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Aufbruch ins Unbekannte: Diese Devise scheint nicht nur bei Titel und Spielinhalt des Raumschiff-Roguelikes Breachway zu stehen, sondern auch hinter dem Entwicklungsteam selbst – Schließlich ist der Titel ihr Spiele-Erstling. Mit dem Start aus dem Early Access kann sich zeigen, ob das Studio an die großen Vorbilder des Genres anknüpfen kann.

Der Gaming-Weltraum mit seinen unendlichen Weiten war wohl prädestiniert dafür, Tummelplatz für zahlreiche kleine Independent-Games und ihre Roguelike-Mechaniken zu werden. Eine unwirtliche Umgebung, die das Überleben erschwert, ein ewiges Nichts, das mit prozeduralen Inhalten gefüllt werden will – was für Survival-Games die abholzbaren Wälder sind, ist für Titel wie Deep Sky Derelicts, Out There oder Cobalt Core das Weltall. Als eines der ersten Spiele hatte FTL diese Themenkombination identifiziert und vor zwölf Jahren ein Urgestein des Roguelike-Genres geschaffen.

Die Raumschlachten präsentieren sich in knalliger cellshading Optik
Die Raumschlachten präsentieren sich in knalliger cellshading Optik

Dass wir alle auf den Schultern von Riesen stehen, was neue Kreativansätze angeht, haben auch die Entwickler*innen der in Rumänien ansässigen Edgeflow Studios anerkannt, denn für ihr Gaming-Debut stand mit Sicherheit besagtes FTL Pate. Schließlich geht es auch in Breachway darum, vor einer feindlichen Flotte zu fliehen, sich durch ein feindseliges Universum zu winden und Schiff sowie eigene Crew möglichst verlustfrei ans andere Ende der Galaxie in den sicheren Hafen zu transportieren.

Triggerwarnungen

Keine

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Hört ihr die Signale?

Zu Beginn jedes neuen Starts steht neben der Raumschiff- und Crewauswahl (dazu später mehr) auch die Wahl des ersten Absprungpunktes in das ausgedehnte Universum Breachways an. Ziel ist stets, das mysteriöse Signal auf der anderen Seite der Galaxie unbeschadet zu erreichen. Die Hintergrundgeschichte aus einem gefallenen Imperium und eurer zerstreuten Gruppe an Widerständlern bleibt dabei eher belanglos; der Blick ist klar nach vorne gerichtet. Denn im klaren Widerspruch zum tatsächlichen Weltraum, ist die Galaxie vor euch nicht kalt und leer, sondern wimmelt von Fraktionen, Feinden, Völkern und Begegnungen. Der nächste Punkt zum Weiterflug ist schnell per Mausklick gewählt – je nach Crewmitglied, Schiffstyp oder Stellenwert bei den sechs Fraktionen stehen unterschiedliche Möglichkeiten offen oder bleiben euch eben verwehrt.

Dieses Geäst aus den wählbaren nächsten Schritten dürfte Spieler*innen diverser Roguelikes sofort bekannt vorkommen. Immer wieder werden Entscheidungen fällig, die euren Trip massiv erleichtern oder katastrophal erschweren. Vom Fund einer Superwaffe, die Feindhorden in Windeseile dezimiert, bis hin zum Alien-Symbionten, welcher euren Schlüsselnavigator mit dem Rest der Crew plötzlich fremdeln lässt. Der knackige Schwierigkeitsgrad des Spiels dürfte dafür Sorge tragen, dass Spieler*innen die Events einige Male durchleben werden, für ausreichend Abwechslung scheint aber nach den ersten Referenzspielstunden gesorgt.

Story und Fortschritt werden per portraitierten Dialogen abgehandelt
Story und Fortschritt werden per portraitierten Dialogen abgehandelt

Für genug Frische zu jedem Spielstart tragen außerdem die unterschiedlichen Schiffstypen bei, die mit verschiedenen Boni und Ausrichtungen variable Spieltypen ans Steuer locken wollen. Wendige Corvetten begrüßen Spielstile, die auf Nadelstiche beim Angriff setzen. Schwere Kreuzer lassen stattdessen die Raketen sprechen und negieren Gegenangriffe durch wuchtige Schilde. Bis man sich hier durch alle Kombinationen aus Crew und Schiff durchprobiert hat (große Teile der Flotte sind auch erst einmal überhaupt freizuschalten) dürften genug Spielstunden ins Land gehen, um sich den Kern von Breachway lange genug mit Genuss verbissen zu haben.

Schneller als die Lichtgeschwindigkeit, zum Quadrat

Die Edgeflow Studios ignorieren aber nicht, dass sich in der letzten Dekade rund um FTL und Co. einiges getan hat, um das Genre breiter aufzustellen und taktische Tiefen auszuheben. Das zeigt sich insbesondere in der Wahl des Kampfsystems. Die Raumschlachten schlagen Spielende nämlich in Kartenform. Werdet ihr von einem Piratenschiff überfallen oder scheitern eure diplomatischen Bemühungen bei einer Begegnung, gilt es, Laser und Raketen sprechen zu lassen. Jede Runde gibt es einen Kartensatz auf die digitale Hand, welcher den Handlungsrahmen vorgibt. Ein starker Laserangriff, der gegnerische Schilde durchschlägt, muss gegebenenfalls für einige Runden aufgeladen werden. Abgefeuerte Raketen brauchen grundsätzlich eine Runde, bevor sie das gegnerische (oder eigene) Schiff treffen, und können bis dorthin abgefangen werden. Andere Optionen lassen euch die eigenen Schild- oder Energiereserven aufladen.

Mit der richtigen Kartenauswahl alleine ist es allerdings noch nicht getan, denn wie in den großen Vorbildern aus Star Wars und Star Trek benötigen die Waffen- und Verteidigungssysteme Energie – und davon reichlich. Diese unterteilt sich in die drei Farbbereiche Waffen, Schilde und Technik und muss vorausschauend für den kommenden Zug und die nächste Kartenhand verplant werden. Dies gibt den Raumkämpfen ein weiteres, willkommenes Taktikelement, greift jedoch nicht tiefer in andere Spielelemente wie das Erkunden oder Crewmanagement ein. Schade, denn das große Vorbild FTL hatte gerade hier immer seine erzählerischen Siege einfahren können, welche jedem Run seinen individuellen Anstrich verlieh und erinnerungswerte Geschichten generierte. Wer schon einmal seine Lieblingsmechanikerin im sauerstoffgeleerten Maschinenraum per Schotte einschließen musste, um ein um sich greifendes Feuer einzudämmen, wird verstehen, was ich meine. Diese Elemente gehen dem Taktikaufbau Breachways eher ab, das Spiel fokussiert sich stattdessen auf anspruchsvolle und knifflige Kämpfe.

Die abwechslungsreiche Schiffsauswahl ist das Salz in der Taktiksuppe
Die abwechslungsreiche Schiffsauswahl ist das Salz in der Taktiksuppe

Es kommt auf die richtige Hand und genug Reserve im Tank an

In dieser Riege des Haushaltens von Energiepegeln und Kartenhänden wildert der Titel damit plötzlich in den Jagdgründen eines Slay the Spires, wenn auch ohne den starken Fokus auf eskalierende Kombokarten. Die Finesse findet sich dagegen darin, die nächsten Aktionsschritte des gegnerischen Schiffes korrekt vorauszusagen, eigene Konterpunkte zu setzen und die eigene Strategie sauber dagegen aufzustellen. Ein Raketenkreuzer beispielsweise bedroht das eigene Raumgefährt Runde um Runde mit trägen, aber explosionskräftigen Treibflugkörpern. Diese können per Angriff ausgeschaltet werden, das kostet aber wichtige Ressourcen und Karten, welche im Gegenzug fehlen, um die gegnerische Mannschaft im Universum zu verstreuen. Ist es also taktisch klug, einige Treffer zu kassieren und auf die Reparaturspezialfähigkeit des eigenen Ingenieurs im Nachgang zu setzen? Oder sammelt man seine eigenen Kräfte für einen mächtigen Gegenangriff, während man die Daumen drückt, genug Schildkarten auf die Hand gespült zu bekommen?

Diese interessanten Entscheidungspunkte stellt Breachway mit fast jedem neuen Gefecht, so unterschiedlich sind Gegnereinheiten sowie die eigene Schiffs- und Crewzusammensetzung. Wie in jedem guten Deckbuilder muss man im Kampfanschluss sein Portfolio entsprechend gewieft erweitern, Schwächen des Decks ausgleichen oder passende Karten ausmachen, welche die eigene Strategie ergänzen. In Sachen Gamedesign können hier unterschiedliche Pfade gegangen werden, ein Slay the Spire setzt hier auf elegante, breite Kombinationsmöglichkeiten, das überwältigende Monster Train lockt Spielende damit, völlig überzogene Synthesen zu finden, die auch den stärksten Endboss in zwei Zügen zu Fall bringen können.

Typisch Deckbuilder, fügt ihr nach gewonnener Schlacht weitere Kartenbelohnungen eurem Arsenal hinzu
Typisch Deckbuilder, fügt ihr nach gewonnener Schlacht weitere Kartenbelohnungen eurem Arsenal hinzu

Breachway wählt hier einen Weg zwischen den Stühlen, was kein falscher Ansatz ist, aber die richtige Spieler*innenschaft für sich erschließen muss. Die Gefechte sind anspruchsvoll und knifflig, bieten aber weniger (Welt)raum für überstarke Kombinationen, gleichzeitig sind die einzelnen Spielelemente wenig verzahnt und haben somit vergleichsweise wenig Einfluss aufeinander, was Erzählpotenzial bieten würde. Stattdessen setzen die Kämpfe auf einen klaren Knobelfokus, unterstützt von einer starken Inszenierung, in welcher der Weltraumschlachter seinen Konkurrenten einiges voraushat. Die hübsche cell-shading 3D-Optik stellt die kampfbereiten Schiffe ähnlich der Pokémon-Serie einander gegenüber. Gespielte Karten blättern mit einer schneidigen Animation zurück ins Deck, orangene Laser lassen Feinde in Flammen aufgehen und Schilde brutzeln bläulich unter abgewehrtem Beschuss. Soundtrack und Toneffekte unterstützen das Ganze in zu erwartender Sci-Fi-Manier und stechen damit zwar nicht aus dem Genre hervor, machen aber einen guten Job. Zwischen den Kämpfen verlässt sich der Titel auf Textboxen mit gut geschriebenen Dialogen, mit Portraits eurer Crew und Widersacher*innen bebildert, die funktionieren, aber nur wenig Atmosphäre präsentieren.

Die harten Fakten:

  • Entwicklerstudio: Edgeflow Studio
  • Publisher: Hooded Horse
  • Plattform: PC
  • Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch, Chinesisch, Italienisch, Tschechisch, Ungarisch, Polnisch, Russisch, Türkisch, Ukrainisch
  • Mindestanforderungen:
    • Setzt 64-Bit-Prozessor und -Betriebssystem voraus
    • Betriebssystem: Windows® 10 (64-bit)
    • Prozessor: Intel® Core™ i3-4160 (dual-core) / AMD® Phenom™ II X4 965 (quad-core)
    • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
    • Grafik: NVIDIA® GeForce® GTX 750 (2 GB) / AMD® Radeon™ HD 7850 (2 GB)
    • DirectX: Version 11
    • Speicherplatz: 3 GB verfügbarer Speicherplatz
  • Genre: Simulation
  • Releasedatum: 30. August 2024
  • Spielstunden: 12
  • Spieler*innen-Anzahl: 1
  • Altersfreigabe: —
  • Preis: —
  • Bezugsquelle: —

 

Fazit

Breachway ist als Mischung aus Deckbuilder und Roguelike ein Kind der 2020er Jahre, dass sich weder verstecken kann noch sollte. Die Vorbilder sind klar, die einzelnen Spielelemente dadurch nicht zu neu oder innovativ; das Universum erkundet man in Manier eines FTL, während das Deckbuilding klar in die Fußstapfen Slay the Spires tritt. In beiden Kategorien kann Breachway die Vorbilder nicht erreichen, geschweige denn übertrumpfen. Dafür erzeugt die Galaxie-Erkundung zu wenige erzählenswerte Geschichten, und den Kartenkämpfen fehlt die letztendliche Kombo-Euphorie.

Und doch ist die Sternenschlacht der Edgeflow Studios mehr als die Summe ihrer geborgten Teile. Die grafische Inszenierung ist flotter und zeitgemäßer, gleichzeitig stilsicher und atmosphärisch. Die taktischen Kämpfe locken Tüftler*innen an das Gamepad, die sich in den anspruchsvollen Gefechten verbeißen wollen. Genug Faktoren wie Energiemanagement, Waffensysteme, Überhitzung und und und gibt es im Auge zu behalten, dass es spannend bleiben dürfte. Die verschiedenen Schiffstypen sollten die gelungene Ergänzung dafür sein. Wer eine solche Spielschleife sucht, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Alle anderen können sich für gelungene Kleinerzählungen einmal Out There anschauen. Oder warten nägelkauend auf den Early Access Start von Slay the Spire II. 

  • Taktisch anspruchsvolle, abwechslungsreiche Karten-Kämpfe
  • Schöne Inszenierung, krachende Gefechte
  • Kombiniert gekonnt bekannte Genre-Bausteine
 

  • Erzählerisch eher flaches Universum
  • Wenige frische Ideen

 

Artikelbilder: © Edgeflow Studio
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Alexa Kasparek
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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