Vorlage für Cons sind meistens Fantasywelten oder bestehende Fandoms. Doch auch historische Ereignisse bieten sich als vielversprechende Spielvorlage an. Wir werfen einen Blick auf eine mögliche Con mit dem Schwerpunkt auf Belagerungskampf und Konfliktspiel: Der Boxeraufstand im China im Zeitalter des Imperialismus, genauer die Belagerung der ausländischen Botschaften in Peking.
![Kaiserinwitwe Cixi, Herrscherin Chinas zur Zeit der Boxer-Unruhen. Eingescannt aus Che Bing Chiu; Gilles Baud Berthier (2000) Yuanming Yuan : Le jardin de la clarté parfaite [Yuanming Yuan: The Garden of Perfect Clarity], Besançon: Editions de l'Imprimeur ISBN: 978-2-910735-31-9.](https://i0.wp.com/www.teilzeithelden.de/wp-content/uploads/2024/05/1.jpg?resize=184%2C300&ssl=1)
Eine Inspirationsquelle für Cons können historische Ereignisse sein, die sich als Vorlage und Ausgangspunkt für spannende Veranstaltungen anbieten. Aus diesem Grund haben wir vor einiger Zeit eine kleine Artikelreihe über verschiedene historische Ereignisse begonnen, die sich als Szenario anbieten. Dieser Artikel setzt die Reihe nun fort. Ich beschreibe dazu kurz den historischen Hintergrund und die beteiligten Parteien und Personen, die als Vorlage für eigene Charaktere und Fraktionen auf der Con dienen können. Außerdem gebe ich einen kurzen Überblick über mögliche Handlungsstränge und natürlich, was für eine Art Con sich hier anbietet.
Das heutige Szenario, das wir uns gemeinsam anschauen, ist der Boxeraufstand in China, bei dem sich Chinesen um das Jahr 1900 gegen Kolonialismus und Fortschritt auflehnten.
Rassismus
A. Der historische Hintergrund
Das Vorspiel: China auf dem Weg zur ausländischen Kolonie
Im 19. Jahrhundert fand zwischen den weltweit führenden Industriemächten ein Wettrennen darum statt, wer sich mehr Erdteile untertan machen kann – der Imperialismus. Angetrieben von kapitalistischer Gier, falsch verstandener evolutionärer Konkurrenz und der Angst, zurückzubleiben wurde dank neuer Technik noch das letzte weiße Fleckchen auf den Landkarten erkundet, vermessen und in Besitz genommen. Ein gnadenloser Wettlauf, der letztendlich in den Ersten Weltkrieg führte.
Unbeeinflusst von diesem Wettstreit blieb auch China nicht. Rund hundert Jahre zuvor selbst noch die größte Macht der Erde, war das chinesische Reich in den Folgejahren durch eine Kombination aus klimatischen Veränderungen, Abbau staatlicher Verwaltung und mangelndem technologischen Fortschritt in eine schwere, existenzgefährdende Krise geraten. Hungersnöte, Aufstände und zunehmend aufsässige Provinzherrscher destabilisierten das selbstverstandene Zentrum der Welt.

Diese beiden gegensätzlichen Entwicklungen führten dazu, dass auch China sich dem äußeren Einfluss irgendwann nicht mehr entziehen konnte. Mehrere Kriege mit Großbritannien erzwangen eine Öffnung Chinas und seiner Märkte nach außen. Die Folgen dieser Kriege, erzwungener Opiumimport und die Quasi-Abtretung von einzelnen Küstenstädten als Freihäfen an England sorgten für weitere Unruhe im Land. Um nicht hinter Großbritannien zurückzubleiben, drängten dann auch bald weitere Länder auf die Abtretung von Küstenstädten, um sich ihren Einfluss in China zu sichern. Die Droge Opium wütete bald einer Epidemie gleich im Land. Noch stärker wirkten aber die mehr oder weniger fremdregierten Küstenstädte wie etwa Shanghai, Hongkong oder auch das deutsch regierte Tsingtau. Abseits der rückständigen chinesischen Regierung schwächten sie zwar China als Land weiter. Gleichzeitig boten sie aber fortschrittlichen chinesischen Denkern einen sicheren Hafen, um bisher verbotene oder unterdrückte Ideen weiterzuentwickeln. Hier entstanden wichtige Philosophien, aber auch chinesische Wirtschaftsunternehmen von bald globaler Bedeutung. Durch diese immer stärker werdenden kulturellen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen florierenden Küstenstädten und abgehängtem Hinterland wuchsen die politischen Spannungen in China immer weiter.
Im ganzen Land organisierten sich zunehmende nationalistische Gruppierungen, die für ein starkes unabhängiges China eintraten und jeglichen ausländischen Einfluss gewaltsam aus dem Land vertreiben wollten. Die einflussreichste dieser Bewegungen war die der „Fäuste der Gerechtigkeit und Harmonie“. Im Ausland wurden sie aufgrund ihrer Kampfkunstausbildung Boxer genannt.
Die Aktionen der Boxer-Bewegung entwickelten sich von lokalen Unruhen bis zu einem landesweiten Aufstand, einer Revolution gegen allen ausländischen Einfluss. Mit der Ermordung des deutschen Botschafters eskalierte dann ein jahrzehntelanger Konflikt in einem offenen Krieg. Um den Aufstand niederzuschlagen, wurde eine internationale Mission entsandt, in der von Deutschland über Großbritannien, Frankreich, USA bis hin zu Japan jede Nation beteiligt war, die irgendwie Ansprüche in China gestellt hatte. Während diese nach ihrem Eintreffen den Aufstand schnell niederschlugen, entwickelte sich in der chinesischen Hauptstadt Peking ein ganz besonderes Drama.
Die Belagerung von Peking
Jede Nation, die Einfluss in China haben wollte, hatte die Chinesen im Laufe des 19. Jahrhunderts gezwungen, sie eine Botschaft in Peking errichten zu lassen. Die ausländischen Botschaften, zusammengelegen im Gesandtschaftsviertel, wurden natürlich als erstes Ziel der Aufstände und ausländerfeindlichen Unruhen. Gefangennahme hätte für jeden in der Botschaft den sicheren Tod bedeutet.
Anders als in den Küstenstädten war eine schnelle Rettung durch ausländische Truppen unmöglich.
Das Botschaftspersonal inklusive Botschafter, Soldaten, Verwaltungsbeamten, Krankenschwestern, Familien des Personals und Hausangestellten verbarrikadierte sich daher im Botschaftsviertel und hoffte, lange genug aushalten zu können, bis Hilfe eintraf.
Die Straßen der chinesischen Hauptstadt waren unter Kontrolle der nationalistischen Aufständischen, immer wieder versuchten diese, die Botschaft zu stürmen. Nachts brannte Feuer in den Straßen, Schüsse und Kampfgeräusche drangen durch den Rauch. Menschengruppen zogen durch das dunkel. Und im Inneren stand mitnichten eine geeinte Front. Egal ob Japaner oder Franzosen, Deutsche oder Briten, jede der hier vertretenen Nationen hielt sich für die überlegene Menschenrasse. Deutsche trauten Franzosen ebenso wenig wie Briten Russen. Schließlich wusste doch jede, dass die anderen Rassen der eigenen unterlegen waren. Lediglich das Wissen, dass man nur gemeinsam die Verteidigung aufrechterhalten kann, zwang die Belagerten zur Kooperation. Dabei stand überlegene Waffentechnik zahlenmäßiger Unterlegenheit und schwindenden Vorräten gegenüber. Während man anfangs noch per Telegraf über das Weltgeschehen informiert wurde und der näherrückenden Rettung folgen konnte, endete diese Kommunikationsader nach draußen bald mit der Kappung der Telegrafenleitung. Nun war man ganz auf sich gestellt in einer Stadt voll Feinde. Würde die Rettung Morgen eintreffen oder erst nächste Woche? Oder würde eine der nach Ländern organisierten Barrikaden brechen und alle dem Untergang weihen?

Letztendlich hielt das Botschaftsviertel trotz schwindender Ressourcen und rassistischer Spannungen knapp zwei Monate der Belagerung stand, bis schließlich Briten, Amerikaner, Franzosen, Russen und Japaner das Botschaftsviertel erreichten und die Belagerung beendeten.
Ebenso wie den Boxeraufstand selbst, an dessen Ende sich China einem demütigenden Vertrag unterwerfen musste. Langfristig änderten jedoch die Europäer als Folge des Aufstandes ihre Strategie und setzten auf mehr indirekte Kontrolle. Japan hingegen baute seine imperiale Ambition aus und sollte bis in die 1930er-Jahre große Teile Chinas erobern und bestialische Massaker anrichten.
B. Die Umsetzung als Con
Wie kann man ein so dramatisches wie komplexes Szenario als Con umsetzen?
Vor allem durch den Fokus auf einen Teil des Geschehens. Hier bietet sich die Botschaftsbelagerung sehr gut an, weil man eine beengte Szenerie hat und die immer wieder in Wellen angreifenden Boxer fast schon dem Standard-Kampf-NSC-Einsatz entsprechen. So umgeht man als Orga das Problem, dass man kaum tausende NSC auftreiben kann, die die drastische zahlenmäßige Überlegenheit der Boxer widerspiegeln.
Was uns jedoch zur nächsten großen Frage führt. Welche Seite bespielen wir und welche Seite überlassen wir NSC? Schließlich sind uns aus der belagerten Botschaft mehr Personen und Rollen bekannt, aber gleichzeitig bietet es sich ebenso an, als Boxer von außen den Widerstand der fremden Invasoren durchbrechen zu wollen.
Auch ein Spieler*innen gegen Spieler*innen-Szenario ist möglich.
Daher blicken wir nun am besten auf alle Seiten.
1. Mögliche Charaktere und Fraktionen
Im Inneren der belagerten Botschaften bieten sich so viele wie eindeutige Fraktionen an. Deutschland, Japan, Großbritannien, Frankreich, Japan, Russland und die USA hatten Botschaften in Peking, jedes dieser Länder kann daher als eigene Fraktion bespielt werden. Auch das Botschaftspersonal war mehr oder weniger identisch. Der Botschafter selbst und seine Assistenten bildeten den Kern, dazu kamen deren Familien sowie das jeweilige Hauspersonal und andere Angestellte. Hauspersonal reicht dabei von Dienern über Zimmermädchen bis hin zur Köchin und der Küchenhilfe.
Religiöser Beistand in Form von Vertretern der jeweils mitgebrachten Religion war natürlich auch vorhanden. Ebenso hatte jede Botschaft ein Kontingent von Soldaten zum Schutz. Auch befanden sich chinesische Hilfsarbeiter im Botschaftsviertel, die als Hilfskräfte der Ausländer*innen von den Boxern ebenfalls keine Gnade zu erwarten hatten.
Historisch verteidigte jedes Land mehr oder weniger eine Barrikade an den Grenzen des Botschaftsviertels, eine direktere Zusammenarbeit wurde zumindest anfangs vermieden, im weiteren Verlauf der Belagerung kann sie aber erzwungen werden. Je nach Rolle, die man spielt, hätte man eine ganz andere Conerfahrung. Als Köchin etwa sorgt man sich in Zusammenarbeit mit dem Hausverwalter eher darum, die eigenen Nahrungsvorräte möglichst stabil zu halten, sei es durch clevere Rationierung oder durch nächtliche Diebestouren zu unvorsichtigen Nachbarn.
Als Frau eines Botschafters macht man hingegen eher das, was damals erwartet wurde, man hilft bei der Versorgung von Verwundeten und übernimmt die Aufgaben von Krankenschwestern.
Männliches Hauspersonal hat weiterhin die Aufgabe, den Botschafter und seine hochgestellten Assistenten standesgemäß zu umsorgen, kann aber auch mit der Waffe in der Hand losziehen, um bei der Verteidigung zu helfen, wenn Not am Mann ist.
Überhaupt muss der Kampf nicht auf einzelne Personengruppen beschränkt werden. Es geht schließlich um alles oder nichts, da kann jeder in die Bresche springen und seinen Mann, oder eben auch seine Frau, stehen. Während die Offiziere der Soldaten länderübergreifend ihre Verteidigungsstrategie planen, müssen sie sich gleichzeitig mit ihren jeweiligen Botschaftern auseinandersetzen, wenn sie etwa Hilfe oder Ressourcen der anderen Länder brauchen. Die Geistlichen wiederum können als Heiler agieren und gleichzeitig ihre moralische Unterstützung geben. Denn nichts motiviert so sehr wie zu wissen, dass Gott auf der eigenen Seite steht. Ungeachtet der Tatsache, dass allein im Botschaftsviertel vier Religionen und Konfessionen mit Alleinvertretungsanspruch anwesend sind. Wem die einschlagenden Granaten also noch nicht für genug Konflikt sorgen, kann hier gerne eine theologische Debatte vom Zaun brechen.
Außerhalb der Barrikaden auf Seiten der Boxer sieht die Lage auch nicht viel einfacher aus. Neben dem einfachen Boxer vom Land, der für die Freiheit seines Landes kämpft, gibt es auch zahlreiche Plünderer*innen und andere Gestalten, die das Chaos lieben und nur ihren Vorteil suchen. Zugleich gibt es auch noch die reguläre chinesische Armee. Diese ist hin und hergerissen zwischen dem Wunsch, die verhassten Fremden aus dem Land zu vertreiben und der Abneigung auf den wild gewordenen Pöbel, dem man selbst nicht so ganz traut und den man höchstens als hilfreiches Werkzeug sieht. Wer immer den Angriff auf die Verteidigungen plant, sieht sich dabei einem technologisch haushoch überlegenen Gegner gegenüber, dessen improvisierte Verteidigungen man nicht so einfach übernehmen kann. Der eigene Vorteil gegenüber den feindlichen Granaten und Maschinengewehren ist die zahlenmäßige Überlegenheit und die Beweglichkeit. Angreifen kann man von überall und Verluste kann man ersetzen. Wohingegen im Innern der Barrikade die Munition ebenso schnell knapp wird wie Wasser und Nahrung. Auch bei den Boxern gibt es neben den Kämpfer*innen geistliche Unterstützung. Prediger und andere inspirierte Akteure, die die Massen aufputschen und anfeuern.
2. Möglicher Plot und mögliches Szenario:
Was nun aber kann man auf der Con als Orga alles planen, wenn man mehr als zwei SC-Gruppen haben will, die ein Wochenende aufeinander einprügeln?
Zum einen kann man mit der Stimmung spielen. Für beide Seiten gibt es ein Zeitlimit. Die Belagerung geht nicht ewig, es sind Entsatztruppen auf dem Weg und sobald diese eintreffen ist die Belagerung vorbei. Das gibt den zahlenmäßig unterlegenen Belagerten Hoffnung und setzt die Angreifer unter Druck.
Zumindest, solange erstere wissen, dass Hilfe kommt. Hier kann man aber als Orga im passenden Moment die Verbindung nach außen kappen und die Belagerten sich selbst überlassen. Zwar ist bei den meisten Cons relativ ersichtlich, wann die Endschlacht und das Ende der Con eintrifft. Aber auch hier kann man ja variabel sein. Und wer ständig angegriffen wird, für den macht es schon einen Unterschied, aber man bis OT 17 Uhr oder bis OT 20 Uhr aushalten muss.
Wenn nun die Orga als „Ausland“ anfangs per Telegraf immer wieder den Status der Entsatztruppen durchgibt, so kann sie diese Verbindung irgendwann ausfallen lassen und die Belagerten sind auch sich gestellt. Es sei denn, sie versuchen selbst, jemanden hinauszuschicken, der Informationen sammelt und wieder zurückkommt.
Wenn die Angreifer NSC oder GSC sind, kann die Orga nach einer gewissen Zeit Angriffe mit größerer Heftigkeit losschicken, dass die Belagerten teilweise aus ihren Stellungen zurückgedrängt werden. Je nach Location können sogar bestimmte Gebäude(teile) dauerhaft fallen und ihre Position so schwächen.
Auch bieten sich Unglücke oder schlichtes Pech an, um knappe Ressourcen noch knapper zu machen. Ein direkter Treffer auf einen Vorratsraum etwa sorgt dafür, dass eine Fraktion keine Nahrung mehr hat und bei den anderen Gruppen betteln oder stehlen muss.
Krankheiten können ebenfalls ausbrechen, die von den Spieler*innen behandelt werden müssen, wenn sie nicht ganz ohne Feineinwirkung dahinscheiden möchten.
Besonders für die Angreifer*innen hingegen wirkt die näherrückende Entsatzmacht als Timer. Hier kann die Orga immer wieder neue, teils richtige, teils falsche, Gerüchte streuen, wie nah die feindlichen Truppen schon sind und wie viel Zeit man noch zum Überwinden der Verteidigungen hat. Und nicht nur bei einem Szenario, in dem Spieler*innen gegen Spieler*innen kämpfen, muss natürlich nicht der historische Ausgang dem Ausgang der Con entsprechen.
Und für alle Verteidiger*innen zählt natürlich nicht nur, zu überleben. Je wichtiger man für das Überleben aller war, desto besser steht man hinterher mit seinem Anspruch auf China da. Oder vielleicht bietet sich doch die Möglichkeit, mit einem Dolchstoß in den richtigen Rücken zum richtigen Zeitpunkt einen lästigen Konkurrenten loszuwerden?
3. Location
Eine Location für eine solche Con sollte die Möglichkeit bieten, möglichst viele Gruppen räumlich voneinander zu trennen. Während man den Angreifer auch in Zelten unterbringen kann, sollte der Verteidiger in bespielbaren Räumlichkeiten lagern, die er verteidigen muss. Denn im Prinzip findet die Con ja in sehr klar begrenzten beengten Verhältnissen statt. Ideal wären vielleicht auch mehrere nebeneinanderstehende Hütten. So könnte jede Hütte als Botschaft eines Landes dienen, die alle gemeinsam verteidigt werden müssen.
Fazit
Die Belagerung von Peking hat das Potential zu einer spannenden kräftezehrenden Belagerungscon.
Je nach Wunsch kann man sie als klassische Non-Fantasy-Kampfcon oder auch als Nordic-Larp nach Vorbild der tschechischen Legion: Siberian Story umsetzen. Theoretisch ist sogar ein Schwerpunkt auf die Intrigen im Innern der Botschaften möglich, bei dem die Angreifer nur eine unspezifische Hintergrundgefahr darstellen.
Zeitlich bietet sich auch eine Con im Steampunk-Genre an, fand die Belagerung doch in der Hochzeit des Victorianischen Zeitalters statt.
Ein Punkt, den man jedoch unbedingt beachten muss und den ich daher explizit als Schlussanmerkung dieses Artikels betonen möchte, ist das Thema Rassismus.
Wie bereits oben erwähnt, war die Zeit des Boxeraustands, die Jahrhundertwende von 19. und 20. Jahrhundert eine Hochphase des Rassismus. Jede Nation verstand sich nicht nur als eigene Ethnie, sondern auch als eigene Menschenrasse mit entsprechend eigenen Fähigkeiten und Eigenarten. Wobei es sich von selbst versteht, dass natürlich jede Nation der Meinung war, die eigene Rasse wäre die stärkste, die beste Rasse und entsprechend schaute man dann auch auf seine Nachbarn hinunter. Dieses Rassendenken war nicht nur eine Triebfeder der Welteroberung, es sorgte verständlicherweise nicht unbedingt für einen freundlichen Umgang mit anderen „Rassen“. Als Engländer schaute man etwa verächtlich auf die französische Rasse hinunter und umgekehrt. Viele rassistische Bezeichnungen sind im Laufe der Zeit verloren gegangen, aber einige rassistische Beleidigungen haben leider auch noch bis in unsere Zeit im aktiven Wortschatz überdauert. So essentiell das rassistische Gedankengut zum Umgang aller Beteiligten dieses Szenarios miteinander ist, so sollte man als Orga im Vorfeld klar Grenzen setzen, was auf der Con erlaubt ist und was nicht. Wo genau diese Grenzen liegen, kann ich hier nicht klar sagen. Diese variieren je nach Größe oder Gruppe der Teilnehmer*innen, Rahmen der Con und ähnlichem. Was man als Orga aber auf jeden Fall machen muss, ist im Vorfeld deutlich abzuklären, wo die Grenzen jeweils sind, um für alle eine harmonische Con zu gewährleisten. Nur wenn im Vorfeld klar ist, wie intensiv oder heftig es wird, kann man sich überlegen, ob man mitmachen will oder nicht.
Was davon abgesehen selbstverständlich, aber trotzdem nochmal betont, grundsätzlich eine rote Linie sein muss, ist das Ausüben von echtem Rassismus. Hier muss man als Orga entsprechend wachsam sein, dass niemand teilnimmt, der das Szenario nutzt um seinen Hass etwa auf Chinesen, Deutsche, Russen oder sonst jemanden unter dem Deckmantel, es sei doch nur Spiel, auszuleben.
Artikelbilder: gemeinfrei via Wikimedia Commons, Details wie angegeben
Titelbild: Amédée Forestier, The Illustrated London News.
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Nina Horbelt


















