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Mit der Mischung aus historischen Modellen des Zweiten Weltkriegs einerseits und einem alternativen Zeitstrahl mit futuristischen Elementen, gelang es Warlord Games mit der Neuauflage von Konflikt ’47 in der Szene Aufsehen zu erregen. Nun legt der britische Hersteller mit einem besonderen Kampagnenband nach.

Amerikaner mit Raketenrucksäcken, britische KI-Soldaten, Untoten-Armeen der Achsenmächte – einen groben Überblick über den Charakter und Hintergrund der einzelnen Armeen durften sich Fans des Spiels bereits im Regelbuch der Starterbox verschaffen. Ein kurzer Zeitstrahl gab einen Überblick über die Ereignisse Mitte des 20. Jahrhunderts, als der 2. Weltkrieg einen etwas anderen Verlauf nahm.

Mit Festung Europa steigt Warlord Games nun tiefer in die Geschichte von Konflikt’47 ein und widmet sich in einer Kombination aus Hintergrundgeschichte und Kampagnenband den Geschehnissen rund um die Gefechte der Achsenmächte gegen die alliierten Truppen aus dem British Commonwealth und den USA sowie den Streitmächten des sowjetischen Reichs.

Triggerwarnungen

Krieg, Tod, Untote, 2. Weltkrieg, WWII

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Die Bombe von Dresden – die Hintergrundgeschichte

Der Hintergrund von Festung Europa knüpft an den Ausgangspunkt von Konflikt ’47 an: Der Einsatz der Atombombe hat nicht nur eine neue Stufe militärischer Vernichtung erreicht, sondern einen sogenannten Rift geöffnet. Durch diesen Riss in der Realität gelangen die USA an futuristische Technologien, die sie mit dem British Commonwealth teilen. Was zunächst wie ein technologischer Vorsprung der Alliierten wirkt, bleibt jedoch nicht lange einseitig.

Mit dem Abwurf einer Atombombe auf Dresden öffnet sich ein zweiter Rift. Damit erhalten auch die Achsenmächte Zugriff auf Technologien, die den Krieg endgültig aus den vertrauten Bahnen reißen. Gleichzeitig verschieben sich die Machtverhältnisse innerhalb der Achsenführung drastisch. Das Grüne Gewölbe (eine schattenhafte Geheimorganisation) übernimmt die Kontrolle, beseitigt die bisherige Führung und setzt zunehmend auf Waffen, deren Schrecken weit über klassische Kriegsführung hinausgeht.

Die Handlung von Festung Europa setzt mit dem Vormarsch britischer und amerikanischer Truppen auf die deutsche Grenze ein. Dort treffen die Alliierten erstmals auf das Totenkorps. Nach dem ersten Entsetzen über diesen Gegner gelingt es ihnen zwar, weiter vorzurücken, doch der Krieg hat damit endgültig eine neue Stufe des Schreckens erreicht. Auf beiden Seiten erscheinen immer tödlichere Technologien, während die Alliierten in einer langfristig angelegten Kampagne versuchen, Dresden zu erreichen und den Rift der Achsenmächte unter ihre Kontrolle zu bringen.

 

Auch die Sowjetunion verfolgt eigene Ziele. Ohne eigenen Rift bleibt ihr zunächst nur Spionage, doch auch daraus entstehen wirksame technische Entwicklungen. Die sowjetischen Streitkräfte marschieren ebenfalls in Richtung Dresden. Dabei geht es nicht nur darum, die Achsenmächte zu schlagen, sondern auch darum, zu verhindern, dass die USA den entscheidenden technologischen Zugriff allein erhalten.

Je näher die verschiedenen Fronten Dresden kommen, desto deutlicher wird jedoch, dass keine Seite vollständig begreift, womit sie es zu tun hat. Das Grüne Gewölbe setzt immer entsetzlichere Entwicklungen frei. Besonders die Nachtzehrer verschieben den Ton des Konflikts noch einmal deutlich: Gefallene Soldaten kehren als neue Untote auf das Schlachtfeld zurück. Plötzlich kämpfen Einheiten nicht nur gegen feindliche Truppen, sondern auch gegen ihre eigenen Toten.

Der Band endet mit einem Ausblick auf den nächsten Hintergrundband Invasion Amerika: Amerikanische Truppen werden überraschend zurückgezogen und zu den Häfen an der Nordsee beordert. Offenbar gibt es in ihrer Heimat unvorhergesehene Schwierigkeiten. Was genau dort passiert ist, bleibt zunächst offen.

Frontberichte, Geheimbotschaften und Missionsszenarien – der Aufbau des Buches

Festung Europa lag uns als PDF vor und umfasst 116 Seiten. Der Band ist dabei keine reine Szenarien-Sammlung, sondern verbindet Hintergrundtexte, Kurzgeschichten, Charaktervorstellungen, Illustrationen und spielbare Missionen zu einem erzählerischen Kampagnenbuch. Fans von Spielwerten und neuen Mechaniken werden natürlich auch fündig, der klare Fokus des Bandes liegt jedoch vor allem auf Atmosphäre und narrativem Spiel.

Die Geschichte wird in fünf Schlachtabschnitten erzählt, die jeweils einen bestimmten Zeitraum des Feldzugs abdecken. Nach der Beschreibung wichtiger Ereignisse folgt in der Regel ein passendes Szenario, mit dem zentrale Momente der Handlung auf dem Spieltisch nachgestellt werden können. So verzahnt der Band Hintergrund und Spielmaterial eng miteinander.

Der Einstieg umfasst die Ereignisse von Juni 1944 bis Februar 1947. Dieser erste Abschnitt ist rein beschreibend und ordnet ein, wie sich die Alliierten der deutschen Grenze nähern und wie sich der Krieg durch die neue Technologie zunehmend verändert. Danach teilt sich der Blick stärker auf die Fronten auf. Zwischen Februar und Juli 1947 rücken die Alliierten auf deutsches Gebiet vor und schlagen unter anderem die Schlacht um Stuttgart. Parallel wird die Ostfront beleuchtet, an der sowjetische Truppen ihrerseits in Richtung Dresden marschieren. Beide Teile werden jeweils mit einem spielbaren Szenario abgeschlossen.

Im vierten Abschnitt zieht der Band die verschiedenen Linien enger zusammen. Der russische Vormarsch, alliierte Raketentruppen aus der Luft und die Gegenwehr der Achsenmächte verdichten sich zu einem immer unübersichtlicheren Konflikt. Drei Szenarien greifen hier Schlüsselmomente der Geschichte auf und machen den Kampf um Dresden spielbar. Der letzte Teil widmet sich schließlich dem Ausgang dieser explosiven Lage: Sowohl alliierte als auch sowjetische Kräfte ziehen sich zurück, während der Band zugleich den Blick auf kommende Ereignisse öffnet.

Zwischen diesen großen Abschnitten stellt Festung Europa immer wieder besondere Charaktere und Führungspersönlichkeiten der Fraktionen vor. Dazu gehören etwa die amerikanische ‚Roberta Wells‘, die britische Automata-Einheit ‚B for Bertie‘ oder der Achsen-Wissenschaftler ‚Oberarzt von Zögling‘.

Auch optisch sorgt der Band für die richtige Stimmung. Die Illustrationen mit verschiedenen Zeichenstilen unterstreichen die Geschichten, Dioramen mit Modellen zeigen kleine Szenen der erzählten Abschnitte. Das Layout arbeitet mit der Anmutung von Dokumentenmappen, Geheimnachrichten und Frontbriefen und zieht die Lesenden förmlich in die Spielwelt. Immer wieder sorgen Karten für einen Überblick über Armeebewegungen, Kriegsschauplätze und Entwicklungen des jeweiligen Abschnittes.

Auffällig ist allerdings, wer fehlt: Japan ist in Festung Europa nicht vertreten. Der Fokus liegt klar auf dem europäischen Kriegsschauplatz, den Achsenmächten in Deutschland, den westlichen Alliierten und der Sowjetunion.

Sturmangriffe und Rückzugsgefechte – die Missionen auf dem Spieltisch

Festung Europa enthält fünf Szenarien, die eng an die erzählten Kapitel des Bandes gebunden sind. Die Verteilung folgt dabei dem Aufbau der Geschichte: Nach den ersten beiden spielbaren Abschnitten kommt der Band im vierten Teil mit gleich drei Missionen zum Höhepunkt. Die Szenarien sind vor allem narrativ angelegt und machen bestimmte Höhepunkte der Kampagne spielbar. Dazu gibt der Band teils sehr konkrete Vorschläge für die beteiligten Truppen. Das reicht von besonderen Charaktermodellen bis hin zu spezifischen Armeeeinheiten.

Die Mission Touchdown stellt etwa einen Angriff amerikanischer Luftlandetruppen auf Flakstellungen der Achsenmächte dar. Entsprechend sieht die Mission auf amerikanischer Seite ausschließlich fliegende Einheiten vor, während die Achsenmächte ihre Verteidigung um drei Flakstellungen herum aufbauen. Auch die Punktwerte sind asymmetrisch angelegt: 2000 Punkte Amerikaner treffen auf 1500 Punkte Achsenmächte. Dafür erhalten die Verteidiger die genannten Flakstellungen, die mit eigenen Regeln ausgestattet sind und die anfliegenden Truppen gezielt aus der Luft pflücken können.

Insgesamt sorgen die Missionen mit eigenen Zielen, Spielbedingungen und Sonderregeln für viel Abwechslung. Siegbedingungen wie erfolgreiche Rückzüge, gefällte Giganten und zerstörte Flakbatterien bieten mehr erzählerischen Reiz als das bloße Halten münzgroßer Missionsziele auf dem Spieltisch. Auch spielmechanisch halten die Szenarien einige Überraschungen bereit.

Schon die erste Mission Fell the Giant setzt hier ein Zeichen. Hier kommt auf Seiten der Achsenmächte ein Sturmriese zum Einsatz, ein Kampfläufer dessen Modell gut einen kleinen Küchentisch füllen kann. Dieses besondere Modell stellt Warlord Games kostenlos als STL-Datei zur Verfügung. In Harvesting the Dead dürfen die Achsenmächte für vernichtete Einheiten immer wieder neue Totenkorps-Truppen ins Spiel bringen.

Dieser starke narrative Charakter bringt jedoch auch Einschränkungen mit sich. Da die Missionen eine feste Geschichte nacherzählen, sind Fraktionen und Truppentypen teils eng vorgegeben. Wenn eine Seite ausdrücklich auf wiederkehrende Totenkorps-Einheiten setzt, lässt sich das nur schwer durch amerikanische Firefly-Truppen oder britische Automatons ersetzen, ohne den Kern der Mission zu verändern. Wer die Vorgaben beiseitelässt, findet trotzdem unterhaltsame Missionsbedingungen, die auch mit anderen Fraktionen funktionieren können.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Warlord Games
  • Autor: Dan Hewitson
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Sprache: Englisch
  • Preis: 36 EUR [UVP]
  • Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi

 

Bonus/Downloadcontent

Auf der Website des Herstellers lässt sich weitere Hintergrundgeschichte in Form der New World Sentinels herunterladen. Das große Highlight für Menschen im Besitz eines 3D-Druckers dürfte jedoch die STL-Datei des riesigen Sturmriesen sein, die kostenfrei über den Shop erworben werden kann.

Fazit

Konflikt ’47: Festung Europa ist kein Band, der einfach nur eine Abfolge einzelner Missionen enthält. Stattdessen liefert Warlord Games einen stimmungsvollen Kampagnenband. Die Mischung aus Frontberichten, Kurzgeschichten, Charaktervorstellungen und Szenarien sorgt dafür, dass der Vormarsch auf Dresden nicht nur beschrieben, sondern auch spielbar wird.

Besonders gelungen ist die enge Verbindung von Hintergrund und Missionen. Die Szenarien wirken nicht wie austauschbare Gefechte, sondern wie konkrete Ausschnitte aus einer Kriegsgeschichte. Gefallene Truppen, die als Totenkorps wiederkehren, Flakstellungen, die Lufttruppen zerpflücken und überbordende Sturmriesen bringen die Geschichten direkt auf den Spieltisch.

Diese erzählerische Stärke bringt allerdings auch Grenzen mit sich. Wer vor allem frei kombinierbare Szenarien oder möglichst neutrale Missionen sucht, wird an manchen Stellen etwas umbauen müssen. Die Vorgaben zu Fraktionen und Truppentypen sind teils eng mit der Geschichte verknüpft. Das ist für eine narrative Kampagne völlig nachvollziehbar, macht den Band aber weniger universell einsetzbar. Auch dass Japan auf diesem europäischen Kriegsschauplatz nicht vorkommt, ist erklärbar, aber für entsprechende Spieler*innen natürlich zunächst wenig ergiebig.

Unterm Strich ist Festung Europa vor allem für jene spannend, die Konflikt ’47 wegen des Weird-War-Settings mögen. Der Band erweitert die Hintergrundgeschichte und gibt Spieler*innen Material an die Hand, um den Sturm auf Dresden am eigenen Spieltisch nachzuerleben.

 

  • Sehr stimmungsvolle Verbindung aus Hintergrund, Layout und Szenarien
  • Narrative Missionen mit passenden Sonderregeln
  • Gelungene Optik
 

  • Szenarien durch feste Geschichte teils wenig flexibel
  • Japan bleibt im Band außen vor

 

 

Die letzte Seite gibt einen Ausblick auf den nächsten Band.
Die letzte Seite gibt einen Ausblick auf den nächsten Band.

 

Artikelbilder: © Warlord Games
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Hendrik Pfeifer

Dieses Produkt wurde kostenlos als PDF zur Verfügung gestellt.
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