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Das DrachenFest ist seit vielen Jahren auf dem Quast in Diemelstadt zu Hause. Als plötzlich der Geländeverlust drohte, musste ein neues Gelände her. Wir haben mit Sandra, Fabian und Jannis über den Umzugswahnsinn und die großen Pläne für das neue Gelände in Waldeck am Edersee gesprochen.

Für viele in der Larp-Community waren diese News ein Schock: Das DrachenFest muss seine Heimat auf dem Quast aufgeben. Im Mai war es dann soweit, das Team konnte einen neuen Platz, nicht weit der alten Heimat, präsentieren. Kurz vor dem letzten DrachenFest auf dem Quast nutzten wir die Gelegenheit, um mit einem Teil des Teams zu sprechen.

Sandra ist Geschäftsführerin und Gründerin der DrachenFest UG & Co. KG. Gemeinsam mit Fabian hat sie Europas zweitgrößtes Live-Rollenspiel gegründet, das nun auch Ableger in den USA und Australien hat.

Fabian hat nicht nur mit Sandra das DrachenFest begründet, sondern hatte auch einen der erstes Larp-Geschäfte in Deutschland. Heute verantwortet er hauptsächlich Wyvern Crafts.

Jannis ist schon in zweiter Generation im DrachenFest-Team. Nach er in verschiedenen Bereichen aktiv war, ist er nun Teil der Veranstaltungsleitung und verantwortlich für Sicherheitsfragen.

Interview

Teilzeithelden: Das DrachenFest steht kurz bevor und ihr nehmt euch nochmal Zeit für uns. Vielen Dank erstmal! Als ihr von den Plänen gehört habt, dass eine Photovoltaik-Anlage auf dem Quast montiert werden soll, war das ein großer Schock?

Sandra: Sehr gerne! Wir sind grad zwar viel im Stress, aber auch voller Energie. Ein großer Schock war es ehrlicherweise nicht. Wir hatten immer vermutet, dass früher oder später der Verpächter andere Pläne hat. Dennoch verursacht so etwas erstmal Stress.

Teilzeithelden: Ihr seid sofort in die Suche nach einem neuen Gelände eingestiegen, aber wie findet man ein Gelände für eine Groß-Con? Die Anforderungen sind ja doch ein bisschen anders als für Finsterer Forst 3?

Fabian:  *lacht* So unterschiedlich sind die vermutlich gar nicht, nur eben alles eine Nummer größer. Tatsächlich mussten wir nicht ganz von Null starten. Das DrachenFest ist seit Jahren ausverkauft; nicht, weil wir nicht gerne mehr Spielende hätten, sondern weil das Gelände und die Sicherheitsanforderungen nicht mehr hergeben. Wir haben uns daher immer wieder unverbindlich umgesehen, ob sich was ergibt. Jetzt hatten wir dann doch mehr Druck als davor.

Jannis: Wichtig ist, strukturiert mit einem Plan vorzugehen, ein Grund warum so eine Suche viel Zeit kostet. Zunächst lohnt es sich, ganz klassisch über Netzrecherche nach entsprechenden Flächen zu suchen und dann auch mit Google-Maps und Satellitenaufnahmen erste Kandidaten zu identifizieren. Wie hügelig ist das Gelände, gibt es Wind- und Schattenschneisen, welche Möglichkeiten für Zu- und Abfahrt gibt es, wie sieht es mit Parkplätzen aus, gibt es befestigte mögliche Rettungswege, wie nah wohnen die nächsten Einwohner, wie ist die Infrastruktur in der Nähe? Und das sind nur ein paar wenige von vielen Faktoren.

Sandra: Hat man ein paar Kandidaten identifiziert, beginnt das Klinkenputzen. Nicht alle Gemeinden und Geländebesitzer haben eine Idee davon, was ein Live-Rollenspiel ist, geschweige denn in der Größe vom DrachenFest. Viele denken zuerst an Festival und sind nicht unbedingt begeistert. Daher haben wir ein Exposé über das Hobby, das DrachenFest und natürlich uns als Unternehmen erstellt und an verschiedene Städte und Gemeinden versendet, mit der Bitte uns zu unterstützen.

Teilzeithelden: Und Waldeck hat zugeschlagen?

Jannis: Nicht nur. Auch andere Gemeinden waren uns aufgeschlossen. Aber Waldeck war unser klarer Favorit. Wir hatten immer wieder in den letzten Jahren Kontakt zur Domanialverwaltung, die verwaltet immerhin die größten Flächen in Hessen. Mit Waldeck bot sich uns eine fantastische Möglichkeit. Größe, Infrastruktur und eine aufgeschlossene Gemeinde passten perfekt.

Fabian: Und die Besitzverhältnisse waren klar.*schmunzelt*

Teilzeithelden: Die Besitzverhältnisse?

Fabian: Man sollte meinen, dass in einem rechtsstaatlich gut aufgestellten Land wie Deutschland sowas immer klar ist. Wir haben gelernt: Ist es gar nicht. Dann sind Flächen geteilt, es gibt eine Erbengemeinschaft mit unklarer Verwaltung, Gelände gehen über mehrere Gemarkungen ohne klare Verwaltungszuständigkeit und, und, und. Sowas ist natürlich vollkommen undenkbar, um ein Event unserer Größe durchzuführen. Das Zusammenspiel mit Verpächter und Verwaltung ist das A und O und da müssen Zuständigkeiten klar sein.

Teilzeithelden:  Warum überhaupt der Stress, es gibt zwei große erschlossene Larp-Gelände in Deutschland?

Jannis: Das hatten wir tatsächlich auch im Hinterkopf. Bexbach schied aus, zu wenig Parkplätze und für viele unserer Teilnehmenden nicht gut zu erreichen. Wir wollten so gut wie möglich zentral in Deutschland bleiben. Brokeloh ist zwar wunderbar erschlossen, aber zwei Events kurz hintereinander wären logistisch kaum machbar. Daher haben wir beide Gelände nicht weiterverfolgt.

Teilzeithelden: Ihr habt bereits angekündigt, dass ihr in Waldeck mehr plant als bisher auf dem Quast. Was dürfen wir erwarten?

Sandra:  Wir haben einen Pachtvertrag über 20 Jahre geschlossen, für ein traumhaftes Gelände mit 95 Hektar. Es wäre eine Schande, hier nicht mehr zu machen, das haben wir auch von Anfang an der Domanialverwaltung klar kommuniziert. Nicht nur ein Event im Jahr.

Fabian:  Wir haben schon immer davon geträumt, ein Gelände zu haben, auf dem wir mehr machen können. Natürlich wird das DrachenFest immer das größte Hauptevent bleiben, aber jetzt haben wir die Chance, mehr zu machen.

Wir planen daher, sowohl das Zeit der Legenden als auch das Zeit der Abenteuer auf das neue Gelände zu verlegen.

Teilzeithelden: Also 2026 schon drei Cons auf dem neuen Gelände?

Jannis:   Nein, das noch nicht. Wir wollen erstmal das DrachenFest 2026 auf dem neuen Gelände umsetzen. Zudem wollen wir erstmal erheblich in die Infrastruktur investieren, um das Gelände fit für weitere Events zu machen. Wenn uns das im nächsten Jahr gelingt, ziehen unsere Zeit der Legenden und Zeit der Abenteuer baldmöglichst um. Außerdem möchten wir den zahlreichen Hobby-Orgas rund um das DrachenFest-Umfeld, aber auch Dritten das Gelände zugänglich machen.

Teilzeithelden: Euer Konzept sieht aber nicht nur Larp vor.

Sandra: Wir möchten das Gelände einer möglichst breiten Masse an Menschen, insbesondere auch aus der Region, erschließen. Daher planen wir zum Beispiel mittelalterliche Märkte, auch unter Einbindung des Schlosses. Darüber hinaus möchten wir Angebote für Jugendarbeit aufbauen und auch gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt an Projekten über Gamification in Bildung und Arbeit arbeiten.

Teilzeithelden: Das klingt nach einem ambitionierten Vorhaben. Wie realistisch ist das alles?

Jannis: Das ist definitiv ambitioniert, aber wir brennen nun mal für das Hobby und das Gelände. Daher wollen wir nun erst alles Schritt für Schritt machen, um uns nicht zu verzetteln. Daher wird 2026 der Fokus auf dem DrachenFest liegen. Parallel arbeiten wir mit einem Planungsbüro, den Behörden und Versorgern an einem Plan für die zukünftige Nutzung. Neben Zu- und Abfahrten muss der Naturschutz weiter sichergestellt sein und definiert werden, wo was in der Zukunft machbar ist. Dort benötigen wir dann Wasser, Abwasser und eventuell Strom. Eine Herzensangelegenheit wären uns dabei feste Sanitäranlagen, in die Kulisse eingebettet. Aber wir haben noch viel mehr Ideen! Doch wie gesagt, Schritt für Schritt.

Teilzeithelden: Ihr wart bereits vor Ort aktiv und habt am Edersee-Jubiläum teilgenommen. Wie war die Resonanz?

Fabian: Uns ist es wichtig, die Anwohner und Anwohnerinnen Waldecks und der Umgebung auf unsere spannende Reise mitzunehmen. Da bot sich dieses schöne Event gleich an. Hier konnten die Menschen uns und unser Hobby hautnah kennenlernen, Fragen stellen oder auch Sorgen äußern. Dieser Austausch ist immens wichtig für uns. Wir wollen nicht nur Gast in Waldeck sein. Wir wollen Teil dieser Gemeinde sein und gemeinsam etwas Tolles erschaffen.

Sandra: Wir wurden sehr herzlich auf dem Fest empfangen und hatten viel Zuspruch. Das macht uns stolz und zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Daher arbeiten wir derzeit an einer Einstandsveranstaltung: einen mittelalterlichen Frühjahrsmarkt rund um das Schloss Waldeck mit einem Schwerpunkt auf Märchen und Sagengestalten. Der Markt wird sowohl zum Schlendern als auch mitmachen einladen. Wir freuen uns schon riesig!

Teilzeithelden: Vielen Dank für eure Zeit und ganz viel Spaß beim letzten DrachenFest auf dem Quast.

 

Artikelbilder: © DrachenFest UG & Co KG, Header: Collage unter Nutzung von © Nabil Hanano
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Saskia Harendt

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