ist ein von den Medien gefeierter Trainer)

Das Jahr des Wandels…

Eine Herrschaft des Wandels wird ein Jahr des Chaos. Überall sprießen Tentakeln aus dem Boden, andersweltliches Grauen überfällt wehrlose Opfer, Khorne-Berserker zerfleischen alles, was sich ihnen in den Weg stellt, Blut fließt in Strömen, rituelle Opferungen als unterhaltsamer Zeitvertreib, korrumpierte Massen, wilde Slaanesh-Orgien und nach dem Eröffnungsritual würde es dann bestimmt auch nicht besser. So oder so ähnlich hätte die Herrschaft der Hügelmenschen ausgesehen, zumindest wenn man den besorgten Bürger*innen in gewissen Lagern am Hang Glauben geschenkt hätte. Ganz so schlimm wurde es dann allerdings doch nicht. Aldradach wurde lila und das Lager des ewigen Wandels nutzte sein Herrschaftsjahr, um seine Bedeutung für den Kreislauf des Drachenwettstreits zu betonen. Ansonsten blieb es so friedlich und zivilisiert wie immer.

Sogar die Tentakel, die überall auftauchten, waren eher klein und dezent, geradezu harmlos. Wandel und Veränderungen gab es aber in der Tat einige. Während die Weiße Avatarin inzwischen im zweiten Jahr in Folge da war und zum festen und geliebten Inventar des Weißen Lagers gehörte, bekam das Silberne Lager im zweiten Jahr in Folge eine neue Verkörperung ihres Gottes. In diesem Jahr hielt nun wieder eine Avatarin Hof in Silber. Ihr Hofstaat hatte sich allerdings deutlich verkleinert.

Das Jahr des Wandels brachte nämlich ein neues Lager hervor. Ein neues altes Lager, um genau zu sein. Das Drachenfest 2025 sah die Rückkehr des Stählernen Lagers. Auch lange nach dem ersten Kurzauftritt des Lagers in den dunklen Tiefen der Vergangenheit war der Kult des Stahls lebendig geblieben. Am Leben gehalten von treuen Anhänger*innen, verbreitet durch orale Traditionen und heimliche Missionierungen, überdauerte Stahl jahrelang im Schatten. Bis der Stählerne Drache in diesem Jahr wieder offen seine Gefolgschaft zu sich rief und diese in Scharen zu seinen Fahnen strömte. Aus dem Stand erreichte das Stählerne Lager eine Größe, durch die es ernst zu nehmen war und die wohl eine längerfristige Existenz möglich machen dürfte. In Form eines Avatars trat der Stählerne dieses Jahr allerdings noch nicht in Erscheinung, sodass das Lager noch kein reguläres Mitglied des Wettstreits war – ein Zustand, der sich aber sicher bald ändern dürfte.

Ebenfalls geändert hat sich DIE Institution des Goldenen Lagers. Während der Sidekick des Avatars, die Stimme des Goldenen, erfolgreich aus dem Limbus befreit wurde, endete für die Inkarnation des Goldenen Drachen der langjährige Dienst. Nach mehreren Jahrzehnten als Goldener Avatar sitzt nun eine Goldene Avatarin auf dem Thron.

…bringt Kupfer den Sieg…

Es gibt keinen größeren Wandel als der Wechsel von Wandel zu Kupfer. Möglich machte diesen Wechsel ein Kupfernes Lager, das alles gab, am Ende sogar inoffiziell vom Lager des ewigen Wandels unterstützt wurde (sagen zumindest die Gerüchte) und trotz der Niederlage in der Endschlacht das Grüne Lager auf den zweiten Platz verbannen konnte. Nach vielen Wandelwortspielen prüfen wir nun also die langjährige Behauptung, ein Sieg von Kupfer wäre das Ende des Wettstreites.

Zumindest für den Wettstreit auf dem Quast gilt das auch in der Tat. Die Herrschaft von Kupfer beendet tatsächlich den Wettstreit der Drachen auf dem Quast. Wie es im nächsten Jahr weitergeht, darf gespannt erwartet werden.

Abseits des Wettstreits gab es ebenfalls einiges zu tun. Stahl suchte nach Partikeln der Essenz des Stählernen, Silber fand sich als Lager nach dem Abgang der Stählernen neu, Schwarz hatte heftige innere Machtkämpfe durchzustehen und Gold suchte die goldene Winkekatze. Die allseits geliebten Echsen waren erneut dabei und können jetzt scheinbar sprechen – tun es aber beim Kontakt mit dem Durchschnittsspieler eher weniger, so dass ein philosophisches Gespräch mit ihnen zu suchen weiterhin nicht unbedingt zu empfehlen ist.

2012,2013 und 2014 (Deutschland wird unter Löw Weltmeister, Russland annektiert die Krim) sowie 2015 und 2016

…und beendet den Wettstreit der Drachen für immer (auf dem Quast)

Verabschiedet hat sich der Quast dabei mit einer bunten Mischung aus allem, was ihn in den langen Jahren davor liebens- wie hassenswert gemacht hat. Ein kühles Wetter mit lediglich vereinzeltem Nieselregen schuf ein aus meiner Sicht ideales Drachenfestwetter, das durchgehend Spiel und Schlacht ermöglichte, ohne jemanden in seiner Rüstung zu kochen. Auch die berühmt-berüchtigten Schlammberge, die den Gang zu den Dixis zur Rutschpartie machen, suchte man dieses Jahr vergeblich. Dafür wurden wir alle daran erinnert, dass es nachts durchaus ziemlich kalt werden kann. Wetterbedingt, aber vor allem dank der Lehren aus dem letzten Jahr, lief die Anreise dieses Jahr dann auch reibungslos ab. Die kritischen Stellen der Quast-Einfahrten wurden besonders gesichert und blieben so durchgehend befahrbar, bei der Anreise wie bei der Abfahrt.

Dieser reibungslose Verkehrsfluss nutzte den Spieler*innen, die mit ihren Autos stundenlang auf dem Parkplatz ausharren durften, leider wenig. Denn neben aller Mühe, allem Raum für weitere Verbesserungen und gegenseitiger Rücksichtnahme oder Egoismus, steht doch am Ende die Tatsache, dass An- wie Abreise über einen einzigen schmalen unbefestigten Waldweg durchgeführt werden mussten. Bereits ein liegengebliebenes Auto langte, um einen Rückstau für alle zu verursachen – und das bei mehreren Parkplätzen, die bestenfalls im Reißverschlusssystem über eine einzige Ausfahrt geleert werden konnten. Hier bleibt nur zu hoffen, dass die Logistik bei der neuen Location einfacher wird. Spannend ist ebenfalls die Frage, wie voll und groß das neue Drachenfest wird. Dieses Jahr wurde der Verkauf von Zeltplatz-Tickets relativ früh eingestellt, deutlich vor Beginn der Veranstaltung gab es sogar gar keine Tickets mehr zu kaufen. Das Ende des Quastes zog dieses Jahr also vermutlich besonders viele Spieler*innen an. Nun kommen wir auf ein neues Geländer, das wesentlich größer ist und mehr Platz für mehr Spieler*innen bietet. Ob die Teilnehmerzahl deutlich erhöht wird, bleibt offen. Das Potenzial scheint aber da zu sein.

Mir ist dieses Jahr die Hygienesituation positiv in Erinnerung geblieben. Ausreichend Wasserstellen, regelmäßig gereinigte Dixis, verlässlich aufgefülltes – wenn auch abends meistens leeres – Desinfektionsmittel sowie solide Duschwagen ließen wenig zu kritisieren übrig. Einziges Problem aus meiner Sicht war erneut der fehlende Regenschutz bei den Duschen. Der Umkleidebereich unter freiem Himmel ermöglichte es zwar, nach heißer Dusche vom kalten Wind angenehm abgekühlt zu werden, irgendwie trocken werden möchte man dann aber doch ganz gerne. Das wird leider etwas schwer, wenn man keinen trockenen Platz zum Anziehen findet.

Das möchte ich jedoch eindeutig in der Rubrik der kleinen Beschwerden einordnen, da es sonst wenig zum Meckern gab.

2017 warf das Wetter so einiges um, bevor nach 2018 und 2019 Corona zuschlug. 2022 bis 2024 ging es dann zum Glück weiter.

Folgen des anstehenden Umzugs waren überall zu spüren. Besonders stark wirkte sich der Umzug auf die Bauten auf, die jedes Jahr vorher errichtet und hinterher wieder abgebaut und eingelagert werden mussten. Die ohnehin anstrengenden Bautätigkeiten wurden dieses Jahr dadurch erschwert, dass sämtliches Material inklusive der Tore und Palisaden zum neuen Gelände transportiert werden musste. Als Folge der Mehrbelastung standen daher zahlreiche Palisaden dieses Jahr nur teilweise oder gleich gar nicht und wurden durch einen Schlagbaum ersetzt. Dies tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Schnäppchenjäger*innen konnten in der Stadt durch stark reduzierte Ware ihren Fundus aufstocken, denn hier galt, was verkauft wird, muss nicht mehr transportiert werden.

Auch dieses Jahr zeigte sich das Drachenfest wieder von seiner besten Seite.

Fazit

Insgesamt war das Drachenfest 2025 eine gelungene Veranstaltung und ein bewegender Abschied von einem liebgewonnenen Gelände. Spieler*innen wie Orga war am Ende anzumerken, dass eine Ära zu Ende gegangen war. Eine Ära, die mit dem diesjährigen Drachenfest auch würdig beendet wurde und zugleich die Freude auf das neue Geländer geweckt hatte.

 

Artikelbilder : © DrachenFest UG (haftungsbeschränkt)& Co. KG, Bastian Lübbe
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Gloria Puscher
Fotografien: Bastian Lübbe, Nabil Hanano

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