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In Boss Fighters QR tritt ein Held*innenteam gegen einzigartige, app-gesteuerte Boss-Monster an. Dank innovativer Scan-&-Play-Mechanik reagiert das Monster sofort auf Kartenzüge in individueller Weise. Verbessert euer Deck mit mächtiger Beute nach jedem Sieg und stellt euch der Kampagne – von entspannt bis wahnsinnig herausfordernd!

Spiele mit App-Unterstützung führen bei den Spielenden häufig zu unterschiedlichen Reaktionen. Während die einen betonen, dass sie das Hobby gerade zur Abgrenzung als analoge Beschäftigung gewählt haben, sind andere dem Thema gegenüber eher aufgeschlossen. Spiele wie Die kleinen Alchemisten haben gezeigt, wie hervorragend die Einbindung von Apps in Brettspiele funktionieren kann.

Pünktlich zur SPIEL Essen 2025 veröffentlicht Pegasus Spiele Boss Fighters QR, das ebenfalls mit App-Unterstützung daherkommt. Wir schlüpfen in die Rollen von vier Held*innen, die sich in kooperativen Kämpfen mit unterschiedlichen Monstren messen. Besonders ist hierbei, dass alle Züge über eine App abgewickelt werden. Die gespielten Karten werden mit der Frontkamera eines in der Tischmitte platzierten Tablets oder Handys eingescannt und verarbeitet.

Wie gut dies spielerisch und technisch funktioniert und ob die Einbindung der App gut gelungen ist, haben wir für euch getestet.

Triggerwarnungen

keine besonderen Trigger

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Spielablauf

Bevor man sich in den Kampf mit einem der Ungetüme stürzt, suchen sich die Spielenden einen Charakter aus. Diese setzen sich aus einem Held*innendeck und einem Klassendeck zusammen. Zur Verfügung stehen ein Troll, eine Zwergin, eine Elfe und eine Halblingsfrau. Diese können als Krieger*innen, Magier*innen, Druid*innen oder Schurk*innen ins Gefecht ziehen. Hier sei anzumerken, dass es durchaus Kombinationen gibt, die besser erscheinen als andere. Das Spiel lässt jedoch jegliche Freiheit bei der Kombination. Aus der Zusammensetzung ergeben sich dann auch die Handkartenlimits und die Trefferpunkte, die den Held*innen zur Verfügung stehen.

Spielaufbau für drei Spielende
Spielaufbau für drei Spielende.

Nachdem alle ihren Charakter zusammengestellt haben, ist es an der Zeit, sich in der App am virtuellen Spieltisch anzumelden. Alle Spielkarten sind auf der Rückseite mit QR-Codes versehen. Zunächst gibt man der Heldengruppe einen Namen. Ist dies geschehen, können sich alle Spielenden in der App anmelden, indem sie die Rückseiten ihrer Held*innen- und Klassenkarten über die Frontkamera einscannen und einen Sitzplatz auswählen.

Sind alle angemeldet, geht es an den ersten Gegner, eine Trainingspuppe namens Mr. Puppet. Vorab gibt es einige Grundinformationen zum Boss. Diese sollte man aufmerksam lesen, denn hier gibt es die ersten Informationen zum Verhalten der Monstren. Diese sind nämlich unterschiedlich. Hier gilt es, während der Kämpfe besonders darauf zu achten, wo die Schwachstellen der Bestien sind und welche Angriffe besondere Reaktionen provozieren. Besonders dieser deduktive Teil hat uns sehr gut gefallen. Dadurch erinnert Boss Fighters QR an ein Souls-like-Spiel, bei dem ebenfalls die Gegner genau studiert werden müssen, um sie zu bezwingen. Hat man die Schwachstelle erst einmal entdeckt, fällt der Sieg umso leichter. Diese Kernmechanik des Spiels trägt sehr zur Spannung und zum Spielspaß bei. Alle Ungetüme haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, die von ganz leicht zum Einstieg bis hin zu mörderisch schwierig reichen. Dadurch ist Langzeitmotivation garantiert.

Drei Held*innen am Spieltisch
Drei Held*innen am Spieltisch.

Das Spiel verläuft in mehreren Phasen. In der Planungsphase offenbart der Boss seine kommenden Attacken. Die Spielenden sehen, welchen Schaden sie am Ende der Runde erhalten, wenn sie keine defensiven Maßnahmen ergreifen.

Danach erfolgt die Schildphase. Es gibt drei unterschiedliche Arten von Schaden, den die Spielenden dem Boss zufügen können: Nahkampf-, Fernkampf- und Magieschaden. Das Monster hat gegen jede dieser Angriffsarten Resistenzen. Diese müssen immer zuerst überwunden werden, um der Bestie zu Leibe zu rücken.

Während der Aktionsphase führen die Spielenden reihum jeweils drei Aktionen aus. Es können Nah-, Fern- und Magieattacken ausgeführt werden. Eine besondere Form der Angriffe sind die sogenannten Unterstützungen. Diese können erst genutzt werden, wenn eine normale Attacke einer Schadensart bereits gespielt wurde.

Einige Karten ermöglichen Kettenzüge, sodass es möglich ist, mehrere Karten hintereinander zu spielen oder den anderen eine Bonusaktion zu ermöglichen. Das geschickte Aneinanderreihen dieser Aktionen ist ein tolles Spielelement, das unheimlich motivierend ist.

Zudem kann man mit Schutz- und Verteidigungskarten die Attacken des Monsters abwenden. Da man diese Karten nicht nur auf sich selbst anwenden kann, ist es sehr wichtig, ihren Einsatz gut abzusprechen. Dadurch ist es häufig möglich, dass niemand Schaden nimmt. Mögliche Statuseffekte, wie beispielsweise Vergiftungen, können so ebenfalls verhindert werden. Mit besonderen Aktionen ist es auch möglich, besonders starke Sonderattacken zu verhindern.

Kommunikation am Spieltisch ist sehr wichtig. Sich gut abzusprechen, Aktionen und vor allem Aktionsketten gemeinsam zu planen, macht den entscheidenden Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus. Im Verlauf des Spiels entsteht so ein echtes Teamgefühl.

Ist es nicht gelungen, die Angriffe des Bosses abzuwehren, werden diese nun abgehandelt. Die Trefferpunkte der Spielenden werden im Übrigen nicht über die App verwaltet. Das ist gut, da so nicht sämtliche spielerischen Elemente abgenommen werden.

Die Trefferpunktezähler
Die Trefferpunktezähler.

Am Ende der Runde werfen die Spielenden die ausgespielten Handkarten ab und ziehen wieder auf ihr Handkartenlimit auf.

Während der epischen Schlachten stehen den Spielenden auch hilfreiche Items zur Verfügung. So können mit dem Rucksack weitere Handkarten gezogen und mit Heiltränken Lebenspunkte geheilt werden. Wenn nur ein*e Monsterjäger*in alle Lebenspunkte vor dem Boss verliert, haben die Spielenden den Kampf verloren.

Sollten sie jedoch siegen, kommen neue Karten, quasi der Loot, zum Deck hinzu. Hierfür gibt es Lootboxen, die erst geöffnet werden, wenn man dazu aufgefordert wird. So entwickeln sich die Spielcharaktere weiter und erhalten neue Fähigkeiten, indem sie leveln. Besonders diese Charakterentwicklung hat uns sehr gut gefallen. Zu sehen, wie die eigene Spielfigur immer stärker wird und dadurch die eigenen Spielzüge immer effektiver, hat dazu angespornt, weiterzuspielen.

Die Lootboxen
Die Lootboxen.

Viele Spielende sind nach wie vor Spielen mit App-Unterstützung gegenüber skeptisch, da der analoge Charme so verloren ginge. Bei Boss Fighters QR sorgt die perfekte Einbindung der App jedoch für einen schnellen Spieleinstieg und Ablauf. Das Spiel würde ohne die App nicht funktionieren, denn es werden sehr viele Verwaltungsaufgaben übernommen, die ansonsten die Spielenden durchführen müssten. Das würde den Schwierigkeitsgrad massiv steigern und der Spielspaß recht schnell auf der Strecke bleiben. Das wäre allerdings schade, denn Boss Fighters QR hat uns sehr gut gefallen und wir hoffen, dass weitere Inhalte für das Spiel erscheinen werden.

Ausstattung

Die anfänglichen Unterstützungsgegenstände
Die anfänglichen Unterstützungsgegenstände.

Das zentrale Element des Spiels ist die App, die technisch einwandfrei funktioniert. Das Einscannen der Karten ist sogar mit matten Sleeves einwandfrei möglich. Das Einzige, was uns leider fehlt, ist die Möglichkeit, das Einscannen von Karten rückgängig zu machen. In den Regeln wird zwar darauf eingegangen, dass es technisch schwierig umzusetzen sei. Dennoch wäre eben diese Funktion wünschenswert. Wir haben die App auch auf älteren Tablets getestet, auch hier lief sie einwandfrei.

Die gut geschriebenen Regeln leiten die Spielenden, begleitend zur App, Schritt für Schritt durch den Spielablauf und geben zwischenzeitlich hilfreiche Tipps. So kann man ohne langes Regelstudium schnell losspielen. Es liegt außerdem eine Anleitung bei, die im Detail zeigt, wie man das Spiel zurücksetzen kann.

Die Illustrationen erinnern an größere Computerspieltitel und sind gut gelungen, und der Sound trägt zur spielerischen Atmosphäre bei.

Boss Fighters QR Packshot
Boss Fighters QR Packshot

Die harten Fakten:

  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor*in(nen): Michael Palm, Lucas Zach
  • Illustrator*in(nen): Artur Fast, Maximilian Jasionowski, Bartłomiej Kordowski, Timo Mimus
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 40 – 60 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 2 bis 4 Personen
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Preis: 39,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus / Download-Content:

Die zum Spiel gehörige App kann kostenlos in den jeweiligen App-Stores heruntergeladen werden. Diese findet man bei Pegasus Spiele.

Fazit

Boss Fighters QR überzeugt als kooperatives Kartenspiel durch eine beeindruckend gelungene Fusion von analogem Spiel mit digitaler Unterstützung. Die Freiheit bei der Charaktererstellung, indem Charaktere frei kombiniert werden können, legt eine motivierende Grundlage für individuelle Spielstile.

Die wahre Stärke und Faszination des Spiels liegt jedoch in seinem Kernelement: dem deduktiven Kampfprinzip. Die Notwendigkeit, das Verhalten jedes Bosses genau zu studieren, vom Trainingsgegner Mr. Puppet bis zu den späteren Ungetümen, um ihre Schwachstellen zu identifizieren, verleiht dem Spiel eine strategische Tiefe, die stark an Souls-like-Spiele erinnert. Dieser deduktive Teil ist hervorragend umgesetzt und trägt maßgeblich zur Spannung bei.

Der Spielablauf, der in sieben Phasen unterteilt ist, fordert die Spielenden unaufhörlich zur Kommunikation auf. Das Absprechen von Aktionen und die gemeinsame Planung von Aktionsketten, insbesondere durch das geschickte Aneinanderreihen von Unterstützungs- und Kettenzügen, sind entscheidend für den Sieg und fördern ein echtes Teamgefühl. Besonders motivierend ist auch die Charakterentwicklung nach erfolgreichen Kämpfen, bei der neue Loot-Karten die eigenen Fähigkeiten sichtbar verstärken.

Die App-Integration, die über das Scannen von QR-Codes auf den Karten erfolgt, funktioniert technisch einwandfrei, sogar mit matten Schutzhüllen. Sie übernimmt alle notwendigen Verwaltungsaufgaben und sorgt so für einen schnellen und flüssigen Spielablauf, ohne den analogen Spielspaß zu schmälern. Lediglich die fehlende Möglichkeit, einen Scan rückgängig zu machen, ist ein kleiner Wermutstropfen.

Wer ein zugängliches, schnelles und überzeugendes Koop-Erlebnis mit modernem Twist sucht, bei dem die Technik sinnvoll in den Spielablauf integriert ist, findet in Boss Fighters QR ein absolutes Highlight – ideal für Familien und Spielgruppen, die sich gemeinsam einem epischen Endgegner stellen wollen.

Wir vergeben fünf von fünf Siegtrophäen.

  • Individuelles Verhalten der Monster
  • Innovativer Spielablauf
  • Gut funktionierende App
 

  • Schwächere Charakterkombinationen
  • Keine „Undo“-Funktion

 

Artikelbilder: © Pegasus Spiele
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Andreas Memmert

Das Spiel wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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