Inzwischen sollte jeder wissen, dass in Superheld*innen-Comics niemand für immer stirbt. Auch der Silver Surfer hat bereits mehrmals das Zeitliche gesegnet. Dennoch macht Der Tod von Silver Surfer neugierig: Es geht nicht darum, wie er stirbt, sondern was der nachdenkliche Held über den Tod zu sagen hat.
Der außerirdische Norrin Radd, auch bekannt als Silver Surfer, hat als Herold von Galactus den Tod von Millionen in Kauf genommen, nur um seinen Heimatplaneten zu retten. Durch seine kosmische Macht gibt es nahezu niemanden, der ihn stoppen kann. Er ist in sich gekehrt und immer wieder fängt er an zu philosophieren und bedeutungsschwanger die Welt zu beobachten. Doch wenn Greg Pak, der Autor von Planet Hulk, eine Geschichte mit dem Titel Der Tod von Silver Surfer schreibt, dann muss hier mehr passieren. Die Welt wird bedroht, nicht von Außerirdischen oder Weltzerstörern, sondern von der menschlichen Dummheit. In diesem Comic geht es um Hybris und die Hauptfigur ist nicht der Silver Surfer, sondern eine ehemalige S.H.I.E.L.D.-Agentin, die den Auftrag bekommt, sich mit dem Außerirdischen anzulegen. Wird sie es schaffen, ihn zu besiegen? Und was ist nötig, um dieses Ziel zu erreichen?
Krieg und Gewalt
Der Tod von Silver Surfer
Die Firma Eaglestar International verdient ihr Geld mit Verteidigungsprodukten und Militärverträgen. Ihr CEO Davis Harmon hat das B.A.N. (Bureau of Alien Neutralization) gekauft – eine Organisation, die sich die Neutralisierung von Außerirdischen zum Ziel gesetzt hat. Als Werbemaßnahme schickt er seine beste Agentin Kelly Koh los, um den Silver Surfer, den vermutlich mächtigsten Außerirdischen, der sich momentan auf der Erde befindet, zum Kampf herauszufordern. Für Kelly ist das ein ganz normaler Auftrag, doch Norrin Radd hat kein Interesse daran, jemanden zu verletzten. Er hat gerade eigenhändig einen Krieg beendet, indem er sämtliche Waffen zerstört hat, die dort eingesetzt wurden. Darüber hinaus setzt er seine Kraft ein, um einen Käfer wiederzubeleben. Danach hilft er einer Gruppe Jungen, Äpfel von einem Baum zu pflücken. Keine ihrer Waffen hat auch nur die Chance, ihn zu verletzen. Doch Harmon ist skrupellos und bedient sich der Macht, die auch den Silbernen geschaffen hat: die Macht von Galactus. Dadurch löst er eine Kettenreaktion hervor, deren Ausmaße nicht zu erahnen sind.
Ein poetischer Superheld*innen-Comic
Der ganze Comic dreht sich um Major Kelly Koh. Sie hält anfangs nicht viel von Außerirdischen und ist gerne bereit, diese auszulöschen, wenn sie eine Gefahr für den Planeten darstellen. Doch Silver Surfer ist anders, er verbindet sich mit ihr und ist fortan eine innere Stimme, die sie nicht loswird. Wir erleben, wie Kellys Weltvorstellung langsam zu bröckeln beginnt und sie hinter die Fassade der Eaglestar International blickt. Doch auch Silver Surfer verändert sich, da er erkennen muss, dass die Menschheit nicht in der Lage ist, mit Macht umzugehen. Hier entsteht viel im inneren Dialog, dennoch ist der Comic voller Action, Krieg und Gewalt. Auch die Fantastic Four und die Bewohner von Sakaar (Planet Hulk) spielen hier eine Bedeutung. Zu viel soll aber auch nicht verraten werden.
Dieser Comic ist nicht unbedingt etwas Besonderes. Andere Silver-Surfer-Comics zuvor hatten ähnliche Themen. Die Parabel von Stan Lee und Mœbius ist eine ihrer besten Arbeiten und in seiner Aussagekraft ungeschlagen. Und auch bei Dan Slott und Mike Allred geht es um Endgültigkeit. Donny Cates und Tradd Moore haben bereits die dunklen Seiten des Silver Surfer erforscht. Trotzdem hat dieser neue Comic seinen Reiz. Gerade die Entwicklung von Kelly Koh ist interessant anzusehen, wenn auch einige Wendepunkte etwas zu platt herbeigeführt werden. Die Wendungen halten den Spannungsbogen aber trotzdem hoch und lassen gespannt auf den Tod des Silbernen warten. Die Zeichnungen von Sumit Kumar sind fantastisch anzusehen und geben der Handlung zusätzliches Gewicht. Sie funktionieren sowohl in den ruhigen als auch in den actionreichen Momenten. Der Comic lädt zum Nachdenken ein, möchte aber gleichzeitig unterhalten.
Die harten Fakten:
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in: Greg Pak
- Zeichner*in: Sumit Kumar
- Erscheinungsjahr: 2026
- Sprache: Deutsch
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 152
- Preis: 20 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini Comics
Fazit
Ich habe schon bessere, aber auch schlechtere Silver–Surfer-Comics gelesen. Doch da sich so selten jemand an den philosophierenden Helden traut, freue ich mich dennoch auf jeden neuen Titel mit seinem Namen. Dieser Comic wird dem gerecht, was man von einem Silver-Surfer-Band erwartet. Und im Vergleich zu vielen sonstigen Veröffentlichungen ist das hier Balsam für die Seele. Er übertrifft Greg Paks ersten Versuch von 2011, eine Silver-Surfer-Geschichte zu schreiben, um Längen. Der Comic ist nachdenklich, schafft es aber auch, nicht in eine philosophische Abhandlung abzudriften, und weiß auch typische Zutaten von Superheld*innen-Comics zu bedienen. Dabei macht er leider ein paar Abstriche, was die anderen Charaktere abseits von Norrin und Kelly angeht.
Der Schurke Davis Harmon ist ein nuancenfreier Bösewicht und Reed Richards darf dann und wann einen klugen Kommentar abgeben, hält sich aber sonst zurück. Wer mit dem typischen Superheld*innen-Comic nichts anfangen kann, sollte auch hierum einen Bogen machen. Wer aber bereits einige Silver-Surfer-Comics gelesen hat und weiß, worauf sich eingelassen wird, findet hier eine abgeschlossene Geschichte, die sich auch nicht zu schade ist, den Status Quo so zu verändern, dass man sich am Ende fragt, wie es danach weitergehen könnte. Da der Comic so nachhallt, kann ich ihm nur die Höchstwertung geben.

- Fragen über die menschliche Natur
- Zeichnungen zum Verweilen
- Unterhaltsame Charakterentwicklung
- Ein flacher Schurke
- Teilweise erzwungene Wendungen
Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Gloria Puscher
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