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Unsere letzten Tipps schon durch? Dann wird es Zeit für neues Streaming-Futter. Zwar hat der Sommer uns alle fest im Griff, aber manchmal verleiten die Temperaturen dann doch zum Verweilen auf der Couch. Hierfür haben wir wieder Tipps und schauen, was Prime Video jenseits der großen Produktionen zu bieten hat.

Prime Video von Amazon zählt zu den Streamingpionieren. Das Angebot feiert dieses Jahr, um genau zu sein am 07. September, sein 20-jähriges Jubiläum. Gestartet ist das Angebot als klassischer Video-on-Demand-Service. Nach der Übernahme von Lovefilm 2014 und diversen Namensänderungen, firmiert der Service seit 2018 als Prime Video als Teil von Amazon Prime. Zunächst komplett kostenlos im Abo von Amazon Prime enthalten, muss man seit 2024 mit Werbung leben, es sei denn, man zahlt einen Aufpreis von 2,99 EUR im Monat. Das Landgericht München 1 hat dies bereits letztes Jahr als unzulässig erklärt. Seit Dezember läuft daher eine Sammelklage der Verbraucherzentrale, deren Ausgang noch abzuwarten bleibt. Dennoch lohnt sich der Dienst vermutlich für viele, da Amazon sowohl interessante Eigenproduktionen als auch zugekaufte Produktionen enthält, die exklusiv auf Amazon zu finden sind.

Auch hier haben wir uns drei Produktionen herausgepickt, die gerne mal unter dem Radar laufen.

Triggerwarnungen

Gewalt, Psychoterror, Endzeit, Krankheit, Suizid, Tod, Sklaverei

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Spider-Noir – Die nicht ganz so nette Spinne aus der Nachbarschaft

Story

Das Spider-Man-Franchise weist eine gewisse Kuriosität auf. Es gab Zeiten, da lief es nicht gut für die Marvel Studios, und einige Filmlizenzen wurden verkauft, um Geld in die Kassen zu spülen. Unter anderem Spider-Man an Sony. Doch dann kam der Erfolg der Avengers, und der Kauf durch Disney. Geld spielte kaum noch eine Rolle, aber die Lizenz der beliebten Spinne war weg. 2015 kam es dann zu einer Kooperation der Marvel Studios und Sony, um Spider-Man in das MCU zu holen. Die Ergebnisse sind vermutlich den meisten bekannt. Allerdings betraf der Deal nicht alle Iterationen von Spider-Man und seinen Antagonist*innen, und so kann Sony recht munter weiter eigene Produktionen machen. Dazu zählt auch Spider-Noir. Die Serie spielt in einer alternativen Zeitlinie in einem New York der 1930er. Spider-Man, oder hier nur Spider, ist kein junger dynamischer Journalist, sondern der ziemlich verbitterte Privatdetektiv Ben Reilly. Als einziger Superheld New Yorks hat er schwer mit seinem Schicksal zu hadern und hängt die Maske, nach dem tragischen Tod seiner Verlobten, an den Nagel. Doch das Auftauchen mutierter Krimineller zwingt ihn, sich seiner Vergangenheit zu stellen.

Darsteller*innen

Zuvorderst ist Nicolas Cage zu erwähnen, der in den letzten Jahren eher mit skurrilen Rollen auffiel. Cage lehnte vor drei Jahren noch ab in das MCU einzusteigen, obwohl er sogar zwei mal als Ghost Rider zu sehen war. 2018 mimte er als Voice Actor bereits einmal Spider-Man Noir und fand wohl Gefallen an der Rolle. So wurde ihm die Rolle in der Realverfilmung angeboten und er sagte zu. Ein großes Glück, wie man feststellen muss. Hier spielt Cage all seine Stärken aus und spielt eine glaubhafte Mischung aus Mutant, Weltkriegsveteran und klassischem Film-Noir-Ermittler. Man sieht jeder Szene seine Passion für Schauspielerei und Spaß an der Rolle an.

Brendan Gleeson, bekannt zum Beispiel aus Harry Potter oder Brügge sehen und sterben, ist einfach ein Ausnahmetalent. Hier mimt er den irischen Mafiaboss Silvermane und schafft einen nachvollziehbaren und einprägsamen Antagonisten, der ganz ohne Superkräfte, aber mit viel Finesse daherkommt. In einem Noir-Krimi darf natürlich keine Femme Fatale fehlen, und die serviert uns Li Jun Li, bekannt aus Babylon, auf eine Weise, die Klassikern des Genres in nichts nachsteht. Ingrid Bergman wäre sicher stolz auf ihre schauspielerische Nachfahrin.

Inszenierung

Als wäre der Cast nicht schon stark genug, schaffen Oren Uziel und Steve Lightfoot eine sehenswerte Inszenierung. Das erste Highlight ist, dass man die Serie sowohl in Schwarzweiß als auch Farbe ansehen kann. Eine Hommage an das Genre des Film Noir. In der ganzen Serie wurde erfreulich wenig mit Greenscreen gearbeitet, sondern mit offenbar echten Kulissen. Sogar das Fahren in Autos wurde ganz im alten Stil mit einer Leinwand und wackelndem Auto umgesetzt. Das Schattenspiel der Szenebeleuchtung ist auf einem Niveau, welches man seit Jahren nicht mehr gesehen hat, und auch sehr typisch für das Genre ist. Die Krone setzt dann die gelungene Filmmusik auf, die, ohne antiquiert zu wirken, Film Noir, moderne Soundtracks und Superheld*innenfilmmusik kombiniert. Auch abseits der Serie absolut hörenswert.

Spider Noir
Spider Noir

Die harten Fakten:

  • Showrunner: Oren Uziel und Steve Lightfoot
  • Darsteller*in(nen): Nicolas Cage, Brendan Gleeson, Li Jun Li, Lamorne Morris und weitere
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Format: Stream
  • Preis: 8,99 EUR/Monat

 

Fazit

Spider-Noir zählt wohl zu den spannendsten Streamingproduktionen der letzten 10 Jahre. Wer hier ganz klassische Superheld*innen-Action erwartet, wird vermutlich enttäuscht, wer jedoch eine Liebe für den Film Noir hat oder an kleinen Details einer Inszenierung seine Freude findet, wird hier mehr als belohnt. Aber auch Superheld*innen-Fans kommen auf ihre Kosten, denn hier gibt es nicht nur eine sehenswerte Iteration der Spinne, sondern auch eine sehr pulpige Version eines Superheld*innen-Settings. In 8 Folgen ist die Staffel auch in sich abgeschlossen, und man wird nicht mit einem Cliffhanger auf eine möglicherweise nie folgende weitere Staffel genervt. Ob es eine weitere Staffel gibt, steht noch in den Sternen, und ob es eine braucht, ist schwer zu sagen. Aber es macht Spaß, Nicolas Cage in dieser Rolle zu sehen, und allein deswegen könnte sich eine weitere Staffel lohnen.

  • Starke Besetzung
  • Grandiose Inszenierung
  • Großartiger Soundtrack
 

  • Keine

 

Falling Skies – Der letzte Widerstand

Story

Entgegen vieler Alien-Invasionssettings beginnt es nicht mit der Invasion, sondern diese ist, ähnlich wie in Colony, bereits vorbei und die Menschen haben verloren. Die Skitter genannten Außerirdischen haben einen erheblichen Teil der Menschheit ausgelöscht und Kinder mit Parasiten versklavt. Die Serie dreht sich um eine Widerstandszelle der letzten überlebenden Menschen aus Boston. Im Zentrum steht dabei nicht nur der Kampf gegen die Außerirdischen, sondern auch die damit verbundenen zwischenmenschlichen Tragödien. In fünf Staffeln ist die Geschichte auch abgeschlossen. Die Serie ist zwar schon von 2011, aber sehr gut gealtert.

Darsteller*innen

Durchgängig im Zentrum der Geschichte steht Noah Wyle, aktuell in The Pitt zu sehen, als Tom Mason. Tom ist alleinerziehender Vater, ehemaliger Geschichtsprofessor und stellvertretender Anführer der Widerstandszelle. Dass dies einiges an Herausforderungen mitbringt ist klar und wird von Noah Wyle über fünf Staffeln sehr glaubhaft dargestellt. Moon Bloodgood spielt Dr. Anne Glass, Kinderärztin und Forscherin an den Parasiten der Skitters. Sie macht die klassische Wissenschaftsrolle solch eines Settings, ohne aber nerdig und ulkig zu sein, was der Serie auch nicht gerecht würde. Drew Roy spielt Toms Sohn Hal, der als Soldat im Widerstand dient. Er sorgt mit seiner Rolle für die Vater-Sohn-Dynamik eines Teenagers, ohne dabei zu nervig zu werden. Erfrischend im Vergleich zu anderen Rollen.

Inszenierung

Die Serie ist nicht immer etwas für gute Laune. Immerhin haben die Menschen haushoch verloren und zahlen weiter einen bitteren Preis für die Niederlage. Das kommt in fast jeder Folge auch entsprechend rüber. Die Stimmung ist gedrückt, lässt aber Raum für Hoffnung und schafft eine gute Balance, um im Rahmen des Erträglichen zu bleiben. Eine Kunst, denn schnell kippt so ein Setting und stürzt Zuschauende in Depressionen oder Langeweile.

Falling Skies
Falling Skies

Die harten Fakten:

  • Idee: Robert Rodat
  • Darsteller*in(nen): Noah Wyle, Drew Roy, Moon Bloodgood und weitere
  • Erscheinungsjahr: 2011
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Format: Stream
  • Preis: ab 8,99 EUR/Monat

 

Fazit

Falling Skies zählt zu den besten Alien-Invasions-Serien und hat den Vorteil, auserzählt zu sein. Nach Staffel 5 ist alles erklärt und die Geschichte erzählt. In 5 Staffeln erlebt man, was Verzweiflung mit Menschen macht, wie stark Hoffnung sein kann. Nicht zu kurz kommt dabei ordentlich Science-Fiction und Action, so dass sich eine runde Mischung ergibt.

  • Spannende Prämisse
  • Starkes Storywriting
 

  • Manchmal offenkundige Füllerfolgen

 

The Consultant – Bitterböse Satire über Unternehmensberatungen

Story

CompWare ist ein scheinbar erfolgreiches Videospiel-Unternehmen, das viele große Titel veröffentlicht hat. Eines Tages wird der Gründer und CEO Sang-woo erschossen. Die schockierten Mitarbeiter*innen des Unternehmens haben sich noch nicht gesammelt, da erscheint der mysteriöse Unternehmensberater Regus Patoff, der ohne viel Erklärung die Rolle des CEO übernimmt. Patoff, der aus unklaren Gründen keine Treppen laufen kann und scheinbar nie schläft, beginnt, tiefgreifende Veränderungen vorzunehmen, die teils willkürlich, teils bösartig wirken, und spielt Teammitglieder gegeneinander aus. Craig und Elaine, beides Mitarbeitende von CompWare, wollen dies nicht einfach so über sich ergehen lassen und beginnen Patoff nachzuspionieren. Dabei finden sie heraus, dass das nicht das erste Unternehmen ist, bei dem nach einem Todesfall Patoff die Geschäfte übernimmt.

Darsteller*innen

Ganz klare Hauptrolle der Serie ist der ominöse Berater Regus Patoff, gespielt von Christoph Waltz. Man mag der Serie klares Typecasting vorwerfen, aber Waltz ist für solche Rollen geschaffen. Die Mischung aus freundlichem Berater und knallharten Strategen und dieser beeindruckenden Distanziertheit gibt der Rolle alles, was sie braucht. Mit Nat Wolff als Craig und Brittany O’Grady als Elaine hat Waltz zwei Darsteller*innen an der Seite, die eine herrliche Dynamik und erstaunliche Charakterentwicklung innerhalb einer Staffel ergeben.

Inszenierung

Die Inszenierung ist absolut gelungen, auch wenn die Sets nicht spektakulär sind. Allein die Treppe und der Umgang von Patoff mit ihr sind bereits beim ersten Auftritt ikonisch. Ansonsten wird viel mit Perspektiven der Kamera und Gesichtern gespielt, das macht Spaß anzuschauen.

The Consultant
The Consultant

Die harten Fakten:

  • Regie: Matt Shakman, Dan Attias, Alexis Ostrander, Charlotte Brändström und Karyn Kusama
  • Darsteller*in(nen): Christoph Waltz, Nat Wolff, Brittany O’Grady und weitere
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Format: Stream
  • Preis: ab 8,99 EUR/Monat

 

Fazit

The Consultant ist nicht nur eine klassische Mystery-Serie, sondern auch eine bitterböse Komödie über Unternehmensberatungen. Wer schon mal mit einer solchen zusammengearbeitet hat, wird oft wissend nicken. Aber sie ist auch anders, weil sie deutlich weniger Tiefe hat, als man erwarten mag.

Es ist eher eine Betrachtung von Unternehmen und was diese mit Menschen machen können und hat damit fast etwas Gesellschaftskritisches, ohne dabei mahnend zu werden. Das zeigt schon der Name Regus Patoff, dieser steht nämlich für Reg U.S. Pat & TM Off, die Abkürzung für Registered, U.S. Patent and Trademark Office. Was aber damit auf sich hat, darf selbst herausgefunden werden.

  • Starke Besetzung
  • Skurrile Story
  • Witzige Dialoge
 

  • Mangelnde Tiefe
  • Waltz fast schon zu dominant

 

Artikelbilder: © Amazon/MGM
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Rick Davids
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