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Seit nicht all zu langer Zeit ist Fantasy als Genre wieder beliebter, nicht nur bei Erwachsenen und Jugendlichen, sondern auch im Kinderbuchbereich. In dieser Sammel-Rezension werden drei aktuelle Fantasy-Neuerscheinungen des Splitter-Verlags aus dem Comic-Bereich vorgestellt, die sich für klein und groß eignen.

Dieses Jahr sind ein paar spannende neue Titel erschienen, die das Thema Fantasy mit zauberhaften Charakteren und Geschichten vielfältig umsetzen. Die drei Comicbände sind David Eliot – die Schule auf der Schädelinsel (ab 8 Jahren), Elfies Zauberbuch 2 – Die Sage der Zikaden und Der Garten der Feen – Die Feenhirtin (beide ab 10 Jahren). In einer vergleichenden Rezension sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede, aber auch Besonderheiten und Inhalt der drei Fantasy-Neuerscheinungen vorgestellt werden.

Triggerwarnungen

rassistische Andeutungen, Krankheit, Andeutungen von Gewalt, Monster

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Der Garten der Feen – Die Feenhirtin

In diesem magischen ersten Band der Reihe geht es um die junge Lucie, die von ihrer Mutter zu ihrem unfreundlichen Onkel samt hochnäsigem Cousin in die Normandie geschickt wird, zu einem verwilderten Schloss, in welchem sofort alles aus der Natur abstirbt. Sie macht sich mit der Umgebung und den Bewohner*innen bekannt, zeichnet, was sie sieht, und wird dabei alsbald von einem winzigen Wesen beobachtet: Marigold, die naseweise Fee, sieht in Lucie die Retterin für die Bedrohungen gegen ihr Volk und ihre Königin Flora.

Die beiden freunden sich an und stoßen auf ein Tagebuch des vorherigen Feenhirten: des Vaters ihrer Tante, die ebenfalls auf dem Anwesen lebt. Doch es ereignen sich merkwürdige Dinge auf dem Schloss. Lucies übermütiger Cousin ist ernst erkrankt, manche Personen tragen ein mysteriöses Zeichen an ihrem Körper. Überhaupt ist alles sehr geheimnisvoll – und ihr Onkel sieht Lucie als Dorn im Auge.

Marigold bekommt auch noch gewaltig Ärger dafür, dass sie sich mit einer „Sehr-Großen“, wie die Menschen von den Feen genannt werden, eingelassen hat. Und die Gefahr spitzt sich nicht nur für die kleine Fee zu. Auch Lucie gerät in Schwierigkeiten und kommt dank ihrer Beobachtungsgabe und dem alten Tagebuch (in welches wir immer wieder verteilt im Buch einen direkten Einblick erhalten) schnell einer schlimmen Vergangenheit auf die Spur.

Marigold und Lucie sind insbesondere durch ihre verknüpfte Vergangenheit und ihre große gemeinsame Aufgabe detailliert als Charaktere ausgearbeitet, auch andere wichtige Personen (und Wesen) sind in ihrem Wesen genauer skizziert.

Der Stil ist ganz in der Tradition von Serien wie W.I.T.C.H. gehalten, nur sehr viel detaillierter (auch die Hintergründe und Szenerien) und weicher, der Zeichenstil lässt lebendige Schattierungen und Lichtspiegelungen aufleuchten.

Bonus:
In Der Garten der Feen werden innen auf den Umschlagseiten heilende, aber auch giftige Pflanzen vorgestellt.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Audrey Alwett
  • Zeichner*in(nen): Nora Moretti
  • Seitenanzahl: 72
  • Preis: 17,95 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Elfies Zauberbuch – Die Sage der Zikaden (Band 2)

Elfie ist eine von drei Schwestern, die seit einer kurzen Zeit in einem großen, roten, fahrenden Bücherbus unterwegs sind. Die älteste der drei Schwestern, Luna, hat die beiden jüngeren Schwestern kürzlich aus den Fängen ihrer überkontrollierenden Tante geholt. Seither bereisen sie Frankreich im „Stinke Buch“, wie die fahrende Buchhandlung heißt.

Dieses Mal sind sie in der Provence gelandet, bei Alistair, einem Freund ihrer verstorbenen Mutter. Jener ist Autor und wird von Unbekannten in Form von Schmierereien, Diebstahl seiner Schreibmaschine und weiteren Gemeinheiten belästigt.

Natürlich wollen Elfie und ihre Schwestern dem gastfreundlichen Alistair helfen und machen sich daher auf die Suche nach dem*der Übeltäter*in. Doch zu allem Überfluss nerven auch noch seine pingelige Vermieterin und ein Autoren-Konkurrent, die alle in den Kreis der Verdächtigen aufgenommen werden. Aber da ist ja noch Elfies Zauberbuch, das sie einst von ihrer Mutter erhalten hat. Der Clou daran: wenn sie Geschichten in dieses schreibt, dann gibt es ihr für eine begrenzte Zeit magische Hexenkräfte!

Gemeinsam mit Alistair, der ihnen ein Stück aus ihrer Vergangenheit näher bringt, kämpfen sie nicht nur gegen seine Schreibblockade, mit zauberhafter Unterstützung kommen sie den Geschehnissen immer weiter auf die Spur…

Die drei Schwestern sind authentisch und lebensnah dargestellt. Luna ist die tatkräftige, mutige der drei, Magda hat eine Beinprothese und fühlt sich oft etwas vernachlässigt, ist aber sanft und höflich, Elfie ist die ideenreiche der Schwestern und hat immer einen Plan. In diesem Band erfahren die Leser*innen zudem etwas über die Mutter der Schwestern, Mélusine.

Die Comicserie zeichnet ein warmer, lebendiger und humorvoller Zeichenstil aus, das Layout ist abwechslungsreich mit Collagen oder Seiten aus dem Zauberbuch gespickt. Magische Elemente und insbesondere Tag- und Nachtdarstellungen sind sehr gelungen.

Bonus:
In Elfies Zauberbuch findet sich im Buch eine kurze Erklärung der Fächersprache (die, mit denen man sich Luft zufächelt. Hier werden in einer Art Geheimsprache Aussagen anhand der Handhaltung der Fächer übermittelt) – eine tolle Ergänzung zur Geschichte.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Christophe Arleston, Audrey Alwett
  • Zeichner*in(nen): Mini Ludvin
  • Seitenanzahl: 80
  • Preis: 17,95 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

David Eliot – Die Schule auf der Schädelinsel (Band 1)

David Eliot lebt bei seinen schrecklich unangenehmen Eltern und wird von ihnen wie eine lästige Stubenfliege behandelt. David ist miserabel in der Schule und zu allem Verdruss erhält er einen Schulverweis. Am selben Tag, an dem er seinen Eltern dies beichtet, flattert ein mysteriöser Brief ins Haus: Ein Brief, der dem Wunsch der Eltern gerecht wird. Eine Schule namens Groosham Grange, die schön weit entfernt ist und sich um David „kümmern wird“, möchte den 13-Jährigen aufnehmen.

David lernt im Zug drei Gleichgesinnte kennen
David lernt im Zug drei Gleichgesinnte kennen

David wird kurzerhand in ein Taxi zum Bahnhof geschickt und lernt im Zug auf dem Weg zu dieser merkwürdigen Schule Jill und Jeffrey kennen, die ebenfalls auf dem Weg zu Groosham Grange sind und genauso „schwierig“ sind wie er. Die weitere Reise gestaltet sich genauso eindrucksvoll wie die Bewohner*innen des Internats, die allesamt recht abschreckend wirken.

Den drei Freund*innen fällt sehr schnell auf, dass hier etwas gehörig nicht mit rechten Dingen zugeht: einzelne Schüler*innen verschwinden, der Unterricht besteht aus skurrilen Aufgaben wie Wachspuppen herstellen und auch die Lehrkräfte verhalten sich merkwürdig. David beschließt, verdeckt zu ermitteln, doch Jill will unbedingt vom Internat fliehen.

Doch keine Chance, sie landet immer wieder zurück an der Schule. Als David einen Fluchtversuch beinahe schafft, stößt er auf Erkenntnisse und findet sich kurze Zeit später in einem schrecklichen Gruseltrip wieder, der ihn jedoch näher an die Wahrheit bringt als je zuvor… .

Beim Lesen der Beschreibung kann einem das eine oder andere ja sehr bekannt vorkommen. Tatsächlich ist die Handlung an Die Schule des Grauens von Anthony Horowitz angelehnt, die in den 80ern, noch vor Harry Potter, erschienen ist!

Es ist unübersehbar, die Story und auch die Charaktere erinnern stark an Harry Potter. Für alle Lesenden, die mit Harry Potter aufgewachsen sind, sehr ungewohnt, sich jetzt auf diesen Dreierpack einzulassen, die etwas andere Charaktereigenschaften mitbringen als Harry, Hermine und Ron. David ist clever, mutig und verwegen. Jill ist unabhängig und schlau, Jeffrey eher der Sensible, Schüchterne, der sich auch als erster auf die „andere Seite“ ziehen lässt. Zum Glück gelingt das ganz gut, die drei als neue Charaktere aufzufassen und vor Augen zu haben.

Der Zeichenstil wirkt eher etwas verwaschen und blasser, als es sonst bei Lefèvre der Fall ist. Die Farben und Linien sind dezenter, skizzenhafter und die Illustrationen wirken dadurch düster.

Die harten Fakten

  • Verlag: Splitter Verlag
  • Autor*in(nen): Maxe L‘ Hermenier
  • Zeichner*in(nen): Clément Lefèvre
  • Seitenanzahl: 72
  • Preis: 16,95 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Fazit

Insgesamt hat uns Elfies Zauberbuch am meisten gefallen, da es viel Warmherzigkeit, fantastische Ideen und einen wunderschön lebendigen Zeichenstil vereint. Der Garten der Feen ist stellenweise düster und traurig, der Geschichte fehlt das leichtherzige, das bei Elfie immer im Vordergrund steht. Alle Protagonist*innen der drei Fantasy-Neuerscheinungen müssen Lösungen finden und sich auf sich selbst und ihre eigene Kraft, Wissen und Intuition verlassen. David Eliot hat zwar einen spannenden Story-Ansatz und ist noch vor Harry Potter erdacht worden, kann aber plotmäßig nicht voll überzeugen. Auch der Zeichenstil des Zeichners hat in anderen Werken schon mal besser gefallen. Dafür sind die Message und der leichte Goth-Touch vielleicht grade das, was an David Eliot gefallen kann. Und wer schaurige Zauber-Internats-Geschichten mag, kann hier auf seine Kosten kommen.

Ob Zauberbuch, Feen oder monströse Lehrer*innen: alle drei Comicbände regen die Fantasie an und laden dazu ein, sich in ihnen zu verlieren.

Es sind bereits Fortsetzungen erschienen oder angekündigt. Bei Elfies Zauberbuch sind Band eins bis drei bereits veröffentlicht, der vierte Band soll im Oktober kommen. Band eins ist ebenfalls rundum empfehlenswert. Zu Der Garten der Feen wurden bereits zwei weitere Bände für die nächsten Monate angekündigt, von David Eliot erscheint im August der zweite Band auf französisch, daher wird es vermutlich auch einen zweiten Band auf deutsch geben.

Alle drei Comicbände sind im typischen schmalen Format, komplett vollfarbig und hochwertig in Druck- und Bildqualität.

  • Viele schöne fantastische Einfälle und Elemente
  • Zauberhafte Zeichenstile
  • Schnelle Lektüre und Fortsetzungen stehen an

 

  • David Eliot: Story ist leider nicht mehr ganz so neu und kann nicht ganz überzeugen
  • David Eliot: Zeichenstil ist recht blass
  • Der Garten der Feen: zum Teil düstere Story

 

Artikelbilder: © Splitter-Verlag
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Verena Tribensky

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