Diese warmherzige Cozy Fantasy verbindet Katzenliebe und dunkle Magie zu einer Geschichte voller Charme. Ein illegales Zaubergeschäft, eine Katzenzuflucht und ein berüchtigter Dunkler Lord sorgen für unerwartete Verwicklungen. Hinter der behaglichen Fassade entfalten sich nach und nach überraschende Geheimnisse.
Mit Agnes Auberts zauberhafte Katzenzuflucht veröffentlicht Heather Fawcett einen Einzelroman, der sich ganz der Cozy Fantasy und dem Thema Katzen widmet. Die Geschichte begleitet Agnes Aubert, die eine Katzenzuflucht führt und stets von Geldsorgen begleitet wird. Auf der Suche nach einer neuen Unterkunft für sich und die Tiere findet sie ein Ladenlokal, das viel zu gut ist, um wahr zu sein. Die Miete ist überraschend günstig, die Lage in einer wohlsituierten Gegend und auch Fenster und Wände versprechen ein sicheres Heim. Ihren Bedenken zum Trotz entscheidet sich Agnes für das Mietobjekt. Doch schon bald geschehen die ersten Ungereimtheiten, die sie an ihrer Entscheidung zweifeln lassen.
– Essstörungen
– Gewalt / Kämpfe
– Tod (von nahen Familienmitgliedern)
Inhaltsverzeichnis
Story
Die Geschichte dreht sich ganz um Agnes Aubert. Diese führt, auch nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes, eine Katzenzuflucht, die sich aus Spenden finanziert und überwiegend von Ehrenamtlichen getragen wird. Um Katzen vor dem grausamen Erfrierungstod in den Straßen ihrer Großstadt zu retten, nimmt sie diese auf, sorgt für eine medizinische Versorgung, warme Unterkunft, Pflege und genügend Essen und versucht diese anschließend an eine neue Familie weiterzuvermitteln. Doch am Beginn der Geschichte sieht es für Agnes keineswegs rosig aus, denn in der Straße ihrer ehemaligen Unterkunft war es zum Kampf zwischen zwei Magier*innen gekommen und ihr Geschäft weist nun ein riesengroßes Loch auf. Nun ist sie auf der schwierigen Suche nach einer neuen Bleibe, was sich mit wenig Geld und Vermieter*innen, die keine Tiere im Haus haben wollen, als schwer erweist. Der Zufall führt sie schließlich zu einem Mietobjekt, dem geisterhafte Dinge nachgesagt werden. Doch Agnes würde alles für ihre Katzen tun, daher sagt sie ihrem schlechten Bauchgefühl zum Trotz zu und zieht in die Wohnung mit verdächtig niedriger Miete ein. Es könnte nicht besser laufen, wären da nicht die Gerüchte über das Haus, die seltsamen Gestalten, die mitten am Tag einfach durch ihr Geschäft laufen und im Keller verschwinden, oder der Steinofen, der jeden Morgen trotz kalter Glut Gerüche frisch gebackener Gebäckstücke verbreitet.
Agnes Aubert ist überraschend gut im Verdrängen und Ignorieren und bringt ihren Alltag gekonnt strukturiert anhand von Checklisten trotz der alltäglichen Nöte hinter sich – bis schließlich Valérie auftaucht, eine echte Schwarzmagierin. Diese macht keine halben Sachen und erschüttert das Haus bis in seine Grundfesten, um ihren Bruder, Havelock Renard, der sich als heimlicher Vermieter Agnes’ entpuppt, aus seinem Keller hervorzulocken. Zwischen Locke und Valérie kommt es zu einem gefährlichen Kampf, bei dem Agnes und ihre Katzen zwischen die Fronten geraten. Nur der Einsatz großer Mengen Magie, um das Haus zu schützen, sorgen für einen kurzen Moment der Ruhe nach diesem Angriff. Agnes‘ Zeit der Verdrängung ist vorbei und sie muss sich der Tatsache stellen, dass sich der berüchtigtste Magier der Welt im Keller ihres Ladens versteckt hält und einen geheimen und verbotenen Artefakthandel unterhält.
Auffällig an dieser Stelle ist der Umschwung der Protagonistin, die von vollkommener Verdrängung übergeht zu offenem Konflikt. Das Kennenlernen zwischen ihr und Locke ist keinesfalls ein ruhiger Moment, sondern ein Augenblick, der von Diskussionen und Vorwürfen nur so überquellt. In den folgenden Kapiteln lernt Agnes den Magier etwas besser kennen, während sie gleichzeitig ihren Alltag weiter bewältigen muss. Die Katzen wollen gefüttert werden, die Polizei stellt Fragen zu den Vorfällen und der Laden muss laufen. Auch Agnes‘ Schwester und Lockes Lehrling müssen ihren Teil zum Alltag beitragen. Doch die immanente Gefahr durch Valérie bleibt bestehen und treibt die Protagonist*innen an, weitere Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, Ideen für den Laden zu entwickeln und Neues auszuprobieren.

Die Geschichte nimmt ungefähr zur Hälfte des Buches an Fahrt auf. Die Handlung folgt logischen Pfaden und auch die Lösung zum Ende der Geschichte wurde ordentlich erarbeitet und umschrieben, sodass das Ende selbst passend ist. Dass sich zwischen Locke und Agnes etwas anbahnt, lässt der Klappentext schon fast vermuten und bewahrheitet sich. Hier ist jedoch der Grund, warum sich Agnes plötzlich für Havelock erwärmt, etwas fragwürdig, zeigt der Charakter doch weder Zuneigung, Begeisterung, gute Taten oder auch nur die entfernteste Form von offener Kommunikation. Die wachsenden Gefühle der Protagonistin wirken herbeidefiniert und passen in dieser Form und Schnelligkeit nicht in die Geschichte. Positiv zu erwähnen dahingegen ist der innere Konflikt Agnes’, wie sie mit ihren Gefühlen hinsichtlich ihres verstorbenen Mannes umgeht und den Erinnerungen, die hin und wieder an die Oberfläche dringen.
Während die prominent angekündigten Katzen, sowohl durch Titel, Kurzbeschreibung als auch Cover, für viele Lesende ein entscheidender Kaufgrund sein dürften, kommen diese in der Geschichte leider eher zu kurz. Als Randfiguren dürfen sie erwähnt werden und auftauchen, ja sogar den Widersachenden Wege zeigen, doch über die bloße Erwähnung ihrer Namen und oberflächlichen Eigenschaften kommen sie in diesem Roman nicht hinaus. Auch Agnes‘ Aufgaben die Katzen betreffend rangieren nicht unter dem Motto „Show, don’t tell“, sondern werden als reine Kurzfassungen, dass sie ihre Checkliste die Katzen betreffend abarbeite, abgetan.
Schreibstil
Heather Fawcetts Roman kann hinsichtlich ihres Weltenbaus im Bereich der Urban Fantasy eingeordnet werden. Der überwiegende Teil der Menschheit lebt magielos in einer Form des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts. Die Geschichte spielt im historischen Montréal in Kanada sowie in kleinen, fiktiven französischen Kleinstädten. Magie existiert, ist jedoch wenigen Magier*innen vorbehalten, die weder innerhalb ihrer Kreise noch durch externe Strukturen geordnet sind, sodass ihr Auftauchen in Gruppen üblicherweise eher einem Ärgernis entspricht. Magische Artefakte könnten zwar durch nichtmagische Menschen benutzt werden, sind jedoch ob diverser Unfälle und Fehlschläge verschrien und fast ausschließlich im Besitz von Magier*innen zu finden.

Heather Fawcetts Schreibstil ist fließend. Sie bedient sich überwiegend innerer Gedankengänge und Monologe der Protagonistin, um die Geschichte zu erzählen. Mit äußeren Beschreibungen geizt sie, sodass selbst die Katzenzuflucht in ihren Feinheiten, seien es Aushängeschilder oder etwaige Dekorationen, bis zum Schluss vage verbleibt. Die Geschichte spielt die überwiegende Zeit lediglich innerhalb des Hauses der Katzenzuflucht.
Die Autorin
Heather Fawcett veröffentlichte bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Sie gilt als New-York-Times– und Sunday-Times-Bestsellautorin. Fawcett hat einen Master in englischer Literatur und arbeitete als Archäologin, Fotografin und technische Redakteurin. Im Bereich der Erwachsenenliteratur wurde sie für Emily Wildes Enzyklopädie der Feen und deren Fortsetzung Emily Wildes Atlas der Anderswelten bekannt. Sie lebt auf Vancouver Island in Kanada.
Erscheinungsbild
Das Buch ist bereits auf den ersten Blick ein echter Hingucker. Ihre Leser*innenschaft kennend entschied sich die Autorin nicht nur für die Thematik Katzen, sondern auch deren großflächige Abbildung auf dem Buchumschlag. Die deutsche Version nutzt das originale Kunstwerk der Künstlerin Lolloco nur unter Anpassung des übersetzten Titels. Die erste Ausgabe erschien zusätzlich mit einem sehr auffälligen Farbschnitt, der sich als diverse Katzen in einem Bücherregal präsentierte. Alles in allem lädt das Buch optisch sofort dazu ein, danach zu greifen und deutet gleichzeitig bereits an, dass es eher im Bereich der Cozy Fantasy einzuordnen ist.
- Verlag: Fischer Tor
- Autorin: Heather Fawcett
- Erscheinungsdatum: 27.05.2026
- Sprache: Deutsch (Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Eva Kemper)
- Format: Hardcover
- Seitenanzahl: 432
- ISBN: 978-3596712243
- Preis: 24,00 EUR (Print) + 19,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Fazit
Mit Agnes Auberts zauberhafte Katzenzuflucht legt Heather Fawcett eine ruhige Cozy Fantasy vor, die weniger von spektakulären magischen Auseinandersetzungen als von ihren Figuren und deren persönlicher Entwicklung lebt. Im Mittelpunkt stehen die Verarbeitung von Trauer und Neuanfänge. Besonders Agnes‘ innerer Konflikt um ihren verstorbenen Ehemann verleiht der Geschichte emotionale Tiefe und gehört zu den stärksten Elementen des Romans. Weniger überzeugend fällt hingegen die romantische Entwicklung zwischen Agnes und Havelock aus, deren Gefühle sich nur bedingt nachvollziehbar entwickeln. Auch die titelgebenden Katzen bleiben trotz ihrer zentralen Rolle im Marketing überraschend blass und dienen häufig eher als Hintergrundkulisse denn als aktiv ausgestalteter Bestandteil der Handlung.
Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und unterstützt die entschleunigte Atmosphäre der Geschichte. Der Fokus liegt klar auf Agnes‘ Gedankenwelt und ihrem Alltag, wodurch der Roman trotz magischer Elemente bodenständig wirkt. Gleichzeitig bleiben viele Schauplätze und Details nur grob beschrieben, sodass der Fantasie der Lesenden zwar Raum gelassen wird, der Welt dadurch aber stellenweise etwas an Lebendigkeit fehlt. Das Urban-Fantasy-Setting im historischem Montréal bildet einen stimmigen Rahmen für die Handlung.
Auch optisch weiß das Buch zu überzeugen. Das liebevoll gestaltete Cover mit den zahlreichen Katzen weckt sofort die Erwartungen an eine gemütliche Fantasygeschichte und transportiert den Charakter des Romans bereits auf den ersten Blick. Besonders der aufwendig gestaltete Farbschnitt der Erstauflage macht das Buch zusätzlich zu einem echten Blickfang im Regal. Insgesamt richtet sich Agnes Auberts zauberhafte Katzenzuflucht vor allem an Leser*innen, die entschleunigte Cozy Fantasy mit liebenswerten Figuren, einer gemütlichen Atmosphäre und leisen emotionalen Themen schätzen. Wer dagegen eine katzenzentrierte Geschichte oder eine ausgeprägte Romantik erwartet, dürfte hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben.

- Ruhiges Erzähltempo
- Stimmiges Setting
- Ansprechende Gestaltung
- Geringe Rolle für Katzen
- Sehr plötzliche Romantik
- Skizzenhafte Beschreibung der Welt
Artikelbilder: © Fischer Tor
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Janina Mottl
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