Welche Momente machen das Leben aus? Was zählt wirklich? In dieser eindrücklichen Graphic Novel Daytripper von Panini Comics wird auf einerseits sanfte, andererseits doch dramatische Weise gezeigt, wie unterschiedlich Lebenseinstellungen sich auf das Erleben auswirken können und wie zerbrechlich aber auch bewegend das Leben selbst ist.
Brás ist Nachrufschreiber, der von einer Karriere als Autor träumt. In dieser Graphic Novel begleiten die Lesenden den Mann in unterschiedlichen Lebensphasen, in denen er sich immer anders und doch ähnlich verhält.
Selbstmord, Unfälle, Mord, Waffengewalt, Tod, Krankheit
Handlung
Kurz gesagt zeigt jedes Kapitel in Daytripper einen Ausschnitt aus einem möglichen Leben von Brás. Jedes Kapitel endet jedoch sehr unerwartet (keine Details dazu, da es Spoiler wären). Was sich etwas deprimierend anhört, ist es zum Teil auch, doch die gezeigten Szenen, Erlebnisse und das Alltagsgeschehen erzählen das vielfältige Leben und Brás Einstellung dazu; die kleinen, wichtigen und die großen, prägenden Momente. Das erste Kapitel wirft schon das Licht voraus auf die Antwort darauf, was Brás eigentlich sucht und ihm dann auch später am Ende des Buches klar wird.

Er ist eher ein risikoscheuer Mensch, der seinen Träumen oft nur nachhängt, statt die Gelegenheiten beim Schopf zu packen. Mal erleben wir ihn, wie er nach einer Trennung einer unbekannten Frau hinterherläuft, von der er sich sicher ist, diese später zu heiraten, einmal ist er mit seinem besten Freund, um den es in den Kapiteln öfters geht, im Urlaub und träumt mit ihm von den vor ihnen liegenden Möglichkeiten und der gemeinsamen Zukunft.

Manche Kapitel führen bereits Erlebtes von Brás fort, manche greifen einzelne Elemente aus anderen Szenen auf. Manche Kapitel zeigen ihn, bzw. seinen Vater, als Kind und beleuchten damit seine Herkunft und Hintergründe. Brás wird immer wieder das Gefühl nicht los, dass sein Leben noch gar nicht richtig begonnen hat.

Charaktere
Wer Brás nun jeweils wirklich war, oder was er von den Lebenssträngen “tatsächlich” erlebt hat, bleibt unklar. Aber das ist Teil der Erzählweise und der Botschaft der Story. Es verdeutlich, wie unterschiedlich ein Leben aussehen kann, wenn sich in einem Moment etwas Kleines verändert, wie im Butterfly-Effekt, und wie Entscheidungen den Lebensverlauf prägen. Sein Charakter bleibt trotz unterschiedlich erlebter Szenen und Momente ähnlich und stringent: eher vernünftig, zurückhaltend, zweifelnd, aber mit einem Wertebewusstsein, zum Beispiel glaubt er an Freundschaft.

Zeichenstil
Der Zeichenstil von Moon und Bá (bekannt für The Umbrella Academy) ist eher grob skizzenartig mit sehr variierender Linienstärke. Die Outlines sind kantig und Details grob schraffiert, die Farben oftmals ungesättigt. Besonders schön sind die Kapitelseiten von Bá, die im verträumten Aquarellstil gehalten sind.
Erscheinungsbild
Hier muss unbedingt noch Dave Stewart genannt werden, der für die Farben im Comic verantwortlich war. Die starken Kontraste in der Nutzung der Farbpalette prägen das Erscheinungsbild in seiner starken Präsenz und die Stimmung durchgehend. Die Qualität der Buchseiten, des Drucks und Bandes an sich wirkt sehr gut und die glänzenden Seiten fühlen sich fest an.
Die harten Fakten:
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in(nen): Fábio Moon, Gabriel Bá
- Zeichner*in(nen): Fábio Moon, Gabriel Bá
- Erscheinungsjahr: 2026 (deutsche Erstausgabe 2013)
- Sprache: Deutsch
- Format: 18,3 x 27,7 cm
- Seitenanzahl: 272
- Preis: 35 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Bonus
In dieser Deluxe-Ausgabe finden sich einige farbige Skizzen und Vorzeichnungen sowie Erläuterungen zur Gestaltung von Fabió Moon. Außerdem hat Craig Thompson ein Vorwort dazu geschrieben und illustriert.

Fazit
Die Story macht klar, dass Wünsche und Visionen nicht immer wahr werden, oder eben nicht so, wie man es sich vorstellt. Dass Impulse nicht immer zum Ziel führen, aber auch, dass das Nutzen von Gelegenheiten manchmal vor der Vernunft kommen darf. Der Kampf eines Künstlers mit sich, seinem Erwachsenenleben das „zu laut und viel ist“, dürfte in vielen Lesenden Resonanz finden. Die vielen Facetten des Lebens, die Entscheidungen mit sich bringen: dass dies schon das Leben ist, das bereits hierin begonnen hat, wird Brás erst sehr spät klar.
Die einzelnen Kapitel zeigen eindrücklich, wie völlig verschieden Momente ausgehen können und welche Version von sich Brás jeweils sein könnte. Es stellt sich die Frage, ob die Art, (zu wissen) wie man stirbt, das Leben und seine Entscheidungen beeinflussen würde.
Daytripper zeigt jedoch auch, dass in jedem Moment alles vorbei sein kann und stellt das Leben durch den allgegenwärtigen Tod (u.a. dargestellt als Nachrufe) als sehr fragil dar, was manchen durchaus dabei hilft, den eigenen Sinn im Leben und dieses selbst besser schätzen zu können.

- Wunderbare Illustrationen, viele im Aquarellstil
- Ansprechende Kapitelseiten und Bonusinhalte
- Story, die in den Bann zieht
- Zum Teil etwas deprimierend
- Unklar, wer Brás wirklich ist bzw. tatsächlich erlebt
Artikelbilder: © Panini Comics / Vertigo
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Verena Tribensky
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