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Die Im Zeichen der Mohnblume-Trilogie begleitet die Waise Rin durch das von Krieg und inneren Konflikten zerrissenen Reich Nikan. Mit Hilfe eines Gottes gelingt ihr der Aufstieg vom armen Bauernmädchen zur gefürchteten Schamanin, doch wie weit darf sie gehen, um ihr Volk zu retten?

Im Süden des Kaiserreiches Nikan lebt die Kriegswaise Rin bei ihrer Tante und ihrem Onkel. Statt ein liebevolles Zuhause zu bekommen, wird sie von ihnen jedoch als billige Arbeitskraft ausgenutzt. Perspektivlos in einer Stadt voller Opiumsüchtiger, sucht sie verzweifelt einen Ausweg und findet ihn in einem Lehrer, mit dessen Hilfe sie die Aufnahmeprüfung an die berühmte Militärakademie von Nikans Hauptstadt Sinegard schafft. Dort angekommen soll sich ihr Leben zum Besseren wenden, doch mit ihrer dunkeln Hautfarbe und ihren Bauernmanieren ist sie unter den Sprösslingen der wichtigsten Amtsträger*innen des Reiches weiterhin eine Aussätzige.

Als der Krieg mit dem Nachbarreich Mugen erneut ausbricht, verändert sich plötzlich alles und die Hilflosigkeit angesichts der Übermacht weckt Kräfte in Rin, welche lang verborgen geblieben waren und eng mit ihrer Herkunft zusammenhängen. Von da an ist sie eine Waffe, welche das Schicksal der gesamten Nation formen wird. Doch die Grausamkeiten des Krieges erschüttern nicht nur Rin, sondern auch ihre Freund*innen und die gesamte Bevölkerung des Landes. Ob sie es schafft, die zerrissene Nation wieder zu vereinen und dabei sich selbst nicht zu verlieren, können Lesende über die drei Teile der Reihe Schritt für Schritt verfolgen.

Triggerwarnungen

Drogenmissbrauch, Genozid, Gewalt gegen Kinder, Kriegsverbrechen, Rassismus, selbstverletzendes Verhalten, Tod wichtiger Charaktere, Vergewaltigung

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Story

Der erste Band der Reihe mit dem Untertitel Die Schamanin fokussiert sich auf Rins Leben vor dem Krieg und vor allem im ersten Drittel des Romans wird die politische und ökonomische Struktur Nikans sowie seine Geschichte ausführlich erläutert. Einen großen Teil der Handlung verbringen wir außerdem an der Akademie von Sinegard und verfolgen Rins erstes Ausbildungsjahr dort mit all seinen Schwierigkeiten und Problemen. Mit Altan, Kitay und Nezha werden auch die wichtigsten Nebenfiguren der gesamten Trilogie eingeführt. Nach dem Ausbruch des Krieges mit der Nachbarinsel verändert sich die Geschichte massiv, und die Studierenden der Akademie werden unausgebildet in das Kriegsgeschehen mit hineingezogen. Rin entdeckt, dass sie Zugang zu einer Kraft hat, die anderen verwehrt bleibt, und zusammen mit Altan erforscht sie diese soweit, dass sie das Zünglein an der Waage im Krieg zugunsten ihres Reiches sein kann.

Die Konsequenzen von Rins Handeln im ersten Band werden in Teil Zwei mit dem Untertitel Die Kaiserin nahtlos aufgegriffen. Dreh- und Angelpunkt des Buches ist die Idee aus dem Kaiserreich Nikan eine Republik nach westlichem Vorbild zu formen, doch nicht alle Menschen sind damit einverstanden und es folgt ein Bürgerkrieg, in welchem Rin sich für eine Seite entscheiden muss.

Im finalen Band der Reihe namens Die Erlöserin findet sich Rin als zentrale Figur der Rebellion wieder. Nach Jahren des Daseins als Schachfigur der Mächtigen des Reiches, nimmt sie ihr Schicksal nun selbst in die Hand. Ehemals Verbündete sind nun Feind*innen und während sie sich auf dem Schlachtfeld gegenüberstehen, wird immer wieder die Frage laut, wie sehr Rin sich im Kampf um Nikan selbst verloren hat, und ob es noch eine Chance auf Versöhnung geben kann.

Im Zeichen der Mohnblume ist vor allem eins: eine Reihe über die Grausamkeiten und Folgen von Krieg. In diesen Romanen wird nichts romantisiert. Keine Schlachten, keine Erfolge, weder Siege noch Niederlagen kommen ohne Leid und Verlust aus. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich auf die Reihe einlässt. Dennoch gibt es auch Hoffnung. Zentrale Themen wie Widerstand und Rebellion im Angesicht einer feindlichen Übermacht oder die Identitätsfindung der Nation und der Protagonistin Rin sind wichtige Eckpunkte der Reihe. Rin als handelnde Person ist keineswegs perfekt, sondern ganz im Gegenteil: sie macht immer wieder schwerwiegende Fehler und muss lernen, mit den Konsequenzen zu leben. Je nach Sichtweise nimmt sie als Charakter sogar antagonistische Züge an, was vor dem Hintergrund der Gesamthandlung zu interessanten Spannungen zwischen den Figuren führt.

Ein trauriges Vorbild für die Reihe war der zweite chinesisch-japanische Krieg, in welchem mit dem Massaker um Nanking eine Reihe von grausamen Kriegsverbrechen von den Japanern an der chinesischen Zivilbevölkerung dokumentiert wurde. Wenn Lesende keine detailierte Beschreibung dieser lesen möchten, sollten sie Kapitel 21 des ersten Buches meiden. Dies ist problemlos möglich ohne wesentliche Teile der Handlung zu verpassen.

Schreibstil

Kuang hat mit der Im Zeichen der Mohnblume-Reihe Teile ihres Dissertationsthemas über Propaganda im diesem Krieg verarbeitet. Ihr tiefgehendes Wissen über Kriegsstrategien und die Auswirkung von Krieg und Propaganda auf die Bevölkerung lassen sich während des Lesens konsequent wiederfinden. Ihr Erzählstil ist daher sehr akademisch geprägt, was man vor allem in ihren Erstlingswerken an der präzisen und schnörkellosen Ausdrucksweise erkennt. Beschreibungen von beispielsweise Umgebungen gibt es nur da, wo sie für das Verständnis der Geschichte notwendig sind. Passiert zwischen zwei Handlungsbögen nichts, wird oftmals direkt zum nächten großen Ereignis vorgespult und Monate übersprungen. Man kann dies vor allem für ein High-Fantasy-Werk kritisieren, doch es sorgt dafür, dass die Handlung dicht ist und schnell voran schreitet, sodass zu keinem Zeitpunkt Langeweile beim Lesen aufkommt. Dennoch hätten sicher an der einen oder anderen Stelle Beschreibungen der Städte oder Landschaften über das Minimum hinaus zur Immersion der Welt beigetragen.

Denn obwohl die phantastische Welt eng an die Realität angelehnt ist, ist sie durchweg faszinierend aufgebaut. Zum einen gibt es das an China angelehnte Kaiserreich Nikan mit seinen 12 unterschiedlichen Provinzen. Die westliche Welt wird durch das hoch-technologische Land Hesperia dargestellt, welche sich nur bei Bedarf und zu ihren Bedingungen in Nikan einmischen. Zentrale Gegenpartei der Reihe ist die Langbogeninsel Mugen, klar an das japanische Kaiserreich angelehnt. Man könnte Kuang hier fehlende Kreativität vorwerfen, doch die Autorin hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, welche Inspirationsquellen sie für die Im Zeichen der Mohnblume-Reihe genutzt hat.

In der Beschreibung des Magiesystems, im Buch Schamanismus genannt, hat sich die Autorin dann wieder an der chinesischen Mythologie bedient und Götterwesen wie den Phönix oder den Drachen genutzt, welche den Protagonist*innen der Geschichte ihre Fähigkeiten leihen. Damit einher gehen somit unterschiedliche elementare Kräfte wie das Phönix-Feuer oder die Macht, Wasser, Erde oder Stürme zu kontrollieren. Hier strahlt die Reihe vor Kreativität und es hätte gern noch mehr Nutzung dieser Elemente geben dürfen.

Die Übersetzung der Reihe einheitlich aus der Feder von Michaela Link ist durchweg gut gelungen, ebenso das Lektorat.

Die Autorin

Rebecca F. Kuang ist US-Amerikanerin chinesischer Herkunft und hat in ihrer kurzen Karriere schon diverse Preise, unter anderem den Nebula-Award für ihre Werke gewonnen. Im Zeichen der Mohnblume ist ihr Erstlingswerk, weitere Romane sind Babel und Yellowface. Ihr neuster Roman kommt unter dem Namen Katabasis im August 2025 auf den deutschen Markt.

Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild der gesamten Trilogie ist stilistisch einheitlich. An Tuschezeichnungen erinnernde Illustrationen der Protagonistin Rin in unterschiedlichen kämpferischen Posen und Farben arrangiert, deuten die Cover auf das fernöstliche Setting hin, ohne in Klischees abzudriften. Der Klappentext auf den Rückseiten der Bücher ist angemessen in Länge und Umfang. Zusätzlich gibt es im Inneren des Buches die übersetzte Karte Nikans aus der englischen Originalausgabe zur Übersicht über das Reich und einige wichtige Orte, die im Laufe der Handlung eine Rolle spielen.

 

Im Zeichen der Mohnblume 1 – Die Schamanin

  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • Autorin: R. F. Kuang
  • Erscheinungsdatum: 20. Januar 2020
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Amerikanischen Englisch übersetzt von Michaela Link)
  • Format: Paperback
  • Seitenanzahl: 672 Seiten
  • ISBN:978-3734162220
  • Preis: 17,00 EUR (Print) + 9,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon (deutsch), Amazon (englisch)

 

Im Zeichen der Mohnblume 2 – Die Kaiserin

  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • Autorin: R. F. Kuang
  • Erscheinungsdatum: 16. November 2020
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Amerikanischen Englisch übersetzt von Michaela Link)
  • Format: Paperback
  • Seitenanzahl: 800 Seiten
  • ISBN:‎ 978-3734162312
  • Preis: 17,00 EUR (Print) + 9,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon (deutsch), Amazon (englisch)

 

Im Zeichen der Mohnblume 3 – Die Erlöserin

  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • Autorin: R. F. Kuang
  • Erscheinungsdatum: 16. Mai 2022
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Amerikanischen Englisch übersetzt von Michaela Link)
  • Format: Paperback
  • Seitenanzahl: 784 Seiten
  • ISBN:‎ 978-3734163234
  • Preis: 17,00 EUR (Print) + 9,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon (deutsch), Amazon (englisch)

 

Bonus/Downloadcontent

Mit The Drowning Faith gibt es eine leider bisher nur auf Englisch erschienene Sammlung dreier Kurzgeschichten aus Nezhas Sichtweise, welche laut der Autorin bestenfalls nach dem fünften Kapitel des dritten Buches gelesen werden sollten. Diese Kurzgeschichten stehen kostenlos auf einer WordPressseite als PDF zur Ansicht oder zum Download zur Verfügung. Das knapp 15 Seiten umfassende Dokument dient als sinnvolle Ergänzung zur Charakterentwicklung, ist jedoch vollkommen optional zum Verständnis der Gesamtgeschichte.

 

Fazit

Als das Waisenmädchen Rin aus der Armut der Provinz an die Militärakademie flieht, glaubt sie, ihrem trostlosen Schicksal endlich entkommen zu sein. Doch Diskriminierung und Ungerechtigkeiten holen sie auch hier ein und als der Krieg zwischen dem Kaiserreich Nikan und der Nachbarinsel ausbricht, wird sie gezwungen, mit den anderen Studierenden zu kämpfen. Als der Phönixgott des Feuers ihr durch einen Handel Macht verleiht, scheint sich ihr Schicksal zu wenden. Doch mit großer Macht kommt Verantwortung und die Pflicht, diese Macht zum Gefallen derer einzusetzen, die Rin kontrollieren.

Die Im Zeichen der Mohnblume-Reihe erzählt eine Geschichte angelehnt an den zweiten chinesisch-japanischen Krieg in einem phantastischen Setting mit Göttermagie und doch so nah an der Realität und aktuell, dass es teilweise schwer zu ertragen ist. Kuangs schnörkelloser Schreibstil unterstreicht die Grauen des Krieges ebenso wie die Entwicklung ihrer Hauptfigur Rin von einem unscheinbaren Mädchen zu einer Kriegerin wider Willen.

Wer sich in die grausamen Abgründe einer Kriegsgeschichte im phantastischen Gewand begeben will, bekommt mit der Im Zeichen der Mohnblume-Reihe eine außergewöhnlich dichte Handlung mit schweren, aber wichtigen Themen serviert.

 

  • Glaubhafte, imperfekte Charaktere
  • Realistische, nicht glorifizierte Darstellung von Krieg
  • Emotionale und aufwühlende Handlung
 

  • Schmuckloser Schreibstil

 

Artikelbilder: © Blanvalet
Layout und Satz: Konstantin Paessler

Lektorat: Sabrina Plote
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