Unheimlicher Nebel, packende Schlachten und dunkle Rituale: Das Epic Empires versprach in diesem Jahr wieder „Larp für Erwachsene“. Während die Lager wie gewohnt Scharmützel gegeneinander führten, kam es auch an den Stadttoren zu Gefechten und Verbannungen. Dabei stand die Durchführung der Con vor IT-Start noch auf der Kippe …
Ein Ende mit Schrecken und nebulöse Aussichten für die Zukunft: Das Epic Empires bot in diesem Jahr wieder einen großen Sandkasten, in dem die elf großen Lager ihre Konflikte austrugen. Parallel dazu erlebten die Teilnehmenden in der Freistadt Neu-Ostringen mit seinen sechs Vierteln wieder eine bunte Mischung an kurzweiliger Unterhaltung und dramatischen Ereignissen. Einige Eindrücke beim Aufbau, während der Veranstaltung und beim Abbau sollen hier vorgestellt werden. Ein Hinweis vorweg: Als stolzer Bürger der Freistadt Neu-Ostringen ist der Blick des Autors entsprechend gefärbt, was die Betrachtung der Ereignisse angeht.
Fantasy-Gewalt, Horror
Wohin mit den Autos?
Es war zu Beginn schon eine ambitionierte Aufgabe: Die Zahl der Tickets für das diesjährige Epic Empires war von rund 1100 in 2023 auf rund 1300 in 2024 erhöht worden. Was verglichen mit anderen Großcons eher marginal klingt, zog für die Larp-Veranstaltung auf dem beliebten Utopion-Gelände jedoch eine Reihe an Herausforderungen mit sich. Bereits im Vorfeld wurde deutlich, dass die bisherigen knappen Parkplatzmöglichkeiten in diesem Jahr nicht nur vollends ausgeschöpft, sondern eindeutig überschritten würden. Wie gewohnt wurde das Thema zum Motto der Veranstaltung auf den Armbändchen verewigt: „Zu viele Helden, zu wenig Platz“. Die Lager- und Viertel-Orgas zeigten hier Eigeninitiative und organisierten unabhängig davon weitere Parkplätze und eigene Shuttle-Möglichkeiten für mehrere Spielende.
Aufbau und Abbau – Gemeinsam sind wir stark
Kurz vor dem Start der Veranstaltung wurde noch einmal gezittert: Aufgrund gesundheitlicher Ausfälle war das EE-Team noch einmal maßgeblich geschrumpft. Es wurde darüber gesprochen, dass im Notfall sogar die ganze Con abgesagt werden müsse, wenn die Lage sich weiter verschärfe. Dass trotzdem alles glimpflich ausgegangen ist, muss an dieser Stelle der Hilfsbereitschaft vieler Menschen angerechnet werden. Zahlreiche Personen meldeten sich noch während des Aufbaus als Unterstützung, um tatkräftig mit anzupacken.
Wenig zu beanstanden hatten die Teilnehmenden dagegen mit einem Blick auf das Wetter. Bei klarem Himmel lief der Aufbau zügig und ohne größere Vorkommnisse. Die sommerlichen, aber nicht zu heißen Temperaturen setzten sich von Mittwoch bis Freitag fort. Der Umschwung folgte am Samstagabend, als Regen und kräftigerer Wind angekündigt wurden. Langanhaltende Schauer blieben glücklicherweise aus, sodass am Sonntag alle Zelte weitestgehend trocken eingepackt werden konnten.
Um Kräfte des EE-Teams zu schonen, waren im Vorfeld eine Reihe an Abbau-Aufgaben kommuniziert worden, welche einzelne Gruppen und Viertel übernehmen sollten. Diese wurden in der Praxis ohne Murren durchgeführt, um allen eine möglichst zügige Abreise zu erlauben. Lobenswert zu erwähnen sind viele zusätzliche Kräfte, unter anderem eine Hundertschaft an Ork-Spielenden, welche freiwillig bei der Bewältigung des Abbaus aktiv wurden. Aus Sicht der Stadtbevölkerung sei hier stellvertretend noch einmal gesagt: Dankeschön!
Starke Nerven wurden dafür bei der Situation der Parkplätze für den Abbau benötigt. In der Stadt standen zunächst nur zwölf Stellplätze zur Verfügung, bei denen die EE-Orga Kärtchen mit der entsprechenden Zahl ausgab. Zum frühen Mittag hatte sich allerdings eine lange Schlange an Personen gebildet, die abreisen wollten und in der heißen Sonne auf ein Kärtchen warteten. Hier werden die Verantwortlichen im kommenden Jahr noch nachbessern müssen. Insgesamt verlief der Abbau jedoch besser als bei den vergangenen Veranstaltungen.
Rein ins IT – Ein nebulöser Start
Dass bei den Festspielen in diesem Jahr einiges anders laufen würde, zeigte sich bereits beim Eröffnungsritual. Dieses begann erstaunlicherweise pünktlich und erstmals mit technischer Sound-Unterstützung. Statt großen Reden aller Lager hatten sich die Beteiligten darauf geeinigt, lieber Taten und nicht Worte sprechen zu lassen. Als letztjährige Sieger der Endschlacht durfte die Antike einige Worte an die versammelten Völker richten. Kurz darauf kam es zu einer Druckwelle und dem Aufstieg eines roten Nebels. Zu den ersten Opfern zählten der Zeremonienmeister sowie Pazu, einer der mächtigen Lesath. Während ein Großteil des Publikums verschreckt in ihre Heimstätten zurückkehrten, kam es zu Untersuchungen des Bebens rund um die Pyramide. Dabei wurde ein mysteriöser Schädel aus Lesathium entdeckt, ein seltenes Material mit besonderen Eigenschaften …

Viel Betrieb in der Freistadt
Eine Stärke der Neu-Ostringer Wirtschaft ist seit jeher das kulturelle und kulinarische Angebot. Die seit 2023 neue Tavernen-Crew im Blutigen Helm beispielsweise versorgte die Kundschaft am Morgen mit einem fantastischen Frühstücksbuffet und anschließend mit Bier und anderen Getränken über den Tag hinweg. Musikalisch untermalt wurden die Abende von einer Reihe an Künstler*innen, die im Publikum einige Silberpfennige als Bezahlung sammeln konnten.
Für die Unterhaltung stand am Donnerstag ein großes Stadtfest auf dem Programm. Auf dem Marktplatz wurden verschiedenste Glückspiele angeboten, bei denen die Besucher*innen einiges gewinnen konnten. Parallel dazu wurde natürlich fleißig gehandelt. Wer sich von neuesten Kommunikationswegen überzeugen wollte, konnte Gründungsstimmung bei der Semarphoreneröffnung erleben. Ob sich die neue Technologie durchsetzen wird, bleibt fraglich. Im kommenden Jahr bräuchte es weitere Masten. Einen grandiosen Auftritt lieferte der Smutje Smittje aus der Messergasse, welcher mit einer Ode an die die Heimstätte die Herzen des Publikums und der Jury an sich riss. Wer Schönheit und Talent sucht, muss im kommenden Jahr den Gang zum Amt wagen. Dort erwarten der Quaestor sowie die Kassiererin in der Wechselstube im kommenden Jahr mit Schärpe die Bürger*innen.
Dunkle Kulte und gefährliche Wiederkäuer
Ein beeindruckendes und gleichsam grauenhaftes Spektakel erlebten mehrere Personen abseits Neu-Ostringens am Donnerstagabend. Dort versammelten sich einige Anhänger der Schwarzen Ziege der Wälder, um die gefährliche Bestie zu beschwören. Rufe wie „Eine Mutter, tausend Junge“ drangen durchs Blattwerk, als sich tatsächlich ein gehörnter Dämon manifestierte. Dieser lauschte zunächst den Wünschen seiner „Kinder“, welche mit Blut besprenkelt wurden. Die Fortsetzung des Rituals wurde jäh von einem Trupp an Luxunitern unterbrochen, welche gegen die Kultist*innen entschieden und gewaltsam vorgingen. Einige Nebelgeborene, welche der Handlung beiwohnten, hatten sich bereits zurückgezogen, um nicht in die Fänge der Schwarzen Ziege zu geraten. Ob der Kult zerstört wurde, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Genauer nachzufragen könnte ungewollte Aufmerksamkeit auf die eigene Person lenken.

Blut muss fließen – Schlachten und Scharmützel
Während der Festspiele zog es die Miliz und weitere Kämpfende von Neu-Ostringen, NSC wie SC, ebenfalls mehrfach ins Feld. So bewiesen die städtischen Truppen viel militärisches Geschick gegen das Lager der Elben. Hart umkämpft wurde das Lager der Antike in einer Belagerung gemeinsam mit der Zusammenkunft. Der Sieg schien unerreichbar, als im letzten Moment die Meute des Alten Wegs auftauchte und die Bresche durchbrach. So konnte ein weiterer Erfolg für die Stadt verbucht werden.
Spannende Scharmützel wurden ebenfalls um die zwei Schlachtenschreine auf dem Gelände geführt. Jedes Lager hatte im Vorfeld von den Lesath einen Artefaktschlüssel erhalten, welcher angesammelte Energie im jeweiligen Schrein zu gewissen Zeitpunkten aufnehmen konnte. Drei Gruppierungen waren hierbei besonders fleißig. Die Zusammenkunft erreichte vier Aufladungen, das Lager des Königs sechs Aufladungen. Knapp auf das Siegertreppchen schaffte es der Grüne Komet mit sieben Entladungen. Was die Verantwortlichen mit dieser Macht zwischen den Festspielen anfangen, bleibt ihnen überlassen. Die Zusammenkunft gewann außerdem die große Schlacht am Samstag.

Der schwarze Kreuzzug
Finstere Machenschaften riefen am Freitagabend zahlreiche Lager auf den Plan. Das Orkheer-Lager (OHL) sowie die Horden des Chaos (HdC) hatten vermehrt Herausforderungen ausgesprochen und Konflikte gegenüber anderen Lagern geschürt. Rund um die Pyramide in der Mitte der Hauptschlacht-Wiese kam es dann zu einem massiven Gefecht. Lichte Lager, wie Imperium oder Luxuniter, versuchten die dunklen Horden zurückzudrängen. Das Blutvergießen wurde genutzt, um zwei große Rituale durchzuführen. Die HdC öffneten kurzfristig ein Tor, um ihre dunklen Götter nach Aké zu rufen. Die Orks hingegen hatten es auf die Lesath abgesehen und nutzten die Gelegenheit, um Pazu zu töten. Dessen Seele soll nach einigen Berichten noch am Freitagabend gesichtet worden sein, bevor sie sich bei der Zusammenkunft als letzten Ruheort niederließ.
Die grüne Gefahr auf dem Hügel
Das politische Geschehen in Neu-Ostringen wurde neben bekannten Problemen wie etwa der andauernd leeren Stadtkasse vor allem von einem Thema dominiert: Quo vadis Grüner Komet? Das ehemalige Lager war vor einigen Jahren als neues Viertel oben am Hügel mit eingebunden worden und hatte seither wortwörtlich einen „kometenhaften Aufstieg“ gezeigt. In der Justiz, im Kriegsrat sowie bei der Eintreibung der Steuern trafen die Bürger*innen immer wieder auf die Alcyoniten, wie sich die Völker unter dem grünen Banner nennen. Der Missmut gegenüber dem Viertel wurde durch Bedrohungen verschiedener Würdenträger noch verschärft. Ein Flugblatt, auf dem die Umstände genauestens erläutert wurden, brachte das Fass letztlich zum Überlaufen. Es kam zu mehreren Scharmützeln auf den Schlachtfeldern, welche jedoch nicht eindeutig entschieden werden konnten. Unterstützung erhielt die Stadt dabei mehrfach von den Luxunitern, denen die Alcyoniten mit ihrer Anbetung eines schlafenden Gottes bereits seit längerem ein Dorn im Auge sind.
Ein jähes Ende
Mit dem Sonnenuntergang am Samstagabend erreichte der Unmut der Bevölkerung Neu-Ostringens über den Grünen Kometen einen Siedepunkt. Vor der Bühne am Marktplatz wurde öffentlich Gericht gehalten und das Urteil des pöbelnden Mobs fiel eindeutig aus: Endgültige Verbannung. Anwesende der Alcyoniten wurden teilweise ergriffen und den Hügel hinaufgetrieben. Dort hatten sich bereits Truppen des Grünen Kometen versammelt, um sich dem Zorn der Bürger*innen entgegenzustellen. Mit der symbolischen Hinrichtung einer Alcyonitin durch den Nachrichter der Freistadt vor dem Tor des Grünen Kometen wurde deren Verbannung rechtswirksam vollzogen. Im Anschluss kam es zu Handgreiflichkeiten, die durch den erneut einsetzenden Regen jedoch unterbrochen wurden. Angeschlagen zogen sich die Beteiligten in die Zelte zurück. Wie es weitergeht, werden die kommenden Festspiele wohl zeigen.
Sportfieber in Aké
Was war sonst noch so los? Lauter Jubel hallte beispielsweise am Donnerstagnachmittag über den „Sportplatz“ Neu-Ostringens. Zahlreiche Gäste aus Vierteln und Lagern versammelten sich, um das diesjährige Blutball-Turnier zu beobachten. Noch vor einigen Jahren hatte der Kontaktsport mit sinkendem Interesse gekämpft und es war höchstens eine Partie zustande gekommen. Bei den aktuellen Festspielen hingegen waren gleich sechs Mannschaften angemeldet, einige waren erst eine Woche vor Con-Start ins Leben gerufen worden. Ein spannendes Derby erwartete die grölenden Fans gleich im ersten Match: Die imperiale Mannschaft von Arsenal Nuln spielte gegen die Dunkelelben der Dynamo Düsterklingen. Nach einigen spannenden Manövern und Ballgewinnen endete das Spektakel mit einem ausgeglichenen 3:3 – sowie der Disqualifikation beider Teams. Arsenal Nuln hatte Bestechungsversuche unternommen, die Düsterklingen machten ihrem Namen mit Messerangriffen auf die Schiedsrichter alle Ehre.
Nicht weniger Unterhaltung versprach das Spiel von Eintracht Sonnenwacht (Luxuniter) gegen Knocheklobber (Alter Weg), welches mit einem klaren 4:0 für die Eintracht ausging. Es folgte die Partie von Haudrauf Neu-Ostringen, den letztjährigen Champions gegen Wehrtrutz Wagenburg aus dem Lager des Königs. Nach einem packenden 2:2 konnte das Heimteam mittels Trainerduell den Eintritt ins Finale sichern. Die Erfolgssträhne endete für die Haudraufs jedoch am Freitag. Im Finale gegen Eintracht Sonnenwacht konnten die Städter mit neuem Kader nicht an alte Erfolge anknüpfen. Die verabreichten Stärkungsgetränke aus der Kesselgasse reichten nicht aus, die Partie entschieden die Luxuniter mit 6:3 souverän für sich. Die Freude darüber währte nur kurz, da der begehrte Siegespokal von Unbekannten entwendet wurde. Ob die Begeisterung für den Mannschaftssport im kommenden Jahr anhält, wird sich zeigen.

Fazit: Unsichere Zeiten in der Stadt
Das Epic Empires lebt vom großen Engagement aller Beteiligten, das wurde auch in diesem Jahr wieder deutlich. Während der Veranstaltung wurden wieder zahlreiche Geschichten erzählt, Lieder gesungen, Konflikte geschürt und Bündnisse geschlossen. Ein großer Dank gilt an dieser Stelle dem gesamten Epic-Team sowie den GSC, die viel Energie in die diesjährige Con gesteckt haben. Trotz verschärfter Auflagen in einigen Bereichen und kurzfristigen Krankheitsfällen ist es gelungen, wieder schöne Festspiele in Aké auszurichten. Damit das auch künftig so bleibt, braucht es jedoch weiterhin engagierte Menschen, die sich für die Veranstaltung und den Verein einsetzen. Mehr über die Möglichkeiten der Mitgestaltung werden hier aufgeführt.

Ähnlich spannende Entwicklungen ereigneten sich bei den anderen beiden deutschen Großcons in diesem Jahr. Ein überraschender Sieg wurde beim Drachenfest verkündet, während beim Conquest of Mythodea ein neuer Kontinent erschlossen wurde. Wer genaueres über den Nebel in Aké erfahren möchte, kann dazu mehr im Bericht im vergangenen Jahr lesen.
Artikelbilder: © Epic Empires e.V.
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Saskia Harendt
Fotografien: Epic Empires e.V., The Kelric View, photo nummi

















