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30 Tage hat der junge Coen Zeit, seine Familie zu retten. Hierfür kann er seine Talente als Schwertkämpfer nutzen oder als Kreatur der Nacht Mensch und Monster zerreißen. Das am 03.09.2026 erschienene düstere Vampir-Rollenspiel The Blood of Dawnwalker verspricht ein dynamisches und abwechslungsreiches Gameplay im Herzen einer lebendigen Spielwelt.

Mit The Blood of Dawnwalker (kurz: Dawnwalker) erscheint der erste Titel des polnischen Studios Rebel Wolves, das 2022 von Konrad Tomaszkiewicz gegründet wurde. Tomaszkiewicz war zuvor für CD Project Red tätig und ist vor allem für seine Arbeit an The Witcher 3: Wild Hunt bekannt. Es ist demnach also kaum verwunderlich, dass die Erwartungen an Dawnwalker alles andere als niedrig sind. Hinzu kommt, dass der Wunsch nach einem fesselnden Vampir-Rollenspiel spätestens nach dem negativen Feedback zu Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2, das im vergangenen Jahr erschien, bei vielen Spieler*innen groß ist. Dawnwalker tritt nicht nur in große Fußstapfen, es hat auch das Potenzial, eine schmerzliche Genre-Lücke zu füllen.

Bereits der Startbildschirm macht neugierig.

Für diesen Spieltest wurden die ersten 15 Stunden der Steam-Version des Spiels in englischer Sprach- und Textausgabe auf dem Schwierigkeitsgrad „normal“ ausprobiert. Dawnwalker kann sowohl mit Controller als auch mit Tastatur und Maus gespielt werden; für den Test wurde auf Letzteres zurückgegriffen.

Triggerwarnungen

Tod, explizite Gewaltdarstellung, Untote, Blut, Blutsaugen, Krieg, Krankheit

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Tod und Teufel im Sangora-Tal

The Blood of Dawnwalker spielt in einem fiktiven Europa des 14. Jahrhunderts, genauer gesagt im Sangora-Tal in den Karpaten. Mithilfe des Vampirfürsten Brencis haben die Menschen hier die Pest überstanden, die grausam wütete. Doch nun fordert der vermeintliche Retter einen Tribut: Alle erwachsenen Menschen haben wöchentlich von seinem Blut zu trinken und ihr eigenes anzubieten. Wer sich widersetzt, riskiert ebenso den Tod wie diejenigen, die sich schwach und somit unwürdig vor Brencis und seinen blutsaugenden Begleiter*innen präsentieren. An den Rand der Verzweiflung getrieben entscheidet sich eine kleine Gruppe von Einwohner*innen dazu, sich zur Wehr zu setzen. Unter ihnen ist auch der Protagonist des Spiels, ein junger Mann namens Coen.

Brencis und sein blutsaugender Hof.
Brencis und sein blutsaugender Hof.

Der Widerstand trifft keinesfalls auf Wohlgefallen; Fürst Brencis und sein blutsaugender Hof brennen Coens Heimatdorf nieder und lassen den jungen Protagonisten verändert zurück. Alsbald zeigt sich, dass Coen zum sogenannten Vrakhir – also zum Vampir – geworden ist. Ganz regulär ist seine Verwandlung allerdings nicht gelaufen, denn während er nachts mit Reißzähnen und Klauen ausgestattet ist, findet sich er sich tagsüber als ganz normaler Mensch wieder. Ihm bleibt nicht viel Zeit, diesen seltsamen Umstand zu überdenken, denn seine Familie wurde vom Vampirfürsten entführt. Coen erfährt, dass er 30 Tage Zeit hat, sie vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Coen hat nicht lange Zeit, über seine Veränderung nachzugrübeln.
Coen hat nicht lange Zeit, über seine Veränderung nachzugrübeln.

Es ist leicht, sich die 50 bis 70 Spielstunden, die ein Durchlauf von Dawnwalker mit sich bringen soll, in der abwechslungsreichen und finsteren Spielwelt zu verlieren. Da Coens bedenkliche Situation Spieler*innen allerdings mit mitreißender Eile durch eine wunderbar fesselnde Geschichte treibt, ist es hinnehmbar, nicht jeden Stein umzudrehen. Die gefährlichen Sümpfe, schmalen Bergpfade und mysteriösen Ruinen lassen sich im Zweifelsfall auch in einem zweiten Spieldurchlauf erkunden.

Ein Kind zweier Welten

Coen ist ein junger Mann, der zu Beginn der Handlung mit seinen Eltern und Geschwistern in einfachen Verhältnissen im Sangora-Tal lebt. Er pflegt seine kranke Mutter, kümmert sich um seine jüngeren Geschwister und lernt den Schwertkampf von seinem Vater. Seine Welt verändert sich, als ein geplanter Aufstand gegen den vampirischen Herrn des Tals fehlschlägt. Coen bleibt als Dämmerblut zurück – er ist also halb Mensch und halb Vampir. Während er tagsüber als Mensch das Tal bereist und sich mit Schwert und Zauberei zur Wehr setzt, kann er nachts in veränderter Gestalt auf die Fähigkeiten eines Blutsaugers zurückgreifen. Vor allem dann, wenn der Bluthunger Coen überwältigt und er ungewollt einen soeben geretteten Reisenden aussaugt und tötet, offenbart sich sein moralisches Dilemma. Getragen wird Coens Charakter insbesondere von seinem Synchronsprecher, Will de Renzy-Martin, den Spieler*innen unter anderem als Milil in Baldur’s Gate 3 und Marazhai Aezyrraesh in Warhammer 40,000: Rogue Trader kennengelernt haben.

Emotionen sind Coen nicht fremd, was ihn als Protagonist sympathisch macht. Er ist kein eiskaltes Monster der Nacht, sondern handelt für und mit seinem Umfeld und den Personen darin. Neben Verbündeten kann Coen auch Liebe finden; insgesamt drei mögliche Partner*innen lassen sich während des Abenteuers ausfindig machen. Rebel Wolves schreckt vor LGBTQ+-Repräsentation nicht zurück, denn neben zwei weiblichen steht Coen auch eine männliche Option zur Auswahl.

Bereits früh im Spiel trifft Coen auf Anca, eine von drei möglichen Partner*innen.
Bereits früh im Spiel trifft Coen auf Anca, eine von drei möglichen Partner*innen.

Eine Frage der Zeit

Coen hat 30 Tage Zeit, seine Familie zu retten. Während die reguläre Erkundung nicht dafür sorgt, dass die Zeit voranschreitet, ist bei dem Erledigen von Quests Vorsicht geboten. Eine Anzeige verrät, dass diese mit Zeitaufwand verbunden sind. Bereits im Prolog lernen Spieler*innen diese Mechanik kennen, denn während Coen Medizin für seine kranke Mutter besorgen soll, kann er beispielsweise ein ausgebüxtes Schwein oder einen verschollenen Dorfbewohner suchen, ein Lästermaul verprügeln oder Zeit mit der mysteriösen Heilerin am Dorfrand verbringen. Es ist möglich, mehrere dieser Dinge zu erledigen, wer jedoch jeden Quest-Marker auf der Karte abarbeiten möchte, wird feststellen, dass das zeitlich nicht umsetzbar ist. Spieler*innen müssen demnach Prioritäten setzen und sich gut überlegen, wie sie ihre Zeit investieren. Das schleichende Gefühl, sich nie ganz für das Richtige zu entscheiden, trägt zur düsteren Atmosphäre des Spiels bei und lädt zum Grübeln ein – insbesondere dann, wenn Spieler*innen mit den Konsequenzen ihrer Handlungen konfrontiert werden. Damit bringt Dawnwalker einer enormen Wiederspielwert mit, denn nicht erledigte Aufgaben können in einem zweiten Durchlauf angegangen werden.

Kampf und Fähigkeiten

Ob mit Schwert, Zauberei oder vampirischen Fähigkeiten – die Kämpfe in Dawnwalker sind herausfordernd gestaltet. Spieler*innen müssen ihre Attacken zeitlich geschickt einsetzen und in den richtigen Momenten blocken oder ausweichen. Ein Richtungsindikator hilft dabei, die eigene Attacke auszuführen oder aber zu erkennen, von wo ein gegnerischer Angriff zu erwarten ist. So lässt sich ein perfekter Block durchführen, der keine Ausdauer kostet. Spieler*innen, die es unkompliziert haben möchten, können die Option zum Auto-Blocken nutzen, die zwar Ausdauer kostet, aber keine Richtungsauswahl erfordert. Die Kämpfe können mehrere Minuten dauern und wer mit dem Kampfsystem von Kingdom Come Deliverance vertraut ist, wird sich hier rasch einfinden.

Während Coen sich tagsüber auf sein Schwert und seine magischen Fähigkeiten verlassen muss, kämpft er nachts mit Klauen und Zähnen. Er kann nach wie vor auch auf die Klinge wechseln, doch der Zugriff auf die Zauberei bleibt ihm nach Sonnenuntergang verwehrt. Aufgrund der insgesamt drei Talentbäume sind die Kämpfe abwechslungsreich; Spieler*innen können je nach Wunsch verschiedene Schwerpunkte setzen. Ohne Schwächen sind die brutalen Kämpfe in Dawnwalker allerdings nicht: Zum einen ist der Kampf gegen mehrere Gegner*innen insoweit dysfunktional, als diese aneinander hängenbleiben oder aus der Ferne zuschauen, wie ihre Mitstreiter*innen umgebracht werden. Zum anderen blockieren übergroße Hitboxen von Steinen und anderen Umgebungsdetails Coen, der im Kampf keinen Zugriff auf seine Sprung-Fähigkeit hat. Es kann außerdem passieren, dass die gezwungene Perspektive auf das aktuelle Ziel ein Wegbewegen blockiert. Im Spieltest kam es mehrfach vor, dass der Protagonist sich deshalb gar nicht mehr bewegen konnte und erschlagen wurde.

Der Kampf gegen mehrere Gegner*innen ist nicht optimal gestaltet.
Der Kampf gegen mehrere Gegner*innen ist nicht optimal gestaltet.

Ein Blick auf die Technik

Die für Dawnwalker genutzte Unreal Engine 5 ist notorisch für Performance-Probleme, was derzeit auf Steam und Reddit für angeregte Diskussionen sorgt und Raum für eine genauere Betrachtung schafft. Während des Spieltests auf zweihöchster Grafikstufe lief Dawnwalker flüssig und mit etwa 60 FPS. Mit aktivierter Nvidia DLSS ließen sich die FPS um etwa 25 % steigern. Es kam zu keinem Stocken, Standbildern oder vergleichbaren Problemen. Auf der höchsten Grafikstufe lief der Titel mit 30 bis 40 FPS und Stotterer waren zu bemerken. In den ca. 15 Stunden Spielzeit kam es zu einem Spielabsturz. Der für den Test verwendete PC verfügt über eine Ausstattung, die zwischen den minimalen (siehe unten) und den empfohlenen Systemvoraussetzungen liegt.

Die Menüführung von Dawnwalker ist intuitiv und übersichtlich gestaltet. Spieler*innen können bequem zu ihrem Inventar navigieren oder aber im Tutorial etwas nachlesen. Alle Talentbäume verfügen über Beschreibungen und bieten Hinweise an, was zum Lernen der gewünschten Fähigkeiten fehlt (beispielsweise ein Buch, aus dem Coen diese lernen kann). Besonders positiv ins Auge fällt darüber hinaus die Synchronisation der Charaktere, die in der angespielten englischen Version des Spiels durch eine maßgeschneiderte Auswahl von Sprecher*innen überzeugt. Die Dialoge vermitteln einen realitätsnahen und natürlichen Eindruck. Die musikalische Untermalung ist ebenfalls gelungen; vor allem in Action- und Kampfsegmenten sorgen atemberaubende Musikstücke für ein einmaliges Erlebnis.

An Schreinen kann Coen schnellreisen, neue Fähigkeiten auswählen und Gegenstände einlagern.
An Schreinen kann Coen schnellreisen, neue Fähigkeiten auswählen und Gegenstände einlagern.

Die harten Fakten:

  • Entwicklerstudio: Rebel Wolves
  • Publisher: Bandai Namco Entertainment
  • Plattform: PC, PlayStation 5, Xbox Series X, Xbox Series S
  • Sprache: 
    • Audio: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch
    • Text: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Tschechisch, Ungarisch, Japanisch, Koreanisch, Polnisch, Portugiesisch, Chinesisch, Türkisch
  • Mindestanforderungen:
    • Betriebssystem: Windows 10, DirectX12
    • Prozessor:  Intel Core i5-11400F oder AMD Ryzen 7 2700X
    • Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
    • Grafik: NVIDIA GTX 1060 oder Radeon RX 580
    • Speicherplatz: 60 GB
    • Sonstiges: Es wird eine SSD empfohlen.
  • Genre: RPG, Open World, Dark Fantasy
  • Releasedatum: 03.09.2026
  • Spielstunden: 50 bis 70 Stunden
  • Spieler*innen-Anzahl: 1
  • Altersfreigabe: ab 18 Jahren
  • Preis: ab 53,99 EUR (Standardspiel), 79,99 EUR (Eclipse Edition), 199,99 EUR (Collector’s Edition)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon (PC, PlayStation 5, Xbox Series X und S)

 

Fazit

Seit dem 03.09.2026 können Spieler*innen den jungen Coen auf seiner Reise durch das düstere Sangora-Tal begleiten. Das Dämmerblut möchte seine Familie aus den Klauen des Vampirfürsten Brencis befreien und hat dafür 30 Tage Zeit. Aufgrund dieser Eile ist es nicht möglich, alle Quests zu erfüllen; Coen muss sich entscheiden, welchen Weg er geht und mit den Konsequenzen leben. Dawnwalker bringt deswegen einen erhöhten Wiederspielwert mit sich, denn in einem nächsten Durchlauf können andere Optionen ausprobiert werden. Spieler*innen können viele einzigartige Nebencharaktere treffen, Verbündete finden und sogar eine Romanze eingehen. Doch auch Gefahren drohen an jeder Wegkreuzung.

Coen trifft viele furchtbare Kreaturen. 
Coen trifft viele furchtbare Kreaturen.

The Blood of Dawnwalker wurde nicht nur von Witcher– sondern auch von Vampir-Fans sehnlichst erwartet. Mit dem innovativen Quest- beziehungsweise Zeitsystem erzeugt Rebel Wolves echte Eile innerhalb einer sowieso schon fesselnden Handlung. Beim Kampfsystem schwächelt Dawnwalker allerdings: Kämpfe gegen mehrere Gegner*innen auf einmal sind nicht optimiert und die Bewegungsfreiheit des Protagonisten sorgt oft für ungerechtfertigte Niederlagen. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Updates Abhilfe schaffen, denn das Gesamtpaket von Dawnwalker überzeugt trotz stolzem Vollpreis im Spieltest. Damit legt Rebel Wolves einen soliden Grundstein für weitere bereits geplante Titel aus dem Dawnwalker-Universum. Rollenspiel- und Vampir-Fans haben also nicht zum letzten Mal von Coen gehört – zum Glück!

  • Fesselnde Handlung
  • Innovatives Quest- / Zeitsystem
  • Schwerwiegende Entscheidungen mit Konsequenzen
 

  • Kampf gegen mehrere Gegner*innen ist nicht optimiert
  • Eingeschränkte Bewegung im Kampf

 

 

Artikelbilder: © Rebel Wolves/Bandai Namco Entertainment
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Maximilian Düngen
Screenshots: Yola Tödt
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