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Um den brutalen Prinzen zu töten, muss Wei ein fast unmögliches Gedicht schreiben, denn nur wahre Verbundenheit ist stark genug, um die tödliche Magie zu wirken. Doch wie kann man seinem Peiniger nah genug kommen? Shen Taos Debütroman The Poet Empress beantwortet die Frage auf grausame Art und Weise.

Yin Wei hat gerade ihr fünftes Geschwisterkind zu Grabe getragen, als an Neujahr der Aufruf die Runde macht, dass der Prinz und Thronerbe nach Konkubinen sucht. Obwohl Wei ihr Zuhause nicht verlassen will, weiß sie, dass sie am Hofe zu Macht und Einfluss kommen könnte. Mit diesem kann sie ihrer Heimat dringend benötigte Nahrung schicken und ihrem kleinen Bruder den Besuch einer Schule ermöglichen. Doch die Gerüchte um Prinz Terren lassen vermuten, dass dieser ohne Grund grausam und brutal ist. Bei der Auswahl der dreißig Frauen bestätigen sich diese und als ausgerechnet Wei zu seiner Verlobten ernannt wird, ahnt sie Schlimmes. Schnell wird ihr bewusst, dass dieser Mann das Reich niemals regieren darf, und sie beschließt seinen Tod. Doch der einzige Weg, ihn zu töten, ist das Herzseelengedicht, welches von jemandem geschrieben werden muss, der den Empfangenden tief und innig kennt und liebt. Doch wie soll sie einen Mann lieben, der sie täglich foltert und außerdem so unnahbar ist, dass sich selbst seine Brüder und Familie von ihm abgewandt haben? Und wie soll sie ein Gedicht schreiben, wo es ihr als Frau verboten ist, das Lesen und Schreiben und damit das Wirken von Magie überhaupt zu erlernen?

Triggerwarnungen

Alkoholismus, Folter, graphische Gewaltdarstellungen, Kindesmisshandlung, Mord, physische Gewalt,sexuelle Gewalt, Tod wichtiger Charaktere

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Story

Shen Tao erschafft in The Poet Empress eine faszinierende Welt, welche an chinesischer Geschichte und Mythologie angelehnt ist. Einige Bücher in dieser Nische der Phantastik, wie beispielsweise die Im Zeichen der Mohnblume-Trilogie von R.F. Kuang, haben in den letzten Jahren viele Lesende begeistert und auch der Debütroman der kanadischen Autorin muss sich hier nicht verstecken.

In der Geschichte folgen wir Wei, welche als Tochter einer Reisbauernfamilie in der ärmsten und von Hunger, Krankheit und Elend geplagten Gegend des Azaleen-Reiches aufwächst. Als sich ihr eine Möglichkeit eröffnet, ihrer Heimat zu entkommen und ihrer Familie zu helfen, ergreift sie diese und gelangt an den Hof der herrschenden Kaiserfamilie. Das Reich und die Welt insgesamt werden anschaulich beschrieben, besonders hervorragend sind jedoch die Charaktere dargestellt. Sowohl Wei als Hauptcharakter als auch die zahlreichen Nebencharaktere sind ausgefeilt beschrieben und ihre Handlungen stets nachvollziehbar. Wei bekommt es mit diversen höfischen Ränkeschmieden zu tun, welche nur ein Ziel haben: mehr Macht und damit mehr Einfluss zu generieren. Doch Wei hat zu Beginn ganz andere Sorgen, denn als Verlobte des Prinzen ist sie das Ventil für seine Brutalität und Grausamkeiten.

© Ullstein Jugendbuch

Terren als zweitgeborener Sohn des Herrschers wurde erst kürzlich zum Erben ernannt und muss nun standesgemäß seine Konkubinen benennen. Bei der Auswahl entscheidet er sich dafür, das unscheinbare Bauernmädchen Wei zur ersten Konkubine und damit zu seiner Verlobten zu ernennen. An ihr kann er seine Magie, welche ihn Schwerter erschaffen und kontrollieren lässt, nach Belieben ausprobieren. Weis und Terrens Verbindung zueinander scheint anfangs der Haupthandlungspunkt zu sein, doch schnell wird klar, dass die Geschichte viel tiefer greift.

Themen wie die Dynamiken in traditionellen fernöstlichen Kaiserfamilien und deren Höfen, die systematische Unterdrückung der Frauen durch das Verbot zu lesen und zu schreiben und besonders der Druck und die Erwartungshaltung innerhalb von Familien, und speziell von Eltern auf ihre Kinder, spielen eine große Rolle im Laufe der Geschichte. Damit Wei ihr Todesgedicht schreiben kann, muss sie nicht nur erst einmal die verbotene Kunst erlernen, sondern auch tief in die Vergangenheit von Terren und seinem älteren Bruder Maro eintauchen, um die Essenz seiner Persönlichkeit zu ergründen. Die Geheimnisse, die dabei zu Tage kommen, sind ebenso grausam wie erschütternd.

“Es stimmt, er hat gelitten. Aber wenn jeder, der leidet, zu einem Monster wird, würde die Welt von ihnen überrannt.“

Besonders erwähnenswert ist die innovative Art der Magie in der Welt. Sogenannte Literomanten können aus niedergeschriebenen Gedichten für die Ahnen im Gegenzug Magie von ihnen erhalten. Damit können je nach Macht des Schreibenden kleine Wunder wie Feuerwerke oder sprießende Bäume erschaffen werden, oder auch mächtige Zauber, wie der Spruch der Unverwundbarkeit, welcher Terren schützt. Die Söhne der Kaiserfamilie werden zusätzlich mit einem Symbol der Macht auf ihrer Wange geboren, welches sie extreme Formen einer bestimmten Magie wirken lässt. Dies dient sinnvollerweise auch als Handlungsanker für die Wichtigkeit der Konkubinen und deren potenziellen Kindern, denn mehr verschiedene Arten der Magie bedeutet mehr Macht für das Reich insgesamt.

© Ullstein Jugendbuch

Die Elemente der Magie, der Aufbau der Welt sowie die individuellen Geschichten der Hauptcharaktere greifen wunderbar ineinander und zu keiner Zeit fühlt sich etwas fehl am Platz an. Der Spannungsbogen bleibt das gesamte Buch über hoch. Selbst die Unterbrechungen der Haupthandlung für die Episoden in der Vergangenheit des Prinzen sind sinnvoll in die Geschichte durch Erzählungen und Tagebucheinträge eingewoben. Einziger Kritikpunkt am Buch ist das katastrophal falsche Marketing als Romantasy-Jugendbuch. Die Handlung beinhaltet keine romantisierte Enemies-to-Lovers-Geschichte und die im Buch beschriebenen Grausamkeiten sollten erst von einem erwachsenen Publikum konsumiert werden. Hier muss Ullstein als deutscher Verlag dringend noch nacharbeiten!

Schreibstil

Wie der Titel The Poet Empress vermuten lässt, ist der Schreibstil oftmals poetisch und voller wunderbarer Metaphern und Beschreibungen. Diese sind jedoch zu keiner Zeit übermäßig oder unpassend. Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen. Vor einigen Kapiteln sind Gedichte vorangestellt, welche im Laufe der Handlung immer mehr Bedeutung bekommen. Hervorzuheben ist die angenehme Kürze der einzelnen Kapitel, was für einen Roman der epischen Phantastik nicht selbstverständlich ist. Auch die Übersetzung von Sybille Uplegger und Alicia Rein ist sehr gelungen und fängt die Besonderheiten der Sprache und Gedichte gekonnt ein.

„Weh ist dem Fisch, der Teich ist sein Käfig.
Er spielt nie im Gras, noch spürt er den Wind.

Wie können wir sagen, wir hätten gelitten?
Wenn doch ein Fisch zwischen Bäumen nie schwimmt.“

Die Autorin

Shen Tao ist eine kanadische Autorin chinesischer Herkunft, welche heute in Seattle lebt. Nachdem ihre ersten acht Manuskripte immer wieder von Verlagen abgelehnt wurden, ist ihr Debütroman The Poet Empress nun direkt ein internationaler Erfolg geworden.

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Erscheinungsbild

Die Darstellung einer in fernöstlicher Kleidung anmutenden Kaiserin umgeben von einer Schriftrollen mit chinesischen Schriftzeichen spiegeln den Titel und Inhalt des Buches gekonnt wider. Das Cover wirkt nicht zu überladen und fängt das Thema gut ein. Ein passend dazu gestalteter Farbschnitt nimmt die Elemente farblich auf und komplettiert das Design in der ersten Auflage. Unter dem Schutzumschlag des Hardcovers setzt sich die Gestaltung fort und nimmt einige Elemente aus dem Cover wieder auf.

© Ullstein Jugendbuch

Die harten Fakten:

  • Verlag: Ullstein Jugendbuch
  • Autorin: Shen Tao
  • Erscheinungsdatum: 29.01.2026
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger und Alicia Rein)
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 496
  • ISBN:978-3690860062
  • Preis: 21,99 EUR (Print) + 12,99 EUR(E-Book)
  • Bezugsquelle:Fachhandel, Amazon (deutsch), Amazon (englisch)

 

Fazit

Als das hungernde Bauernmädchen Wei zur Verlobten des Prinzen Terren und damit zukünftigen Kaiserin des Reiches ausgewählt wird, sollte das ein Freudentag in ihrem Leben werden. Doch der Prinz ist grausam und foltert sie beinahe täglich. Um sich selbst und das Reich zu retten, ergreift Wei den Plan, das Herzseelengedicht für ihn zu schreiben – eine intime Bekundung tiefer Verbundenheit und der einzige Weg, ihn zu töten. Doch die politischen Ränkespiele des Hofes, korrumpierende Machtverhältnisse und die emotionsgeladene Vergangenheit der Prinzenbrüder Terren und Maro legen ihr immer wieder Steine in den Weg.

The Poet Empress ist ein außergewöhnlicher Einzelband im Bereich der Phantastik, welcher mit poetischer Sprache, einer durchdachten und emotionalen Handlung und einem ausgeklügelten Magiesystem daherkommt. Umso beschämender für den deutschen Verlag ist es, dass dieses sehr erwachsene Buch als Jugendbuch und Romantasy vermarket wird, denn beides trifft in keinster Weise zu. Der Fokus liegt nicht auf der Romantik zwischen den Hauptcharaktere und die Handlung ist für ein erwachsenes Publikum geschrieben. Dieses darf nach unserer Empfehlung beherzt zugreifen und in ein düsteres Highlight der fernöstlich inspirierten Phantastik eintauchen.

  • Ambivalente Charaktere
  • Poetische Sprache und Gedichte
  • Emotionale Handlung
 

  • Falsche Verlagsvermarktung

 

Artikelbilder: © Ullstein Jugendbuch
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Alexa Kasparek
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