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Eine spannendere Endschlacht, mehr Drama im Nebel und jede Menge Zündstoff für Geschichten: Das Epic Empires hat in 2025 wieder einige neue Schritte gewagt, getreu dem Motto „Larp für Erwachsene“. Während die Lager den Wettkampf wagten, hatte Neu-Ostringen derweil mit verdorbenem Korn alle Hände voll zu tun…

Ein großer Sandkasten für elf verschiedene Themenlager und gefühlt mehr Angebote als Nachfrage: Dafür steht das Epic Empires auf dem Utopion-Gelände. Im 15. Jahr der Veranstaltung wurde mit rund 1500 Teilnehmenden nun ein neuer Rekord aufgestellt. Bei der Fülle an kreativen Köpfen wurde entsprechend fleißig gehandelt, debattiert und natürlich in Schlachten schön gekämpft. Das galt genauso für die Freistadt Neu-Ostringen, die sich nicht nur über neue Viertel freuen durfte, sondern nach dem Erfolg von 2016 erstmals wieder als eigene Fraktion mitmischen durfte. Viele bunte Eindrücke vom Auf- und Abbau sowie während der Veranstaltung werden in diesem Bericht kurz vorgestellt. Ein Hinweis vorweg: Als stolzer Bürger Neu-Ostringens ist der Blick des Autors entsprechend gefärbt, was die Betrachtung der Ereignisse angeht.

Triggerwarnungen

Fantasy-Gewalt, Horror, Kannibalismus

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Park dich glücklich!

Rund 1500 Menschen auf dem Platz, das heißt: mehr Zelte, mehr Deko, mehr Gewandung und natürlich mehr Autos. Wer sich an das Epic Empires 2024 zurückerinnert, wird vermutlich auch daran denken: ein Mangel an Parkplätzen. Darum hatte das EE-Team in den vergangenen Monaten auch alles darangesetzt, mehr Flächen für Autos und Anhänger zu finden – mit Erfolg: Ein dritter nahegelegener Parkplatz für Orgas und Aufbauhilfen konnte die Situation vor Ort deutlich entlasten. Zudem hatte Team Infra einen, zugegebenermaßen abenteuerlichen, neuen Waldweg organisieren können, wodurch das Einbahnstraßen-System rund um die Panzerstraße anders gestaltet werden konnte. Zumindest aus Stadtperspektive gab es hier kein negatives Feedback. Die Hoffnung bleibt, dass die neue Wegführung und der dritte Parkplatz auch im kommenden Jahr wieder zur Verfügung stehen.

Aufbau und Abbau Knaller-Stimmung durch und durch

Böse Zungen könnten behaupten, ein Epic ohne eine kurzfristige mittelschwere Krise vor dem Start gehört zur Larp-Erfahrung mit dazu. Nach Krankheitsfällen im Vorjahr lag der Grund hierfür womöglich im Erdboden: Wie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Mitte Juli informierte, gebe es Verdachtsfälle für Überreste an Munition rund um das Üb-Haus. Konkret bedeutete dies, dass die Zeltplanung der Stadt noch einmal komplett angepasst werden musste, weil in einem gewissen Bereich keine Zeltheringe mehr in den Boden gehauen werden dürften. Ein noch schwereres Schicksal ereilte die St.-Clara-Jünger*innen aus dem Pilgerlager. Diese mussten sogar komplett von ihrem Stammplatz abziehen und gegenüber dem Elbenlager auf dem Gelände spontan eine neue Wehrverteidigung aus dem Boden stampfen. Neben ihnen hatte außerdem der Grüne Komet eine neue Lagerposition eingenommen, nachdem die Fanatiker*innen aus der Stadt im Vorjahr hinausgejagt worden waren.

Bei all diesen zusätzlichen Herausforderungen zeigte sich einmal mehr, aus welchem Holz die Spielenden beim Epic Empires geschnitzt sind. Viele Lagerleitungen boten spontane Hilfe in Form von Aufbautrupps an und auch ein Shuttle-System wurde kurzfristig per WhatsApp organisiert. Gemeinsames Larpen verbindet eben. Positiv hervorzuheben war ebenfalls die Wettersituation während der Zeit der Festspiele. Kein Regen, hin und wieder ein laues Lüftchen und angenehme Temperaturen rund um 20 Grad Celsius sorgten dafür, dass auch voll gerüstete Einheiten keinen Hitzetod im Feld sterben mussten. Gleiches galt für den Sonntag, weshalb die Zelte alle trocken in die Autos geladen werden konnten.

Wie im Vorjahr waren für die Stadt eine Reihe an Abbau-Aufgaben vorher angekündigt worden, welche von einzelnen Gruppen und Vierteln übernommen werden mussten. Hinzu kam eine größere Aufräum-Aktion des alten Holz(müll)-Lagers im Stadt-Bereich, bei dem zahlreiche freiwillige Kräfte am Dienstag mit anpackten. An dieser Stelle noch einmal ein großes Lob an die Freiwilligen von den Luxunitern, die ohne Murren ganze Baumstämme in Richtung Holzmüll wegtrugen. Die Stadtbevölkerung dankt herzlich!

Ein letztes Wort noch zur Abreise-Situation am Sonntag: Hier griff das Stellplatz-System der EE-Orga deutlich besser. Das lag zum einen an der Kooperation der Spielenden und zum anderen daran, dass die Stadt sich ihre Stellplätze nicht mit den Pilgern teilen musste. Das System kann mit entsprechenden Anpassungen, sollten diese wieder an ihren Stammplatz zurückkehren, gerne fortgeführt werden.

Rein ins IT – Grüner Rauch steigt auf

Das Eröffnungsritual am Mittwochabend zeichnete sich neben der neuen Sound-Unterstützung vor allem durch viel aufgestaute Wut aus. Während der Zeremonienmeister gegen die Uruks wetterte, weil diese den Lesath und Stadtheiligen Pazu im Vorjahr geopfert hatten, legte Herrin Ioleth noch eine Schippe drauf: Als „Lehrerin“ kündigte sie an, den Orks eine gehörige Lektion zu verteilen. Die Zusammenkunft, siegreiches Lager des Vorjahres, verkündete in grünen Nebel gehüllt, den richtigen Pfad voranzuschreiten. Die ausgesprochenen Warnungen führten schnell zu ersten Scharmützeln – alles in allem also ein passender Auftakt für das, was folgen sollte.

Von schlechtem Korn und Menschenfressern

In Neu-Ostringen konnten am Mittwochabend bereits einige beunruhigende Geschehnisse beobachtet werden. Mehrere Milizionär*innen klagten über Bauchschmerzen, während andere in einen aggressiven Wahn verfielen. Auch vereinzelte Wiedergänger schlurften durch die Straßen und ließen sich von den Bürger*innen selbst mit Waffengewalt nicht aufhalten.

In der ersten Stadtratssitzung am Donnerstag berichtete die Sonderermittlerin Maren Teschner von einigen erschreckenden Erlebnissen auf den Gehöften. Unter der Leitung von Mutter Elise aus dem Spießergarten machte sich eine Sonderkommission daran, alle fachkundigen Kräfte vor Ort zu sammeln. Für die weitere Erforschung, ob nun der Boden oder das Korn selbst verdorben sei, wurden außerdem Meinungen von den Heiler*innen aus dem Alten Weg, der Zusammenkunft und den Elben eingeholt. Maßgeblich an den Ermittlungen beteiligt war dabei der Seuchenvogt Geralt Kronbaum, welcher für die Rettung der Stadt so manchen Meter während der Festspiele zurücklegte.

Der Hunger in der Stadt blieb derweil nicht unbemerkt: Alle noch verfügbaren Vorräte waren vorsorglich in die Arrestzelle der Büttel gebracht worden, was nicht wenige diebische Gestalten anzog. Donnerstagnacht überschlugen sich die Ereignisse. Während im Quartier Culotte fröhlich das Jacquegassen-Fest zelebriert wurde, tauchten mehrere Vetteln auf und kündigten Konsequenzen an, sofern der Völlerei kein Einhalt geboten werde. Es folgte eine Horde an Wiedergängern, die schlurfend umherzogen und für Aufruhr sorgten. Die parallel eintreffenden Feenwesen der Großen Jagd halfen nicht dabei, die Situation zu beruhigen. Als fürchterlicher Höhepunkt erschien außerdem der Wendigo, eine Manifestation des Hungers im Glauben des Alten Weges, welcher so manches Opfer forderte. Allen Beteiligten war klar, dass das Korn-Problem weitreichendere Folgen hatte als zunächst erwartet.

Die Jagd nach dem Heilmittel

Eine imperiale Untersuchung von Prof. Dr. Dr. Goldschneider kam am Freitag zum Ergebnis, dass der Stadt nur wenige Alternativen blieben. Es müsse damit gerechnet werden, dass alles Korn niedergebrannt und alle Böden gesalzen werden müssten. Ein gesammelter Theriak vom Alten Weg schien kurz Hoffnung zu geben – allerdings war mit der nötigen Beständigkeit nach der Niederlage in der großen Schlacht längst nicht mehr zu rechnen. Nur dank des Einsatzes der Elben in einer aufwendigen Zeremonie wurde ein Heilmittel geschaffen: das Myko Mortem. Dieses soll nun zumindest einen Teil der Felder rund um Neu-Ostringen retten.

Parallel dazu bereiteten sich die städtischen Kräfte gemeinsam mit dem Alten Weg auf eine Jagd des Wendigo vor. Dieser sollte, wie es die Nebelgeborenen erklärten, in einen Stein gebannt werden. Es folgte ein dramatischer Kampf, bei dem so einige tapfere Städter*innen ihr Leben ließen. Letztlich konnte das dunkle Wesen aber gebunden werden und soll künftig wohl keine Herausforderung mehr darstellen …

Leben und Vergnügungen in der Freistadt

Neben dem großen Hauptplot blieb für die zahlreichen Besucher*innen Akés natürlich viel Zeit, sich in Neu-Ostringen kulinarisch oder kulturell zu vergnügen. Ob Bard*innen und Künstler*innen, ein Zuber-Besuch oder eine Tanzstunde, an jeder Ecke wurden wieder viele tolle Spielangebote dargeboten. Auf Anraten der Oberstadt wurde dementsprechend beschlossen, Neu-Ostringen künftig als Kurstadt „Bad Neu-Ostringen“ zu vermarkten. Im Bard*innenwettstreit sicherte sich Alpin O’hara aus der Taverne „Zum Blutigen Helm“ die Herzen des Publikums. Mit einer gewürzten Pferdezunge wusste dagegen ein Ork im Kochwettbewerb zu überzeugen.

Leider zeigten sich nicht alle Gäste in den Gassen von ihren besten Seiten. Für einen Tumult sorgte beispielsweise ein Grüppchen an imperialen Stirländern, welche die Kender bedrohten. Bei der Verfolgungsjagd im Quartier Culotte standen die Soldat*innen allerdings einigen angriffsbereiten Bürger*innen gegenüber, welche mit der Rotte kurzen Prozess machten. Gefeiert wurde in diesem Jahr ebenfalls die offizielle Gründung eines „Schützenvereins“ in der Stadt, getreu dem Motto „Schießen lernen, Freunde treffen“.

Den grandiosen Abschluss am Samstagabend bildete der beliebte Talentwettbewerb. Teils sehr spontan zeigten die teilnehmenden Männer und Frauen jeweils ein Abendgewand, ein Nachtgewand sowie ein besonderes Talent. Tosender Applaus und schallendes Gelächter waren das Ergebnis des Wolkenschiebers aus der Messergasse, der in seiner Imitation einer dramatischen Lesung von „Lady Cuttlefish“ Jury und Publikum verzauberte. Bei den Damen dagegen erreichte eine Pilgerin die höchste Punktzahl, nachdem sie ein in ihrer Muttersprache geschriebenes Lied auf Niederländisch vortrug und alle Wesen vor der Bühne zum Mitklatschen animierte.

Tausend Kinder warten auf Mutti

Als großer Schrecken im Dickicht dunkler Bäume wird seit mehreren Jahren von einer „Schwarzen Ziege der Wälder“ in Aké berichtet. Nicht wenige, die sich von einem Kinderlied begeistern ließen, beten seither im Verborgenen zu ihrer „Mutter“, welche ihre „Tausend Kinder“ beschützen soll. Nach einem großen Ritual im Vorjahr, bei dem nach Augenzeug*innen-Berichten die „Ziege“ ihr wahres Gesicht zeigte, versuchten die Jünger*innen aus der Stadt in diesem Jahr ebenfalls Kontakt aufzunehmen. Das gerufene Wesen mit tausend Füßen wagte sich bei der dunklen Messe jedoch nicht aus dem Nebel heraus. Doch damit nicht genug: Nach weiteren Angaben soll ein Trupp an Luxunitern anschließend den Kult erfolgreich niedergemetzelt haben. Ob die „Mutter“ ihren Kindern noch einmal helfen wird, bleibt abzuwarten …

Fraktionen auf Bannerjagd – Schlachten und Scharmützel

Eine „große Schlacht“ gehört für viele zu einer Schlachtencon einfach dazu. Um aus dem Hauen und Stechen aber spannendere Konflikte herauszubekommen, hatte sich in diesem Jahr eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Lagern im Vorfeld zusammengefunden. Als eine große Neuerung wurde zunächst der Termin auf Freitag um 17 Uhr verlegt, damit noch genug Zeit für das Ausspielen der Auswirkungen bleibt. Jedes Lager sowie die Stadt als Verbund hatten die Möglichkeit, sich einer von drei Fraktionen anzuschließen. Diese wollten entweder den Nebel schwächen, ihn stärken oder den Status quo erhalten. Da die eigene Position erst zum Schlachtbeginn durch Rauchschwaden öffentlich wurde, kamen so einige unerwartete Bündnisse zustande.

Ziel war es, die gegnerischen Truppen zu besiegen, ihr Banner zu sammeln und sicher zu einem Punkt auf dem Schlachtfeld zu tragen. Die Zusammenkunft, das Norrelag, die Horden des Chaos, der Grüne Komet und die Pilger fanden sich im Getümmel auf der gleichen Seite wieder – sie alle wollten den Nebel stärken. Luxuniter, Imperium, Antike, das Lager des Königs und die Orks hingegen setzten alles daran, den Nebel zu schwächen. Damit blieben lediglich das Heer der Elben und die Stadt Neu-Ostringen auf der neutralen Seite. Durch einige schnelle Manöver und fähige Läufer*innen gelang es dieser kleinsten Gruppierung tatsächlich, sechs Banner zu erlangen – ein wohlverdienter zweiter Platz. Leider war die Masse der „Nebel-Verstärker“ am Ende ausschlaggebender: Diese sicherten sich mit acht Bannern letztlich den Gesamt-Sieg.

Für das kommende Jahr bedeutet die Stärkung des Nebels nun, dass dieser mehr Einfluss gewinnt und sich nun auch außerhalb Akés ausbreiten kann. Wer es wagt, sich Hilfe von der unkontrollierten Macht zu holen, könnte mit entsprechenden Ritualen mehr Erfolg haben – etwa, um den getöteten Pazu zurück unter die Lebenden zu holen. Gleichzeitig werden auch die Angriffe verschiedener Monstren wie etwa der schwarzen Ziege der Wälder nun wahrscheinlicher …

Neben diesem Gefecht boten die Festspiele natürlich viel Zeit für andere Scharmützel. Bei den Kämpfen rund um die zwei Schreine sicherte sich der Grüne Komet mit zehn Aufladungen das beste Ergebnis. An anderer Stelle hauten Pilger und Elben kräftig aufeinander ein, als sie im Zuge einer „Baumschulung“ über das Pflanzen von frischen Setzlingen in den Streit gerieten. Die Imperialen hatten alle Mühe, ihren neu geschaffenen Außenposten vor den Toren von Chaos und Orks zu versorgen und zu verteidigen. Eine weitere Fehde zwischen Stadt und Antike sorgte am Donnerstag für gleich mehrere Zusammenstöße.

Fazit: Nach 15 Jahren mit Herzblut dabei

Über eintausend Geschichten auf dem Epic Empires später heißt es jetzt wieder: „Bis hoffentlich bald“ oder „Wann ist endlich wieder August?“. Im 15. Jahr der Veranstaltung ist das Feuer bei den Teilnehmenden weiterhin deutlich spürbar. Es ist eine Binsenweisheit, aber ohne das Herzblut des EE-Teams und aller NSCs dahinter wäre dies nicht möglich. Kurzfristige Auflagen und Herausforderungen haben erneut viel Schweiß, Nerven und Herzblut gefordert. Deshalb an dieser Stelle: Vielen Dank an alle, die sich auf und rund um die Veranstaltung einsetzen. Wie im Vorjahr gilt: Damit auch künftig ein Epic Empires möglich ist, braucht es engagierte Menschen im Verein. Mehr über die Möglichkeiten der Mitgestaltung werden hier aufgeführt.

Mit viel Herzblut werden jedes Jahr aufs Neue große Bauten gezimmert.
Mit viel Herzblut werden jedes Jahr aufs Neue große Bauten gezimmert.

Ähnlich spannende Entwicklungen ereigneten sich bei den anderen beiden deutschen Großcons in diesem Jahr. Das Drachenfest feierte den offiziellen Abschied vom Quast, während beim Conquest of Mythodea ein neuer Kontinent erkundet wurde. Wer genaueres über den Nebel in Aké erfahren möchte, kann dazu mehr im Bericht im vergangenen Jahr lesen.

 

Artikelbilder: © Epic Empires e.V.
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Saskia Harendt
Fotografien: Epic Empires e.V., Hagen Hoppe

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